Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit Schwerpunkt im Nationalsozialismus

Laufende Dissertationen

Malte Beeker

Dissertationsprojekt: Thema folgt

Betreuer: Prof. Dr. Michael Wildt

Kontakt: beekerma@hu-berlin.de

 

Tobias Bütow

Dissertationsprojekt: Der "Freundeskreis Heinrich Himmler": Ein strategisches netzwerk zwischen Wirtschaft und Politik im nationalsozialistischen Deutschland

Betreuer: Prof. Dr. Michael Wildt

Kontakt: tobiasbuetow@web.de

 

Linda Conze

Dissertationsprojekt (und Teil-Projekt des Forschungsprojektes "Fotografie im Nationalsozialismus"): Das Fest im Bild. (Selbst-)Inszenierungen von Zugehörigkeit im öffentlichen Raum

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit privater und semiprivater Fotografie aus der Zeit des Nationalsozialismus, genauer mit solchen Bildern, die im Kontext von Festen und Feiern unterschiedlicher Art entstanden sind. Im Fokus des Interesses steht dabei das Potenzial des Mediums Fotografie, in Prozessen von Vergemeinschaftung und Ausgrenzung Wirkmacht zu entfalten. Mit dem Deutschen Reich der 1920er-, 1930er- und 1940er-Jahre setzt die Studie einen spezifischen Rahmen, innerhalb dessen sie das Verhältnis von Fotografie und Gemeinschaft medienhistorisch ausloten möchte. Diese Rahmung orientiert sich unverkennbar an den politischen Zäsuren der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, die jedoch zugleich kritisch hinterfragt und auf ihre Kongruenz mit einer Geschichte der privaten Fotografie überprüft werden sollen.

Die angestrebte Studie möchte sich der zeitgenössischen Festkultur in ihren vielfältigen Größenordnungen, Ausprägungen und ganz unterschiedlichen Graden von Öffentlichkeit zuwenden. Der Untersuchungsrahmen schließt nationalsozialistische Großveranstaltungen ebenso wie das private Hochzeitsfest, den halböffentlichen Maskenball oder das dörfliche Schützenfest ein. Sie interessiert sich für den fotografischen Blick auf Feste und Feiernde jenseits von Propaganda- oder Pressefotografie, für die Interaktion zwischen Fotograf/inn/en, Kamera und Fotografierten, deren Ergebnis das Bild ist. Das Feiern dient der Studie also einerseits als räumliche, zeitliche und motivische Sphäre, anhand derer das Verhältnis von Bild und Gemeinschaft durchexerziert werden soll. Andererseits ist das Feiern selbst gemeinschaftsstiftende Praxis, das Fest im Sinne eines Rituals selbst Medium – von Kollektivierung, aber auch von Ausgrenzung und Terror.

Als Quellengrundlage dienen zusammenhängende Foto-Serien und -konvolute aus unterschiedlichen Regionen des ehemaligen Deutschen Reichs, anhand derer sich Motive, Blickpositionen und fotografische Aufmerksamkeitstrends über längere Zeiträume hinweg untersuchen lassen.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: linda.conze@geschichte.hu-berlin.de

 

Stefan Dölling

"Volkstumskämpfer" - Sudetendeutscher Paramilitarismus von 1918 - 1938 (Arbeitstitel)

Das Promotionsprojekt fragt, ausgehend von der Gewalt des etwa 40.000 Mann umfassenden "Sudetendeutschen Freikorps" im deutsch-tschechoslowakischen Grenzgebiet im Herbst 1938, nach den längeren Entwicklungslinien und -dynamiken rechter paramilitärischer Strukturen innerhalb der sudetendeutschen Volksgruppe seit 1918. Dabei liegt der Fokus des Projekts, neben der erstmaligen umfassenden Kartographierung dieses Milieus und seiner organisatorischen Verbindungen, in der Erforschung der Vorläufer- und Vorfeldorganisationen des Freikorps und den dort praktizierten Formen und Traditionslinien politischer Gewalt. In Anknüpfung an die neuere Täterforschung soll hierbei ein betont akteurzentrierter Betrachtungsansatz gewählt werden.

