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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Amsterdam 2004/05

Amsterdam 2004/2005: Erfahrungsbericht von Uta Brockmann und Antje Grätz

 
Twee duitse meisjes in Amsterdam
 
Wir, Uta und Antje, waren ein Jahr mit dem Erasmusprogramm an der Universiteit van Amsterdam und wollen hiermit einen Teil unserer Erfahrungen weitergegeben. Dabei wollen wir uns auf unsere persönlichen Erfahrungen beim Studieren, Wohnen und Amsterdam genießen konzentrieren und für weitere wichtige Punkte, wie zum Beispiel der unabdingbaren Notwendigkeit eines Fahrrades, auf die Berichte unserer Vorgänger verweisen.
Uta und ihre Kurse
Die auf Englisch angebotenen Kurse sind im Grunde nicht schlecht, da man ohne Probleme auch andere geisteswissenschaftliche Fächer belegen kann. Allerdings bedeutet das nicht, dass darunter gute Geschichtskurse angeboten werden. Daher habe ich mich mehr auf Englischkurse (MEP 1 bis 4) konzentriert, um mein Sprachdefizit auszugleichen, was nicht nur erfolgreich war, sondern auch noch unheimlich viel Spaß gemacht hat. Um dennoch „Scheine“ bzw. Credit Points zu sammeln, habe ich im ersten Semester einen Kurs in European Studies belegt, der mich sehr stark beeindruckt hat. Die Dozentin war unglaublich motiviert; der kleine Kurs bestand aus Studenten aus ganz Europa, so dass sich jeder mit den Erfahrungen aus seinem Land einbringen musste. Die Diskussionen, sowie zusätzliches Lesematerial, das am Ende des Semesters in einer Klausur abgefragt wurde, plus einer Powerpoint-Präsentation und einem Essay bereicherte mein Wissen erheblich. 
Im zweiten Semester konzentrierte ich mich wieder mehr auf Geschichte, indem ich im Fachbereich Amerikanistik die historische Stadtentwicklung Miamis untersuchte. Wie schon im ersten Semester war eine Klausur üblich, die das Wissen aus der Vorlesung und aus der Kurslektüre abfragte. Am Ende des Semesters wurde wieder ein Essay verlangt. Insgesamt war der Kurs aber nicht so interessant, da weder diskutiert, noch Fragen gestellt wurden.
Interessant gestaltete sich der Germanistikkurs, den ich nur aus Interesse und Spaß an Büchern belegte. Dadurch lernte ich wichtige DDR-Autoren kennen, deren in Deutsch gelesene Bücher dann auf Niederländisch diskutiert wurden. Dieser kleine Schock zu Kursbeginn wurde letztlich aber eine gute Übung für meine Niederländischkenntnisse. 

Antje und ihre Kurse
Eigentlich studiere ich an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität und hatte durch das Institut für Geschichtswissenschaften einen Restplatz an der Universiteit van Amsterdam bekommen. So kam es, dass ich sowohl von der Faculty of Humanities als auch der Faculty of Economics and Econometrics in Amsterdam angesprochen wurde. Begeistert von beiden Angeboten, stellte ich mir einen bunten Mix an Vorlesungen zusammen. Und möchte an dieser Stelle alle potenziellen Erasmusstudenten ermutigen sich auch andere Programme anzuschauen. Es lohnt sich.
So lernte ich Uta in unserem gemeinsamen Englischkurs MEP 1 kennen. Dank unserer tollen Lehrerin Roos war dieser Kurs eine wahre Freude und Übung für die Sprache und die Lachmuskeln. Unseren gemeinsame DDR-Literaturkurs „Duitsland, land van dichters en denkers“ hätte ich auch nicht missen wollen. Unter anderem habe ich auch den Kurs „Dutch culture and society I“ an der Faculty of Humanities belegt. Ein Kurs, der schon wie in anderen Erfahrungsberichten erwähnt, nicht weltbewegend ist, der aber eine gute Einführung zu den Niederlanden bietet. 
Letztendlich habe ich an der faculty of economics zwei Kurse belegt – „Accounting“ und „Transition Economics“. Beide Kurse gingen in einem Block über 7 Wochen, was sehr viel intensiveres Studieren als in Deutschland bedeutete. Daneben waren sie wesentlich praktischer orientiert (mit vielen Fallbeispielen) als an der Humboldt-Universität, was mir gut gefallen hat.

