Humboldt-Universität zu Berlin - Fachschaftsinitiative (Studierendenvertretung)

Preis für gute Lehre WiSe 2025/26

Der Preis für gute Lehre der FSI Geschichte ging im Wintersemester 2025/26 an Karl Johann Scharpf für seine Übung. Die Übergabe des Preises fand im Rahmen der Semesterauftaktveranstaltung des IfG am 15. April 2026 statt. Hier beschrieb Karl Johann Scharpf seine mit dem Preis ausgezeichnete Lehrveranstaltung folgendermaßen:

Karl Johann Scharpf: Zeugnis und Zeug*innenschaft in der Frühen Neuzeit (UE)

Im Zentrum des Kurses stand die Frage, welche Rolle Zeug*innenschaft als sozialer Akt für die Wissensproduktion in der Frühen Neuzeit spielte. Gemeinsam mit den Studierenden habe ich untersucht, warum Zeugnisse in vormodernen Gesellschaften akzeptiert oder abgelehnt wurden und welche Dimensionen von Glaubwürdigkeit sie prägten. Grundlage waren sowohl moderne erkenntnistheoretische und geschichtswissenschaftliche Texte als auch vielfältige historische Quellen, von Gerichtsakten über Briefe bis hin zu Reiseberichten und naturkundlichen Beobachtungen.

Eine typische Sitzung war zweigeteilt aufgebaut. Zunächst wurde ein grundlegender Text erarbeitet, anschließend eine dazu passende Quelle. Beides nach einem ähnlichen Prinzip: Nach einer kurzen Einführung arbeiteten die Studierenden in Kleingruppen, erschlossen zentrale Argumente, entwickelten Fragen und diskutierten diese im Plenum unter Moderation.

Wichtig waren mir vor allem drei Punkte: Erstens die aktive Einbindung aller Teilnehmenden durch Formate wie kurze schriftliche Reflexionen, Murmelrunden und das Einbringen eigener Forschungs- sowie Diskussionsfragen. Zweitens die konsequente Arbeit mit Quellen verschiedenster Art, die kritisch kontextualisiert und erschlossen wurden. Drittens ein offener und zugänglicher Lernraum, in dem Rückmeldungen ausdrücklich erwünscht waren und ernst genommen wurden. Dazu gehörten auch zusätzliche Angebote wie freiwillige Sitzungen zur frühneuzeitlichen Druck- und Schriftpraxis und Änderungen des Seminarplans auf Wunsch der Studierenden.

Mir ist bewusst, dass sich diese Ansprüche im universitären Alltag nicht immer vollständig umsetzen lassen. Dennoch zeigt bereits der Versuch, wie eine konstruktive und engagierte Arbeitsatmosphäre entstehen kann, in der Studierende den Kurs aktiv mitgestalten und zu dessen Gelingen maßgeblich beitragen.