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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Budapest 2010/11

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Ich begann mit der Vorbereitung des Auslandssemester sehr kurzfristig im April 2010 (Restplatzvergabe). Für das Ausfüllen der Bafög-Anträge und des Erasmus-Antrags (Besorgen von Sprachnachweisen, Gutachten etc.) benötigte ich etwa einen Monat, der mit viel Stress verbunden war. Die Unterstützung und Informationen von Franziska Wölky (Studentische Mitarbeiterin am ERASMUS-Büro des IfGs) waren gut, doch musste auch vieles selbst recherchiert werden: wo die Unis sind, was sie bieten etc. Auch wenn die Anträge im Wesentlichen gestellt worden sind, kam danach noch ein postalisches hin und her (Registrierung an der Gastuni etc.). Tatsächlich empfiehlt es sich, schon 6 Monate vorher mit der Beantragung anzufangen, wie es für den Bafög-Antrag erforderlich ist. Mit mehr Zeit im Rücken hätte ich leichter einen kühlen Kopf behalten. Trotzdem empfiehlt es sich bei allen relevanten Stellen nach zu fragen, so kriegt man brauchbare Informationen. Ungarische Bürokratie ist nicht wirklich langsam, wie ich es am Anfang erwartete. Die Uni-Bürokratie unterstützt einen sehr.

Die Postlaufzeiten zwischen Berlin und Budapest betragen:  im besten Fall 4 Tage und im schlimmsten Fall 4 Wochen.

Der Antrag für eine Verlängerung war dagegen mit mehr Stress verbunden. Im November entschied ich mich, länger in Budapest zu bleiben. So musste ich einen neuen vollständigen Bafög-Antrag von Budapest aus stellen. Die Bewilligung dauerte lange und bedurfte vieler Nachfragen und Erinnerungen. Im Februar bekam ich kein Bafög, sondern nur einen Vorschuss. Es war sehr unangenehm nicht genau zu wissen, ob im zweiten Semester auch Bafög bewilligt wird. Es ist ein anderes Gefühl, wenn alles geregelt ist.

Ich kann folgende Literatur für Historiker über Ungarn und seine Geschichte empfehlen: Baedecker Reisefüher Budapest (übersichtliches Werk, guter Aufbau mit allen wichtigen Infos über Budapest),  Klimo, Arpad: Ungarn seit 1945 (er schreibt über den Aufbau des Sozialismus, betont sehr seinen repressiven Charakter, macht Ausführungen zu 1956 und beschreibt den Wandel des ungarischen Sozialismus in den 70er Jahren hin zur Marktwirtschaft, sehr lesenswert), Dalos, George: Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa (Vergleichende Darstellung des Niedergangs des sozialistischen Experiments in den Ostblockstaaten, betont auch den Einfluss der Sowjetunion, das Buch ist sehr essayistisch geschrieben), 1956. Der Aufstand in Ungarn (detaillierte Darstellung der Ereignisse vom Aufstand 1956).

Einen Ungarisch-Kurs sollte jeder Student besuchen, der nach Ungarn geht. Die  Sprach- und Kulturbörse an der TU bietet ab und an Ungarisch-Kurse (4 SWS) an. Die Kurskosten betragen etwa 80 Euro je Kurs. Im Semester und in den Semesterferien habe ich jeweils einen Kurs besucht. Grundkenntnisse in der ungarischen Sprache sind wichtig, um sich in der Stadt zurecht zu finden. Die ungarische Sprache hat keine Ähnlichkeit mit dem Deutschen oder dem Englischen, sieht man von einigen Worten wie stimmel = zustimmen ab.

Wenn ich im Nachhinein zurückschaue, finde ich, dass ich viel zu spät mit dem Lernen der ungarischen Sprache angefangen habe. Zwar habe ich während meines gesamten ERASMUS-Aufenthaltes ungarisch gelernt, doch empfehle ich, erst mit Sprachkenntnissen von A2 nach Ungarn zu gehen, auf diese Kenntnisse sind die 6-stündigen Ungarisch-Kurse (6 SWS) an der Budapester Universität abgestimmt und man fühlt sich sicherer, wenn man sich auf ungarisch  unterhält. Es ist auch möglich, erst in Budapest mit dem Ungarisch-Lernen anzufangen. Aber die ERASMUS-Kurse fangen bei null an und man lernt kaum etwas von der Sprache.

