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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des Mittelalters. Schwerpunkt: Spätmittelalter

Wintersemester 2019/20

 

Prof. Dr. Johannes Helmrath

Übung

Quellenlektüre zur mittelalterlichen Geschichtsschreibung/ Lektürekurs lateinischer Geschichtsschreibung und Vitenliteratur aus Spätantike und Mittelalter

Mo. 12-14, FRS 191, R. 4031

In der Übung werden lateinische historiographische Texte kursorisch gelesen, interpretiert und verglichen. beginnend mit Stellen aus der Apostelgeschichte und Orosius (5. Jh.), den Fränkischen Reichsannalen, einer Stadtchronik etc. Eine zweite Phase der Übung untersucht Herrscher- und Heiligenviten als historiographische Quellen, beginnend mit der prototypischen ‚Vita Sancti Martini‘ des Sulpicius Severus (um 420) und der ‚Vita Sancti Severini‘‘ des Eugippius (um 511), ferner Einhards ‚Vita Caroli Magni‘ (um 830) und die ‚Vita Heinrici quarti‘ (um 1106). - Kernpassagen werden lateinisch mit entsprechenden Vokabel- und Grammatik-Hilfen gelesen. Lateinkenntnisse sind daher sehr erwünscht.

 

Übung (gemeinsam mit Dr. Christian Jaser)

Köln und Aachen im Mittelalter

Di. 14-16, FRS 191, R. 4031

Köln und Aachen zählten zu den bedeutendsten Städten und zugleich Symbolorten des mittelalterlichen Reichs und boten noch im 19. Jahrhundert zahlreiche Anknüpfungspunkte für die aufkommende Mittelalterbegeisterung. Davon geben noch heute nicht nur die Sakralbauten des Kölner Doms und der Aachener Marienkirche Zeugnis ab, sondern auch Bezeichnungen wie „Heiliges Köln“ oder „Neues Rom“. Neben einem Überblick über die wesentlichen politik-, verfassungs-, sozial- und kirchengeschichtlichen Entwicklungen beider Städte wird der Kurs einzelne Aspekte vertiefend in den Blick nehmen: städtische Topographien, kirchliche Infrastrukturen, kommunale Repräsentationsformen, bürgerliche Emanzipationsbewegungen, Gewerbe und Handel, jüdisches Leben, städtische Historiographien. Die Übung dient auch als Vorbereitung für eine Exkursion nach Köln und Aachen (30. März bis 5. April 2020). Der Besuch ist aber auch unabhängig von der Exkursion möglich.

 

Forschungskolloquium (mit Prof. Dr. Barbara Schlieben)

Forschungskolloquium zur Geschichte des Mittelalters

Mo. 16-18, FRS 191, R. 4031

Das Kolloquium dient der Diskussion aktueller Forschungsprojekte aus dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte; zudem werden Neuerscheinungen besprochen. Fortgeschrittene Bachelorstudierende sind ebenso willkommen wie Masterkandidaten und Doktoranden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm

 

PD Dr. Christian Jaser

Epochenseminar

Das Mittelalter: weiß, männlich, christlich? Eine Bestandsaufnahme

Mo. 12-14, DOR 24, R. 1.404

Die Vereinnahmung des Mittelalters für (identitäts)politische Zwecke kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits im 19. Jahrhundert konstruierte die sich etablierende Geschichtswissenschaft mit Verve „genealogisch homogene Nationalmittelalter“ (Valentin Groebner), um nationalen Sehnsüchten und Stimmungslagen historische Legitimation und Tiefe zu verschaffen. Unter anderen Vorzeichen läuft die „Wunschmaschine“ Mittelalter auch derzeit wieder auf Hochtouren: Rechtspopulistische und rechtsextremistische Kreise berufen sich in den USA wie auch in Europa auf ein „weißes, männliches und christliches Mittelalter“. Der Umgang mit dieser neuerlichen Instrumentalisierung hat in der US-amerikanischen Mediävistik zu hitzigen Auseinandersetzungen in den sozialen Medien geführt, die nicht zuletzt Fragen nach der innerfachlichen Diversität aufwarfen. Diesen aktuellen Herausforderungen der Mittelalterforschung wird das Seminar auf zwei Ebenen nachgehen: Erstens werden die Kontexte, Akteure und Inhalte der laufenden Debatte analysiert, zweitens gilt es, die behauptete Homogenität des Mittelalters mit Blick auf Hautfarbe, Geschlecht und Religion einer fachwissenschaftlichen Prüfung zu unterziehen. Begleitend zum Seminar werden dabei – entlang des gängigen Arbeitsprozesses von der Anfangrecherche bis zur fertigen Hausarbeit – Basiskompetenzen wie wissenschaftliches Lesen, Diskutieren und Schreiben eingeübt und im Rahmen einer Schreibwerkstatt am Semesterende erprobt. Die Lektürefähigkeit englischsprachiger Texte ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Seminarteilnahme.

