Der Name Ernst Perels ist eng
mit dem Historischen Seminar der Friedrich-Wilhelms-Universität verbunden,
an der er von 1911 bis 1935 als Dozent für Historische Hilfswissenschaften
und mittelalterliche Geschichte wirkte.
Ernst Perels entstammte einer angesehenen Familie des Berliner Bildungsbürgertums. Sein Vater Ferdinand war als Sohn jüdischer Eltern zum Christentum konvertiert und hatte eine Christin geheiratet. 1882 wurde er als jüngstes von vier Geschwistern geboren. Nach bestandenem Abitur wollte er beruflich zunächst dem Vater und den Brüdern nacheifern, die sich erfolgreich einer juristischen Karriere gewidmet hatten. Der Vater war Direktor des Zivildepartements des Reichsmarineamtes und erwarb sich solch große Anerkennung auf dem Gebiet des Seerechts, daß er sogar als Honorarprofessor an der Berliner Universität lehrte; seine Brüder Leopold und Kurt berief man an die Universitäten in Heidelberg und Hamburg. Ernst Perels jedoch wandte sich schon nach einem juristischen Semester dem Studium der Geschichte zu. Vorerst belegte er ein Semester in Freiburg im Breisgau, ging aber 1901 in seine Heimatstadt Berlin zurück und immatrikulierte sich an der hiesigen Universität. 1904 verließ er diese nach erfolgter Promotion über "Die kirchlichen Zehnten im karolingischen Reiche" bei Michael Tangl und Max Lenz. Nach seinem Studienabschluß trat er durch die Vermittlung Tangls in die Dienste der Monumenta Germaniae Historica (MGH), einem Unternehmen der preußischen, bayrischen und österreichischen Akademien der Wissenschaften, welches sich der Sammlung und Herausgabe von mittelalterlichen Quellen zur deutschen Geschichte verschrieben hatte. Hier befaßte sich Ernst Perels in mehreren Editionsprojekten mit den Briefen der Karolingerzeit. So gab er 1912/1925 die Briefe der Päpste Nikolaus I. und Hadrian II. heraus. Diese Editionstätigkeit begleitete eine Reihe von kirchengeschichtlichen und kanonistischen Untersuchungen, wie "Die Ursprünge des karolingischen Zehntrechtes" (1911), "Papst Nikolaus I. und Anastasius Bibliothecarius" (1920), "Eine Denkschrift Hinkmars von Reims im Prozeß Rothads von Soissons" (1922) u.a.. Den Monumenten gehörte Ernst Perels bis 1923 als fester Mitarbeiter an, danach war er bis 1944 nebenamtlich tätig. 1930 edierte er außerdem im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften den "Liber de Vita Christiana" des Bischofs Bonizo von Sutri.
Nachdem er sich 1911 bei Tangl und Dietrich Schäfer habilitiert hatte, trat Ernst Perels erstmals im WS 1911/12 als Privatdozent mit Vorlesungen und Übungen im Historischen Seminar in Erscheinung. Doch seine Karriere nahm keinen so steilen Verlauf, wie etwa die seiner beiden gleichaltrigen Kollegen Erich Caspar und Robert Holtzmann - Ernst Perels mußte sich regelrecht hochdienen. In Anerkennung seiner Leistungen wurden ihm 1916 das Prädikat "Professor", 1921 die Bezeichnung "außerordentlicher Professor" verliehen, ohne jedoch seine Dienststellung als Privatdozent tatsächlich zu verändern. 1923 erhielt Ernst Perels einen Ruf auf den verwaisten Lehrstuhl seines 1921 verstorbenen Lehrers Tangl. Zwei Jahre hatten sich die Verhandlungen um die Neubesetzung hingezogen: Schließlich zogen die beiden von der Fakultät Favorisierten Edmund E. Stengel und Hans Hirsch andere Stellungen vor und Ernst Perels "rückte" nach. Zunächst wurde er planmäßiger Extraordinarius für mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften. Mit der Ernennung zum persönlichen Ordinarius und Mitdirektor des Historischen Seminars im Jahre 1931 befand sich Ernst Perels nun auf dem Höhepunkt seiner akademischen und wissenschaftlichen Laufbahn. Doch schon vier Jahre später wurde er aufgrund der nationalsozialistischen Rassepolitik emerittiert - das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" hatte den gläubigen Christen als einen des Beamtenstatusses unwürdigen "Mischling I. Grades" eingestuft. Mit seinem Emerittierungsantrag vom Oktober 1935 kam Ernst Perels der drohenden Entpflichtung von seinen Hochschulämtern zuvor. Doch im Februar 1936 wurde er offiziell entpflichtet. Obwohl der erst 53jährige Perels seine Forschungen nun nur noch in ganz beschränktem Maße fortführen konnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. Aus dem Lehrkörper des Historischen Seminars wurden ab 1933 aus politischen und rassistischen Gründen fast 30 Kollegen entlassen, von denen die meisten emigrierten. Ernst Perels jedoch verwirklichte seine Auswanderungspläne nach England nicht. Einerseits sah er offensichtlich seinen Lebensmittelpunkt zu stark in Berlin verankert, andererseits hätte er sich einen neuen Forschungsschwerpunkt suchen müssen. Ganz offenbar unterschätzte er damit die Gefahr, in der er sich befand. Durch die Zahlung einer gekürzten Pension, die ihm die Universität "gewährte", war Ernst Perels finanziell abgesichert. Da die MGH die Tätigkeit jüdischer Historiker auch weiterhin (inoffiziell) duldete, konnte Ernst Perels sich fortan für seine Studien in deren Räume zurückziehen und 1938/1939 noch zwei Aufsätze veröffentlichen. Seine im Auftrag der Monumenten herausgegebene Edition der Briefe des Bischofs Hinkmar von Reims mußte 1939 jedoch ohne Nennung seines Namens erscheinen. Die Vollendung des letzten großen Projektes, einer mehrbändigen Darstellung zum Verhältnis von Kirche und Staat im Frühmittelalter, war Ernst Perels allerdings nicht mehr vergönnt. Da sein Sohn Friedrich-Justus in das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 involviert war, wurde Ernst Perels im Zuge der Sippenhaft im Oktober desselben Jahres verhaftet und in ein Konzentrationslager überführt. Im Mai 1945 starb er an den erlittenen Strapazen im KZ Flossenbürg, kurz nach dessen Befreiung.
