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Humboldt-Universität zu Berlin - Historische Fachinformatik

"Historisches Forschungsnetz" (DFG-Projekt)

Am Bereich Historische Fachinformatik wurde im Februar 2011 das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt "Historisches Forschungsnetz" gestartet. Ziel des Projektes ist es, die etablierten historischen Fachinformationsdienste von Clio-online, H-Soz-u-Kult und Partnern in eine wissenschaftliche Forschungsumgebung für die Publikation, Dokumentation, Information und Kommunikation zu überführen.


Interdisziplinäre und dezentrale Forschungsstrukturen

Die fachliche Spezialisierung und Differenzierung in den Geschichtswissenschaften sowie fortwährende Fokusverschiebung durch Exploration neuer Forschungsfelder hat zur Folge, dass Forschergruppen, die an gemeinsamen Themen und Fragestellungen arbeiten, sich zumeist dezentral rekrutieren, zudem häufig international ausgerichtet sind und interdisziplinär arbeiten.  Diese Situation stellt eine große Herausforderung dar, weil aus ihr oft auch eine Barriere für die wissenschaftliche Kommunikation erwächst. Daraus resultiert über weite Strecken auch die Bedeutung von HSoz-u-Kult und Clio-online, die seit vielen Jahren zentrale Vernetzungsaufgaben für die Geschichtswissenschaften und Nachbardisziplinen erfüllen.


Framework für das Publizieren, Dokumentieren, Kommunizieren und Vernetzen

Die erste Zielstellung des Projekts besteht darin, die vorhandenen Kommunikations- und Publikationsplattformen in ein aus modularen Komponenten bestehendes Framework für das Publizieren, Dokumentieren, Kommunizieren und Vernetzen zu überführen und darüber die den Entstehungskontexten seit 1996 geschuldeten Systemdefizite zu beheben. Dies wird in einer ersten Projektphase erfolgen. Dabei handelt es sich dezidiert nicht um ein weiteres Portalframework für einen speziellen Anwendungsfall, sondern die Entwicklung zielt auf modulare Komponenten, die möglichst plattforumunabhängig, auf Open-Source-Lösungen basierend und leicht in gängige Applikationen integrierbar sind. Ein zentrales Einwicklungsziel ist die Integrationsfähigkeit der Komponenten in unterschiedlichen Systemen.


Dezentrale Infrastrukturen und Technologien für die Fachinformation und -kommunikation

Die zweite Grundidee des Projekts besteht darin, dezentrale Infrastrukturen und Technologien für lokale und verteilte Arbeitsgruppen, für das verteilte elektronische Publizieren, für die zielgruppengenaue Fachinformation und –kommunikation zu entwickeln und bereitzustellen. Dazu ist es notwendig, ein Netzwerk modularisierter, flexibler, über offene Schnittstellen integrierbarer Angebote und Dienste zu entwickeln und anzubieten. Dies erfolgt modellhaft und experimentell mit Fachwissenschaftlern, die mit ihren Arbeitsgruppen an verschiedenen Hochschulen an thematisch unterschiedlichen Fragestellungen und zudem in abweichenden epochalen Bereichen lehren und forschen. Die beteiligten Fachwissenschaftler gehören bereits einem Herausgeberkollegium oder einer Fachredaktion eines der unter dem Dach des Trägervereins angesiedelten Projekte an und sind deshalb mit den Anforderungen und Möglichkeiten webgestützter Dienste und Publikationssysteme grundsätzlich vertraut und bringen entsprechende Erfahrungen ein. In diesem Modell wird jede Einheit (Herausgeberkollegium, Teilredaktion, Forschergruppe) über eine eigene modular zusammengesetzte, den lokalen Bedürfnissen entsprechende Serviceplattform verfügen, die standortübergreifend miteinander vernetzt werden kann und darüber wechselseitig nachnutzbare Daten und Dienste bereitstellt und eine Wissensproduktion verteilt agierender Redaktionen und Forschergruppen ermöglicht. Die geplanten Serviceplattformen orientieren sich  an Interessen und Bedürfnissen der beteiligten Fachwissenschaftler, die u.a. in Aachen, Berlin, Gießen, Köln, Leipzig, Tübingen und Potsdam ansässig sind. In enger Abstimmung mit den fachwissenschaftlichen Projekt- und Kompetenzpartnern sollen nach dem Modell „agiler Softwareentwicklung“ (Mehrfachnutzung von Komponenten/ Ressourcen - einfache und zweckmäßig Lösungen - anwendernahe Entwicklung - Code-Sharing/Open-Source) weiterentwickelt und transferiert werden.

