Humboldt-Universität zu Berlin - Digital History

Wintersemester 2021/22

Die Lehrveranstaltungen finden dieses Semester digital und in Präsenz statt. Falls Sie aus gegebenen Gründen nicht an den Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, melden Sie sich bitte unter digitalhistory@hu-berlin.de.


Vorlesung: Einführung in die Digital History

Torsten Hiltmann
Mi: 12-14 Uhr - Digital (Link über Moodle)

Beginn: 27.10.2021

Die Digitalisierung spielt auch in den Geschichtswissenschaften eine immer größere Rolle, wo sie in Form der „Digital History“ ihre spezifische Ausformung erfährt. Im Vordergrund stehen dabei die Anwendung neuer digitaler Methoden und deren kritische Reflexion; aber auch Formen der digitalen Geschichtsvermittlung sowie die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung als historischem Prozess gehören dazu.

Anschaulich und nachvollziehbar führt die Vorlesung in die Grundlagen der digitalen Geschichtswissenschaften ein. Sie diskutiert deren zentralen Konzepte und vermittelt einen praxisnahen Überblick über die verschiedenen Techniken und Methoden, die hier zur Anwendung kommen: von der digitalen Erfassung historischer Quellen, über die automatische Analyse von Texten und Bildern (u.a. mit Hilfe des Maschinellen Lernens) und die Auswertung und Visualisierung großer Datenbestände (Data Mining) bis hin zur digitalen Repräsentation und Verknüpfung ganzer Wissensbereiche mit Hilfe der Techniken des Semantic Web (z.B. in Form von Knowledge Graphen). Dabei wird immer wieder nach der spezifischen Nutzung dieser Verfahren in den Geschichtswissenschaften sowie deren methodologischen und epistemologischen Implikationen gefragt.

Ziel der Vorlesung ist es, Ihnen einen ersten und grundlegenden Einblick in die Digital History als Teildisziplin der Geschichtswissenschaften zu vermitteln, so dass Sie am Ende die wesentlichen Konzepte und Methoden kennen und die damit verbundenen Möglichkeiten diskutieren können, aber auch die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die mit diesen einhergehen. Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht notwendig!

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51404) 

 

 

Masterseminar: Uneindeutig, lückenhaft, komplex - historische Daten als Sonderfall? Die digitale Repräsentation geschichtswissenschaftlicher Informationen zwischen Theorie und Praxis

Torsten Hiltmann
Do: 10-12 Uhr - Präsenz: Friedrichstraße 191, Raum 4026

Beginn: 28.10.2021

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Auch in den Geschichtswissenschaften erleben wir aktuell einen grundlegenden Wandel hin zu einer zunehmend datengetriebenen Forschung und Kommunikation. So gut wie kein Projekt kommt heutzutage mehr ohne die Verarbeitung und Produktion von Daten aus. Doch was sind eigentlich Daten im geschichtswissenschaftlichen Kontext? Und vor allem: Inwieweit stellen geschichtswissenschaftliche Daten einen Sonderfall dar? So wird etwa immer wieder betont, dass dieses sich in besonderer Weise durch Uneindeutigkeit, Lückenhaftigkeit und Komplexität auszeichnen, was wiederum zu besonderen Herausforderungen für die Darstellung historischer Informationen und deren Visualisierung führt.

Im Rahmen des Seminars wollen wir die ganze Bandbreite geschichtswissenschaftlicher (Forschungs-)Daten in den Blick nehmen und sie auf diese Aussagen hin näher untersuchen - angefangen bei den Digitalisaten und ihren Metadaten über die darauf aufbauenden Texte und  Annotationen bis hin zu den daraus extrahierten historischen Informationen. Dabei wollen wir uns sowohl theoretisch wie praktisch mit den genannten Besonderheiten auseinandersetzen und im Spannungsfeld zwischen Quelle und Daten zugleich die Grundlagen historischen Wissens und historischer Wissensproduktion hinterfragen.

