Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Dr. Markus Mirschel

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Name
Dr. Markus Mirschel
E-Mail
Markus.Mirschel (at) hu-berlin.de

Einrichtung (OKZ)
Philosophische Fakultät → Institut für Geschichtswissenschaften → Geschichte Osteuropas
Sitz
Friedrichstraße 191-193 , Raum 5003B
Telefon
(030) 2093-70594
Postanschrift
Unter den Linden 6, 10099 Berlin
Kurzvita | Forschung | Publikationen | Lehrveranstaltungen
 

Kurzvita

 

1979                    geboren in Strausberg

2000-2008         Studium der Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Potsdam

2008                   Studienabschluss M.A./Thema der Magisterarbeit: „Der Kampf um die parteipolitische Macht in der Russländischen Föderation. Die KPRF 1991–1996.“

2008-2012         Mitarbeiter Deutschlandradio Service GmbH

2013-2016         Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Seminar Abteilung Osteuropäische Geschichte der Universität Zürich

06/2017             Verteidigung der Promotionsschrift „Die Visualisierung der sowjetischen Intervention in Afghanistan. Die Sprache der sowjetischen Fotografie in Krasnaja Zvezda und Pravda (1979-1989).“

2017-2018         Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Russland-/Asienstudien der LMU München

seit 01/2019      Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Geschichte Osteuropas der Humboldt-Universität zu Berlin

 

Forschung

 

Visual History

History of emotions

Transfer- und Beziehungsgeschichte UdSSR und DDR

Transfer- und Beziehungsgeschichte Afghanistan und DDR ab 1978

Sowjetisch-Afghanische Transfer- und Beziehungsgeschichte

 

Aktuelle Forschung:

Angst als Ressource: Emotionale Selbstvergewisserung in der

(Haft-)Briefkorrespondenz der SBZ/DDR (1945-1989/90)

(Forschungsvorhaben im Teilprojekt „Willkür und Verrechtlichung“ des vom BMBF geförderten Projektes „Landschaften der Verfolgung“)

Dem Forschungsvorhaben liegt eine Analyse starker wie gleichzeitig negativ konnotierter Emotionen wie Angst und Furcht als qualitative Kategorie zum Verständnis von Herrschaft zugrunde. Die Hypothese geht herbei davon aus, dass die untersuchten Emotionen als Ressource besonders in diktatorischen/autoritären, kommunistischen Regimen mitgedacht und im Verlauf der Herrschaftsausbildung expliziter Gegenstand der Auseinandersetzung waren. Die Wechselbeziehungen zwischen den Herrschenden und Beherrschten bezüglich erzeugter Angstszenarien, ihrer methodischen Anwendung und ihrer Rezeption sollen im Kontext einer sich verändernden repressiven Praxis untersucht werden. Mit Blick auf die Herrschenden werden Konzepte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), des Innenministeriums (MdI) sowie normative Weichenstellungen und Entscheidungen der Staats- und Parteiführung der DDR untersucht. Das Vorhaben geht von der Grundannahme aus, dass sich der Umgang und die Wahrnehmung der Emotionen Angst und Furcht von einer unmittelbar biografischen zu einer direkt akademisierten Ressource veränderten und ihren Einsatz demnach mitbestimmten. Der Seite der Beherrschten soll besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Zur Rezeptionsanalyse von Emotionen sollen Ego-Dokumente mit einem Fokus auf private (Haft-)Briefkorrespondenz herangezogen werden. Es bliebt die Frage nach der Konditionierung der Individuen unter den Vorgaben und Bedingungen des Systems – wie weit war es den Herrschenden möglich, in die psychische Welt der Beherrschten einzudringen.

Das Forschungsprojekt möchte einen Betrag zur Emotionsgeschichte der DDR leisten. Der Blick in die spezifischen gesellschaftlichen Teilräume der Untersuchungshaftanstalten des MfS und der Haftanstalten des Strafvollzugs der DDR wird durch einen emotionsgeschichtlichen Ansatz erweitert. Die gezielte Anwendung emotionaler Konzepte im Umgang mit Andersdenkenden sind bislang unzureichend betrachtet worden und bilden ein Desiderat im Verständnis der Wechselbeziehung von Herrschern und Beherrschten.