 

Bachelorseminar

Paläographie und Schriftkultur des Mittelalters

Di. 10-12, FRS 191, R. 4026

Von mittelalterlichen Handschriften geht seit jeher eine besondere Faszination aus. Die Haptik des Pergaments, das Farbenspiel der Buchmalerei und die Aura von Hand geschriebener Buchstaben schlagen den Betrachter unvermittelt in den Bann. Das Seminar wird in Form von paläographischen Leseübungen den wesentlichen Etappen mittelalterlicher Schriftgeschichte von der Antike bis zur Renaissance nachgehen. Zugleich geht es immer auch um die Kulturgeschichte des Schreibens, um die historischen Kontexte und materiellen Voraussetzungen der Schriftproduktion: Beschreibstoffe und Schreibwerkzeuge, bildungs- und allgemeinhistorische Rahmenbedingungen, Trägerinstitutionen und Akteure der Schriftentwicklung, Mechanismen des Kulturtransfers. Neben der Vermittlung paläographischer Techniken gilt es im Laufe der Seminararbeit, das kulturgeschichtliche Potenzial einer Erforschung materialer Textkulturen auszuloten.  

 

Masterseminar

Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters - neue Forschungsperspektiven

Mi. 12-14, DOR 24, R. 1.402

Die Wirtschaftsgeschichte des europäischen Mittelalters ist derzeit wieder en vogue. Nachdem dieses traditionelle Teilfach der Geschichts- und Wirtschaftswissenschaften in den vergangenen Jahrzehnten eher ein Nischendasein fristete, steigt spätestens seit der Welfinanzkrise von 2008 das allgemeinhistorische Interesse an wirtschaftlichen Prozessen und Akteuren sowie deren Handlungs- und Wahrnehmungsmuster spürbar an. Das Seminar wird zunächst der Geschichte ökonomiehistorischer Forschung in Deutschland und Europa in ihren wesentlichen Etappen nachgehen – von den Anfängen einer Wirtschafts- und Sozialgeschichte im Kontext der Nationalökonomie über die Annales-Bewegung bis zur New Economic History –, bevor die Neuansätze der jüngeren Forschung anhand ausgewählter programmatischer Beiträge und Monographien ausgewertet und diskutiert werden. Im Fluchtpunkt steht dabei die Frage, wie und mit welchem Gewinn der Brückenschlag zwischen der Wirtschaftshistorie und der derzeit dominanten Kulturgeschichte gelingen kann.

 

Übung (gemeinsam mit Prof. Dr. Johannes Helmrath)

Köln und Aachen im Mittelalter

Di. 14-16, FRS 191, R. 4031

Köln und Aachen zählten zu den bedeutendsten Städten und zugleich Symbolorten des mittelalterlichen Reichs und boten noch im 19. Jahrhundert zahlreiche Anknüpfungspunkte für die aufkommende Mittelalterbegeisterung. Davon geben noch heute nicht nur die Sakralbauten des Kölner Doms und der Aachener Marienkirche Zeugnis ab, sondern auch Bezeichnungen wie „Heiliges Köln“ oder „Neues Rom“. Neben einem Überblick über die wesentlichen politik-, verfassungs-, sozial- und kirchengeschichtlichen Entwicklungen beider Städte wird der Kurs einzelne Aspekte vertiefend in den Blick nehmen: städtische Topographien, kirchliche Infrastrukturen, kommunale Repräsentationsformen, bürgerliche Emanzipationsbewegungen, Gewerbe und Handel, jüdisches Leben, städtische Historiographien. Die Übung dient auch als Vorbereitung für eine Exkursion nach Köln und Aachen (30. März bis 5. April 2020). Der Besuch ist aber auch unabhängig von der Exkursion möglich.

 

Dr. Patrick Baker

Übung

The Humanism of Francesco Petrarca

Di. 12-14, MO 40, R. 114

Francesco Petrarca was one of the most celebrated authors of fourteenth-century Italy, famous for his poetic, philosophical, and other writings, for his mastery of Latin and vernacular literature, and for his

(supposedly) exemplary lifestyle. He was read and imitated all over Europe, sought out by enthusiastic followers, even venerated as a living saint. He was revered as a love poet, as a moral philosopher, as a humanist.

This course will concentrate on the letters of Petrarch. The goal is to familiarize students with his contribution to the literary and cultural movement known as Renaissance humanism. Ideally, students should leave the course with a better understanding of Italian literary and intellectual culture and of the world of late medieval Europe.