Wohnen in Amsterdam
Ein bezahlbares Zimmer in Amsterdam zu finden, stellt eine schwierige Herausforderung dar. Im Laufe eines Erasmusjahres hört man unglaubliche Geschichten. Auf der sicheren Seite ist man mit einem Zimmer im Studentenwohnheim. Daneben ist man so mittendrin im so genannten „Erasmusgeschehen“. Hier eine kleine Auswahl:
 
Plantage Muidergracht 20: Teuer, dafür mit intensivem Zusammengehörigkeitsgefühl, da das Haus in verschiedene Wohnebenen zu acht bis zehn Studenten eingeteilt ist. Es gibt Shared- und Single-rooms. Der Partyfaktor ist sehr hoch! Nicht zu vergessen die legendäre Grachtenterasse hinter dem Haus!

Sarphatistraat: Teuer und zentral gelegen, dafür aber mit sehr guter Innenausstattung. Man teilt sich zu zweit ein 1ZimmerAppartement. Gut für diejenigen, die nicht so viel Wert auf eine Gemeinschaft legen, da man hier relativ anonym wohnt.

Prinsengracht: Teuer, neu, ruhig und mitten im Jordaan. Es gibt riesige Shared-rooms, so dass man dem Mitbewohner auch aus dem Weg gehen kann. Die Single-rooms sind kleine eigenständige Wohnungen. Ideal für die, die sich eher aufs Studieren konzentrieren wollen als Partys zu feiern.
 
Prins Hendrikkade: auch relativ teuer, zentral, ruhig, wenig Partys, dafür bei gutem Wetter aber langes Zusammensitzen auf dem Hof. Es gibt 1ZimmerApartements, 2er und 3er WGs sowie Shared-rooms.
 
Hoogte Kadijk: 2er WGs, großzügige Terrassen, aber unter Umständen Wohnungen mit Durchgangszimmern.
 
Wesperstraat: Verhältnismäßig billig, aber gewöhnungsbedürftig. Chaotisches Zusammenwohnen mit 16 Mitbewohnern. Da hilft auch nicht das Putzpersonal. Als Entschädigung für 2 Toiletten, 2 Duschen und zu wenig Kochmöglichkeiten gibt es aber jede Menge hauseigene Partys.
 
Mehr Informationen findet ihr unter http://www.shortstay.dekey.nl .
 
 
Aber nun zum angenehmeren Teil an Amsterdam:

Die besten Appeltaarts und andere Cafés:
Café Winkel im Jordaan: Der beste Ort am Samstag und Montagvormittag nach einem Besuch auf dem Noordermarkt.
 
De Jaren: In der Nähe des Atriums (Hauptgebäude der Uni) mit einer großen Auswahl an internationalen Zeitungen und einer Terrasse direkt am Wasser.
 
Café de Zuylen und Café Zeezicht: Wichtige Cafés für Studenten der Geisteswissenschaften, da das Gebäude der Fakultät direkt daneben liegt.
 
Taart van mijn Tante: Unsere Englischlehrerin hat´s empfohlen und ist ein Traum aus Pink, Lila, Barbie und Ken, Kitsch und mehr.
 
Puccini: Nicht nur Appeltaart, sondern auch Bomben aus Schokolade und Karamell. Nicht zu vergessen die Pralinen.
 
Kriterion: Alternatives Programmkino mit Studentencafé gegenüber der Wirtschaftsfakultät.
 
Überleben mit der niederländischen Küche:
Die niederländische Küche hat so ihre Eigenarten. Stampott und Febo gehören ohne Zweifel dazu. Wenn man Glück hat, kochen die Gruppenleiter in der ISN-Einführungswoche (wer schüchtern ist, sollte sich für die Woche bewerben, ansonsten ist man nicht darauf angewiesen, über ISN Leute kennen zu lernen) Kartoffeln mit Endivien, stampfen diese, und servieren das Püree mit Würstchen (Stampott). Unkonventioneller ist Febo: Burger, Kroketten und Kaassoufflee aus dem Automaten, sollte man gesehen und auch probiert haben. Vlaamse Frites gibt es an jeder Ecke. Die besten findet man aber am Rembrandtplein und in der Voetboogstraat. Sehr viel exotischer ist dagegen die surinamesische Küche, ein Erbe der Kolonialzeit, die man in unzähligen Eetcafés probieren kann – besonders in De Pijp.
 
