Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des Mittelalters. Schwerpunkt: Spätmittelalter

Wintersemester 2022/23

Prof. Dr. Dorothea Weltecke

Prof. em. Dr. Johannes Helmrath

Dr. Jörn Christophersen

Dr. Patrick Baker

Amanda Simmons, M.A.


 

Die Lehre findet in Präsenz statt!

 

Prof. Dr. Dorothea Weltecke

 
Vorlesung: Von der europäischen Hegemonie – Juden, Christen, Muslime 1000-1500

Di. 10-12 Uhr (UL6, R. 2091/92) - AGNES

Diese Vorlesung führt in die mittelalterliche Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Jahrhunderte von 1000 bis 1500 ein. Es ist die Zeit vor der europäischen Hegemonie, in der Europa in der längsten Zeit eine randständige Region gewesen ist, eingebunden in Netzwerke mit Afrika und Asien. Die Landschaften waren bereits stark durch die religiösen Gemeinschaften überformt; die Theologien waren wichtig als Grundlage und Legitimation politischen Handelns. Die Vorlesung stellt die Polyzentrik mittelalterlicher Herrschaftsformen vor, fragt nach der Existenz religiöser Minderheiten, nach Strukturen des Zusammenlebens, nach Konflikt und Aus-tausch in Politik und Wirtschaft. Sie bietet einen Überblick über eine komplexe und sich dynamisch verändernde Epoche.

 

Übung: Mittellateinische Lektüre – Reisen und Begegnungen

Mo. 14-16 Uhr (FRS 191, R. 5008) - AGNES

Riccoldo da Monte di Croce reiste im späten 13. Jahrhundert ins Heilige Land, in die Levante und in den Irak und wanderte mit einer Karawane durch die Wüste. Wilhelm von Rubruk gelangte weit nach Zentralasien, seine Beschreibungen des mongolischen Hofes und der religiösen Verhältnisse sind berühmt. Andere Autoren sind weniger bekannt, aber ebenfalls interessant. Wie beschreiben sie diese Welten? Warum sind sie überhaupt unterwegs? In dieser Übung lesen und über-setzen wir jede Woche Originaltext. Außerdem recherchieren wir zu Inhalten und zur Überlieferung der Texte. Dabei lernen Sie Lexika und Quellenkunden (besser) kennen. Keine Angst vor mittelalterlichem Latein! Diese Reiseberichte sind nicht so schwer. Es macht auch nichts, wenn Sie sich mit der Sprache unsicher fühlen. Wir sitzen alle in einem Boot, können in aller Ruhe grübeln, Grammatik wiederholen und interpretie-ren, nur Mut!

 

Masterseminar: Reisen und Begegnen – Juden, Christen und Muslime

Di. 14-16 Uhr (FRS 191, R. 4026) - AGNES

Unterwegssein in den Welten vom Atlantik bis zum Pazifik – das gibt es erst in der Neuzeit? Im Mittelalter kam man über die Grenzen seines Dorfes nicht hinaus? Weit gefehlt! Handel, diplomatische Beziehungen, mobile Herrschaftsformen, landwirtschaftliche Mobilität, religiöse Kommunikationsnetzwerke, das Pilgerwesen und nicht zuletzt Krieg, Verfolgung und Flucht brachten Menschen auf die Straße und in Begegnungen miteinander.
Was davon Sie genauer wissen und sich über Quellen und Literatur erschließen möchten, hängt von Ihren Interessen ab. Das Masterseminar trainiert Sie dabei, Ihre Recherchefindigkeit und die mediävistischen Arbeitsmethoden auszubauen. Alle Quellensprachen sind willkommen! Die Bereitschaft, sich auf fremdsprachige Literatur in den üblichen Wissenschafts-sprachen einzulassen, wird vorausgesetzt. Es mag nützen, die Übung zur Lektüre mittellateinischer Reiseberichte zu besuchen. Im Masterseminar werden in Gruppen einzelne Themen für eine Präsentation angeschnitten. Außerdem bereiten Sie jede Woche eine kleine schriftliche Arbeit vor. In den Prüfungen stehen Methoden und Quelleninterpretation im Vordergrund.

