Humboldt-Universität zu Berlin - Mittelalterliche Geschichte I

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SPP1173: Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter

Projektleiter/​Antragsteller Prof. Dr. Michael Borgolte, Prof. Dr. Bernd Schneidmüller
Thema Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter
Mittelgeber Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektzeitraum 07/2005 - 05/2012
Kurzdarstellung

Von 2005 bis 2012 förderte die Deutsche Forschungsgemeinschaft das Schwerpunkt­programm 1173 "Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter". Dieser Forschungsverbund war durch die Einsicht angeregt worden, dass Europa zu keinem Zeitpunkt seiner Geschichte eine Einheitskultur gewesen ist. Auch das Mittelalter wird keineswegs als eine rein christliche Epoche begriffen, sondern vielmehr als eine Zeit intensiver Kontakte zwischen religiös geprägten Zivilisationen, die ihre Identität in unaufhörlichen Prozessen der Integration und Desintegration modifizierten, schärften und überhaupt erst hervorbrachten.

Diese vielfältigen Interaktionen lassen sich innerhalb der Grenzen einzelner historischer Disziplinen nicht erforschen, sondern erfordern vielmehr eine trans­disziplinäre Zusammenarbeit. Deshalb vereinigte das Schwerpunktprogramm 24 Einzel­projekte von 16 deutschen Universitäten aus 14 verschiedenen Disziplinen, unter anderem Kunstgeschichte und Mittelalterliche Geschichte, Germanistik, Mittel­lateinische Philologie, Arabistik, Philosophie, Theologie, Byzantinistik und Judaistik. Die an zahlreichen deutschen Universitäten ansässigen Einzel­projekte wurden durch die beiden Sprecher des Schwerpunkt­programms, Prof. Dr. Michael Borgolte (Humboldt-Universität zu Berlin) und Prof. Dr. Bernd Schneidmüller (Universität Heidelberg), koordiniert. An beiden Universitäten waren eine junge Forscherin und ein junger Forscher als KoordinatorInnen tätig und nahmen mit eigenen Projekten am Schwerpunkt­programm teil.

Dem Forschungsanliegen wurde methodisch und organisatorisch Rechnung getragen, indem die fächerübergreifende Zusammenarbeit bei der Bearbeitung transkultureller Fragestellungen durch die Bildung interdisziplinär zusammengesetzter Arbeitsgruppen und durch kollaborativ erstellte Publikationen auf eine neue Ebene gehoben wurde. Die Projektbearbeiterinnen und -bearbeiter forschten deshalb nicht nur zu ihren eigenen Spezialthemen, sondern fanden sich in regelmäßigen Abständen zu transdisziplinären Arbeitstreffen zusammen, um die innerhalb des Schwerpunktprogramms versammelte Fächer- und Themenvielfalt für disziplinenübergreifende Forschungen zu nutzen. Die 24 Einzelprojekte des Schwerpunkt­programms waren in seiner zweiten Arbeitsphase in sieben Arbeits­gruppen von maximal vier Personen und mindestens zwei Disziplinen organisiert, die jeweils einen selbst­gewählten Aspekt trans­kultureller Integrations- und Desintegrations­prozesse untersuchten und dabei die Fächergrenzen konventioneller wissenschaftlicher Praxis überschritten.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit legten die Mitglieder des Schwerpunkt­programms im Jahr 2011 in einer gemeinsamen Publikation vor (Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter. Berlin 2011). Bereits im Jahr 2008 ist unter dem Titel "Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer trans­kulturellen Europa­wissenschaft" ein erster Ergebnis­band erschienen, in dem neben den Forschungs­erträgen der ersten Arbeitsphase auch die praktischen Erfahrungen mit der trans­disziplinären Kooperation dargelegt wurden. Er wurde im Frühjahr 2008 auf einer International Spring School präsentiert, deren Vorträge und Workshops in dem Band "Hybride Kulturen im europäischen Mittelalter" (Berlin 2009) vorgestellt wurden. Im Mai 2011 wurde mit der Tagung "Das Europäische Mittelalter im Geflecht der Welt. Integrative und desintegrative Effekte von Migrationen" die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit im SPP zugleich abgeschlossen und für ein neues Problem- und Forschungsfeld geöffnet. Die Ergebnisse dieser Tagung wurden 2012 in einem letzten Sammelband unter dem Titel "Europa im Geflecht der Welt" publiziert.

Weitere Projektmitglieder Juliane Schiel, Anette Seitz, Marcel Müllerburg, Julia Dücker, Paul Predatsch
Publikationen

Michael Borgolte / Juliane Schiel / Bernd Schneidmüller / Annette Seitz (Hrsg.), Mittelalter im Labor. Die Mediävistik testet Wege zu einer transkulturellen Europawissenschaft. (Europa im Mittelalter, Bd. 10.) Berlin 2008.
(Auch online: http://www2.hu-berlin.de/sppedia/index.php5/Mittelalter_im_Labor:Inhalt.)

Michael Borgolte / Daniel Burckhardt / Jens Eremie / Juliane Schiel, Mediävistik trifft Technik. Ungewöhnliche Grenzerfahrungen zwischen den Disziplinen, in: humboldt spektrum 15/1, 2008, 34–40.
(Auch online: http://www.hu-berlin.de/forschung/publikationen/spektrum/sp_08_01_html#S4)

Michael Borgolte / Bernd Schneidmüller (Hrsg.), Hybride Kulturen im mittelalterlichen Europa. Vorträge und Workshops einer internationalen Frühlingsschule. // Hybrid Cultures in Medieval Europe. Papers and Workshops of an International Spring School. (Europa im Mittelalter, Bd. 16.) Berlin 2009.

Michael Borgolte / Julia Dücker / Marcel Müllerburg / Bernd Schneidmüller (Hrsg.), Integration und Desintegration der Kulturen im europäischen Mittelalter. (Europa im Mittelalter, Bd. 18.) Berlin 2011.
(Auch online: http://www2.hu-berlin.de/sppedia/index.php5/Integration_und_Desintegration:Inhalt.)

Marcel Müllerburg / Daniel Burckhardt, SPPedia: Transdisziplinäre Mediävistik im Wiki-gestützten Schreibprogramm, in: Hiram Kümper (Hrsg.), eLearning & Mediävistik. Mittelalter lehren und lernen im neumedialen Zeitalter. (Beihefte zur Mediaevistik, Bd. 16.) Frankfurt a. M. / Berlin / Bern u.a. 2011, 177–194.

Michael Borgolte / Julia Dücker / Marcel Müllerburg / Paul Predatsch / Bernd Schneidmüller (Hrsg.), Europa im Geflecht der Welt. Mittelalterliche Migrationen in globalen Bezügen. (Europa im Mittelalter.) Berlin 2012.

Links http://www.spp1173.uni-hd.de/index.html