 

Abgeschlossen:

Die Visualisierung der sowjetischen Intervention in Afghanistan 

(Teil des SNF-Forschungsprojektes „Sicherheit, Krieg und Frieden in der Sowjetunion und Russland“)

 

Das (Haupt-)Projekt untersuchte sicherheitsrelevante Schlüsselmomente in beiden Perioden und fragte nach der Repräsentation 1) von Krieg, 2) von Terrorismus und 3) eines prekären Friedens. Im Zentrum des Projektes stand die Frage, wie sich die sowjetischen und russländischen Sicherheitsbegriffe verändert und entwickelt haben. An der Schnittstelle zwischen Krieg und Frieden im Spätsozialismus rückte der sowjetisch-afghanische Krieg in den Blick der Betrachtung.

Das Ziel der UdSSR: eine afghanische Stabilität. Das Ergebnis: eine sowjetische Instabilität.

Als die Sowjetunion 1979 Soldaten nach Afghanistan verlegte, geschah dies im Geheimen – offizielle Bilder gab es nicht. Die Militärzeitung Krasnaja Zvezda sowie das Zentralorgan Pravda agierten zu Beginn der 1980er Jahre als Partner im Geiste. Die UdSSR als Friedensmacht stand den Genossen in Kabul auch visuell helfend zur Seite. Als die letzten sowjetischen Soldaten 1989 das Land am Hindukusch verließen, war das Ereignis im Fokus der medialen Öffentlichkeit. Was war geschehen? Der extern geführte Konflikt auf afghanischem Boden war zu einer innersowjetischen Auseinandersetzung über die mediale Deutungshoheit, die soziale Verantwortung sowie den Umgang mit den Ereignissen erwachsen. Die Studie betrachtet den strategischen Gebrauch fotografischer Bilder zum sowjetisch-afghanischen Konflikt und wertet sie als Impulse für eine gesellschaftliche Transformation.

 

Publikationen

 

Monografien

Bilderfronten. Die Visualisierung der sowjetischen Intervention in Afghanistan 1979–1989, Köln 2019.

Der Kampf um die parteipolitische Macht in der Russländischen Föderation. Die KPRF 1991 – 1996, publizierte Magisterarbeit, Hamburg 2008.

Aufsätze

Sowjetische Kriegsgefangene in Afghanistan – Der gesellschaftliche Diskurs um Opfer und Helden. (eingereicht, 2022).

Krisendiplomatie. Aus den Akten des MfS – Die DDR-Botschaft in Kabul 1988-89. (eingereicht, 2022).

Heroes at the Hindu Kush: Seeing the Afghan War through the Soviet Lens, hg. v. Bodo Mrozek, (Pennsylvania State University Press [eingereicht, 2021]).

War Returnees as Transformation Accelerators. The Return of the Afgantsy, in: Meißner, Christoph /Morré, Jörg: The Withdrawal of Soviet Troops from East Central Europe. National Perspectives in Comparison, Göttingen 2021, S. 61-75, zusammen mit Michael Galbas.

Stasi-Hafterfahrungen: Selbstvergewisserung und Renitenz, in: Deutschland Archiv, 08.04.2021, zusammen mit Sebastian Stude, Link: http://www.bpb.de/330959

Gefühlte Repression. »Keine Nachsicht für Verräter«, in Baberowski, Jörg/ Kindler, Robert/ Donth, Stefan, Disziplinieren und Strafen. Dimensionen politischer Repression in der DDR, Frankfurt/Main 2021, S. 69-89.

Sowjetische Wegmarken in Kabul. Eine Spurensuche, in: Holzberger, Helena/ Renner, Andreas/ Urbansky, Sören: Russische Orte in Asien (2021, im Erscheinen).

Historisch verknüpft – Russlands Blick auf Afghanistan, in: Histoires Continentales, August 2019, Link: https://histoires-continentales.ch/2019/08/15/russlands-blick-afghanistan/.

Rezensionen und Tagungsberichte

Rezension: Schejngeit, Alexander Ruslan: Moskaus Fenster zur Welt. Die Nachrichtenagentur TASS und die Auslandsberichterstattung in der Sowjetunion, 1918–1941.Köln  2021, in: H-Soz-Kult, 22.02.2022, Link: <www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-113473>.