 

Forschungsseminar: Von der Idee zur Quelle zur Fragestellung in der Mediävistik

Di. 16-18 Uhr (Achtung: 14tägig ab 18.10. / FRS 191, R. 4031) - AGNES

Wie reflektierten und präsentierten die Menschen im Mittelalter ihr eigenes Leben und Wirken? Wie nahmen sie ihre Mitmenschen und ihre Umwelt wahr? Diesen Fragen widmen wir uns anhand ausgewählter Egodokumente, wie Autobiographien, Briefen und Reiseberichten. Die volkssprachlichen und lateinischen Texte (mit deutscher Übersetzung) sollen quellenkritisch eingeordnet und nach den in ihnen aufscheinenden Lebenswelten und Weltdeutungen befragt werden.

Zur Blockveranstaltung am 15.-16. 12. stellen Sie Ihre Ideen und Ihre vorläufigen Quellenkorpora in einem 10-minütigen Vortrag vor. Die Teilnahme an dieser Veranstaltung ist obligatorisch!

 

Forschungscolloquium zur Geschichte des Mittelalters (mit Prof. Dr. Barbara Schlieben)

Mo. 18-20 Uhr (FRS 191, R. 4026) - AGNES

Im Kolloquium werden aktuelle Forschungsprojekte zur mittelalterlichen Geschichte präsentiert und diskutiert. Die Veranstaltung richtet sich an fortgeschrittene Bachelorstudierende, Masterstudierende und Doktoranden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Diese Veranstaltung ist für alle, die eine Qualifikationsarbeit schreiben möchten, von BA bis Habil., verpflichtend – alle anderen sind herzlich eingeladen, auch zu einzelnen Terminen. Im Semester finden Vor-tragsveranstaltungen statt, darunter Termine in Zusammenarbeit mit Dr. Jörg Feuchter und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie mit Thomas Ertl und Stefan Esders von der Freien Universität. Das Programm wird rechtzeitig bekanntgegeben. Am 15.-16. Dezember findet eine Blockveranstaltung statt, bei der Qualifi-kationsarbeiten mit Werkstattberichten vorgestellt werden.

Colloquiumsprogramm folgt

 

 

Prof. em. Dr. Johannes Helmrath

 

Übung: Die 'Germania' des Enea Silvio Piccolomini/Pius II. (1458)

Di. 10-12 Uhr (FRS 191, R. 4026) - AGNES

Der später ‚Germania‘ genannte Brieftraktat des Humanisten, Deutschlandkenners und Papstes (Pius II., 1458-1464) ist ein Schlüsseltext für die Auseinandersetzung der römischen Kurie mit der Kritik der Reichskirche, zugleich ein protonational-propagandistisches Kulturbild Deutschlands im 15. Jh. (2. Buch). Kursorische Lektüre wesentlicher Textpassagen der ‚Germania‘ und verwandter texte ist angestrebt, zugleich eine Einführung in Probleme des deutschen Nationalismus und in Leben und Werke des Enea Silvio Piccolomini
Lateinkenntnisse sind förderlich und willkommen.

 
Proseminar: Karl der Große und die Hofkultur seiner Zeit

Di. 14-16 Uhr (FRS 191, R. 4031) - AGNES

Das Seminar beschäftigt sich mit Karl d. Großen (768-814), der als Gründergestalt Europas gilt. Am Leitfaden von Einhards ‚Vita Caroli Magni‘, die quellenkritisch untersucht wird, werden Leben, Herrschaft und Hofkultur, dabei auch die Pfalzen-Architektur, sowie der spätere Karlsmythos behandelt. Zugleich ist angestrebt, dabei in die wichtigsten Quellengattungen und Methoden der Mediävistik einzuführen.