Für die Teilnahme am Seminar sind keine technischen oder mathematischen Vorkenntnisse notwendig.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51437)

 

 

Forschungsseminar: Praxislabor Digital History

Torsten Hiltmann
Do: 12-14 Uhr - Präsenz: Friedrichstraße 191, Raum 4026

Beginn: 28.10.2021

Ziel des Forschungsseminars ist es, die Teilnehmer*innen dabei zu unterstützen, eigene Forschungsideen mit einem Schwerpunkt in der Digital History zu entwickeln und umzusetzen, die am Ende zu eigenen Abschlussarbeiten führen können. Das Seminar ist dabei an keine spezifischen Themen, Epochen oder digitalen Methoden gebunden. Es richtet sich an alle, die in einem geschützten Rahmen über Ideen und Ansätze diskutieren und gemeinsam neue Forschungsdesigns ausprobieren wollen. Daneben können natürlich auch ganz praktische Fragen hinsichtlich der Umsetzung der eigenen Masterarbeit besprochen werden. Zugleich bietet das Forschungsseminar die Gelegenheit, zusammen über verschiedene aktuelle Ansätze und Methoden zu diskutieren und diese gemeinsam an ausgewählten Beispielen zu testen. Falls Sie schon Ideen für Ihre Arbeiten haben oder sich für bestimmte Themen oder Methoden besonders interessieren, können Sie sich gern schon im Vorfeld per Email melden (digitalhistory@hu-berlin.de).

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51498)

 

 

Übung: Data Literacy für die Geschichtswissenschaften - Grundlegende Technologien und Werkzeuge der Digital History

Torsten Hiltmann
Fr: 10-12 Uhr - Präsenz: Friedrichstraße 191, Raum 4031

Beginn: 29.10.2021

Der Umgang mit digitalen Medien, Werkzeugen und Daten gehört mittlerweile zu den grundlegenden Fertigkeiten moderner Gesellschaften und wird mehr und mehr auch zu einer zentralen Voraussetzung für das spätere Berufsleben von Historiker*innen – ob an der Universität, in Archiven, Bibliotheken oder Verlagen, aber auch weit darüber hinaus.

Im Rahmen der Übung werden Sie grundlegende Technologien und Werkzeuge hierfür kennenlernen und sich damit das notwendige Rüstzeug für die historische Arbeit mit digitalen Daten und Methoden aneignen. Zugleich erwerben Sie ganz nebenbei allgemeine informationstechnologische Kompetenzen, die Sie auf die digitale Arbeitswelt vorbereiten. Dazu gehören ein grundlegendes Verständnis von Algorithmen und Datenmodellen ebenso wie der Umgang mit offenen Datenformaten (XML, JSON), die Bereinigung der Daten mit OpenRefine und die Arbeit mit den allgegenwärtigen regulären Ausdrücken für die Metasuche über Textdaten (Regex), die Erstellung von Georeferenzierungen und deren Visualisierung wie schließlich auch die nachhaltige Sicherung und Versionierung ihrer Daten mit Git. Die Übung vermittelt Ihnen anhand einfach zugänglicher Beispiele die grundlegende Data Literacy für die Arbeit mit digitalen Forschungsdaten und Werkzeugen im Geschichtsstudium, die aber auch weit darüber hinaus eingesetzt werden können.

Die Veranstaltung funktioniert zugleich als begleitende Übung zur Einführungsvorlesung “Einführung in die Digital History”. Technische oder mathematische Vorkenntnisse sind keine notwendig!

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51460)

 

Übung: Programmieren für Historiker*innen mit Python (I)

Melanie Althage
Di: 16-18 Uhr - Digital

Beginn: 26.10.2021

Daten sind der „Rohstoff“ des 21. Jahrhunderts. Auch in den Geschichtswissenschaften werden sie zunehmend als Forschungsressource relevant. Nicht nur die Zahl der öffentlich verfügbaren digitalisierten historischen Quellenbestände nimmt stetig zu, sondern auch die Produktion der genuin digitalen Daten in Sozialen Medien, Wissenschaftsblogs, Foren, Webseiten, Datenbanken oder auch Fachportalen. Gleich ob die geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen sich auf die mittelalterliche oder jüngste Zeitgeschichte beziehen, Programmierkenntnisse können auf vielfältige Weise das historische Arbeiten ergänzen, um sich die digital verfügbaren Informationen zunutze zu machen. Sie bieten zum einen das Handwerkszeug, um effizient Daten zu sammeln, organisieren, verarbeiten und analysieren. Zum anderen sensibilisiert der Umgang mit Programmiersprachen für die Funktionsweise der Algorithmen und Werkzeuge die wir in den Digital Humanities verwenden.

