Direkt zum Inhalt Direkt zur Suche Direkt zur Navigation Bereiche & Lehrstühle | Lehre & Studium | Forschung & Projekte

Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Dr. des. Sebastian Stopper

Foto
Name
Dr. des. Sebastian Stopper
E-Mail

 

 

 

Forschung

Dissertation/Forschungsprojekt: "Das Brjansker Gebiet unter deutscher Besatzungsherrschaft 1941-1943"

Im Mittelpukt des Promotionsvorhabens über das auch als "Partisanenrepublik" bekannte kernrussische Brjansker Gebiet wird die Bevölkerung der oblast' stehen. Auf Basis sich ergänzender sowjetischer und deutscher Quellen sowie der bisher veröffentlichten Fachliteratur soll der Ausnahmezustand einer militärischen "Besatzung" in seiner vielfältigen Wirkung begreifbar gemacht werden.

Im Rahmen eines ultimativen Feldzuges prallten in Brjansk zwei soziale Systeme aufeinander: Militär bekam den Auftrag, eine Zivilgesellschaft zu beherrschen. Neue Herrschaftsstrukturen aber auch Handlungsspielräume bildeten sich heraus. Der Zivilbevölkerung wurde eine erdrückende Steuer-, Abgaben- und Arbeitslast auferlegt, mit der sie unter den Bedingungen des Krieges an der nahen Front und einer wenig fürsorglichen deutschen militärischen Verwaltung zurechtzukommen hatte. Gegen alle Widrigkeiten musste es dennoch gelingen, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen und längerfristige Überlebensstrategien zu entwickeln.

Es entstanden Sphären der persönlichen Sicherheit bzw. Unsicherheit, in denen Furcht und Angst zu beherrschenden Handlungsmotiven wurden. Mit den Männern tot, an der Front, bei den Partisanen oder in Lagern lastete ein Grossteil dieser Verantwortung auf den russischen Frauen. Was bedeuteten diese enormen Belastungen und umfassenden Deformationen für Individuen und eine gesamte Gesellschaft, die sich in einem Spannungsbogen von Partisanentum, Sabotage und passivem Widerstand bis hin zu Formen des Arrangements mit den Besatzern und offener Kollaboration immer wieder neu zu positionieren hatte?

Gerade das Phänomen der Zusammenarbeit mit den deutschen Invasoren muss als die entscheidende Schnittstelle zwischen Besatzern und Besetzten sowie aufgrund seiner auffallenden Ausprägung berücksichtigt werden. Wie wurde es möglich, dass zehntausende Brjansker Bürger zusammen mit deutschen Verbänden Juden erschossen, Partisanen jagten und sogar gegen die Rote Armee kämpften? Ohne "die Russen" wäre an die Beherrschung des ausgedehnten Gebietes hinter der Front überhaupt nicht zu denken gewesen und die Besatzungsherrschaft hätte sich vollständig in Chaos aufgelöst. Das Brjansker Gebiet mit seinem einmaligen "Selbstverwaltungsbezirk Lokot" ist geradezu prädestiniert, neue Einblicke in die Funktionsweisen von Kollaboration zu geben. Die Biographien und Handlungsmotive der Einheimischen liegen noch völlig im Dunkeln. Gleiches gilt für ihr Schicksal nach der Befreiung der oblast' durch die Rote Armee im Herbst 1943 und während des zwei Jahre später beginnenden Brjansker Kriegsverbrecherprozesses. Eine gesellschaftliche Reintegration der "Verräter" aber auch der vom Sowjetsystem als unberechenbar eingestuften ehemaligen Partisanen konnte nur unter größten Schwierigkeiten erfolgen. Die Tatsache, dass noch 1951 letzte lokale Widerstandsgruppen gegen die Sowjetmacht vorgingen, drängt die Frage auf, wann für die Brjansker tatsächlich die Nachkriegszeit einsetzte.

 

 

Publikationen

Smert' nemeckim okkupantam? O voennoj ėffektivnosti partizanskogo dviženija v nemecko-sovetskoj vojne (po nemeckim istočnikam na materialach Brjanskogo regiona), in: Doklady Akademii Voennych Nauk, Nr. 3 (38) / 2009, S. 168.


Smert' nemeckim ėšelonam! Bor'ba brjanskich partizan protiv snabženija Vermachta (im Rahmen der am 22.09.2010 in Brjansk abgehaltenen Konferenz „Gedächtnis des Krieges“), Beitrag veröffentlicht im Internet unter http://scilib.debryansk.ru/text_news/pamyat_vojnu/shtopper.pdf, Herausgabe des gedruckten Sammelbandes noch ausstehend.


„Die Strasse ist deutsch.“ Der sowjetische Partisanenkrieg und seine militärische Effizienz. Eine Fallstudie zur Logistik der Wehrmacht im Brjansker Gebiet April bis Juli 1943, in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte 03/2011, S. 385 – 411.


Vzryv Golubogo mosta, Studia internationalia (Materialy meždunarodnoj naučnoj konferencii „Zapadnyj region Rossii v meždunarodnych otnošenijach XVII-XX vv.“ 22-24 ijunja 1941 g. - K 70-letniju načala Velikoj Otečestvennoj vojny), Brjansk 2011, S. 138 – 145.

 

 

Kurzvita

1982

geboren in Ehingen (Donau)

 

2002-2008

Magisterstudium der Neuen Geschichte, Geographie und Politikwissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen

 

09/07-02/08

DAAD-Stipendiat an der Staatlichen Universität Kazan

 

2008-2012

Promovend am Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas der Humboldt-Universität zu Berlin

 

05/09-07/09

Forschungsstipendiat des Deutschen Historischen Institutes Moskau

 

07/10-06/11

Jahresstipendiat des Deutschen Historischen Institutes Moskau