Lehre & Studium
Kern des Geschichtsstudiums an der Humboldt-Universität ist ein Bachelor of Arts, der auch mit Lehramtsoption studiert werden kann und für den konsekutiven Master of Arts bzw. den Master of Education qualifiziert. Hier wird man in die Methoden, Theorien und wichtigsten Inhalte der verschiedenen Epochen eingeführt, wobei inhaltlich große Freiheit herrscht. Die Veranstaltungen zu den einzelnen Modulen können sich die Studierenden weitgehend selbst zusammenstellen. In einer Vertiefungsphase erfolgt die Konzentration auf zwei Epochen. Die Bachelor-Ausbildung setzt ihren Schwerpunkt auf die Vermittlung von Kenntnissen der Geschichte und der Geschichtswissenschaft, wobei auch hier schon großer Wert auf selbstständiges Arbeiten gelegt wird. Partizipative Lehrformen wie Seminare, Übungen oder Projekttutorien stehen im Vordergrund. Daneben werden in Praktika und berufsorientierenden Veranstaltungen Verbindungen zu künftigen möglichen Berufsfeldern aufgezeigt.
An den Bachelor schließt ein fakultatives Masterstudium an. Im Unterschied zum Bachelor ist es dezidiert forschungsorientiert. Hier lernen die Studierenden mit Konzentration auf eine Schwerpunktepoche Geschichte als forschende Wissenschaft. Sie trainieren das Forschen als methodische Tätigkeit und setzen dabei ihre eigenen inhaltlichen Schwerpunkte. In Essays, Seminararbeiten und der abschließenden Masterarbeit suchen sie auf der Basis der Analyse von zeitgenössischen Quellen zu eigenen Ergebnissen zu kommen und sich als Teil einer internationalen Forschergemeinde zu verstehen.
Viele der Masterabsolventen erstellen anschließend eine Doktorarbeit und promovieren. Sie können das mit Stipendien und in Forschungsprojekten, die es am Institut in hoher Zahl gibt, etwa im Rahmen einer Tätigkeit als studentische Hilfskraft, tun. Viele der Doktoranden sind im Rahmen eines Graduiertenkollegs in eine strukturierte Doktorandenausbildung eingebunden und erfahren hier eine regelmäßige Betreuung und selbstorganisierte Rahmenausbildung.
Mit einem Bachelor- oder Masterabschluss in Geschichte kann man aber weit mehr als professioneller Historiker werden. Der größere Teil unserer Absolventen wird in den Medien, der Politik und Politikberatung, bei Bildungseinrichtungen, Stiftungen oder bei Unternehmen tätig. Mit Hilfe von Praktika und persönlichen Kontakten ermöglichen wir den Übergang. Mit den im Studium erlernten Kompetenzen haben Absolventen des Instituts für Geschichtswissenschaften gute Berufschancen. Die Arbeitslosigkeit unter Geisteswissenschaftlern ist in den vergangenen Jahren beständig gesunken. Historiker haben dabei zudem die besten Chancen, weil man von ihnen Allgemeinbildung, selbstständiges Denken, schnelles Einarbeiten in fremde Themenfelder, dazu Schreib- und Sprachkompetenzen sowie große Flexibilität erwartet.
Warum Geschichte studieren?
Die Geschichtswissenschaft bietet die Möglichkeit, die eigene Wirklichkeit besser zu begreifen, indem sie sowohl die Entstehung aktueller politischer, sozialer und kultureller Zusammenhänge nachzeichnet als auch Erfahrungen mit ganz andersartigen politisch-gesellschaftlichen Strukturen und Ausprägungen von Kultur vermittelt. Sie schärft das Bewusstsein für historische Kontinuitäten wie Diskontinuitäten, für die Besonderheit der eigenen Zeit genauso wie der anderer Epochen.
Durch das Studium sollen die Studierenden eine umfassende fachwissenschaftliche Qualifikation für ihren späteren Beruf erhalten. In jüngster Zeit haben sich die Berufsmöglichkeiten für Historiker ausgeweitet. Neben den traditionellen Berufsfeldern - Schule, Wissenschaft und Forschung sowie Museums- und Archivwesen - werden historische Qualifikationen zunehmend in den Bereichen der Publizistik und des Journalismus oder der Referententätigkeit, u. a. für Parteien und Verbände, nachgefragt.
Was ist Geschichtswissenschaft? Eine Definition
Unter Geschichtswissenschaft wird die methodische Erforschung der Geschichte des Menschen als soziales Wesen, betrieben auf der Grundlage einer kritisch gesicherten Überlieferung („Quellen“) als Voraussetzung für eine wissenschaftlich begründete Geschichtsschreibung verstanden. Selbstgestellte Aufgabe der Geschichtswissenschaft ist das möglichst genaue und vollständige Herausarbeiten aller bezeugten geschichtlichen Tatbestände sowie deren Zusammenhänge, Bedingtheiten und Wirkungen verständlich darzulegen. Sie ist Ideologiekritisch in ihrem methodischen Ansatz und versucht zumeist in dialektischer Vermittlung die Wurzeln der Gegenwart freizulegen und deren geschichtliche Struktur zu verdeutlichen. Die Einteilung und Organisation von Forschung und Lehre folgen bis heute zumeist der klassischen Periodisierung in Alte, Mittlere und Neuere Geschichte (Altertum, Mittelalter, Neuzeit).
Pragmatische, traditionelle Epocheneinteilung für Modulbildung (Einführungs- und Vertiefungsmodule) im IFG:
a) Alte Geschichte: Griechisch-römische Antike vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis zum Ende des römischen Reiches 5./6. Jhdt (Westrom/Justinian/Arabische Expansion)
b) Mittelalterliche Geschichte: Völkerwanderungszeit 5./6. Jhdt. bis Ende 15. Jdt. (Kolumbus / Luther)
c) Neuere Geschichte: 15. bis 18. Jhdt (französische Revolution) und Neueste Geschichte: 19. und 20. Jhdt.