In der Übung werden die Grundlagen der Skriptsprache Python gemeinsam erarbeitet. Python ist eine weit verbreitete, einfach zu lernende und lesende Programmiersprache, die sowohl in den Data Science als auch der Softwareentwicklung in (außer-)universitären Forschungseinrichtungen ebenso wie in der Industrie zum Einsatz kommt. Ziel der Übung ist es, geschichtswissenschaftliche Anwendungsszenarien zu identifizieren und diese selbstständig und problemorientiert zu lösen. Zugeschnitten auf den geschichtswissenschaftlichen Arbeitsprozess werden Grundkenntnisse im algorithmischen Denken, zentraler Datentypen und -strukturen sowie der Python-Syntax vermittelt.

Die Übung richtet sich an Masterstudierende. Programmiererfahrungen sind nicht erforderlich.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51459)

 

Übung: Von der digitalisierten Buchseite zum digitalen Text. Automatische Texterkennung am Beispiel edierter mittelalterlicher Stadtchroniken

Torsten Hiltmann/Carolin Odebrecht
Fr: 12-14 Uhr - Präsenz: Friedrichstraße 191, Raum 4026

Beginn: 29.10.2021

Texterkennung, also die Umwandlung einer gescannten Buchseite in einen Volltext, ist einer der ersten und wesentlichsten Schritte bei der Aufbereitung von Daten für die Geisteswissenschaften. Solche Verfahren werden häufig durch das Maschinelle Lernen unterstützt, so dass sie auch auf nichtstandardisierte historische Quellen angewendet werden können. Der eigentliche Prozess ist dabei deutlich komplexer, als man bisweilen annimmt. In unserer Übung werden wir auf Grundlage der Software OCR4all diese Verfahren entsprechend Schritt für Schritt an den Chroniken der deutschen Städte anwenden, wie sie in der Zeit zwischen 1862 und 1931 zumeist in einer Mischung von Frakturschrift und Antiqua als Editionen erschienen. Wir werden lernen, wie textbasierte Forschungsdaten entstehen, wie sie mit Hilfe der von der Text Encoding Initiative (TEI) bereitgestellten Richtlinien aufbereitet und schließlich als geisteswissenschaftliche bzw. historische Forschungsdaten veröffentlicht werden. Sie lernen die konkreten Grundlagen dieser Quellen kennen, machen sich mit digitalen Textmodellen vertraut und setzen sich mit den einzelnen konkreten Schritten der Texterkennungsverfahren auseinander. In kleinen Projektgruppen werden Sie dabei auch selbst solche Daten produzieren. Am Ende wollen wir dann anhand des gemeinsam erarbeiteten Beispiels gemeinsam über das digitale Forschungsparadigma und dessen Möglichkeiten und Grenzen diskutieren.
Die Veranstaltung findet als Kooperation zwischen der Digital History der Philosophische Fakultät und dem Forschungsdatenmanagement der Sprach- und literaturwissenschaftlichen Fakultät statt, in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Philologie und Digitalität der Universität Würzburg.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51351)

 

Übung: Kaiserlicher Alltag digital. Die Journale der diensthabenden Flügeladjutanten Wilhelms II. als digitale Edition (1906-1913)