Ein drittes Ziel besteht darin, H-Soz-u-Kult und Clio-online in arbeitsteiliger Kooperation mit bestehenden und neuen Partnern zu einem geisteswissenschaftlichen Service für forschungsnahe Fachinformationen so auszubauen, dass themenzentrierten Forschergruppen modularisierte Werkzeuge und Dienste für die Publikation, Dokumentation, Kommunikation und Vernetzung zur Verfügung stehen. Vorhandene Infrastrukturen und Werkzeuge werden dazu genutzt und weiterentwickelt. Einzelforschern, Forschergruppen und anderen Zusammenhängen wird damit der Aufbau und die Nutzung themenzentrierter Netzwerke ermöglicht, für die Infrastrukturen, Technologie und Know-How bereitgestellt werden. Neben technischen Neuentwicklungen fließen Erfahrungen aus Projekten ein, in denen auf Basis moderner, standardisierter Technologien unterschiedliche externe Ressourcen zusammengeführt werden (Webverzeichnis via SOAP, Kataloge via PICA-XML, Artikel, usw.) sowie die forschungsnahe Expertise aus der Fachwissenschaft, die die Anforderungen der Forschung definiert und fortlaufend parallel die Entwicklung evaluiert. Die Vernetzung und Integration vorhandener Redaktionen und beteiligten Historiker/innen, die in unterschiedlichen geschichts- und kulturwissenschaftlichen Forschungszusammenhängen arbeiten, bilden wichtige fachwissenschaftliche Bezugspunkte für die Systementwicklung: Denn ausgewählte Bereiche werden prototypisch die Angebote und Dienste über standardisierte Schnittstellen, Ausgabemedien und -formate themenzentriert und zielgruppenspezifisch nutzen und aktiv an deren konzeptioneller und forschungsnahen Verbesserung partizipieren.

Über die themenzentrierten, modularisierten Fachinformations- und Kommunikationsangebote können zahlreiche forschungsnahe Informationen publiziert, dokumentiert und auffindbar gemacht werden. Zentral für die weitere Nutzung durch Forscher sind aber Dienste und Angebote, die eine direkte Integration von Forschungsdaten ermöglichen. Neben dem Ausbau vorhandener, standardisierter Schnittstellen zur leichteren Integration in Forschungsdatenbanken und Websites sollen die Bereitstellung von Recherchewerkzeugen einschließlich der Weiterverarbeitungsmöglichkeiten im Bereich des Personal Information Management ausgebaut werden. Zu den Zielstellungen zählt auch die Bereitstellung von Exportoptionen in gängigen Metadatenformaten, beispielsweise für die Literaturverwaltung (u.a. BibTeX, COinS und Zotero, MARCII) und für das Termin- und Veranstaltungsmanagement (u.a. iCal).

Das vorliegende Know-How bei der themenzentrierten Aufbereitung von Informationen durch Metadatenanreicherung, Klassifikation, Erschließung und Suchtechnologien wird eine tragende Säule des Ausbaus darstellen. Zugleich sollen und müssen neue Formen der Nutzerbeteiligung sowie technische Ansätze zur besseren automatisierten Inhaltsanalyse entwickelt und integriert werden, um das Maß der redaktionellen Aufbereitung und intellektuellen Erschließung der Daten in den Grenzen des Machbaren zu halten.

Das Projekt verfolgt somit im Kern folgende Ziele:

  • Entwicklung von Komponenten für ein Framework für das Publizieren, Dokumentieren, Kommunizieren und Vernetzen
  • Bereitstellung eines Netzwerks modularisierter, flexibler, über offene Schnittstellen integrierbarer Angebote und Dienste
  • Schaffung institutioneller Strukturen für die dauerhafte Verfügbarkeit historischer Fachinformationsangebote

 

Beiträge zum Projekt

Thomas Meyer: Virtuelle Forschungsumgebungen in der Geschichtswissenschaft – Lösungsansätze und Perspektiven. In: LIBREAS.Library Ideas, Jg. 7, H. 1 (18) 2011. <http://libreas.eu/ausgabe18/texte/05meyer.htm>


Weitere Informationen und Kontakt

Projekt-Blog

Historisches Forschungsnetz


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