Ernst Perels prägte in seiner Zeit das Bild der Mediävistik und der Historischen Hilfswissenschaften an der Berliner Universität entscheidend mit. Unter seinen Vorgängern Wilhelm Wattenbach und Harry Bresslau hatte sich Berlin zu einem Zentrum der hilfswissenschaftlichen Studien in Deutschland durch die Begründung einer modernen Diplomatischen Schule entwickelt, der insbesondere durch den Einfluß Tangls eine große Bedeutung erwuchs und in deren Tradition sich sein Schüler Ernst Perels befand. Für die Mediävistik der ersten Hälfe des 20. Jahrhunderts ist ein allen Forschern gerecht werdendes Bild hier wohl kaum vermittelbar. Ganz allgemein ist aber das Streben aller Gelehrten nach einer vorurteilslosen und methodengerechten Wissenschaftlichkeit zu konstatieren. Auffallend ist allerdings die, wohl dem Zeitgeist geschuldete, Tendenz zur Darstellung der Geschichte der eigenen Nation. Anders als die neuzeitlichen Historiker galten die meisten Mediävisten jener Epoche eher als Bewahrer erprobter Methoden und Erforscher klassischer "zeitloser" Themen denn als Neuerer. Gerade für die Berliner Mediävistik ist außerdem ein durch Personalunionen entstandenes machtvolles institutionelles Verbundsystem bestimmend, zu dem beispielsweise die Preußische Akademie der Wissenschaften, die Leitung der Preußischen Archive, das Kaiser-Wilhelm-Institut für deutsche Geschichte, das Deutsche Historische Institut in Rom und die MGH, sowie zahlreiche Kommissionen, Verbände und Stiftungen gehörten. Auch Ernst Perels war als Universitätslehrer und Monumentist ein Glied dieser Verpflechtung. Überdies war er innerhalb der deutschen konservativ dominierten Geschichtswissenschaft der nationalen und staatstreuen Mehrheit der Professoren zuzurechnen. Im Gegensatz zu einigen seiner Kollegen - wie etwa Dietrich Schäfer, Albert Brackmann oder Erich Marcks - hielt er sich jedoch in seinem politischen Engagement zurück. Gewissermaßen waren dazu weder seine Materie noch seine zurückhaltende Persönlichkeit angetan. Er empfand sich selbst als ein neutraler und kritischer Beobachter, der sich weder von politischen Strömungen noch von philosophischen Anschauungen vereinnahmen lassen wollte. Sein - das Bild des Menschen und des Historikers Ernst Perels bestimmendes - Streben nach absoluter Objektivität und der "wahren Geschichte" läßt ihn allerdings in die Nähe der Neorankeaner rücken. Diese Grundhaltung verband Ernst Perels mit der Hingabe an seine Spezialgebiete Paläographie, Diplomatik, Kirchengeschichte und die historisch-juristischen Grenzgebiete (Kanonistik, Verfassungsgeschichte). Im Laufe seiner 24jährigen Dozententätigkeit vertrat Ernst Perels die Mediävistik und die Historischen Hilfswissenschaften gleichermaßen in seinen akademischen Lehrveranstaltungen. Zu den Schwerpunkten gehörten sowohl Überblicksvorlesungen zur mittelalterlichen Geschichte als auch zu den Grundlagen verschiedenster Hilfswissenschaften, deren Aspekte Ernst Perels in speziellen Übungen und Seminaren noch vertiefte. Bezeichnend waren auch seine regelmäßig wiederkehrenden Angebote für Studienanfänger. Dem Charakter der Professur und auch seinen persönlichen Neigungen entsprechend, stattete Ernst Perels zukünftige Historiker mit dem notwendigen Rüstzeug für ihren Beruf aus und befand sich damit zugleich in der Tradition archivarisch-bibliothekarischer Praxis. Zudem trug er seit dem WS 1928/29 durch seine Veranstaltungen zur Lateinischen Paläographie am Bibliothekswissenschaftlichen Institut zur Ausbildung junger Studenten dieses Berufsfeldes bei. Seine Schüler verehrten den - wegen seiner hohen Anforderungen manchmal gefürchteten - Professor, da er ihnen eine grundlegende Ausbildung ermöglichte. Nicht wenige von ihnen betätigten sich später erfolgreich als Archivare, Bibliothekare oder Lehrer in gehobenen Positionen. Einige schlugen auch eine wissenschaftliche und/oder akademische Laufbahn ein. Aus der Perelschen Lehrtätigkeit gingen ebenfalls verschiedene Abhandlungen hervor - u.a. "Zur Geschichte der böhmischen Kur im 14. und 15. Jahrhundert" (1925), "Der Erbreichsplan Heinrichs VI." (1927), "Pippins Erhebung zum König" (1934). Der Nachwelt hinterläßt Ernst Perels damit einige bedeutsame Publikationen. Insbesondere seine beispielhaften Editionswerke, aber auch solche historischen Darstellungen wie "Papst Nikolaus I. und Anastasius Bibliothecarius" und "Der Erbreichsplan Heinrichs VI.", gelten noch heute als Standardwerke.