Das Projekt soll die Frage beantworten, wie und warum die zunächst vorherrschende symbolische Gewalt im "sudetendeutschen Volkstumskampf" der 20er und 30er Jahre im Herbst 1938 schließlich in einen bürgerkriegsähnlichen Gewaltausbruch kulminierte, und welche Rolle endogene und exogene Faktoren bei der zunehmenden Bellifizierung (Frank Reichherzer) von Teilen der sudetendeutschen Gesellschaft spielten. Durch eine transnationale Perspektive soll dabei auch die Rolle grenzübergreifender Netzwerke und informeller Kontakte im Grenzraum untersucht werden. Zusätzlich wird der Untersuchungsgegenstand im Kontext anderer Formen von "volksdeutschem" Paramilitarismus verortet und auf Verbindungen und Transfers befragt.

Betreuer: Prof. Michael Wildt/N.N.         

Kontakt-E-Mail: stefandoelling@yahoo.de

 

Amélie zu Eulenburg

Überwachen und Strafen im Gefängnis Lindenstraße Potsdam. Eine Analyse von Haft, Gewaltpraxis und Ausnahmezustand im 20. Jahrhundert

Exposé folgt.

 

Betreuer: Prof. Michael Wildt (HU) / Prof. Stefan Ludwig Hoffmann, University of California, Berkeley.

Kontakt: amelie.eulenburg@gmail.com

 

Oliver Gaida

Exklusion und Inklusion. Die Berliner Wohlfahrts- und Jugendbehörden von 1920 bis 1961

Die kommunale Ebene ist zwar in der Verwaltungshierarchie unten angesiedelt, allerdings trifft dies nicht auf ihre Bedeutung für den Sozialstaat zu – im Gegenteil: Da die Wohlfahrt dezidiert in den Aufgabenbereich der Kommunen fällt, verfügen ihre Wohlfahrtsbehörden in ihrer täglichen Arbeit über erhebliche Ermessensspielräume. Sie nehmen somit eine Schlüsselrolle für die Exklusion und Inklusion von Hilfesuchenden ein.

In dem Promotionsprojekt wird die noch kaum erforschte Rolle der Wohlfahrts- und Jugendbehörden Berlins untersucht. Das Projekt möchte damit einen wichtigen Teil zur Metropolengeschichte Berlins beisteuern. In ihm wird analysieren, wie sich die Fürsorge von der Gründung Groß-Berlins 1920 über die nationalsozialistische Herrschaft und die Nachkriegszeit bis zur endgültigen Teilung Berlins mit dem Mauerbau 1961 entwickelte. Wer waren die AkteurInnen? Über welche Handlungsspielräume verfügten sie? Wie nutzen sie diese in der Fürsorgepraxis?

Ein Beispiel für das Spektrum der Rollen Berliner Sozialbehörden: Sie verfolgten vor 1945 als „asozial“ stigmatisierte Personen – in der Nachkriegszeit sollten sie die schlimmste Not lindern, um neue (demokratische) Staatsstrukturen aufzubauen. Der hierfür gewählte überspannende Zeitraum ermöglicht es, Aussagen über die (Dis-)Kontinuitäten der Exklusion- und Inklusionsmodi zu treffen. Zudem eröffnet der Vergleich über unterschiedliche politische Rahmenbedingungen hinweg neue Erkenntnisräume für eine integrierte Herrschafts- und Gesellschaftsgeschichte.

Betreuer: Prof. Dr. Michael Wildt (HU Berlin)

Kontakt: oliver.gaida@gmx.de

 

Franziska Hockert

Zwangsarbeit bei der Reichsbahndirektion Berlin

Diese Arbeit soll ein ganzheitliches Bild vom System des Zwangsarbeitereinsatzes bei der Reichsbahndirektion Berlin zeigen. Hierzu ist ein möglichst umfassender Zugang notwendig, der die verschiedenen Ausmaße des Zwangsarbeitereinsatzes beleuchtet. Dabei können grob eine persönliche und eine institutionelle Dimension unterschieden werden. Persönlich meint hier die Wirkungen des Einsatzes auf den Zwangsarbeiter selbst: Wie waren die Arbeits- und Lebensbedingungen? Welches waren die Standards bei Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen? Als institutionelle Dimension werden die Wechselwirkungen des Zwangsarbeitereinsatzes mit den damit befassten staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen bezeichnet. Neben der Deutschen Reichsbahn und der Reichsbahndirektion Berlin sind hier vor allem staatliche Stellen gemeint, wie etwa die Regierungsstellen des Reichsarbeitsministeriums oder die verschiedenen Ansprechpartner auf Seiten der Wehrmacht und des Reichsministeriums für Bewaffnung und Munition.
Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: franziska.hockert@gmx.de