Albert, Dirk und Co:
Wurden unsere besten Freunde in der Zeit. Der Einkauf von Lebensmitteln hatte bei dem oft überteuerten Supermarkt Albert Heijn dank Bonuscard einen gewissen Spaßfaktor, der nur durch den Konkurrenten Dirk van den Broek (Marie Heinekenplein) durch bessere Preise und großartige rote Taschen überboten wird. Natürlich gibt es auch Lidl (Hemonylaan) und Aldi (Deerde Weteringsdwaartstraat). Ein wichtiger Anlaufpunkt für uns wurde der bei allen Amsterdamern beliebte Albert Cuypmarkt. Neben preiswertem Obst und Gemüse findet man auch preiswerte Schuhe, Kleidung und und und… Wer Flohmärkte mag (montags) oder Wert auf biologische Produkte legt (samstags) ist auf dem Noordermarkt genau richtig.
 
Die Amsterdamer „Kulturlandschaft“:
Dass Amsterdam unzählige Museen zu bieten hat, braucht man nicht extra zu erwähnen. Der Kauf einer Museumskarte (17 € jongeren card für ein Jahr) ist einfach unumgänglich und bietet zudem auch noch Zugang zu anderen Museen im ganzen Land. Ein kleiner Geheimtipp sind die kostenlosen Lunchkonzerte des Concertgebouws an jedem Mittwoch um 12:30. Als Austauschstudenten kommt man um die Studentenpartys an jedem Wochenende nicht herum. Wöchentlicher Anlaufpunkt für Anhänger dieser Subkultur ist der so genannte Borrel an jedem Donnerstag im Atrium, der von ISN organisiert wird. Wer mal eine Pause von der „exchange community“ braucht, geht am Wochenende besser in den Melkweg, ins Paradiso oder ins liebenswürdige Bitterzoet (, wo z.B. jeden letzten Sonntag im Monat ein besonders gutes Konzert stattfindet).

Parks, Strand und Meer:
Der Vondelpark ist natürlich der berühmteste Park in Amsterdam, der auch viel zu bieten hat. Netter, aber auch wesentlich kleiner, ist der Oosterpark, in dem man gemütlich am Wasser liegen kann. Andere Plätze zum Erholen vom Studium sind der Westerpark und auch der Museumsplein. Amsterdam bietet weit aus mehr, da man mit dem Fahrrad innerhalb von 30 Minuten am Strand Blijburg liegen kann – in Mitten einer surrealen Baustellenlandschaft. Außerdem kann man mit dem Zug bzw. mit dem Bus schnell in Zaandvoort und Bloemendaal sein, um in der Nordsee zu baden.
 
Wichtige Ereignisse des Jahres
In den Niederlanden wird der Schutzpatron des Landes Sinter Klaas (Nikolaus) mit einer eigenen Bootsparade im November begrüßt, was ein Spektakel für Alt und Jung darstellt. Wir fanden das schon verrückt bis wir den Geburtstag der Königin feierten. Den Koniginnendag am 30. April kann man nicht beschreiben, den muss staunend erlebt haben. Oranges T-Shirt nicht vergessen! Die Königin bestaunen kann man am 4. Mai – dem Bevrijingsdag. Ganz anders ist das Rootsfestival im Juni – der Karneval der Kulturen im Oosterpark.
 
 
Bleibt nur noch, jedem der nach Amsterdam geht, genauso gute Erfahrungen zu wünschen, wie wir sie gemacht haben. Das Jahr war einmalig, hat uns unglaublich viele neue Freunde aus aller Welt beschert, die wir nicht mehr missen möchten, und uns tatsächlich auch auf unserem Lebensweg weitergebracht.
 
Uta Brockmann und Antje Grätz