Max Lenz lehrte fast ein
Vierteljahrhundert (1890 bis 1914) an der Friedrich-Wilhelms-Universität.
Als 'Geschichtsschreiber der Universität Berlin' weist ihn eine Büste
in der Zweigbibliothek Geschichte aus; verfaßte er doch im Auftrag
des Senats zur Hundertjahrfeier (1910) die noch heute bedeutende,
mehrbändige Geschichte der Berliner Universität.
Max Albert Wilhelm Lenz wurde am 13. Juni 1850 in Greifswald als Sohn eines Notars geboren und wuchs in lutherisch-orthodoxer Umgebung auf. Nach seiner Schulzeit in Greifswald, studierte er zunächst drei Semester in Bonn unter anderem bei Heinrich von Sybel Geschichte und Klassische Philologie.
Im Krieg gegen Frankreich wurde Lenz als Freiwilliger eines pommerschen Jägerbataillons im Dezember 1870 bei Champigny verwundet. Er setzte anschließend sein Studium in Greifswald bzw. (für ein Semester) Berlin fort, und beendete 1874 seine Dissertation über das 'Bündnis von Canterbury und seine Bedeutung für den englisch-französischen Krieg und das Conzil von Constanz'.
Ab dem folgenden Jahr arbeitete Lenz im Marburger Geheimen Staatsarchiv mit dem Auftrag, den Briefwechsel Landgraf Philipps des Großmütigen von Hessen mit Bucer zu edieren. (Die hierbei entstandenen drei Bände erschienen 1880-1891.)
Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit in Marburg habilitierte sich Lenz 1876 für Mittlere und Neuere Geschichte mit der Studie 'Drei Tractate aus dem Schriftencyclus des Constanzer Concils'. Im folgenden Jahrzehnt beschäftigte er sich intensiv mit dem Zeitalter der Reformation. Herausragendes Ergebnis dieser Studien war seine Biographie Martin Luthers (1883), die - erschienen als Festschrift der Stadt Berlin für ihre Schulen - über die engere Wissenschaft hinaus weite Verbreitung fand.
Lenz wurde 1881 zum außerordentlichen und 1885 zum ordentlichen Professor in Marburg berufen.
Ab 1888 Professor in Breslau, nahm er 1890 einen Ruf an die Friedrich-Wilhelms-Universität an.
Lenz, der 1894 bekannte "nichts [zu] wollen als lehren und forschen, (...) unbekümmert um die Folgen, welche sich für die Anschauungen und Ordnungen von heute daraus ergeben könnten" und als "strenger Methodiker" (Droysen) galt, hatte es hier zunächst nicht leicht sich neben politisch engagierten Historikern zu behaupten. Ganz objektivistischer Historiker plädierte er (1895) für eine "voraussetzungslose" Geschichtsschreibung, um so die "kristallene Klarheit der Wahrhaftigkeit" zum Ausdruck zu bringen. Der Königsweg dorthin bestand für ihn in quellenkritischer Forschungsarbeit. Diese Ansicht wie auch seine Abneigung gegen jegliche Theoriebildung traten im 'Lamprecht-Streit' offen zutage: Höhnisch schrieb er, daß Lamprecht - nachdem ihm das "feste Standbein der Empirie" weggetreten worden sei - zu den "Krücken der Theorie" greife.
Auch in Berlin arbeitete Lenz zunächst zur Reformationszeit (etwa in Arbeiten zu Gustav Adolf und Wallenstein), zunehmend gewannen daneben aber auch modernere Epochen wie die Französische Revolution, das Zeitalter Napoleons oder die Ära Bismarcks an Bedeutung für seine Tätigkeit. So legte er 1902 mit seiner 'Geschichte Bismarcks' auch zur zweiten für ihn zentralen Gestalt der deutschen Nationalgeschichte eine Biographie vor. Hier wie vor allem in seinem 1900 erschienenen Werk 'Die großen Mächte. Rückblick auf unser Jahrhundert' ist deutlich die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Leopold von Rankes erkennbar. Nicht zuletzt aus diesem Grund wird Lenz zu den zentralen Gestalten der sog. 'Ranke-Renaissance' innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft des späten 19. Jahrhunderts gerechnet. Die 'Großen Mächte', die in eine Unterstützung der Flottenbaupolitik Wilhelms II. mündeten ("Niemand kommt zu spät, wer etwas vermag; nur die Ohnmacht bleibt zurück"), zeigten dann freilich auch die Weiterentwicklung der Rankeschen Lehre. An die Stelle der religiösen Bindung der Ideen oder leitenden Tendenzen einer Epoche war der als sittliche Macht verstandene (National-)Staat getreten.
Lenz, der 1911 Direktor des Historischen Seminars war und 1911/12 als Rektor der Universität amtierte, folgte Anfang 1914 einem Ruf an das Hamburger Kolonialinstitut an dessen Ausbau zur Universität er führend beteiligt war. Der Ausgang des 1. Weltkriegs erschütterte wesentliche Grundlagen seines wissenschaftlichen Werks, und in späteren Schriften sind deutlich nationalkonservative Tendenzen auszumachen.
Nach seiner Emeritierung (1922) kehrte Lenz wieder nach Berlin zurück, wo er seit 1886 Mitglied (1914-25 Ehrenmitglied) der Akademie der Wissenschaften war und (vor 1914 bzw. nach 1924) der Historischen Gesellschaft vorsaß. Max Lenz, der einen bedeutenden Schülerkreis unterhielt (zu dem u.a. Felix Rachfahl, Erich Brandenburg und Hermann Oncken zählte), starb am 6. April 1932 in Berlin.