 

Stefan Jehne

"Sterilisationspolitiken und -praktiken in SBZ und DDR 1945-1990 und der juristische Umgang mit NS-Zwangssterilisationen

In der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ (GzVeN) explizit als nationalsozialistisches Unrecht deklariert und aufgehoben. In Ansätzen wurden daraufhin Täter*innen, die in Zwangssterilisationen, die aus dem GzVeN resultierten, involviert waren, strafrechtlich verfolgt. Trotz der Deklarierung des GzVeN als NS-Unrecht und der partiellen Strafverfolgung existierten eugenische Diskurse in der SBZ und der sich anschließenden DDR in den relevanten Institutionen wie der Ministerialbürokratie, den staatlichen Gesundheitseinrichtungen und auf Ebene der niedergelassenen Ärzt*innen sowie im medizinisch-akademischen Betrieb fort und es gab verschiedentlich die Forderung nach einer gesetzlichen Regelung zur Durchführung künftiger eugenischer Sterilisationen. Doch obwohl in SBZ und DDR also weiterhin eugenische Ideen grundsätzlich als seriöses biopolitisches Konzept angesehen wurden, scheute man – ausdrücklich unter Verweis auf den nationalsozialistischen Missbrauch – davor zurück, ein Sterilisationsgesetz zu verabschieden. Jenseits der offiziellen Haltung kam es aber zu illegalen eugenischen Sterilisationen und Kastrationen.

Ziel meines Promotionsvorhabens ist es zu erforschen, wie in SBZ und DDR mit der Frage der eugenischen Sterilisation umgegangen wurde, wobei sowohl die Diskurse mit ihren unterschiedlichen Akzentuierungen als auch die Praktiken, die sich eben keineswegs immer an die offizielle Linie hielten, herausgearbeitet und auch in ihren Verflechtungen und Spannungen analysiert werden sollen. Der Gegenstand ist bisher noch keiner näheren Untersuchung unterzogen worden, bietet aber eine Chance, das Weiterleben der eugenischen Ideen der Weimarer Zeit ebenso wie der des Nationalsozialismus zu verfolgen, wobei personelle und institutionelle (Dis-)Kontinuitäten von besonderem Interesse sind. Die geplante Dissertation wird also ihren Schwerpunkt in den Zeiten der SBZ und DDR haben, aber immer wieder nach den Wurzeln in den vorangehenden Epochen fragen und die Entwicklungen genau dokumentieren.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

s.jehne@web.de

 

Andreas Kahrs

Kooperation unter der Oberfläche – Deutsch-Südafrikanische Zusammenarbeit während der Apartheid. 1976-1986

Das südafrikanische Apartheidsregime war in hohem Maße abhängig von seinen internationalen Beziehung. Direktinvestitionen und Produktionsstätten internationaler Konzerne stabilisierten das System nach Innen, außenpolitische Beziehungen schützten Südafrika vor dem wachsenden internationalen Protest und lange Zeit auch vor den ab Mitte der 1970er Jahre immer stärker geforderten Wirtschaftssanktionen.

Verständlich also, dass die Südafrikanische Regierung einen hohen Aufwand betrieb um angesichts des wachsenden internationalen Protests die internationalen Beziehungen zu pflegen und auszubauen.

So auch gegenüber der BRD. Jenseits von Anti-Apartheidbewegung, bekannten Apartheid-Unterstützern und offiziellen politischen Kontakten entstand ein deutsch-südafrikanisches Netzwerk, in dem sich eine Art „inoffizielle Außenpolitik“ herausbildete. Das Dissertationsvorhaben fragt mit Parametern der historischen Netzwerkanalyse nach der Ausgestaltung dieses Netzwerks sowie den jeweiligen Interessen seiner Akteure. Weiter werden Form und Inhalt der politischen Kommunikation untersucht, wobei die Bemühungen des Südafrikanischen Regimes mit Hilfe des Konzepts der „public diplomacy“ analysiert werden.

