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Humboldt-Universität zu Berlin - Südosteuropäische Geschichte

Robert Lučić

Krieg und Frieden im Sozialismus – Die Jugoslawische Volksarmee im Konflikt um die Nachfolge des Sozialistischen Jugoslawien

Das Ziel meines Forschungsprojektes ist es zu analysieren, wie sich die gesellschaftliche Funktion und das Selbstverständnis der Jugoslawischen Volksarmee und eines großen Teiles ihrer Angehörigen während der jugoslawischen Staatskrise in den 1980er und beginnenden 1990 Jahren veränderten. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht dabei die Frage, wie sich eine einstmals auf den Sozialismus eingeschworene und gesellschaftlich hoch angesehene Zentral-Institution des kommunistischen Regimes zu einem Machtfaktor und militärisch-politischem Instrument der großserbischen Ambitionen Serbiens unter der Führung Slobodan Miloševićs entwickelt.
Die Realisierung des Projektes soll innerhalb dreier thematischer Komplexe erfolgen:
1.  Macht und Institution:
Eine macht- und herrschaftspolitische Analyse soll zeigen, wie die Jugoslawische Volksarmee innerhalb des kommunistischen Gesellschafts- und sozialistischen state-building-Projektes eingebunden war. Gefragt wird dabei nach Wandlungsprozessen aus partei-programmatischen Gründen, aber auch aufgrund institutionsinterner Dynamiken.
2.  Armee und Gesellschaft:
Einen zweiten Komplex konstituiert die Frage nach der sozialen Funktion der Volksarmee in der jugoslawischen Gesellschaft. Im Zentrum stehen der Wehrdienst als Teil der sozialen Biographie, die Militärangehörigen als soziale Schicht und die Armee als sozioökonomischer Akteur. Eine Lokalanalyse der serbischen Stadt Valjevo soll zum einen die individuelle Anbindung der Bevölkerung an die dort stationierten Einheiten, zum anderen diese Einheiten selbst in ihrer lokalen Relevanz für die wirtschaftliche Entwicklung in den Blick nehmen.
3.  Konflikt und Krise:
Dieser letzte Abschnitt analysiert dann unter Berücksichtigung der makro-, meso- und mikroperspektivischen Darstellungen der vorhergehenden Kapitel die Transformation der Jugoslawischen Volksarmee während der sozialistischen Staatskrise und dem Ausbruch des Krieges 1991.

 

Teilprojekt des internationalen Forschungs- und Vernetzungsprojekts Physische Gewalt und Herrschaftslegitimation im Spätsozialismus am Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF).

Gefördert von der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) aus Mitteln des Paktes für Forschung und Innovation im Rahmen des SAW-Exzellenzwettbewerbs.