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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Brüssel 2004/05

Université Libre de Bruxelles

Franziska Füssel
 
Hallo und herzlichen Glückwunsch zu deinem Sokrates-Platz an der Université libre de Bruxelles. Auch wenn jeder andere Erfahrungen macht und die Stadt aus einer anderen Perspektive sieht, will ich doch versuchen, dir ein paar nützliche Tipps vor der Abreise zu geben. Vielleicht brauchst du diese Informationen auch gar nicht, aber sollten sie nicht ausreichen, kannst du mich gerne unter der oben genannten E-Mailadresse oder Telefonnummer kontaktieren.
Brüssel ist eine vielseitige Stadt und nicht nur durch die EU und NATO sehr international. Belgien ist, auch wenn es manchmal zuviel regnet, ein schönes Land mit vielen interessanten Städten und Gegenden. Wahrscheinlich weißt du schon, dass Belgien offiziell dreisprachig (französisch, niederländisch bzw. flämisch, deutsch) und Brüssel zweisprachig (französisch, niederländisch bzw. flämisch) ist. Leider ist es manchmal zu einfach sich mit Deutsch oder Englisch durchzuschlagen. Sollte dein Ziel also sein, dein Französisch zu verbessern oder zu perfektionieren, musst du unter Umständen ein bisschen Durchsetzungsvermögen aufbringen. Die meisten Leute sind aber frankophon und der Unterricht an der Universität ist natürlich auch auf Französisch. Aber Vorsicht: Die Belgier benutzen viele „Belgizismen“ wie nonante (neunzig) oder kot (Studentenbude). Das ist ziemlich witzig. Es ist aber sicher gut zu wissen, wann es sich nun um Standardfranzösisch oder „Belgisch“ handelt...
 
Reisevorbereitungen
Solltest du nicht mit Auto anreisen (übrigens die Belgier halten sich nur selten an Verkehrsregeln...), gibt es von Berlin aus ein paar preisgünstige Möglichkeiten, z.B. mit Easy jet Berlin-Aachen/Maastricht, dann mit dem Zug oder Berlin-Brüssel mit dem Bus (Berlin Linienbus/Eurolines), was allerdings nicht die komfortabelste Variante ist.
Wenn du ein deutsches, nicht SIM-gesperrtes Handy hast, nimm es mit. Bei BASE gibt es günstige Tarife, u.a. 24 Euro für eine belgische SIM-Karte inklusive 24 Euro(!) Guthaben. Ansonsten ist BELGACOM der Hauptanbieter für Festnetz und Internet. In der Uni stehen aber auch PCs bzw. Internet zur Verfügung. Dafür bekommst du dann einen Zugangscode. Steckdosen und TV-Anschluss sind in Belgien natürlich dieselben wie in Deutschland.
Was das Studium betrifft, solltest du dich vor deiner Abreise auf jeden Fall gut informieren, welche Leistungen du erbringen musst und was du genau in Brüssel machen kannst. Vor Ort gibt es zwar sehr nette und hilfsbereite Koordinatoren, aber sie kennen sich nicht mit unserer Studienordnung aus und wollen einem schon mal einen „falschen“ Tipp geben. Hinzu kommt, dass es mit der Umstellung auf das Bachelor-/Master-System auch in Brüssel ein ordentliches Chaos gab. Also geh am besten rechtzeitig zur Studienfachberatung.
Das Learning-Agreement, was du schon vor Ankunft ausfüllen sollst, ist im Grunde erst einmal völlig unerheblich. Das Studienangebot findest du unter www.ulb.ac.be. Manche Kurse finden nur im Winter- oder Sommersemester statt, andere nur in geraden (2000, 2002...) oder ungeraden Jahren (2001, 2003...). Du bist nicht verpflichtet die vorher genannten Kurse zu machen, wenn du deine Meinung änderst. Und wunder dich nicht, dass die Koordinatoren empfehlen, nur ca. 5 Kurse zu belegen. Das macht Sinn, wenn du in jedem Kurs ein Examen machen möchtest, um die 30 ECTS für ein Semester zu bekommen. Ansonsten kannst du natürlich so viele Kurse besuchen wie du willst.
Um einen Kurs zu bestehen, muss man in Belgien in der Regel ein mündliches oder schriftliches Examen ablegen, was bei uns meist nicht so einfach anerkannt wird. Ich habe zusätzlich eine Hausarbeit nach unseren Anforderungen geschrieben, damit der Kurs als Seminar anerkannt wird.
 
