Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Osteuropas

Martin Wagner

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Martin Wagner
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wiss. Mitarb.
E-Mail
martin.wagner (at) hu-berlin.de

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Kurzvita | Forschung | Publikationen | Lehrveranstaltungen

 

Kurzvita

 

2010–2014 Bachelor of Arts in Geschichte und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin, zudem sinologisches Grundstudium als Gasthörer an der HU und FU Berlin

2012–2013 Einjähriger Studienaufenthalt an der Peking Universität

2016–2017 Einjähriger Studien- und Forschungsaufenthalt an der Higher School of Economics Moscow

2014–2017 Master of Arts in Moderner Europäischer Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin

Masterarbeit: „Abschied von Stalin und Mao. Der Personenkult post mortem im Vergleich, Sowjetunion 1953–1955 und China 1976–1977“

2014–2018 Master of Arts in Chinastudien an der Freien Universität Berlin

Masterarbeit: „Kritik an Stalin und Mao. Der Umgang mit dem Personenkult im Vergleich, Sowjetunion 1955–1956 und China 1978–1981“

2018 Humboldt-Preis für die Masterarbeit „Abschied von Stalin und Mao“

seit 05/2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter in den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekten „Kollektiv durch die Krise. Transformation von Herrschaft nach Stalin und Mao, 1952–1957 und 1975–1981“ (seit 3/2019) und zuvor „Schulden, Reformen, Kriege. Russlands Staatsfinanzen in der Zeit der Napoleonischen Kriege 1796-1816“

seit 01/2020 Redakteur für osteuropäische Geschichte bei H-Soz-Kult

01-02/2020 Forschungsaufenthalt, Chinese University of Hong Kong

03/2020 Gastwissenschaftler, Princeton University

Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, des Chinese Scholarship Council, des Bundesministeriums für Inneres der Republik Österreich und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

 

Forschung

Promotionsprojekt: „Kollektiv durch die Krise. Transformation von Herrschaft nach Stalin und Mao, 1952–1957 und 1975–1981“

Totalitäre Regime können sich von innen heraus verändern und selbst mäßigen, sie können Gewalt und Willkür einhegen, die Allmacht des Einzelnen eingrenzen, und ihre Beziehung zu den Beherrschten neu begründen – darauf hat bereits Hannah Arendt hingewiesen. Die stalinistische Sowjetunion und das maoistische China sind zwei Beispiele dafür, wie der Terror aus dem Leben der Menschen verschwinden konnte, weil die Täter von einst nicht mehr in jener Ordnung leben wollten, an deren Schaffung sie selbst beteiligt gewesen waren.

Mit dem Tod Stalins im März 1953 und Mao Zedongs im September 1976 kam der Massenterror an ein Ende, nicht aber die Systeme, in deren Namen die Führer Furcht und Schrecken verbreitet hatten. Wie konnten die Gefolgsleute Stalins und Maos der Gewalt ein Ende setzen, ohne das Herrschaftssystem zu verändern? Und wie gelang es den Nachfolgern der Tyrannen, untereinander Frieden zu halten?

Sowohl in der Sowjetunion der frühen 1950er Jahre als auch im China der späten 1970er Jahre vollzog sich der Herrschaftswandel von der tyrannischen Alleinherrschaft zu einer autoritären Ordnung im Modus der Krisenbewältigung einer so genannten „kollektiven Führung“. Nur als Repräsentation von Einheit konnte das System nach dem Tod der Tyrannen stabilisiert werden. In der Sowjetunion traten das Präsidium (Politbüro), der Ministerrat und der Oberste Sowjet noch Stunden vor Stalins Tod zusammen, um den Übergang zu orchestrieren. In China übernahm im Herbst 1976 mit Hua Guofeng zwar ein Mann die Nachfolge, der sich als Verwalter der ideologischen Hinterlassenschaft Maos verstand. Doch nach der neuerlichen Rehabilitierung Deng Xiaopings und Chen Yuns trat auch der Ständige Ausschuss des Politbüros als einheitliche Gruppe auf.