Auch zu empfehlen für die Vorbereitung auf die ungarische Sprache und Kultur ist die Sommerschule in Debrecen, die ich aus zeitlichen Gründen leider nicht besuchen konnten.

 

 

Anreisemöglichkeiten zum Studienort

Folgende Reisemöglichkeiten nach Budapest gibt es:

mit dem Zug:

Berlin – Budapest Keleti pu. 49 Euro

Budapest – Berlin 49 Euro

Wer einen Monat vorher bucht, bekommt das günstige Europa-Spezial Ungarn. Die Liegewagen der ungarischen Züge sind häufig günstiger. Einmal habe ich einen Liegewagen Platz für 49 Euro bekommen.

Mit dem Flugzeug:

Die Kosten für einen Flug zwischen Budapest Ferihegy und Berlin Schönefeld bzw. die Rücktour können bei 17 Euro anfangen. Die Flüge sind für Kurztrips nach Berlin ideal. Wer früh über EasyJet bucht, brauch im besten Fall nur 17 Euro zu bezahlen. Die Gepäckkosten sind je nach Fluggesellschaft unterschiedlich geregelt.

Ich bin mit dem Zug 12 Stunden unterwegs gewesen und konnte im Zug soviel mitnehmen, wie ich tragen konnte. Mit dem Flugzeug dauert die Reise nur 2 bis 3 Stunden.

 

 

Vorstellung der Gastuniversität

Die Universität in Budapest wurde 1635 gegründet und ist damit eine der ältesten Universitäten in Europa. Die einzelnen Fakultäten sind in der ganzen Stadt verstreut, die Naturwissenschaftler lernen beispielsweise auf der Budaer Seite, die Juristen lernen unweit des Kalvin ters (U-Bahnstation). Die geisteswissenschaftliche Fakultät liegt mitten im Pester Stadtzentrum am Astoria (U-Bahnstation). Die Gebäude der geisteswissenschaftlichen Fakultät sind relativ alt und wurden am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts errichtet. Die Gebäude wurden aber alle saniert. Auf dem Campus am Astoria befinden sich folgende Institute: Germanistik (Germanistik-Studenten sprechen in ihrem Veranstaltungen auf deutsch und sind auch interessiert, deutsche Muttersprachler kennen zu lernen), Anglistik, Amerikanistik, Romanistik, Slawistik, Finno-Ugristik, das Zentrum für asiatische Sprachen und das Institut für Philosophie.

Es gibt im Germanistik-Gebäude eine gute Mensa. Die Mensa bietet sowohl ungarische Küche an als auch ab und an verschiedene regionale Küchen, wie  die bayrische. Einer der Mensa-Beschäftigter freute sich immer, wenn er sich mit Deutschsprachigen unterhalten konnte. Die Kosten für ein Wahlessen betragen etwa 2,50 Euro. In fast jedem der Gebäude gibt es auch kleinere „Büfes“ („Büfe“ ist das ungarische Wort für Imbis[bude]). Diese „Büfes“ sind mit Cafeterien vergleichbar. Die „Büfes“ kosten nur halb so viel wie Berliner Cafeterien.

Besonders im Sommer ist der Campus sehr lebhaft, so traf ich auf dem Weg zwischen den einzelnen Gebäuden Leute, die ich auf der einen oder anderen Party kennen gelernt habe. Im Mai fanden die Universitätsfeiertage statt. Es wurde eine Bühne aufgebaut, auf der verschiedene Bands und Künstlergruppen auftraten. Außerdem gab es verschiedene Stände von studentischen Gruppen.  Von April bis September öffnet der sogenannte TreffOrtKert, eine Art Biergarten auf dem Unicampus. Ich fand den Campus sehr angenehm. Es empfiehlt sich, in der ersten Woche vor dem Studienbeginn den Campus einfach zu besuchen, um sich zurecht zu finden.

