Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Droysen-Preis 2026: Preisträger:innen

Die Preise wurden im Rahmen der Absolvent:innenfeier am 10. Juli 2026 vergeben.

Bachelorarbeit

 

Foto: Stefan Klenke

Antonia Behrens

Titel der Arbeit: Zwischen Bühne und Wirklichkeit. Die Gefesselte Melanippe und Frauenbilder Athens im ausgehenden 5. Jahrhundert

Antonia Behrens gelingt es, mit einem ebenso mutigen wie originellen Forschungsdesign und beeindruckender philologischer und methodischer Raffinesse Frauenbilder und Genderkonstruktionen im Athen des 5. Jahrhunderts vor Christus nachzuweisen. Ihre Grundlage ist ein Fragment der ansonsten verlorenen Tragödie Die gefesselte Melanippe des berühmten klassischen Dramatikers Euripides. Sie wagt sich damit unerschrocken an die schwere, rhythmisierte und bildgewaltige Sprache der Tragödiendichter heran, übersetzt selbst und beeindruckt damit gestandene Gutachter:innen. Sie befragt das Fragment nach Frauendarstellungen und hütet sich zugleich durch genaueste Quellenkritik vor jedem Fallstrick einfacher Übertragung vom Drama auf die gelebte Welt.

Frau Behrens entfaltet durch ihre feinfühlige Einbettung der Dichtung in gesamtgesellschaftliche Umstände aus dem etwa dreißig Verse langen Fragment ein breites Panorama weiblicher Handlungsspielräume. Vergleichend zieht Behrens weitere Dramen hinzu – Tragödien (Euripides, Medea) wie Komödien (Aristophanes, Die Thesmophoriazusen). Im Kontext der intellektuellen Welt der Sophistik und in der komplexen Gesellschaft des peloponnesischen Krieges kann sie zeigen, wie der zeitgenössische Diskurs sich in den Frauendarstellungen niederschlug. Ihre Arbeit beeindruckt durch eine handwerklich glänzende, sprachlich stringent durchgeführte Argumentation, die die Forschung bereichert. 

Masterarbeit

 

Foto: Rebecca Rütten

Frederik Seeler

Titel der Arbeit: „An Exclusive Interview with Hitler“. The NSDAP and its Contacts with the Foreign Press before 1933

Die Jury würdigt damit eine Studie, die durch einen innovativen Zugriff und argumentative Präzision überzeugt. Frederik Seeler legt eine dichte Analyse der Medienstrategie der nationalsozialistischen Bewegung vor. Die Arbeit zeigt, dass die NSDAP die Bedeutung eines entsprechenden Pressenetzwerkes nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene früher als andere politische Kräfte erkannte. Fokussiert auf die Rolle Hitlers als Interviewpartner für Journalisten aus unterschiedlichen Ländern gelingt Frederik Seeler eine präzise Untersuchung der Dimensionen, welche die Interaktion zwischen Medien und Partei prägten. Die politischen Ergebnisse, welche die NSDAP durch ihre auf das Ausland ausgelegte und um die Person Hitler zentrierte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit erzielte, beschreibt die vorliegende Masterarbeit zurecht als „spektakulär".

Die Argumentation basiert auf einem souveränen Überblick über die vorhandene Forschungslandschaft, bleibt zugleich aber stets ihrem eigentlichen Gegenstand eng auf den Fersen. Zugleich verbindet Seeler bei seiner Analyse verschiedene methodische Zugänge: politische Geschichte und Mediengeschichte sowie Soziologie, und schlägt eine  Brücke zwischen dem deutschen und britischen Forschungsstand. Neben der breiten empirischen Basis würdigt die Jury nicht zuletzt das Reflexionsvermögen des Kandidaten, der auch um die Grenzen des eigenen Zugangs weiß.