Weder Stalin noch Mao hatten einen Kronprinzen auserkoren, einen Nachfolger aufgebaut oder mitgeteilt, wie sie sich den Übergang vorstellten. Wie unterschieden sich die Antworten, die die Erben der Macht in der Sowjetunion und China auf diese Herausforderung fanden? Lernten Moskaus und Beijings Reformer voneinander, grenzten sie sich voneinander ab?

 

Publikationen

Herausgeberschaft

Crises in Authoritarian Regimes. Fragile Orders and Contested Power, Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 2022. (zusammen mit Jörg Baberowski)

Hiroshima. Die Atombombe als Gegenstand der Globalgeschichte, in: Zeitgeschichte-online, April 2017, http://www.zeitgeschichte-online.de/thema/hiroshima. (hg. v. Lutz Raphael und Jan Eckel unter Mitarbeit von Martin Wagner)

 

Aufsätze

in begutachteten Zeitschriften

Excoriating Stalin, Criticizing Mao. Entangled Reevaluations of the Past in the 1950s Soviet Union and 1970s/80s China, in: American Historical Review (angenommen)

Entanglement and Rivalry: Encountering “the Other” in Harbin’s Education, 1906–1932, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und Vergleichende Gesellschaftsforschung 31:3 (2021), (im Druck)

KPD-Verbot – KPÖ-Gebot. Antikommunismen und staatlicher Umgang mit Kommunistischen Parteien in den 1950er Jahren, in: Geschichte und Gesellschaft 47:3 (2021), S. 438–466.

Scheine drucken, Schätze evakuieren. Kontingenzbewältigung in Russland angesichts der Bedrohung St. Petersburgs 1812, in: Historische Zeitschrift 312:1 (2021), S. 62–97. (zusammen mit Benjamin Conrad)

Revisionismus. Elemente, Ursprünge und Wirkungen der Debatte um den Stalinismus „von unten“, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 66:4 (2018), S. 651–681.

 

in Zeitschriften und Sammelbänden

Über die Trennung sprechen. Das Erbe der Entstalinisierung und das Ende der sino-sowjetischen Freundschaft 1963, in: Jörg Baberowski und Robert Kindler (Hrsg.): Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 2023 (in Redaktion)

Rediscovering Lenin, Reinventing the Collective. Revolutionary Ideals in post-Stalinist and post-Maoist Transitions, in: Norihiro Naganawa (Hrsg.): Dreams of Emancipation. A Transnational History of Revolutionary Russia (in Redaktion)

Crises in Authoritarian Regimes. An Introduction, in: Jörg Baberowski und Martin Wagner (Hrsg.): Crises in Authoritarian Regimes. Fragile Orders and Contested Power, Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag, S. 11–26. (zusammen mit Jörg Baberowski)

 

in Tageszeitungen

Selbst totalitäre Ordnungen können sich von innen heraus wandeln – aber die Herausforderungen, die sich in einem Russland nach Putin stellen, sind riesig, in: Neue Zürcher Zeitung, 10. Mai 2022, S. 28. (zugleich online: https://www.nzz.ch/feuilleton/putin-die-zeit-nach-stalin-zeigt-wie-sich-macht-wandeln-kann-ld.1682638)

Die Zukunft ist offen, und wir kommen nicht um sie herum: was wir aus einem Rückblick auf Napoleons Russlandfeldzug lernen, in: Neue Zürcher Zeitung, 17. April 2020. (online: https://www.nzz.ch/feuilleton/dcorona-krise-wir-kennen-die-zukunft-nicht-aber-gestalten-sie-ld.1550257)

Über Fehler sprechen, aber keine Fehler zugeben, in: Neue Zürcher Zeitung, 17. Januar 2019, S. 43. (zugleich online: https://www.nzz.ch/feuilleton/china-mao-ueber-fehler-sprechen-aber-keine-zugeben-ld.1451563)

„Mit Zunehmen der Unzufriedenheit ist das ein Risiko“. Der Leiter der EU-Kommissionsvertretung über die Gefahr von Massendemonstrationen und Radikalisierung als Folge der Finanzkrise, in: Der Standard, 30. März 2009. (online: https://www.derstandard.at/story/1237228684068/martin-wagner-mit-zunehmen-der-unzufriedenheit-ist-das-ein-risiko)

 

in Internetpublikationen

Der Vergessenheit trotzen. Die historische Ukraine mit Andreas Kappeler entdecken (Rezensionsessay zu Andreas Kappeler: Kleine Geschichte der Ukraine. 5., überarb. und aktualisierte Auflage, München 2019), in: H-Soz-Kult, 23.3.2022, https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-116255.