Das Forschungsprojekt soll neue Einblicke in die Ausgestaltung der bundesdeutschen Außenpolitik gegenüber Südafrika ermöglichen und vor allem die Unterschiedlichkeit der jeweiligen Interessen und Strategien differenziert darstellen.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: andi@akprojekte.org

 

Johanna Langenbrinck

Antisemitismus in Berlin 1918 - 1938. Nicht-Zugehörigkeit, Diskriminierung, Gewalt

Bereits kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs war der Kurfürstendamm im Westen Berlins, der vielen als Symbol für Dekadenz und Kulturverfall galt, Kristallisationspunkt antisemitischer Gewalt. Eine ganze Reihe von Übergriffen auf vermeintlich „jüdische“ Passanten und Passantinnen, Beleidigungen und Tätlichkeiten in den angrenzenden Restaurants und Theatern sowie gewaltsame Auseinandersetzungen mit Verkäufern antisemitischer Zeitungen sind überliefert.

Die Dissertation soll allerdings nicht nur solche Gewaltpraktiken untersuchen, die sich besonders stark in den Medien spiegelten, sondern auch niedrigschwelligere Ausgrenzungen im alltäglichen Kontakt zwischen Juden und Nichtjuden in den Blick nehmen - auf der Straße, im Geschäftsverkehr, in Vereinen und Institutionen. Eine zentrale Frage lautet dabei, wann und in welchen Kontexten die Kategorie „Jude“ oder „jüdisch“ als negative Kategorie in den Begegnungen wirkmächtig wurde.

Je nachdem, wo jemand wohnte, arbeitete, seine Freizeit verbrachte, machte er notgedrungen sehr verschiedene, auch widersprüchliche Erfahrungen mit antisemitischer Ausgrenzung. Hier wird besonders deutlich, dass eine einheitliche chronologische Erzählung der Verfolgung in Berlin den Erfahrungen der Betroffenen und den vielschichtigen Gleichzeitigkeiten dieser Großstadt nicht gerecht werden kann. In der Dissertation soll daher versucht werden, entlang von verschiedenen Stadträumen eine Differenzierung vorzunehmen.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: langenjo@geschichte.hu-berlin.de


 

Anne Vitten

Dissertationsprojekt: Professionalisierung und Bildung von Fotografinnen-Netzwerken ab Ende des 19. Jahrhunderts bis 1989 (Arbeitstitel)

„Das photographische Gewerbe ist von Anfang an eigene Wege gegangen. Entgegen der üblichen Entwicklung, bei der lediglich der Mann im Berufe berücksichtigt wurde und die Frau den vom Manne geschaffenen Pfaden folgte, ist in der Photographie zuerst eine regelrechte Ausbildung und ein sachgemäßer Unterricht für die Frau eingeführt worden.“

– Marie Kundt, Direktorin der Photographischen Lehranstalt des Berliner Lette-Vereins, 1912

Ende des 19. Jahrhunderts befand Berlin sich auf dem Weg zu einem Industrie-, Medien- und Wissenschaftsstandort. Die weltweit erste schulische Ausbildungsstätte im Bereich der Fotografie am Berliner Lette-Verein nutzte diese Entwicklung und stellte die Fotografie zunächst als bildgebendes Verfahren in den Dienst der Wissenschaft. Durch Fortschritte in der Technik und das Aufkommen weiterer Schulen fand eine Ausweitung der Arbeitsfelder für Fotograf*innen statt und trat ein künstlerischer Umgang mit der Fotografie auf die Lehrpläne. Meine Arbeit weitet den Blick und betrachtet Fotografinnen nicht nur als Protagonistinnen des „Neuen Sehens“ in den 1920er-Jahren, sondern als historische Akteurinnen, die die Entwicklung der Fotografiegeschichte auf verschiedensten Tätigkeitsfeldern von Beginn an mitgeprägt haben.

