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Humboldt-Universität zu Berlin - Südosteuropäische Geschichte

Veronika Hager

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Veronika Hager

 

 

Projektbeschreibung

 

„Nachdenken über das Osmanische Reich in der jungen Republik Türkei“

 

In diesem Dissertationsprojekt wird der Übergang vom Osmanischen Reich hin zur Republik Türkei von einem historiographiegeschichtlichen Standpunkt aus betrachtet. Den Schwerpunkt stellt die Untersuchung von Geschichtsschreibung dar, die sich mit der Schlussphase des Osmanischen Reiches befasst (nach 1908) und die in der sich konsolidierenden Republik Türkei (ca. 1930-1955) produziert wurde.

Das Ziel ist es, konstruierte Brüche, aber auch Kontinuitäten zu identifizieren und sie in einen größeren geistesgeschichtlichen Kontext einzuordnen. Das besondere Augenmerk liegt auf der Frage, wie das Vorgängerregime repräsentiert wird, in welches größere Narrativ einer nationalen Geschichtsschreibung sich diese Historiographie einordnet, und wie für eine sehr rezente Vergangenheit Historizität geschaffen wird.

Diese Fragen werden zum einen anhand von Staatshistoriographie (Programmschriften, Schulbücher, Kongresse, Periodika), zum anderen anhand der Werke der Historiker İbnülemin Mahmud Kemal İnal, Osman Nuri Ergin und İsmail Hami Danişmend untersucht. Die drei letztgenannten Autoren waren sowohl in der Spätphase des Osmanischen Reiches, als auch in der Frühphase der Republik Türkei aktiv und produktiv. Sie verbindet, dass sie sich durch unterschiedlich gelagerte Konservatismen abseits des geschichtswissenschaftlichen Mehrheitsdiskurses der neu gegründeten Republik Türkei bewegten, ohne deshalb als Oppositionsfiguren wahrgenommen zu werden. Diese Gegenüberstellung zweier Quellengruppen ermöglicht es, die vorherrschende Annahme von einer monolithischen Geschichtspraxis in Frage zu stellen und ein komplexeres Bild des frührepublikanischen historischen Denkens und Publizierens zu entwerfen.

Die Dissertation verfolgt zudem das Ziel, die Historiker İnal, Ergin und Danişmend bezüglich ihrer biographischen Erfahrungen in der Transformationsphase, ihrer urbanen intellektuellen Netzwerke und ihrer Schreibpraxis (v.a. nach der Schriftreform 1928) zu kontextualisieren.

Diese Promotion ist Teil des Forschungsbereichs „Plural Traditons“ an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies und wird gefördert durch die DFG im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder.

 

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