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Humboldt-Universität zu Berlin - Südosteuropäische Geschichte

Veronika Hager

„Nachdenken über das Osmanische Reich in der jungen Republik Türkei“

 

In diesem Dissertationsprojekt wird der Übergang vom Osmanischen Reich hin zur Republik Türkei von einem historiographiegeschichtlichen Standpunkt aus betrachtet. Den Schwerpunkt stellt die Untersuchung von Geschichtsschreibung dar, die sich mit dem späten Osmanischen Reich befasst und die teils noch in osmanischer, teils bereits in republikanischer Zeit produziert wurde.

Das Ziel ist es, Brüche, aber auch Kontinuitäten zu identifizieren und sie in einen größeren geistesgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Das besondere Augenmerk liegt auf der Frage, welche Werte und Gesellschaftsbilder in der untersuchten Geschichtsschreibung transportiert werden, wie sich Loyalitäten in der Transformationsphase wandeln und in welcher Form historische Forschung in der jungen Republik Türkei zur Identitätsbildung des Nationalstaats beiträgt.

Diese Fragen werden anhand der Werke der Historiker İbnülemin Mahmud Kemal İnal, Osman Nuri Ergin und İsmail Hami Danişmend untersucht. Sie waren sowohl in der Spätphase des Osmanischen Reiches, als auch in der Frühphase der Republik Türkei aktiv und produktiv. Sie verbindet, dass sie sich durch ihre Auseinandersetzung mit dem späten Osmanischen Reich abseits des geschichtswissenschaftlichen Mehrheitsdiskurses der neu gegründeten Republik Türkei bewegten, ohne deshalb als Oppositionsfiguren wahrgenommen zu werden.

Ein besonderer Schwerpunkt der Dissertation liegt auf begriffsgeschichtlichen Untersuchungen, besonders vor dem Hintergrund der türkischen Sprach- und Schriftreform.

Diese Promotion ist Teil des Forschungsbereichs „Plural Traditons“ an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies und wird gefördert durch die DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder.