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Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte Westeuropas und transatl. Beziehungen

Reet Tamme, M.A.

Foto
Name
Reet Tamme M.A.
Status
Doktorandin
E-Mail
reet.tamme (at) geschichte.hu-berlin.de

Einrichtung (OKZ)
Philosophische Fakultät → Institut für Geschichtswissenschaften → Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen

Thema | Vita | Publikationen



 

Wissenschaftsgeschichte mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaften, Migrationsgeschichte, Sozial- und Kulturgeschichte Großbritanniens und transatlantische Geschichte, Transferprozesse und der historische Vergleich. Das Dissertationsprojekt ist am Sonderforschungsbereich 640 "Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel" der Humboldt Universität zu Berlin angesiedelt.

 


Projektskizze, CV und Publikationen (pdf)


 

Promotionsthema

Wissenschaftliche Repräsentationen von Multiethnizität: Race relations‐Forschung in Großbritannien von den 1950er bis in die 1970er Jahre

 

Die Einwanderung aus den Staaten des New Commonwealth in der Nachkriegszeit bedingte einen sozialen Wandel in der britischen Gesellschaft, Themen wie Immigration und Ethnizität rückten verstärkt in den Fokus der britischen Sozialwissenschaften. An der Schnittstelle von Soziologie und Anthropologie bildete sich ein neues Forschungsfeld, die race relations-­Forschung, heraus.

Im Begriff race relations lehnten sich die britischen Wissenschaftler an die US‐amerikanische Soziologie an, die sich antirassistisch verstand und biologistische Definitionen von race gänzlich ablehnte. Race wurde nun kulturell aufgefasst, was neue Stereotypen und essentialistische Zuschreibungen mit sich brachte, die klar zwischen einem britischen ‚Selbst’ und den ‚Fremden’ trennten. Bis zum Ende der 1960er Jahre bildete sich ein Deutungsmonopol der race relations‐Experten heraus, dessen Legitimation zum einen auf den Rückgriff auf die amerikanische anwendungsorientierte Theoriebildung zurückzuführen ist, zum anderen in der strukturellen Verankerung und zunehmenden Netzwerkbildung zwischen politischen und wissenschaftlichen Akteuren begründet liegt. Als wichtiger Knotenpunkt etablierte sich das 1958 gegründete Institute of Race Relations. Eine bedeutende Rolle spielten dabei ebenfalls die amerikanischen philanthropischen Stiftungen, die Rockefeller und die Ford Foundation, die die Forschung finanzierten. Erst zu Beginn der 1970er Jahre wurde die etablierte, von weißen Experten betriebene Forschung von einer neuen Wissenschaftlergeneration als ethnozentrisch und
voyeuristisch in Frage gestellt, worin sich die Vorläufer des postkolonialen Diskurses zeigen.

Das Ziel des Projektes ist, am Fallbeispiel der britischen race relations‐Forschung die Rolle der Sozialwissenschaften im Prozess des gesellschaftlichen Wandels zu beleuchten. Eine Grundannahme ist, dass den Sozialwissenschaften gerade im Untersuchungszeitraum eine zentrale Rolle in der Generierung dessen zukam, was Gesellschaften über sich selbst wissen. Daher wird erstens gefragt, wie die britischen Sozialwissenschaftler die Erfahrungen des sozialen Wandels und die Existenz verschiedener ethnischer Gruppen in der britischen Gesellschaft gedeutet haben, wie sich diese Deutungen im sozialwissenschaftlichen Wissen niederschlugen und wie sie sich im Untersuchungszeitraum veränderten. Zwei Umbrüche − die Unruhen in London und Nottingham 1958 sowie die gesellschaftlichen Veränderungen Ende der 1960er Jahre –
prägten den Wandel der wissenschaftlichen Deutungsmuster und stehen daher im Mittelpunkt. Zweitens wird danach gefragt, wie das sozialwissenschaftliche Wissen kommuniziert wurde und wie es soziales Handeln beeinflusste und strukturierte. Die Rolle der Wissenschaft in der Minderheitenpolitik ist hier besonders von Interesse.

Das Projekt verbindet ideengeschichtliche Ansätze mit handlungstheoretischen Perspektiven und arbeitet mit der Methode der historischen Transferforschung.

 

Kurzvita

Seit 1/2010
Redaktionsmitglied der Publikationsserie „Working Papers des Sonderforschungsbereiches 640“..


Seit 10/2008
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Teilprojekt "Repräsentationen von (Multi‐)Ethnizität in Großbritannien. Ende der 1950er bis Ende der 1970er Jahre" am Sonderforschungsbereich
640 "Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel".

 

2007
Magistra Artium, Thema der Magisterarbeit: „Der Transfer des Golfsports von Großbritannien in die USA 1890‐1930. Akteure, Medien und Verbreitungsmechanismen“.

 

2006
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt „Sport and green space in the modern and contemporary European city” der Universität Helsinki und dem Großbritannien-­‐Zentrum der Humboldt-­‐Universität zu Berlin.

 

2000‐2007
Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Kunstgeschichte und Germanistischen Linguistik an der Humboldt‐Universität zu Berlin.

 

Publikationen

„,Promoting racial harmony’: Race relations‐Forschung und soziale Ungleichheit in Großbritannien in den 1950er bis 1960er‐Jahren“, in: Thomas Mergel/Christiane Reinecke (Hg.), Das Soziale ordnen. Sozialwissenschaften und gesellschaftliche Ungleichheit im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main: Campus.

 

„Von den dark strangers zum Subproletariat: Wissenschaftliche Deutungen der multiethnischen Gesellschaft in Großbritannien von den 1950er bis Anfang der 1970er Jahre“, in: Gabriele Metzler (Hg.), Repräsentationsformen des Anderen. Migranten in Westeuropa und den USA im 20. Jahrhundert, Frankfurt am Main: Campus, i.E.

 

mit Christiane Reinecke et al.: Savoir et ordre social. Une critique de la société du savoir. Avec un commentaire de Stefan Beck. Traduit de l’allemand par Anne Joly, en collaboration avec Friedhelm Hoffmann. SFB 640, Berlin 2011.pdf
 

mit Christiane Reinecke et al.: Wissen und soziale Ordnung. Eine Kritik der Wissensgesellschaft. Mit einem Kommentar von Stefan Beck. SFB 640, Berlin 2010. pdf

 

mit Christiane Eisenberg: „The Golf Boom in Germany 1980‐2006: Commercialisation, Nature Protection and Social Exclusion“, in: Peter Clark/Marjaana Niemi/Jari Niemelä (Hg.), Sport, Recreation and Green Space in the European City (= Studia Fennica Historia 16), Helsinki 2009, S. 171‐183.