Unterbringung, Anmelden bei der Gemeinde, Bankkonto
Die wahrscheinlich wichtigste Frage ist für dich sicher, wie finde ich eine Wohnung in Brüssel. Zunächst einmal sind die Mieten und das Leben generell etwas teurer als in Berlin. Du kannst dich für einen Platz im Studentenwohnheim bewerben. Die Unterlagen dazu werden dir zusammen mit den Immatrikulationsformularen und Informationen zu Sprachkursen irgendwann im Sommer zugesandt (kann Ende August werden...). Die Wohnheime liegen eigentlich alle in der Nähe der Uni, das heißt im Stadtteil Ixelles. Es gibt aber auch Wohnheime in der Nähe des Krankenhauses „Erasme“ in Anderlecht, was ziemlich weit ab vom Schuss ist. Wenn du kein Auto hast, kann ich prinzipiell empfehlen, in Ixelles eine Wohnung oder ein Zimmer zu mieten, da dort die Universität, die meisten Bars und die meisten Studenten sind. Außerdem lässt das Nachtnetz des Brüssler Nahverkehrs sehr zu wünschen übrig. Aber auch andere Stadtteile sind schön wie Auderghem, Etterbeek, Woluwé St. Lambert, Uccle, etc. Es gibt ein paar Gegenden, die nicht so zu empfehlen sind, z.B. Schaerbeek, Anderlecht und Molenbeek. Auch wenn man es vielleicht nicht denkt, Brüssel ist nachts wesentlich gefährlicher als Berlin.
Hier noch ein paar Tipps für die Wohnungssuche, die eventuell helfen könnten:
·  www.immonet.be/col/immo/appartement-a-louer/appartement-a-louer-Bruxelles.html
·Immobilienteil des Vlan (wöchentliche französischsprachige Zeitschrift, die kostenlos an alle Haushalte geliefert wird, aber auch im Zeitschriftenladen erhältlich ist) auch im Internet www.vlan.be
 
Bei einem mehr als dreimonatigem Aufenthalt im europäischen Ausland muss man sich bei der Gemeinde bzw. dem Hôtel communal des jeweiligen „Bezirks“ melden. Unter Umständen brauchst du die Meldebestätigung zur Eröffnung eines Bankkontos. Die Adressen der Hôtels communaux findest du unter den Informationsblättern, die dir bei der Einführungsveranstaltung gegeben werden.
Wenn du ein Konto in Belgien eröffnen möchtest, solltest du dich gut informieren. Die meisten Banken bieten ein kostenloses Konto für Studenten an, aber nicht jede Bank verlangt dieselben Unterlagen (z.B. Meldebescheinigung, Mietvertrag etc.) bei der Eröffnung eines Kontos. Ich habe mein Konto bei der KBC, aber viele meiner Freunde waren auch bei FORTIS oder ING. Am besten, du schaust, welche Bank bei dir in der Nähe ist. Die Bankkarten haben übrigens auch so eine Art Geldkarte, „carte PROTON“, mit der du überall kleinere oder größere Beträge bezahlen kannst.
 
Verkehrsanbindungen
Wenn du in Belgien ein bisschen rumkommen willst, ist der Go-Pass zu empfehlen. Er kostet mittlerweile 43 Euro und umfasst zehn Fahrten, die man auch mit anderen teilen kann. Da Belgien nicht so groß ist, kommt man mit dem Zug relativ schnell in alle Ecken. Unter www.b-rail.be/main/index.html findest du alle nötigen Informationen.
In Brüssel steht dir das Netz der STIB zur Verfügung. In Flandern und Brüssel (aber mit eigenen Tickets) verkehrt auch de Lijn. Die Metros fahren auch am Wochenende normalerweise zwischen 5.30 Uhr und maximal 0.30 Uhr. Nachtbusse gibt es nur freitags zwischen Delta (Nähe der Uni/ Ixelles) und Bourse (Zentrum). Es gibt 3 Metrolinien, einige Trams und viele Busse. Informationen findest du unter www.stib.irisnet.be. Im letzten Jahr gab es ein paar Streiks der STIB, infolge derer die Metros sehr selten oder gar nicht mehr fuhren. In so einem Fall ist es natürlich auch gut, in der Nähe der Uni zu wohnen...
Wenn du nicht ein ganzes Jahr in Brüssel bleiben wirst und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bist, solltest du dir ein Monatsabonnement für 25,50 Euro (wenn du unter 25 bist) anschaffen. Am Ende bzw. Anfang des Monats sind die Schlangen vor den Fahrscheinverkaufsstellen (siehe STIB Homepage) ziemlich lang. Also besser schon Mitte des Monats zuschlagen und für die nächsten drei Monate Tickets kaufen!
 