 

 

Beurteilung der Lehrveranstaltungen und Lernbedingungen

Infos über Kurse und andere Veranstaltungen sind für Historiker im Internet nicht auffindbar. Am Besten fragt man dazu die Institutsleiter bzw. Institutskoordinatoren.  Wenn ihr Herrn Majoros per Email anschreibt, könnt ihr als Historiker eine Liste über die Kurse bekommen. Die für Historiker angebotenen Kurse sind hauptsächlich auf Englisch. Unter den Kursen befinden sich aber auch wenige Französische. Wenn ihr Fragen zu den Kursen habt, wendet euch ebenfalls an Herrn Majoros. Er stellt den Kontakt zu den einzelnen Dozenten her, die euch dann Auskunft zu den einzelnen Kursen geben können.

Englischsprachige Kurse der Anglistik, Psychologie, „Special Education“ etc. sind online verfügbar. Das Philosophische Institut bietet jedoch kaum englischsprachige Kurse an. Häufig vertrösten die Mitarbeiter des philosophischen Instituts die Studenten auf das nächste Semester. Es soll am philosophischen Institut nur 4 ERASMUS-Studenten gegeben haben. Daher wurde mit den Studenten vereinbart, private Konsultationen mit den Dozenten durchzuführen, um dann bestimmte Texte zu diskutieren. Am Ende eines solchen Kurses sollte in der Regel ein mündliches Examen stattfinden.

Die Organisation am historischen Institut kann als gut angesehen werden.  Dagegen ist die Organisation am Philosophischen Institut mangelhaft. Ein spanischer Student – den ich durch Zufall traf – gab mir eine Liste mit englischsprachigen Philosophie-Kursen. Selbst nach dreimaligen Nachfragen zu den Kursen, gab mir das philosophische Institut keine brauchbare Auskunft.   Die Qualität der Lehrveranstaltungen ist sehr unterschiedlich.

Die Kurse im historischen Institut haben höchsten 10 ERASMUS-Studenten (leider wurden ungarische Geschichtsstudenten nicht zu unseren Kursen zugelassen), sodass sich sehr schnell interessante Diskussionen ergeben konnten. Problematisch war, dass einige Dozenten Schwierigkeiten mit dem Englisch hatten (Herr Majoros, Frau Varga). Dieser Umstand führt dazu, dass Seminare als „Vorlesungen“ veranstaltet werden, sodass in diesen Kursen eher weniger diskutiert wurde.

Bei Herrn Majoros besuchte ich zwei Kurse über ungarische Geschichte. Der eine Kurs fand alle 4-Wochen statt und beschäftigte sich mit Wirtschaftsgeschichte (Modernisierungstheorien und Rückständigkeit). Der andere Kurs behandelte Ungarn in der Zwischenkriegszeit. Majoros vertrat die Ansicht, dass Frankreich durch die Verhandlungen in Trianon darauf abzielte, Ungarn zu zerteilen, um neue Bündnispartner im „Osten“ zugewinnen. Die zu lesenden Texte wurden in der Seminar-Bibliothek in einem Handapparat aufbewahrt. Einige Dozenten legen sie zu kurzfristig aus.

Die freundliche und hilfsbereite Frau Varga hielt einen sehr interessanten Kurs über Nachkriegsungarn ab. Wir behandelten während des Semesters das Rakosi-Regime, die Geheimpolizei, die Revolution von 1956, das Kadarregime und Ungarns Hinwendung nach Westeuropa. 

Die Stunden bei Herrn Zeidler waren sehr gut und anspruchsvoll. Die Diskussionen waren gut. Leider waren wir in diesem Kurs nur zu dritt. Herr Zeidler hat ein sehr gutes und differenziertes Wissen über Ungarn von 1918-1939. In seinem Seminar haben wir auch über internationale Perspektiven gesprochen, so gibt es sehr interessante Parallelen zwischen Deutschland und Ungarn in dieser Zeit.

Neben den Diskussionen oder den Vorlesungen fand ich es gut, auf Englisch reden zu müssen. Ich habe drei Referate auf Englisch gehalten, das war insgesamt eine sehr gute Erfahrung und hat mir gezeigt, dass ich mich auch  auf englisch ausdrücken kann. Ebenso habe ich einen 8-seitigen Essay auf Englisch verfasst.

Für jeden dieser zweistündigen Kurse gab es 6 Credits (Texte lesen, Referat und Kurzessay [auf den auch verzichtet wird]). Mit einigen Dozenten kann man über den Leistungsumfang verhandeln. Es gibt auch die Möglichkeit, die Modalitäten so abzuwandeln, dass man sich einzelne Kurse als Hauptseminar nach deutschen Recht anrechnen lassen kann. So habe ich es mit dem Institut für Philosophie gemacht.

