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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Westeuropas und transatl. Beziehungen

Manuel Müller

Foto
Name
Manuel Müller
Status
wiss. Mitarb.
E-Mail
manuel.mueller.2 (at) hu-berlin.de

Einrichtung (OKZ)
Philosophische Fakultät → Institut für Geschichtswissenschaften → Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen
Sitz
Friedrichstraße 191-193 , Raum 4080
Telefon
(030)2093-70612

 

Thema | Vita | Publikationen| Blog



 

Mein Interesse gilt vor allem der Geschichte der europäischen und globalen Integration, mit Schwerpunkt auf verfassungs- und demokratietheoretischen Aspekten, transnationalen Identitäten, Öffentlichkeit und Medien.

 


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Promotionsthema

 

Warum der Vertrag von Maastricht nicht zu Europas „constitutional moment“ wurde: Konstitutionalisierung und Öffentlichkeit der Europäischen Union (1988-1991)

 

Der Vertrag von Maastricht, der im Dezember 1991 beschlossen wurde, stellte einen zentralen Konstitutionalisierungsschritt im Prozess der europäischen Integration dar: Er erweiterte die Kompetenzen der EG/EU stark und leitete zugleich eine Verschiebung ihrer Legitimationsgrundlage von den Mitgliedstaaten zu den Unionsbürgern ein. Die öffentliche Wahrnehmung der Vertragsverhandlungen hielt mit dieser Föderalisierung der Institutionen jedoch nicht Schritt. Zwar fand das Thema in den Medien eine sehr hohe Aufmerksamkeit; dabei dominierten jedoch Deutungsmuster, die anstelle des Gemeinwohls einer europäischen Bürgerschaft jeweils nationale Interessen in den Vordergrund stellten und je nach Land zu einem sehr unterschiedlichen Verständnis von der Bedeutung der Vertragsverhandlungen führten.

Diese Beharrungskraft nationaler Diskursgrenzen kann mithilfe eines nachrichtenwerttheoretischen Ansatzes erklärt werden: Da der Vertrag auf einer intergouvernementalen Konferenz ausgehandelt wurde, nahmen die Medien die nationalen Regierungen als Hauptakteure der Reform wahr. Im Mittelpunkt des Interesses stand dabei in allen Ländern das Auftreten der je eigenen Regierung, da nur diese gegenüber dem jeweiligen nationalen Publikum politisch verantwortlich war und deshalb auch den höchsten Nachrichtenwert besaß. Dies führte dazu, dass die europapolitische Agenda der nationalen Regierung jeweils auch die Debatte in der nationalen Öffentlichkeit beherrschte. Positionen ausländischer Regierungen oder der supranationalen Organe wurden zwar wahrgenommen; sie dienten den Medien jedoch in erster Linie dazu, das Verhalten der eigenen Regierung besser zu kontextualisieren, und wurden eher als unvermeidlich gegebene Tatsachen denn als Beiträge zu einer gesamteuropäischen Diskussion behandelt. Ein Großteil der Kontroverse konzentrierte sich stattdessen auf innenpolitische Konflikte über die nationale Europapolitik – zwischen Regierung und Opposition in Frankreich oder zwischen verschiedenen Flügeln der Regierungspartei in Großbritannien. In diesen Konflikten stand jedoch nicht so sehr die Entwicklung der europäischen Integration als Ganzes im Vordergrund, sondern nur deren Auswirkungen auf das jeweilige nationale politische System.

Das Dissertationsprojekt verfolgt in einer qualitativen Diskursanalyse die Entwicklung der Pressedebatte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien von der Einsetzung des Delors-Ausschusses 1988 bis zum Gipfel von Maastricht 1991, wobei jeweils eine konservative und eine linksliberale Tageszeitung ausgewertet werden. Dabei untersuche ich zum einen in vergleichender Form, welche Schwerpunkte die Zeitungen unterschiedlicher nationaler Herkunft und weltanschaulicher Ausrichtung jeweils bei der Beschreibung und Bewertung der Vertragsverhandlungen setzten. Zum anderen betrachte ich die Darstellung einzelner Vertragselemente wie der Währungsunion, der Unionsbürgerschaft oder der (letztlich aus dem Vertragstext gestrichenen) „föderalen Berufung“ der EU, um die Diskrepanz zwischen der konstitutionellen Bedeutung des Vertrags und seiner medialen Wahrnehmung zu erklären. Mit seinem theoretischen Ansatz geht das Projekt auch über den Vertrag von Maastricht hinaus auf das grundsätzliche Problem der Legitimierung supranationaler Konstitutionalisierungsprozesse in nationalen Öffentlichkeiten ein.