1895 gründete Marie Kundt den „Club ehemaliger Schülerinnen“ der Photographischen Lehranstalt, der wahrscheinlich das erste professionelle Netzwerk von ausgebildeten Fotografinnen darstellt. Dieser wurde für die Absolventinnen nicht nur zu einer emotionalen und organisatorischen Verbindung, sondern auch zu einem Forum für Fachgespräche und Weiterbildungen. Bereits selbstständig tätige Fotografinnen konnten sich zudem an den Club wenden, um Hilfskräfte anzuwerben und sich genau über deren Vorkenntnisse informieren – der Club fungierte also auch als Arbeitsvermittlungsstelle.

Die Untersuchung eines Zeitraumes von etwa 70 Jahren, der von politischen Systemwechseln und zwei Weltkriegen geprägt wurde, stellt Fotografinnen als „Protokollanten der Geschichte“ in den Fokus und wird erstmals ein realistisches Bild der Ausbildung, Professionalisierung und Bildung von Fotografinnen-Netzwerken im 19. und 20. Jahrhundert aufzeigen, das bis heute in der Forschung unterrepräsentiert ist.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: annevitten@gmail.com

 
 
Julia Sophie Werner
Dissertationsprojekt (und Teil-Projekt des Forschungsprojektes "Fotografie im Nationalsozialismus"): Im besetzten Polen: Fotografie und die Veränderung von Räumen

 

Mit dem Überfall auf Polen strömten Wehrmachtssoldaten, SS-Männer und Polizisten in den „neu eroberten Raum“; mit ihnen kamen auch Beamte, Unternehmer, Lehrer und ihre Familien. Doch nicht nur die deutschen Besatzer betraten „völliges Neugebiet“, Räume und Raumvorstellungen änderten sich für alle in dieser Region lebenden Menschen. Die unterliegenden Dynamiken waren jedoch von Gruppe zu Gruppe enorm verschieden. Zentral für die Veränderung von Räumen war die von den Nationalsozialisten nach rassistischen Kriterien operierende Bevölkerungspolitik, die Hunderttausende von Menschen auf verschiedenste Art und Weise in Bewegung setzte. Diese unterschiedlichen Formen von Massenbewegung, Vertreibungen, Umsiedlungen, Deportationen und Gettoisierungen treten uns aus vielfältigen fotografischen Quellen entgegen. Zur NS-Bevölkerungspolitik liegt eine breite Forschung vor; diese behandelt die Bevölkerungspolitik allerdings zumeist aus einer Perspektive des social engineering oder als Geschichte konkurrierender Institutionen und Ideologien. Die Folgen dieses bevölkerungspolitischen Planens und Handelns, die sehr konkrete Auswirkungen auf Leben und Alltag der Menschen hatten, stehen weniger im Fokus: So bewegten sich Hunderttausende unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen durch die Landschaft, zum Teil mit Gepäck, zum Teil ohne, mussten sich die Menschen zu Fuß oder mit dem Pferdewagen, mit dem Zug, dem Schiff, allein oder in großen Gruppen über lange Strecken bewegen. Die Studie möchte untersuchen, wie diese Bewegungen in Fotografien unterschiedlicher Provenienz visuellen Niederschlag finden.

Als Quellen dienen dem Projekt fotografische Bestände von nicht-professionellen Fotografen, insbesondere Fotoserien und Fotobestände, die von Fotografen über einen längeren Zeitraum hinweg geschaffen wurden. Der zeitliche Rahmen des Projekts ist durch die Zeit der Besatzung eng gesteckt, die Bildkonvolute erlauben aber einen Blick über die Grenzen von 1939-1945 hinaus, da die Bestände natürlich in ihrer Gesamtheit in den Blick genommen werden sollen.

Wie also eigneten sich die Fotografierenden die sich stetig – auch durch ihr eigenes Handeln – verändernde Situation durch ihre fotografische Praxis an? Welche Darstellungs- und Repräsentationsformen wählten die unterschiedlichen fotografischen Akteure? Es geht also darum, die Perspektive des Fotografen aus dem historischen Kontext heraus zu verstehen, sowie die Formen, in der er die Realität durch seine Fotografie rahmte und wahrnahm. Über den Vergleich unterschiedlicher Bestände sollen jedoch größere Muster von Wahrnehmungsweisen und Darstellungsarten herausgearbeitet werden.

Betreuer: Prof. Michael Wildt

Kontakt: juliawerner@gmail.com