Rezension: Die Geister der Bombe. Ausstellungskatalog "Nachbilder. Wechselnde Perspektiven auf Hiroshima", in: Visual History, 15.02.2021, Link: https://visual-history.de/2021/02/15/die-geister-der-bombe/ Link zur PDF-Datei

Rezension: Roisko, Pekka: Gralshüter eines untergehenden Systems. Zensur der Massenmedien in der UdSSR 1981-1991. Wien 2015, in: sehepunkte, Dezember 2016, Link: http://www.sehepunkte.de/2016/12/28464.html.

Rezension: Bauerkämper, Arnd; Rostislavleva, Natalia (Hrsg.): Sicherheitskulturen im Vergleich. Deutschland und Russland/UdSSR seit dem späten 19. Jahrhundert. Paderborn 2014, in: H-Soz-Kult, 13.03.2015,  Link: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-21634.

Forschungsbericht: Schweizer Nachwuchsforum Bildforschung östliches Europa. Tagung am Kompetenzzentrum Kulturelle Topographien der Universität Basel, 02.-03.10.2015 Basel.

Tagungsbericht: Back from Afghanistan. Workshop on the experiences of veterans from the war in Afghanistan in Tajikistan, Ukraine, Belarus, Russia, Lithuania and Germany, 12.02.2015 – 13.02.2015 Vilnius, H-Soz-Kult, 05.09.2015.

Tagungsbericht: Energiegeschichte Osteuropas im Kalten Krieg. Neue Bedrohungen und Sicherheiten, 10.01.2014 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 25.07.2014.


Journalistische Arbeiten (Auswahl)


Dmitry A. Glukhovsky. Metro 2034. Das Genre ist nackte Dekoration - der Sinn liegt im Zusammenstoß von Ideen und Ideologien, in: Multimania Nr. 27, 2009.

Das Politische in der Fantastik II. Die USA - Alte Welt, Kirche und Rote Gefahr, in: Multimania Nr. 22, 2008

Das Politische in der Fantastik I. Russland - Vom Wettstreit der Systeme zur Emanzipation des Genres, in: Multimania Nr. 21, 2008.

Sergej Lukianenko. Auf der Amplitude des Lebens durch Russland, Politik und Fantasy, in: Multimania Nr. 19, 2008.

Gefangen in einer anderen Welt, Sergej Jessenin schrieb als "Russlands letzter Dorfpoet" Literaturgeschichte, in: Moskauer Deutsche Zeitung, 09.09.2005.

 

Lehrveranstaltungen

WiSe 2021/22: Übung: „Dokumente der Repression - eine Geschichte der DDR in Quellen“ (Humboldt-Universität zu Berlin, mit Samuel Kunze)

SoSe 2018: Seminar/Tutorat: „`Sovietnam´ in Afghanistan? Zwei asiatische Konflikte der Supermächte im Vergleich (Ludwig-Maximilians-Universität München)

SoSe 2018: Übung: „Sowjetische Fotografie: Pressefotografie zwischen Avantgarde und Sozialistischem Realismus“ (Ludwig-Maximilians-Universität München)

WiSe 2017/18: Seminar/Tutorat: „Zwischen unliebsamem Krieg und politischer Transformation. Die letzten Jahre der UdSSR (1979–1991)“ (Ludwig-Maximilians-Universität München)

WiSe 2017/18: Übung: „`Figura Mortis´. Die Darstellung von Tod und Krieg in der fotomedialen Praxis des 19. und 20. Jahrhunderts“ (Ludwig-Maximilians-Universität München)

HeSe 2014: Übung: „Von Afghanistan bis heute: Interventionen in der sowjetischen und russischen Geschichte“ (Universität Zürich, mit Dr. Philipp Casula)

WiSe 2013/14: Übung: „Die offene Wunde Afghanistan – Offizielle Darstellung und heutige Erinnerungskulturen des sowjetischen Afghanistankrieges - Umgang und Bewältigung" (Universität Konstanz, mit Michael Galbas)