 

Dr. Jörg Feuchter

Bachelorseminar

Nationalismus im Mittelalter? Eine Frage nach den Anfängen des deutschen Nationalbewusstseins

Mi. 10-12, MO 40, R. 114

Nationalismus ist einerseits ein Phänomen, das gewöhnlich erst der Moderne als dem Zeitalter der Nationalstaaten zugeordnet wird, speziell der Zeit ab dem 18. Jahrhundert. Andererseits ist Nation bereits im Mittelalter ein häufig verwendeter Zugehörigkeitsbegriff, nicht nur im Namen „Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation“, sondern auch an Universitäten und auf Konzilien. Zudem führen sich viele moderne europäische Nationalstaaten bzw. solche, die es werden wollen, auf mittelalterliche Wurzeln zurück, oft unter Behauptung einer direkten Kontinuität. Auch für die verspätete Nation Deutschland bzw. die deutschen Staaten war dieser Bezug stets von größter Wichtigkeit. In der Tat sind Ansätze für ein deutsches Nationalbewusstsein im Sinne eines auf kollektiver Identitätsbildung und Abgrenzung beruhenden Symbolsystems (W. Reinhard) bereits im Mittelalter zu finden – allerdings mit deutlichen Unterschieden zum modernen Nationalismus. Die deutsch (-deutsche) Mediävistik hat dazu bereits am Ende des 20. Jahrhunderts eine intensive Debatte geführt. Nachdem dann in der Folge der Umbrüche von 1989 zunächst das Ende des Nationalstaats prognostiziert wurde, ist seit einiger Zeit wieder eine Rückkehr des Nationalen im politischen Diskurs zu diagnostizieren. Nicht selten wird dabei explizit und in anachronistischer Weise auf das Mittelalter rekurriert. Umso wichtiger ist heute die kritische historische Reflektion über die Existenz eines deutschen Nationalbewusstseins und seine Entwicklung vom Hochmittelalter bis zum Humanismus. Das Seminar führt anhand der Diskussion von Quellen und Literatur zu ausgewählten einschlägigen Fragestellungen in das Studium der mittelalterlichen Geschichte ein. Zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Teilnahme gehören: 1) Gute englische Lesekenntnisse 2) Response Paper/Reflektion: Vor jeder Sitzung ist ein „response paper“ (Lektürekommentar) zu den zu lesenden Texten, verbunden mit einer individuellen Reflektion zur Seminardiskussion in der vorangegangenen Sitzung, einzureichen (Umfang: 2 Seiten, Abgabefrist: 24 Stunden vor der Sitzung, d.h. dienstags, 10 Uhr; Einreichung als PDF über die von der HU verwendete Lernplattform „moodle“)

 

Zhenia Lichten, M.A.

Seminar
"Sacred trash". Mediterranes Mittelalter anhand der Geniza-Quellen

Fr. 12-14, DOR 24, R. 1.402

“Ihre Dropbox ist fast voll”: Der wachsende Berg an Papier und digitalen Daten stellt jeden irgendwann vor die Frage, was denn nun in den Papierkorb kann und was anderweitig verstaut werden soll – aber wo und auf welche Dauer?

Dieses Seminar widmet sich der wertvollsten Altpapiersammlung der Geschichte – der Kairoer Geniza. Ihr Inhalt sollte verborgen bleiben und rituell vernichtet werden, doch die Geniza überlebte bis in unsere Tage und enthüllte ein einzigartiges Abbild der mediterranen Welt.

Ende des 19. Jh. wurden über 250,000 schriftliche Fragmente in einem Hohlraum der ägyptischen Ben-Esra-Synagoge entdeckt. Ursprünglich waren solche Räume der Aufbewahrung aus dem Gebrauch genommener sakraler Schriften zugedacht. Allerdings wurde die Genizapraxis im mittelalterlichen Fusţāţ (Alt-Kairo) weit interpretiert, sodass ab ca. 1040 jahrhundertelang Schriftstücke aus allen Bereichen des Lebens in einem kleinen Raum deponiert wurden – Rechnungen, Urkunden, Briefwechsel von Gelehrten und Kaufleuten. Zu den berühmtesten Funden gehören die 700 Jahre lang verschollen geglaubte hebräische Handschrift des Buches Jesus Sirach (Ecclesiasticus) und Briefe des Maimonides. Faszinierend ist auch der Einblick in die Alltagsgeschichte: Magische Formeln und von Kindern angefertigte Schreibübungen fanden genauso Platz in der Geniza wie Berichte über den Indienhandel.

Wie beleuchten die Fragmente die vernetzte Geschichte des Mittelmeerraums? Wie wird das Zusammenleben von Muslimen, Juden und Christen fassbar? Was unterscheidet die Geniza von einem Archiv? Vor dem Hintergrund gemeinsam entwickelter Fragen wenden wir uns den Quellen und ihrer Erforschung zu.

 

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