Dort besuchte ich ein Philosophie-Seminar bei Herrn Pogony. Herr Pogony hat eine sehr sympathische und auch provokante Art philosophische Probleme auf zu werfen. Die Diskussionen, die auch Englisch gehalten wurden, fand ich sehr gut und ich habe viel über politische Philosophie der Neuzeit gelernt. In diesem Kurs befanden sich auch Ungarn. Mit Herren Pogony habe ich vereinbart, eine längere Hausarbeit zu schreiben, sodass mir der Schein auch in Berlin anerkannt wird.

Im zweiten Semester besuchte ich nur noch einen Kurs am historischen Institut. Weitere Kurse belegte ich in Anglistik. Der Kurs am historischen Institut beschäftigte sich sehr intensiv mit ungarischer Folkloristik und deren Kritik. So wurde erklärt, dass die Ungarn durch verschiedene kulturelle Einflüsse geprägt seien und es keine originale ungarische Kultur gäbe. Dieser Kurs arbeitete sehr intensiv mit Bildmaterial und neuen Medien. Die ungarisch-rumänische Dozentin Vincze war sehr offen. Dies erlaubte gute und kontroverse Diskussionen über Ungarn.

Zwei weitere Kurse belegte ich in Anglistik. Ein Kurs war zu kognitiver Linguistik. Der Kurs war theoretisch sehr anspruchsvoll. Es wurde linguistische Theorien behandelt, die versuchen zu erklären, wie unser Denken strukturiert sei. Leider gab es in diesem Kurs kaum Diskussionen. Der Dozent Kövecses las hauptsächlich aus seinem selbstverfassten Buch vor.

Einen anderen Kurs über das Verhältnis von Literatur und Philosophie brach ich im Laufe des zweiten Semesters ab. Da ich die Methoden des Dozenten nicht verstand. Die Kurse der Anglistik besuchte ich, weil ich philosophische Kurse besuchen wollte, aber keine philosophischen Kurse fand. Von den ausgewählten anglistischen Kursen erhoffte ich mir einen Bezug zur Philosophie. Im zweiten Semester gab es leider keine philosophischen Kurse an der ELTE.

Die Kurse des historischen Instituts haben ein mittleres Niveau. Mit ein wenig Anstrengung konnte ich alle Kurse mit „sehr gut“ bestehen. Die Dozenten am Historischen Institut sind sehr hilfsbereit und unterstützen die Studenten (Frau Varga lud mich ein, dass ungarische Nationalmuseum mit ihren Studenten zu besichtigen). Sie sind sehr offen für die Sichtweisen der ERASMUS-Studenten (der ungarische Nationalismus ist aber auch in diesem Klassen ein schwieriges Thema). Die Dozenten am Anglistik-Institut waren weniger hilfsbereit und distanzierter.

Eine zentrale Bibliothek, wie unser Grimm-Zentrum in Berlin, gibt es in Budapest nicht. An der Geschichtsbibliothek des Instituts der ELTE gibt es nur ungarische Bücher. Die Erwin-Szabo-Bibliothek am Kalvin ter ist recht gut, auch die europäische Bibliothek in der Molnar utca ist zu empfehlen. Weniger gut ist die Szechenyi-Bibliothek (Nationalbibliothek), da dort nur ältere Bestände sind. Dort sind aber gute Originaltexte für die Mittelalterforschung verfügbar. Es empfiehlt sich erst mal einen Ausweis ohne Ausleihe zu beantragen, da die Bibliotheken eine Einschreibegebühr von etwa 12 Euro nehmen. Einen Bibliotheksverbund wie in Berlin gibt es in Budapest nicht. Einige deutschsprachige Germanistikstudenten besuchten das Goethe-Institut, um an deutsche Literatur und Filme zu kommen.

Für die Referate an der ELTE reicht oft eine Recherche unter google books, oder was auch sehr gut ist, sich einen VPN-Klient unserer Uni zu organisieren, um in Budapest auf jstor und andere Aufsatzdatenbanken zurückgreifen zu können. Ein Dozent stellte mir ein Empfehlungsschreiben für die CEU (Central European University) aus, um dort die Bibliothek benutzen zu können.

