Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

SFB 644: Transformationen der Antike (2005-2016)

geleitet von Prof. Dr. Johannes Helmrath

 

Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels

Die Antike stand niemals fest, noch war sie feststellbar. Sie war als unbezweifelbare Leitkultur der nachantiken europäischen Kulturen stets dynamisches Potenzial, sie wurde in den Epochen der europäischen Geschichte bis in die Gegenwart stets verändert, angeeignet und neu gefunden wie erfunden. Transformationen generieren Dynamiken kulturellen Wandels, die nicht auf die einseitige Aneignung durch eine Aufnahmekultur, auf bloße Rezeption, reduziert werden können. Die einzelnen Teilaneignungsprozesse sind nicht zählbar, sie bilden nur bedingt rekonstruierbare langwellige Transformationsketten.
Das Entscheidende ist freilich eine grundsätzliche Relationalität, Reziprozität und Wechselwirkung zwischen antiker Referenz- und nachantiker Aufnahmekultur. Im Prozess ihrer selektiven Aneignung verändert sich der antike Referenzbereich ebenso wie sich die beteiligte Aufnahmekultur verändert, ja sich oft genug ‚antikisch‘ neu konstituiert. Diese Wechselwirkung wird mit dem neu geprägten Zentralbegriff der ‚Allelopoiese‘ erfasst. Das Konzept interessiert sich somit nicht, oder allenfalls sekundär, für die ‚Richtigkeit‘ und tatsächliche Adäquatheit der verhandelten Antikebilder. Lapidar gesagt: Es interessiert, was mit und aus Antike gemacht wurde, auch wie sie instrumentalisiert wurde. ‚Die Antike‘ ist also zugleich Gegenstand wie Effekt dieser Transformationen.
Es ist dem Sonderforschungsbereich gelungen, eine zuvor sektoralisierte Erforschung der Antike und ihrer Rezeptionen zu überwinden und methodisch voranzubringen. Der SFB war dezidiert geisteswissenschaftlich konfiguriert. Seine Projekte erforschten die nachantiken Kulturen Europas. Erst in seiner letzten Förderphase, gipfelnd in seiner Abschlusstagung ‚Antike ohne Ende‘ vom 2. bis 4. Juni 2016, erprobten der SFB und seine internationalen Gäste die Anwendbarkeit seines Transformationskonzepts a) auf außereuropäische ‚Antiken‘, etwa in China und Altamerika, sowie b) auf kulturelle Wandlungsprozesse überhaupt. Die Resultate stimmen optimistisch.

 

Laufzeit: 2005 bis 12/2016
Fördermittelgeber: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

 

Webseite des Projekts