Die Atombombenabwürfe auf Nagasaki und Hiroshima im August 1945: „Global Moments“?, in: Zeitgeschichte-online, April 2017, https://zeitgeschichte-online.de/themen/die-atombombenabwuerfe-auf-nagasaki-und-hiroshima-im-august-1945-global-moments (zusammen mit Kai Willms, Susanne Quitmann und Helge Jonas Pösche).

Bomben für den Frieden – Frieden ohne Bomben. Die Atombombe als Triebkraft der Ent- und Verflechtung internationaler Staatenbeziehungen, 1945–1968, in: Zeitgeschichte-online, April 2017, https://zeitgeschichte-online.de/themen/bomben-fuer-den-frieden-frieden-ohne-bomben (zusammen mit Helge Jonas Pösche).

 

Akademische Übersetzungen

ins Englische: Armin Nassehi: Emergency as Normalcy. An Afterword, in: Jörg Baberowski und Martin Wagner (Hrsg.): Crises in Authoritarian Regimes. Fragile Orders and Contested Power, Frankfurt am Main/New York 2022, S. 365–372. (zusammen mit Linda O’Grady)

aus dem Russischen: Auszüge aus Texten von L. I. Ginzberg, A. I. Danilov und L. Korsunskij zur Rezeption Friedrich Meineckes in der Sowjetunion, in: Bernd Sösemann (Hrsg.): Friedrich Meinecke: „Die deutsche Katastrophe. Betrachtungen und Erinnerungen“. Edition und internationale Rezeption, Berlin 2018, S. 310–312, 357, 359–362.

aus dem Chinesischen: Auszüge aus Texten von He Zhaowu (何兆武), Shi Yonghe (石雍和), Li Yang (李扬), Zhang Guiyong (張貴永) und Xu Xianyao (徐先堯) zur Rezeption Friedrich Meineckes in der VR China und Taiwan, in: Bernd Sösemann (Hrsg.): Friedrich Meinecke: „Die deutsche Katastrophe. Betrachtungen und Erinnerungen“. Edition und internationale Rezeption, Berlin 2018, S. 44, 187–191, 354–358, 423.

 

Rezensionen

Daniel Leese: Maos langer Schatten. Chinas Umgang mit der Vergangenheit, München 2020, in: H-Soz-Kult, 25.5.2021, https://www.hsozkult.de/review/id/reb-94382?title=d-leese-maos-langer-schatten&recno=1&q=&sort=&fq=&total=17938

Jonathan Harris: Party Leadership Under Stalin and Khrushchev. Party Officials and the Soviet State, 1948-1964, Lanham u.a. 2018, in: Historische Zeitschrift 312:1 (2021), S. 267–268.

Kirill A. Abramjan: 1937 god. N.S. Chruščёv i moskovskaja partorganizacija, Moskva 2018, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 68:3–4 (2020), S. 658–660.

Warren Sun und Frederick C. Teiwes: Paradoxes of Post-Mao Rural Reform. Initial Steps Toward a New Chinese Countryside 1976–1981, New York 2016, in: ASIEN – The German Journal on Contemporary Asia 156/157 (2020), S. 208–210.