 

 

Sprachvoraussetzungen und Sprachkompetenzen

Für den Erasmus-Aufenthalt in Ungarn musste ich nur Sprachkenntnisse im Englischen nachweisen. Die Unterrichtssprache war für ERASMUS-Studenten, die Kurse am Geschichtsinstitut belegten, englisch. Alle Prüfungen und Referate und Hausarbeiten werden auf Englisch abgenommen. Nach den herrschenden Bestimmungen braucht man mindestens die Kompetenzstufe B2. Ein entsprechende Zertifikat konnte ich ohne Probleme an der Sprach- und Kulturbörse der TU Berlin bekommen. Ich brauchte dazu nur an einem Test teil zunehmen. Ungarisch-Kenntnisse brauchte ich an der Uni nicht, sie müssen auch nicht nachgewiesen werden. Es kann aber Sympathie-Punkte bringen, wenn man auf ungarisch „Guten Tag“ und „Auf Wiedersehen“ sagen kann. Für den Alltag in der Stadt sind Ungarisch-Kenntnisse unentbehrlich.

Es empfiehlt sich, sich über das EILC-Programm zu informieren, so kann man einen Sprachkurs an einer Sommeruni teilnehmen.

Ich habe Ungarisch-Kurse besucht:

Im ersten Semester habe ich einen 2-stündigen Ungarisch-Kurs (2 SWS, zwischen Grund- und Mittelstufe) besucht. In diesem Kurs wurde im Eiltempo unterrichtet. Der Kurs war eine gute Gelegenheit meine Ungarisch-Kenntnisse zu festigen und zu vertiefen.

Im zweiten Semester bin ich in den 6-stündigen Ungarisch-Kurs (6 SWS) gegangen. Dieser Kurs hatte teilweise ein zu hohes Niveau. In der Anfangszeit konnte ich den Kurs noch eher folgen, als in der zweiten Hälfte des Semesters. Sehr bedauerlich war, dass unser Dozent Lengyel kaum unsere Hausarbeiten korrigierte. Das lag aber auch daran, dass der Dozent mehr auf mündliche Kommunikation setzte und uns zum Reden motivierte. Er war sehr humorvoll. Auch konnte ich mit ihn über sprachliche Probleme reden. 

 

 

 

Wohnmöglichkeiten und Empfehlungen

In Budapest gibt es eine Vielfalt von Wohnmöglichkeiten. Eine Studentin wohnte in einen „Gerand Hotel“. Die Gerand-Hotelkette bietet Schlafplätze in 4-Bettzimmern an. Die Kosten für so ein Zimmer betragen 120 Euro im Monat. Der Vertrag ist für 6 Monate bzw. ein Semester abzuschließen. Trotz der unschlagbar geringen Kosten ist diese Wohnmöglichkeit mit Nachteilen verbunden. So kann es sein, dass man nur mit ungarischen Studenten zusammen wohnt. Wenn man nicht gerade gut Ungarisch kann, ist es dann schwierig mit den anderen Studenten in Kontakt zukommen. Auch sind einige Studenten nicht immer sehr rücksichtsvoll. So kann es vorkommen, dass man in der Nacht nicht mehr schlafen kann, weil im Nachbarzimmer Party ist.

Einige Studenten haben auch in Studentenwohnheimen der Uni gewohnt, die Kosten dort betragen für einen Schlafplatz in einem 4-Bettzimmer 70 Euro im Monat. Auch hier gibt es längere Vertragslaufzeiten.

Zu empfehlen sind WGs mit deutschsprachigen oder englischsprachigen Studenten. Problematisch kann es sein, mit ungarischen Studenten zusammen zu wohnen, die weder deutsch oder englisch können. Häufig wohnen mehrere ungarische Studenten zusammen in einem Zimmer. Auf einer Wohnungsbesichtigung sah ich, dass sich 4 Studenten ein Zimmer teilten. Mir wurde das andere Zimmer angeboten. Ich habe mich aber gegen dieses Angebot entschieden, da mir diese Konstellation nicht gefiel.

Der Grund für dieses  enge Zusammenwohnen liegt darin, dass es nur eine sehr geringe Studentenunterstützung in Ungarn gibt. Zwar gibt es keine Studiengebühren und Semestergebühren.  Dafür erhalten die Ungarn aber auch kein Bafög. Ungarn verdienen im Durchschnitt 600 Euro und geben 80-90 Prozent von dem aus, was man in Deutschland ausgibt.

