M.A. Aurelia Rohrmann
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- M.A. Aurelia Rohrmann
- aurelia.rohrmann@unifr.ch
Dissertationsprojekt:
Ein neuer Antifeminismus? Transnationale Netzwerke, Praktiken und Diskurse der radikalen Rechten in Deutschland und der Schweiz (ca. 1970–1990)
Die radikale Rechte spielte nach 1945 eine zentrale, jedoch historisch bislang wenig erforschte Rolle bei der Entwicklung und Verbreitung von Antifeminismus. Durch eigene Publikationen sowie politische Praktiken wie Kundgebungen, Lobbyarbeit, parlamentarische Initiativen und Gerichtsprozesse versuchten ihre Akteur*innen, emanzipatorische Errungenschaften im Bereich von Geschlechtergerechtigkeit, sexueller Selbstbestimmung und Migration aktiv zurückzudrängen. Mein Forschungsprojekt fragt danach, in welchem Ausmass und durch welche Strategien die radikale Rechte Feminismus und feministische Bewegungen zu einem umfassenden Feindbild gemacht hat.
Seit den 1970er Jahren verschränkten sich in Deutschland und der Schweiz alarmistische Diskurse über sinkende Geburtenraten mit der Angst vor einer sogenannten „Bevölkerungsexplosion“ im Globalen Süden sowie mit der rassistisch aufgeladenen Rhetorik einer „Überfremdung durch Ausländer“. Daraus entwickelte sich ein zentraler Topos: die Vorstellung vom drohenden „Volkstod“ oder „Genosuizid“. Diese demografischen Ängste nahmen auch die sogenannten „Lebensschützer“ auf, die sich als Reaktion auf Vorhaben zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in den frühen 1970er Jahren gründeten. Ziel des Projekts ist es, die Bedeutung einer pronatalistischen und nativistischen Bevölkerungspolitik als zentrale, bislang wenig beachtete Dimension des Antifeminismus in der radikalen Rechten herauszuarbeiten.
Quellen und Forschungsliteratur verweisen auf enge Wissens- und Handlungstransfers zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz, weshalb das Projekt seinen transnationalen Fokus auf deren ideologische, organisatorische und mediale Verflechtungen richtet.