Li Danhui/Xia Yafeng: Mao and the Sino-Soviet Split, 1959-1973: A New History, Lanham 2018, in: H-Soz-Kult, 11.12.2020, www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-93442

Wie die Grenze in die Steppe kam: Zwischen China und Russland war Niemandsland. Bis nationale Interessen ihre Spuren hinterliessen. (Besprechung zu Sören Urbansky: Beyond the Steppe Frontier. A History of the Sino-Russian Border, Princeton 2020), in: Neue Zürcher Zeitung, 12. November 2020. (online: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-grenze-in-der-steppe-zwischen-china-und-russland-ld.1586208)

Ethan Pollock: Without the Banya We Would Perish. A History of the Russian Bathhouse, Oxford 2019, in: Historische Zeitschrift 311:2 (2020), S. 405–407.

Thomas Maissen/Barbara Mittler: Why China Did Not Have a Renaissance – and Why That Matters. An Interdisciplinary Dialogue, Berlin/Boston 2018, in: Das Historisch-Politische Buch 68:1 (2020), S. 83.

Benedikt Tondera: Reisen auf Sowjetisch. Auslandstourismus unter Chruschtschow und Breschnew, 1953–1982, Wiesbaden 2019, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 68:6 (2020), S. 585–587.

Daniel Leese/Puck Engman (Hrsg.): Victims, Perpetrators and the Role of Law in Maoist China. A Case-Study Approach, Berlin/Boston 2018, in: WerkstattGeschichte 81 (2020), S. 207–209. (zugleich online: https://www.recensio.net/rezensionen/zeitschriften/werkstattgeschichte/2020/81-1-2020/ReviewMonograph41356017)

Sammelrezension zu: Lucien Bianco: Stalin and Mao. A Comparison of the Russian and Chinese Revolutions. Transl. by Krystyna Horko, Hong Kong 2018; Elizabeth McGuire: Red at Heart. How Chinese Communists Fell in Love with the Russian Revolution, Oxford 2018, in: Historische Zeitschrift 310:1 (2020), S. 259–262.

Immo Rebitschek: Die disziplinierte Diktatur. Stalinismus und Justiz in der sowjetischen Provinz, 1938 bis 1956, Wien/Köln/Weimar 2018, in: H-Soz-Kult 28.05.2019, www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29833

Kathleen E. Smith: Moscow 1956. The Silenced Spring, Cambridge, Mass./London 2017, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 67:1 (2019), S. 87–89.

Natal’ja Aleksandrovna Volynčik (Hrsg.): Posle Stalina. Reformy 1950-ch godov v kontekste sovetskoj i postsovetskoj istorii. Materialy VIII meždunarodnoj konferencii, Ekaterinburg, 15-17 oktjabrja 2015 goda, Moskva 2016, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas/jgo.e-reviews 8:4 (2018), S. 78–82, https://www.recensio.net/r/a0388246be8d4b2c99e04f5b2de302d5

Aleksandr A. Fokin: “Kommunizm ne za gorami”. Obrazy buduščego u vlasti i naselenija SSSR na rubeže 1950-1960-ch godov, Moskva 2017, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas/jgo.e-reviews 8:4 (2018), S. 29–31, https://www.recensio.net/r/bf9fb8f33ad547e28fe984b64546be88

Cheng Li: Chinese Politics in the Xi Jinping Era. Reassessing Collective Leadership, Washington 2016, in: ASIEN – The German Journal on Contemporary Asia 149 (2018), S. 146–148.

Sheila Fitzpatrick: Stalins Mannschaft. Teamarbeit und Tyrannei im Kreml. Übersetzt von Christiana Goldmann, Paderborn 2017, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 66:12 (2018), S. 1064–1066.

Joshua Rubenstein: The Last Days of Stalin, New Haven 2016, in: H-Soz-Kult 21.11.2018, www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-29936

Susanne Hohler: Fascism in Manchuria. The Soviet-China Encounter in the 1930s, London 2017, in: H-Soz-Kult 25.09.2018, www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-27236

 

 

Lehrveranstaltungen

Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften

SoSe 2018: Übung „Äpfel und Birnen. Vom Nutzen und Nachteil des historischen Vergleichs“

SoSe 2019: Übung „China unter Mao. Die kommunistische Herrschaft 19491976“

SoSe 2020: Übung „Change and Stability. The Soviet Union under Khrushchev and Brezhnev“ (zusammen mit Jonathan Raspe)