Häufig sehen die Wohnungen nicht so aus, wie ich es von Berlin gewohnt bin, das heißt Fassaden und Treppenhäuser sind teilweise sehr heruntergekommen. Dennoch können die Wohneinheiten und Zimmer sehr gut ausgestattet sein. Ich habe in einer Neubauwohnung vom November an im neunten Bezirk (Nähe Nagyvarod ter) gewohnt und habe 210 Euro für mein Zimmer bezahlt (einschließlich Heizung, Gas, Strom, Wasser und Internet, im zweiten Semester wurde die Miete auf 250 Euro erhöht). Das andere Zimmer wurde von einem Ungarn bewohnt, der wenig Englisch konnte.

Bevor ich in dieser Wohnung wohnte, habe ich bei einer ungarischen Gastfamilie gewohnt. Die Familie war anfangs sehr freundlich. Die Mutter setzte sich mit mir hin und unterrichtete mich in Ungarisch. Am Anfang fand ich das sehr hilfreich. Nach einer Weile wurde es dann doch anstrengender, bis wir uns am Ende kaum noch unterhalten haben. Ich glaube, dass der sprachliche Gegensatz viele der Probleme in der ersten Wohnung bedingt hat. Die deutschsprechenden Tochter war auch nicht regelmäßig da und so konnte vieles leider nicht gesagt werden. Am Ende bin ich aus der Wohnung ausgezogen und habe mir eine neue Wohnung gesucht. Die Familie bot mir ein Zimmer für 180 Euro warm an.  

Zur Wohnungssuche empfiehlt es sich unter www.wg-gesucht.de auf deutsch oder http://ingatlan.slando.hu auf ungarisch zu suchen. Im Internet gibt es aber noch weitere Portale.

 

 

Finanzierung und zu berücksichtigende monatliche Ausgaben

Finanzierungsmöglichkeiten: die ungarische Stipendienstiftung MÖB (Magyar Ösztöndij Bizottsag, scholarship.hu), ERASMUS, DAAD, Bafög.

Einnahmen pro Monat:

1. Erasmus: 140 Euro. Die erste Rate betrug monatlich 100 Euro. Die zweite Rate wird 40 Euro pro Monat betragen.

2. Bafög: 600 Euro. Die Höhe des Bafögs kann vom elterlichen Einkommen abhängen. Das ERASMUS-Geld wird nicht auf das Bafög angerechnet. Wer innerhalb der Förderungshöchstdauer ins Ausland geht, bekommt Bafög als Staatsdarlehen/Zuschuss. Beachte auch das 23. Bafögänderungsgesetz. Wer nach der Förderungshöchstdauer ins Ausland geht, bekommt nur ein Bankdarlehen.

Ausgaben pro Monat:

1. Mietkosten: 180-260 Euro warm einschließlich Internet für ein Zimmer

2. Lebensmittel: 200 Euro

3. Ausflüge, Wochenendtrips, Reisen: 120 Euro

4. Bücher, Kopien, Schreibwaren: 30 Euro

5. BKV-Ticket (Budapester BVG): 16 Euro

6. Kultur & Weggehen: 150 Euro

 

 

Freizeitaktivitäten

Am Anfang des ersten Semesters bin ich auf die meisten vom ESN organisierten Partys gegangen, um meine Mitstudenten kennen zu lernen. Die ersten Partys sind gut, zwar nicht immer preiswerter als andere Plätze. Auf der ersten Party habe ich einige deutsche Studenten kennengelernt, mit denen ich dann das gesamte erste Semester etwas unternommen habe. Mit den Studenten, die ich auf dem Campus und in den Seminaren kennenlernte entwickelten sich festere Freundschaften.

Nach etwa 6 Wochen sind dann immer weniger Menschen zu den Partys gegangen. Zwischen den Studenten bilden sich dann größere oder kleinere Gruppen heraus. Wir waren am Ende eine achtköpfige deutsch-rumänisch- italienisch-englisch-deutsche Gruppe, also doch sehr international. Häufig gingen wir dann zum gemeinsamen Fußball gucken (Galeria), manchmal zum Wasserpfeife rauchen oder auch nur zum Biertrinken (Instant, Szimpla, Fogashaz). Die anderen Erasmus-Studenten waren eigentlich immer an anderen Studenten interessiert. So gab es am Ende des ersten Semesters auch eine größere Abschiedsfeier.