 

 

Dr. Jörn Christophersen

 

Proseminar: "Risus [..] l'accueillit l'épée à la main“ – Vom Lebensende im Mittelalter.

Do. 10-12 Uhr (DOR 24, R. 1.402) - AGNES

Dieses Proseminar ist eine Hinführung zum weiteren Studium der mittelalterlichen Geschichte. Anhand ausgewählter Beispiele aus für die Mediävistik zentralen Themenkreisen der Stadt-, der Wirtschafts- und Sozial- sowie der Verflechtungsgeschichte, und hier besonders interessierend: des herbeigeführten Todes, werden grundlegende Arbeitstechniken erprobt und einstudiert und curriculare Leistungen erbracht. In der ersten Sitzung werden die für alle verbindlichen „Spielregeln“ festgelegt und um die Vorschläge der Studierenden ergänzt.
Die Veranstaltung ersetzt nicht den Besuch von Epochenüberblicksveranstaltungen (Vorlesungen).
Das Erlernen und Einüben grundlegender Arbeitstechniken und die Ausbildung eines Methodenbewusstseins legen den Grundstein für ein erfolgreiches Studium, das gilt auch für eines der Geschichte. Um den Anforderungen an das Studium der jeweiligen Teildisziplinen (wie etwa der epochal und meistens auf Europa ausgerichteten Mittelalterlichen Geschichte) gerecht zu werden, verknüpfen die Proseminare eine propädeutische Einführung mit ersten thematischen Zugriffen.
Mittelalterliches Leben vom Ende und seinen Krisen her zu denken ermöglicht zugleich die Fokussierung auf Kulminationspunkte historischen Arbeitens und Analysierens. Der Mord im Kirchenraum oder die Tötung von Bischöfen werden hier ebenso interessieren wie die Frage nach der Vorbereitung des Todes. Testamente etwa erweisen sich hierfür als zentrale Quellen. Mitunter kamen im sogenannten Mittelalter soziale Konstellationen und Institutionen zu Ausformungen, die lange – teils bis heute – andauerten und an denen sich Strukturen nachvollziehen lassen. Diese werden, bei allen Gemeinsamkeiten heute dennoch mitunter als rückständig, unaufgeklärt, unmodern wahrgenommen – mit drastischen Folgen für unser Geschichtsbild.
Anhand ausgewählter Beispiele vornehmlich aus dem Heiligen Römischen Reich sollen die curricularen Aufgaben der Proseminare erarbeitet und somit Grundlagen für Quellendiskussionen geschaffen werden.
Vorgesehen ist zusätzlich ein halb- oder ganztägiger Ausflug an einem noch festzulegenden Termin. Sollte dies in Präsenz nicht möglich sein, gibt’s einen Online-Ausflug

 