 

Kurzvita

 

seit 2013

Koordinator am Forschungsprojekt Saisir l’Europe (Arbeitsgruppe „Herausforderung Sozialstaat“) am Lehrstuhl für Westeuropäische Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin

 

2012

Mitorganisator der 8. HEIRS-Konferenz Communicating European Integration

 

2011
Forschungsaufenthalt am Europäischen Hochschulinstitut, Florenz

 

2009-2010
Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Westeuropäische Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin

 

2009-2013
Mitglied des DFG-Graduiertenkollegs Verfassung jenseits des Staates an der Humboldt-Universität zu Berlin

 

2009-2011
Promotionsstipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

 

2008
Studienabschluss: Magister Artium „mit Auszeichnung“ an der Humboldt-Universität zu Berlin

 

2003-2008
Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes

 

2002-2008
Studium der Neueren und Neuesten Geschichte und der Hispanistik in Bamberg, Granada und Berlin

 

1991-2002
Schulbesuch in Helsinki, Bamberg und Valencia

 

 

Publikationen

 

Monografien

 

Von der „Modernisierung“ zur „Demokratisierung“: Spanien und die europäische Integration im Pressediskurs des Spätfranquismus (1957-1976), Saarbrücken: VDM 2008.

 

Herausgeberschaft

 

● mit Tobias Reckling und Andreas Weiß: Communicating European Integration, Journal of Contemporary European Research, Special Issue 10.1 (2014).

● mit Ingolf Pernice und Christopher Peters: Konstitutionalisierung jenseits des Staates: Zur Verfassung der Weltgemeinschaft und den Gründungsverträgen internationaler Organisationen, Baden-Baden: Nomos 2012.

 

Aufsätze und Sammelbandbeiträge

 

● mit Tobias Reckling u. Andreas Weiß: „Communicating European Integration: A Historical Perspective“, in: Journal of Contemporary European Research 10.1 (2014)

● „Delegitimation durch Verfahren: Wie sich das Änderungsverfahren auf die öffentliche Wahrnehmung von nationalen Verfassungen und von Gründungsverträgen internationaler Organisationen auswirkt. Ein nachrichtenwertbasierter Ansatz“, in: Ingolf Pernice/Manuel Müller/Christopher Peters (Hrsg.), Konstitutionalisierung jenseits des Staates: Zur Verfassung der Weltgemeinschaft und den Gründungsverträgen internationaler Organisationen, Baden-Baden: Nomos 2012, S. 163-190.

● „The European public sphere in the run-up to the Maastricht Treaty: Who was the addressee of the debate on the ‚hard ECU‘ proposal?“, in: zeitgeschichte 38 (2011), S. 232-250.

● mit Giulia Bentivoglio u. a.: „Europe between the superpowers: Third actor or satellite?“, in: zeitgeschichte 37 (2010), S. 337-362.

„Diplomatie oder Parlamentarismus: Altiero Spinellis Ablehnung des Genscher-Colombo-Plans 1981“, in: Themenportal Europäische Geschichte (2009).

● mit Tim Gemkow u. a.: „Demokratie und Lobbying in Brüssel“, in: Studienkolleg zu Berlin (Hrsg.), Projekt Junges Europa 3, Hannover: Wehrhahn 2007, S. 31-51.

 

Rezensionen

 

„Kaiser, Wolfram; Varsori, Antonio (Hrsg.): European Union History. Themes and Debates. Basingstoke 2010, in: H-Soz-u-Kult, 30.03.2011.

 


Blog: Der (europäische) Föderalist

 

Der (europäische) Föderalist.

● Gastbeiträge u.a. für Süddeutsche Zeitung, EurActiv.de, Carta.info, Green European Journal, ParisBerlin, Bundeszentrale für politische Bildung.

 

Der (europäische) Föderalist in anderen Medien (Auswahl)

 

„Schlau, lehrreich, politisch“, Süddeutsche Zeitung, 25.04.2014.

„Wie nah ist Ihnen Europa?“, WDR5 Tagesgespräch (Studiogast), 09.05.2014.

„Blogger Manuel Müller über die Europawahl“, Interview, tip Berlin, 21.05.2014.

„#waszurwahl“, WDR-Fernsehen (Studiogast), 22.05.2014.

Interview, DeutschlandRadio Kultur, 25.05.2014.

„Ineffiziente Rotation“, Interview zur EU-Ratspräsidentschaft, WDR5 Politikum, 01.07.2014.