Freizeitangebote und Studentenleben
Bevor es richtig losgeht, findet an mehreren Tagen im September eine Begrüßungsveranstaltung für alle Austauschstudenten statt. Eigentlich solltest du von Monsieur Gomez, der für die administrativen Angelegenheiten der Erasmus-Studenten verantwortlich ist, eine Einladung zu diesem Treffen erhalten. Letztes Jahr habe ich die Informationen aber erst auf Nachfrage erhalten. Falls du unsicher bist oder überhaupt Fragen hast, kannst du Monsieur Gomez folgendermaßen erreichen: lgomez@admin.ulb.ac.be oder telefonisch unter +32-2-650.25.16
Bei dieser ersten Veranstaltung wird dir auch die Organisation EXPRESS vorgestellt. Die organisieren Ausflüge, Stadtführungen und vor allem Parties. Du kannst denen deine E-Mail Adresse hinterlassen und dann wirst du regelmäßig über Veranstaltungen informiert. So lernt man auf jeden Fall viele Leute kennen, natürlich zu 95% Austauschstudenten.
Die Belgier sind ein sehr „cinephiles“ Volk. Daher gibt es in der Stadt mehrere Kinos großen und kleinen Kalibers. Die größten sind das Kinepolis, das UGC de Brouckère und das UGC Toison d’Or. Die Filme werden in der Regel in der Originalversion gezeigt, manchmal aber auch in der französischen Version. Programme und Adressen gibt es im Internet z.B. unter www.kinepolis.be und www.ugc.be.
Was das Brüssler Nachtleben betrifft, ist eigentlich auch für fast jeden Geschmack etwas dabei. Viele Bars und Restaurants findest du in der Nähe des Campus Solbosch in Ixelles, aber auch im Zentrum z.B. in der Nähe der Börse und der Grand’ place. An Diskotheken mangelt es ebenfalls nicht. Eine der bekanntesten Techno-Diskos Belgiens ist das FUSE. Wenn du auf Black Music stehst, kann ich dir das Ecume am Place Stéphanie empfehlen. Die Türsteher sind wie überall manchmal etwas wählerisch... Also keine Turnschuhe!
Weitere Informationen findest du u.a. im kostenlosen Stadtmagazin „02“ (selbes Prinzip wie die „030“ in Berlin) und im Internet z.B. unter:
Zwischen Anfang September und Ende November sind die meisten belgischen Studenten mit dem Baptême, dem Eintrittsritual in die Cercles (Studentenverbindungen) beschäftigt. Das Baptême besteht aus einer sich über Monate hinziehenden Taufe mit Bier und peinlichen „Mutproben“. Das ist für Außenstehende ziemlich nervig. Die Cercles ziehen außerdem regelmäßig in ihrer Verkleidung (einem überdimensionalen Basecap und einem alten Kittel) durch die Kneipen der Stadt. Ist Geschmackssache... Die Studentenverbindungen sind aber nicht ständig mit dem Biertrinken beschäftigt, sondern organisieren auch Parties und andere Veranstaltungen. Wenn du Kontakt zu Belgiern suchst, ist das die Gelegenheit, da so ziemlich jeder belgische Student Mitglied eines Cercle ist.
Solltest du Lust haben, dich sportlich zu betätigen, kannst du an der ULB eine Art Pass für 40 Euro kaufen und damit an jedem Kurs, der an der Uni angeboten wird, teilnehmen. Außerdem bietet der Unisport auch Vergünstigungen für Tenniskurse, Fitnesscenter etc. an. Informationen gibt es im Restaurantgebäude des Campus Solbosch: 22, av. P. Héger (Grand Hall des restaurants Bat. F1), 1000 Bruxelles, Tel. +32-2-650.40.60.
Du kannst an der Uni auch die Gelegenheit nutzen, einen oder mehrere Sprachkurse zu besuchen. Informationen zu den Französischkursen der ULB gibt es bei der Einführungsveranstaltung. Du solltest allerdings wissen, dass ein Platz nicht garantiert ist. Für den kostenlosen Kurs (nur mittleres Niveau) gibt es sehr viele Bewerber. Es gibt aber auch noch einen kostenpflichtigen Kurs, der verschiedene Niveaus abdeckt, der kostete letztes Jahr 125 Euro. In jedem Fall musst du zunächst einen Einstufungstest mitschreiben. Die Daten erfährst du ebenfalls bei der Einführungsveranstaltung bzw. im Sekretariat des Gebäude P1 (siehe Plan der ULB Camps Solbosch). Dein Aufenthalt in Belgien wäre aber auch eine gute Gelegenheit ein bisschen Niederländisch mitzunehmen. Niederländischkurse werden ebenfalls im Gebäude P1 angeboten. Ansonsten bietet jede Gemeinde günstige Sprachkurse an. Wenn du dich bei der Gemeinde meldest, kannst du ja mal nachfragen. Hier noch einige weitere Adressen von Sprachschulen:

Studium
Die Université libre de Bruxelles verteilt sich auf drei Areale: Campus Solbosch (u.a. auch Geschichte), Campus Plaine (Mathematik etc.) und Campus Erasme (Medizin etc.). Die Universitätsbibliothek befindet sich ebenfalls auf dem Campus Solbosch. Dort kannst du Bücher mit deinem Studentenausweis entleihen. Nicht alle Bücher können außer Haus entliehen werden, daher ist eine Kopierkarte am Automaten gegen 8 Euro Pfand erhältlich.
Generell schienen mir die Dozenten der Universität alle sehr nett und hilfsbereit gegenüber den Austauschstudenten, da sie an einen hohen Anteil an ausländischen Studenten gewöhnt sind. Unter Umständen stellen sie auch andere Anforderungen als an die belgischen Studenten.
Über das Kursangebot informierst du dich am besten selbst unter www.ulb.ac.be/prog/index.html. Solltest du dich für Zeitgeschichte, Politik und Europa interessieren, empfehle ich dir, das Programm des Institut d’Etudes Européennes (IEE) zu studieren. M. Magnette ist der Direktor des Instituts und gibt sehr gute, interessante Seminare.
Noch ein letzter Tipp. Um sicher zu gehen, dass alles in Deutschland anerkannt wird, ist es vielleicht nicht verkehrt, sich alle Kurse, egal ob mit oder ohne Examen, irgendwie schriftlich vom Professor bestätigen zu lassen. Ich habe einfach einen „Schein“ nach unserem Muster (z.B. Teilnahmeschein – Certificat d’assiduité) unterschreiben lassen. Sicher ist sicher...
 
Persönliches Fazit
Insgesamt hat mir der Aufenthalt in Brüssel und an der ULB sehr gut gefallen. Ich kannte Brüssel zwar bereits, habe aber trotzdem viele neue Ecken und natürlich viele neue Leute kennen gelernt. Ein Semester ist natürlich nicht sehr lang... Und wie das eben so ist, bleibt man leicht bei den anderen Erasmusstudenten hängen, die natürlich alle kontaktfreudiger bzw. -bedürftiger sind als die einheimischen Studenten. Erst am Ende des Semesters ist es mir ein bisschen gelungen, auch mit Belgiern Kontakt aufzunehmen. Vielleicht sollte man einem Fitnessclub oder irgendeinem Abendkurs z.B. bei der Gemeinde (Infos im Hôtel communal) beitreten. Solltest du vorhaben dein Französisch zu verbessern, begeh nicht den Fehler, Englisch als Verständigungssprache durchgehen zu lassen. Manchmal musst du in Belgien „hart“ sein, was das betrifft.
 
Ich hoffe, ich konnte dir ein paar sinnvolle Tipps geben und wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß und viele tolle Erfahrungen in Brüssel.