Hedwig Hintze wurde am 6. Februar 1884 als Hedwig Guggenheimer in München geboren. Sie wuchs in einem jüdischen Elternhaus auf und wurde christlich erzogen. Ihre hohe wissenschaftliche Begabung zeigte sich schon früh, ebenso ihr Wille, die Hürden, denen Frauen im wilhelminischen Bildungssystem begegneten, zu überwinden. Nach einer Ausbildung zur Französischlehrerin, die sie im Alter von 17 Jahren beendete, studierte sie an der Münchner Universität, vor allem Geschichte. 1908 wechselte sie nach Berlin und legte dort als eine der ersten Frauen das Abitur ab. Daraufhin begann sie 1910 an der Friedrich-Wilhelms-Universität mit ihrem Geschichtsstudium. Hier begegnete sie ihrem zukünftigen Ehemann, dem Verfassungshistoriker Otto Hintze, den sie 1912 heiratete. In den folgenden Jahren assistierte sie ihrem Mann, der bis 1920 eine Professur am Historischen Seminar innehatte und dann krankheitshalber emeritiert wurde. Außerdem studierte Hedwig Hintze Nationalökonomie und Philosophie und arbeitete an ihrer Dissertation. 1924 promovierte sie sich bei Friedrich Meinecke mit einem Kapitel ihres Buches über französische Verfassungsgeschichte, und zwar Æsumma cum laude". Vier Jahre später wurde sie mit ihrer Arbeit ÆStaatseinheit und Föderalismus im alten Frankreich und in der Revolution" habilitiert. Am 26. Oktober 1928 hielt Frau Dr. habil. Hintze ihre Antrittsvorlesung ÆBürgerliche und sozialistische Geschichtsschreiber der französischen Revolution" als Privatdozentin an der Friedrich-Wilhelms-Universität.
Sie lehrte an dieser Universität in den Jahren 1928-1933. Ihre Themen waren französische Verfassungsgeschichte und Französische Revolution, dazu bot sie Übungen und Seminare an. Daneben lehrte sie allgemeine französische Geschichte und arbeitete an weiteren Publikationen. Da ihr Mann wegen einer Augenkrankheit stark eingeschränkt war, unterstützte sie ihn bei seinen Arbeiten zur deutschen und europäischen Verfassungsgeschichte.
Hedwig Hintze stand den Sozialdemokraten nahe und publizierte in ÆDer Gesellschaft", dem theoretischen Organ der SPD. Sie beteiligte sich am wissenschaftlichen Zirkel um Meinecke und Hintze, der sich einmal monatlich in der Wohnung der Hintzes am Kurfürstendamm traf . Hauptsächlich rezensierte sie in der HZ die französischsprachige Literatur, daneben publizierte sie über die französischen Historiographie.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde diese Hochschullaufbahn abrupt beendet. Am 2. September 1933 wurde Hedwig Hintze aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus dem Hochschuldienst entlassen. Schon im Mai 1933 hatte Meinecke sie aus der Redaktion der HZ ausgeschlossen. Im Anschluß daran trat Otto Hintze als Mitherausgeber der HZ zurück.
Hedwig Hintze ging daraufhin 1933 zu einem Forschungsaufenthalt nach Paris, kehrte dann jedoch 1935 nach Berlin zurück. Im August 1939 emigrierte sie endgültig aus Deutschland in die Niederlande. Nach dem Tod ihres Mannes 1940 erhielt Hedwig Hintze weder die ihr zustehende Witwenrente noch seinen wissenschaftlichen Nachlaß.
Hedwig Hintze hatte in den Niederlanden vermutlich keinerlei Verdienstmöglichkeiten, deutet jedenfalls in ihren Briefen an, daß sie in Armut lebe. Einen 1941 an sie ergangenen Ruf der New School for Social Research konnte sie nicht mehr antreten, wegen der Besetzung der Niederlande war die Ausreise unmöglich geworden. Aufgrund der drohenden Deportation nahm sie sich am 14. Juli 1942 in Utrecht das Leben.
In der Geschichtsforschung wurde sie bis 1965 ignoriert. Seit der Veröffentlichung eines Textes von Hans Schleier über ihr Werk und ihre Laufbahn begann langsam wieder ihre ÆWahrnehmung". So erschienen vor allem im Rahmen der historischen Frauenforschung einzelne Texte über sie, auch im Verband mit Otto Hintzes Würdigung wurde auf sie eingegangen. Obwohl ihre Forschungsansätze zur Französischen Revolution entscheidende Anstöße gaben, wird sie weiterhin kaum rezipiert.
1996 wurde in Bremen das Hedwig-Hintze-Institut gegründet, das sich die Aufgabe gesetzt hat, Werk und Wirkung Hedwig Hintzes zu dokumentieren. 1997 erschien als erster Band der dortigen Schriftenreihe eine Bibliographie.
Literatur: Zur Geschichte der Frauenstudiums und weiblicher Berufskarrieren an der Berliner Universität, hrsg. vom Zentrum für interdisziplinare Frauenforschung und der Frauenbeauftragten der Humboldt-Universität zu Berlin, Berlin 1996
Hedwig Hintze: Staatseinheit und Föderalismus im alten Frankreich und in der Revolution. Vorwort Rolf Reichardt (gute Biographie), Neuauflage Frankfurt/Main 1989
Autor der biographischen Notiz: Peter Th. Walther · Datum der letzten Überarbeitung 26.6.97