Bachelorseminar: Begegnung und Verflechtung im Mittelalter

Do. 12-14 Uhr (DOR 24, R. 1.402) - AGNES

Dieses Bachelorseminar begleitet Ihr fortgeschrittenes Studi-um. Anhand ausgewählter Beispiele aus dem für die Mediävistik zentralen Themenkreis rund um Verflechtung/Entanglement und Begegnung lassen sich zahlreiche Aspekte der der politischen, Stadt-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte erörtern – die Verflechtungsgeschichte erweist sich mithin ihrerseits bereits als Teildisziplin der Geschichtswissenschaft – und zugleich werden grundlegende Arbeitstechniken aufgefrischt und gefestigt, erprobt und einstudiert. In der ersten Sitzung werden die für alle verbindlichen „Spielregeln“ festgelegt und um die Vorschläge der Studierenden ergänzt.
Das Einüben grundlegender Arbeitstechniken und die Ausbildung eines Methodenbewusstseins sind essentiell für ein erfolgreiches Studium, das gilt auch für eines der Geschichte. Um den Anforderungen an das Studium der jeweiligen Teildisziplinen (wie etwa der epochal und meistens auf Europa ausgerichteten Mittelalterlichen Geschichte) gerecht zu werden, verknüpfen die Bachelorseminare propädeutische Aspekte mit thematischen Zugriffen.
Perspektiven auf Räume und Prozesse der Begegnung ermöglichen nicht zuletzt aufgrund der Einflüsse kulturwissenschaftlicher Arbeiten die Fokussierung auf Kulminationspunkte historischen Arbeitens und Analysierens. Weiterhin soll unser Geschichtsbild über das sog. Mittelalter einer Prüfung unterzogen werden.
Anhand ausgewählter Beispiele vornehmlich, aber nicht nur aus dem Heiligen Römischen Reich werden curriculare Aufgaben der Veranstaltungsform erarbeitet und somit Grundlagen für Quellendiskussionen geschaffen.
Vorgesehen ist zusätzlich ein halb- oder ganztägiger Ausflug an einem noch festzulegenden Termin. Sollte dies in Präsenz nicht möglich sein, gibt’s einen Online-Ausflug.
Vorhaben, die in eine BA-Abschlussarbeit überführt werden sollen, sind stets willkommen.

 

Dr. Patrick Baker

 
Übung: Renaissance and Revolution

Di. 12-14 Uhr (FRS 191, R. 4031) - AGNES

The European Renaissance was an age of revolutions: in thought and discourse, politics and government, philosophy and religion, science and technology. According to an older view of history, these revolutions inaugurated the modern world, thus giving birth to a glorious age of enlightenment and progress. More recently this narrative has been seriously challenged from a variety of standpoints, including from feminist, postcolonial, and global paradigms. The value of Western culture has been deconstructed, the history of “the West” and its place in global history soberly reevaluated. In 2017 a new study appeared that invites us to revisit the Renaissance and its importance for world history: Bernd Roeck’s Der Morgen der Welt. Integrating comparative and counterfactual approaches, it asks what was special about the Renaissance, why it did not happen elsewhere or at another point in time, and what its legacy is today. It is one of the most powerful recent investigations of this great age of revolutions.
We will read this book closely in English translation in order to engage as critically as possible with its arguments. The language of the course is English. Knowledge of German is helpful but not necessary.

 

Amanda Simmons, M.A.

 

Übung: Einführung in die Musik des europäischen Mittelalters

Do. 12-14 Uhr (HV 5, R. 0319-22) - AGNES

Das Mittelalter ist eine sehr wichtige Epoche für das Studium der Musikgeschichte und Musikwissenschaft, da aus dieser Zeit die ersten noch vorhandenen aufgeschriebenen (notierten) Musikbeispiele überhaupt entstanden sind, die dann als Basis unseres modernen Notationssystem dienten. Heute begegnet uns die Musik des europäischen Mittelalters u.a. im christlichen Gottesdienst, im Konzertsaal (historisch-informierte Aufführungspraxis), in Filmen und in der Mittelalterszene. Die Übung stellt die Entfaltung der geistlichen und weltlichen Musik des europäischen Mittelalters von den frü-hesten schriftlichen Quellen bis zu den späteren Entwicklun-gen vor der Reformation und frühen Neuzeit vor. In der Übung wird eine Überblick u.a. zur Liturgie der lateinischen Kirche und der Gregorianik, Anfänge der Notation, Musikan-schauung des Mittelalters, Musik von Hildegard von Bingen, geistlichen Musikdrama, Carmina burana, Troubadoure und Minnesänger, geistlichen Volksliedern, sowie Instrumentenkunde, Rezeption und Aufführungspraxis geboten. Diese und anderen Themen werden von den Studierenden in Referaten vertieft und vorgestellt. Notenkenntnisse, Englisch- und Lateinkenntnisse, u.a. sind hilfreich und willkommen, aber kei-ne Voraussetzung einer Teilnahme.

 

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