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Humboldt-Universität zu Berlin - Südosteuropäische Geschichte

Johannes Breit

Name
Johannes Breit

Dissertationsprojekt:

 

Serbenbild und rassistische Diskurse in der deutschen Okkupation Serbiens 1941-1944

 

Mein Dissertationsprojekt geht der Frage nach, welche Vorstellungen, welches vermeintliche Wissen und welche Vorurteile über den Raum Serbien und seine Bewohner in der deutschen Okkupation des Landes während des Zweiten Weltkriegs existierten und zirkulierten und wie und inwieweit sich diese Vorstellungen, dieser Diskurs auf die sozialen und politischen Realitäten der Okkupation auswirkten.

Anschließend an Maria Todorovas Balkanismus Konzept und den immer wieder in der relevanten Literatur auftauchenden aber bisher noch unzureichend untersuchten Serbenhass der Besatzer wird meine Arbeit sowohl die vorhandenen Vorurteile wie auch ihre konkreten Auswirkungen näher untersuchen, wobei der Fokus auf einer Geschichte „von unten“ bzw. auf einem lokalen Ansatz liegen soll.

 

Im ersten analytischen Teil der Arbeit soll anhand einer Diskursanalyse alliierter Abhörprotokolle, Feldpostbriefe und Tagebücher, die durch eine Reihe anderer Quellen kontextualisiert werden, die Topoi und ihre Vernetzung, kurz, der Diskurs, der Wehrmacht im Bezug auf Serben und Serbien herausgearbeitet werden. Dies soll auch der Einordnung des Besatzungsdiskurses in Kontinuitäten eines europäischen Balkanismus dienen und gleichzeitig herausarbeiten, ob man von einem spezifisch nationalsozialistischen Balkanismus sprechen kann. Gleichzeitig etabliert es auch die Grundlage für den zweiten analytischen Teil der Arbeit.

 

In diesem, der konzeptuell an die Vielzahl lokal und mikrogeschichtlicher Ansätze bei der Erforschung des Zweiten Weltkriegs in Südost Europa anschließt, soll anhand einer historischen Tiefenbohrung am Beispiel der serbischen Stadt Niš, die Praxis und Wirkmächtigkeit des Diskurses etabliert werden. Hierbei sollen Fragen im Vordergrund stehen, wie etwa sich dieser Diskurs im Verhältnis zwischen Besatzern und Bevölkerung, Kollaborationsverwaltung, Gruppen mit konfliktiven Loyalitäten und Gegner der Okkupation wiederspiegelt. Im Zuge dessen soll einerseits die Wirkmächtigkeit diverser Vorstellungen und Vorurteile aufgezeigt werden, andererseits den komplexen Verhältnissen vor Ort Rechnung getragen werden.