Anja Bittner/Frederike Neuber/Jan Wierzoch
Do: 14-16 Uhr - Digital

Der Kaiser hatte ausgefüllte Tage. Das deuten zumindest die Journale an, die seine Adjutanten täglich führten, und, die derzeit an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften digital ediert und publiziert werden. Diese historischen Quellen bilden den Ausgangspunkt bzw. Gegenstand der stark praxisorientierten Veranstaltung, die den Studierenden Einblicke in die editorische Arbeit von Historiker*innen geben wird und dabei sowohl fachwissenschaftliche als auch digitale Kompetenzen vermittelt. Dazu zählen u.a. Kenntnisse über den historischen Kontext der Quellen, ihrer Aufbewahrung und Digitalisierung. Zentral für die editorische Arbeit ist das Lesen bzw. Transkribieren der Texte, was gemeinsam erlernt bzw. eingeübt wird, und sowohl die Entzifferung der alten Schriften als auch die Repräsentation der Texte in Daten betrifft. Die digitale Modellierung der Quellen erfolgt mit der eXtensible Markup Language (XML) nach den Richtlinien der Text Encoding Initiative (TEI), und damit mit etablierten Technologien für die Erfassung von Texten in wissenschaftlichen Editionen. Im Zusammenhang mit der Frage, wie die Journale weiter erschlossen werden können, z.B. durch Kommentierungen oder Register, wird außerdem die Formalisierung von Metadaten und die Verwendung von Normdaten thematisiert. Grundsätzlich sollen die Studierenden ein Verständnis dafür entwickeln, was es bedeutet, historisches Quellenmaterial in Daten zu formalisieren, und welche Potentiale digitale Editionen bieten. Während der Veranstaltung werden die Studierenden an noch nicht publiziertem Quellenmaterial arbeiten, das, wenn möglich, im Anschluss im Rahmen der bestehenden digitalen Edition publiziert werden soll.  

Diese Übung wird von der Digital Humanities-Abteilung „TELOTA“ sowie dem Vorhaben „Anpassungsstrategien der späten mitteleuropäischen Monarchie am preußischen Beispiel 1786 bis 1918“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften organisiert. Vorkenntnisse in konkreten Methoden der Digital History und Digital Humanities sind nicht erforderlich.

Das Seminar wird als Mischform synchroner und asynchroner Unterrichtsformen stattfinden. Für die Teilnahme am Seminar und die Bearbeitung des praktischen Teils werden ein internetfähiger Computer sowie die Bereitschaft, Software zu installieren, vorausgesetzt.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51461)

 

Übung: Digitalisierung historischer Schriftquellen in der Praxis - Hinter den Kulissen der Staatsbibliothek zu Berlin

Melanie Althage
Do: 16-18 Uhr - Digital/Präsenz

Beginn: 21.10.2021

Bereits 2009 betonte die Deutsche Forschungsgemeinschaft, Digitalisierung stelle für wissenschaftliche Informationseinrichtungen im 21. Jahrhundert eine reguläre Dienstleistung und gerade kein ‚Elitemerkmal‘ dar. Demgemäß betreibt die Staatsbibliothek zu Berlin als größte wissenschaftliche Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und gerade in ihrer Funktion einer Kustodin des nationalen schriftlichen Kulturerbes seit vielen Jahren ein leistungsfähiges Digitalisierungszentrum, in dem neben vielfältigen materialspezifischen Reproduktionstechnologien auch Scan-Robotik zum Einsatz kommt. Die zahlreichen dort durchgeführten, vorwiegend aus Drittmitteln finanzierten Digitalisierungsprojekte reichen von Massenvorhaben – z.B. im Rahmen der nationalen VD-Kampagnen oder von Europeana – bis hin zur konservatorisch begleiteten Boutique-Digitalisierung etwa von mittelalterlichen Handschriften und fragilen Sondermaterialien.

Ziel der Veranstaltung ist es, vertiefte Praxiseinblicke in den gesamten Prozess der Digitalisierung historischer Schriftquellen unterschiedlicher Materialität aus dem Bestand der Staatsbibliothek zu Berlin zu eröffnen – vom Scan eines Objekts bis hin zu dessen Vermittlung an verschiedene Publika aus Forschung und Kultur. Denn die Kenntnis der technischen Parameter des Digitalisierungsvorgangs – so die hier zugrundeliegende Leitthese – ist unverzichtbares Werkzeug im Instrumentarium der historischen Hilfswissenschaften und Ausgangspunkt jeder digitalen Quellenkritik.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51462)

 

 

Kolloquium: Offenes Forschungskolloquium "Digital History"

Torsten Hiltmann
Mi: 16-18 Uhr - Digital

Beginn: 03.11.2021

Im Zentrum des Kolloquiums stehen die Anwendung digitaler Werkzeuge und Methoden in den Geschichtswissenschaften und deren methodisch-kritische Reflexion. Dabei sollen aktuelle Arbeiten vorgestellt und an konkreten Beispielen diskutiert werden, welche Fragestellungen, Daten und Materialien sich mit welchen Verfahren bearbeiten lassen, welche Möglichkeiten sich daraus für die Geschichtswissenschaften ergeben, aber auch wo deren Grenzen liegen. Zugleich soll das Kolloquium die aktuellen Debatten rund um die digitalen Geschichtswissenschaften aufgreifen und ihnen einen festen Platz bieten. Dabei werden hin und wieder auch die Grenzen zu anderen Bereichen der Digital Humanities überschritten, um neue Ideen und kreative Anregungen für unser eigenes historisches Arbeiten zu erhalten.

Das Kolloquium ist offen für alle, die sich für die digitalen Geschichtswissenschaften interessieren. Das Programm wird rechtzeitig zu Semesterbeginn auf dem lehrstuhleigenen Blog https://dhistory.hypotheses.org/ veröffentlicht. Zudem existiert eine offene Mailingliste für das Forschungskolloquium, über die zeitnah die einzelnen Vorträge angekündigt werden.

 

 

 

Weitere Lehrveranstaltungen in den digitalen Geschichtswissenschaften am IfG: 
 

Übung: Datenbanken in der Alten Geschichte

Andreas Kohring
Fr: 14-16 Uhr - Digital

Die Studierenden üben grundlegende EDV-gestützte Arbeitstechniken in den Bereichen Informationsgewinnung, -verarbeitung und Kommunikation im Bereich der Altertumswissenschaften. Besondere Schwerpunkte sind dabei die althistorisch relevanten Text- und Literaturdatenbanken.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51253)

 

Übung: Social Distancing historisch. Globale Sozialgeschichte des Abstandhaltens im 20./21. Jh. mit Methoden der digital history

Felix Römer
Di: 18-20 Uhr - Präsenz: Friedrichstraße 191, Raum 5009

Warum hielten Berlinerinnen oder Londoner noch zu Beginn des 20. Jh. im Alltag kaum Abstand voneinander, während sie im frühen 21. Jh. sorgsam auf ihren „personal space“ achteten? Und was hat es zu bedeuten, wenn sich in einer Gesellschaft die Präferenzen für soziale Mindestabstände verändern?

Die soziale Praxis des Abstandhaltens hat eine lange Geschichte und war seit dem frühen 20. Jh. Gegenstand verschiedener Disziplinen wie der Philosophie, Kulturanthropologie, Soziologie und Sozialpsychologie, wurde jedoch bis heute kaum aus historischer Perspektive betrachtet.

In der Übung werden wir den sozialen Mindestabstand historisieren. Hierzu machen wir uns mit der interdisziplinären Forschung zur interpersonellen Distanz und nonverbalen Kommunikation vertraut und nehmen für Fallstudien diverse Weltregionen vergleichend in den Blick.

Wir werden versuchen, den Wandel der Körpersprache in größere soziale, ökonomische und politische Kontexte einzuordnen, indem wir verschiedene geschichtswissenschaftliche Perspektiven kombinieren, von der Sozialgeschichte über die Wissenschaftsgeschichte bis hin zur Körper- und Geschlechtergeschichte.

Zudem werden wir in der Übung ein neues digitales Analyseinstrument kennen lernen und erproben, eine Methode, die aus der Kriminalistik stammt und dazu verwendet werden kann, physische Abstände in historischen Photographien zu vermessen.

Der Kurs findet überwiegend synchron statt

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51454)