Auch in den Ungarisch-Kursen konnte ich sehr einfach Bekannte kennen lernen und Freunde finden. Eine Germanistik-Studentin, die ich schon aus meinen Berliner Ungarischkurs kannte, besuchte mit mir in Budapest denselben Kurs. Mit einem deutschsprachigen Ungarn, den ich auf einer Party in einer Disco kennen lernte, bin ich einige Male ausgegangen. Wir sind häufig in einen Studentenclub für Informatiker gegangen und habe dort auch auf ungarisch geredet.

Besonders gelungen fand ich das vom ESN organisierte Wondercamp nach Balatonzanka. Zwar war das Essen nicht gerade gut, auch das Bier war für ungarische Verhältnisse zu teuer. Auch wenn mich die Zehn-Mann-Zimmer schockten, so war es doch schön mit 400 verschiedenen Menschen zusammen zu sein. Es wurde eine Wanderung zu einer Alten Kirche organisiert. An der Kirche angekommen, gab es eine Weinverkostung. Unsere Wanderung wurden mit einer sehr schönen Aussicht belohnt. Während des Wondercamps fand jeden Abend eine Party statt. Auf dem Wondercamp lernte ich einen Engländer und eine Rumänin kennen, mit der ich auch einiges im zweiten Semester unternahm.

Neben dem Wondercamp organisierte der ESN auch verschiedene andere Ausflüge und Wochenendtrips. So gab es noch weitere Wochenendtrips nach Prag, Krakau und zu der europäischen Pecs, der Kulturhauptstadt 2010. Die Wochenendtrips vom ESN sind besonders zu Beginn des Semester zu empfehlen, denn später fanden sich zu wenig Leute, um die Trips durchzuführen.

Der ESN Budapest veranstaltete aber auch Kneipentouren durch Budapest, ein Budapest-Hunting, Besichtigungstouren, Theater- und Opernbesuche und Wanderausflüge. In den Semesterferien sind einige Mitstudenten nach Transsylvanien gefahren, um Draculas Schloss zu besuchen.

Über Weihnachten bin ich nach Berlin zurückgeflogen. Rechtzeitig zu Silvester kam ich mit einigen meiner Berliner Freunde zurück, um Silvester in Budapest zu feiern. Budapest ist zu Sylvester eine eher ruhige Stadt, es gibt kaum Feuerwerk in der Öffentlichkeit. Da wir kein Feuerwerk gehört haben, sind wir auch erst sehr spät losgegangen. Wir kauften an den Straßenständen Trötten und Masken fuhren bis zum Oktogon und machten uns von dort auf zum Vörösmarthy ter. Am Vörösmarty ter gab es dann ein „größeres“ Feuerwerk. Die Ungarn sind zu Silvester wesentlich ruhiger als die Berliner. Die Budapester feiern Silvester eher zu Hause im Kreise der Familie oder in Gaststätten mit Freunden.

Gleich zu Beginn des zweiten Semesters, nachdem ich aus Deutschland wiederkam, bin ich mit zwei Freunden nach Krakau gefahren. In Krakau haben wir am ersten Tag die Innenstadt besichtigt, berühmt sind die Tuchhallen, das Rathaus und die Burg. Wenn man Krakau besucht, sollte man in einer der Milchbars Mittag essen. Dort kann man polnische Grießsuppe, Braten oder andere „Hausmannskost“ essen. In einem polnischen Kino direkt am Markt haben wir uns auf Polnisch mit englischen Untertiteln den Film „The Kings Speech“ angeschaut. Am zweiten Tag besichtigten wir das Konzentrationslager in Auschwitz. Von Krakau braucht man 3 Stunden mit der Regionalbahn, um nach Auschwitz zu gelangen. Am letzten Tag unseres dreitägigen Krakau-Trips besichtigten wir die ehemalige Emailwarenfabrik von Oskar Schindler, der mehrere Juden vor ihrer Vernichtung rettete. 

Während des Semesters bin ich Ende Februar nach Wien gefahren. Einige Freunde, die ich aus der SLP kenne, haben mich zu einer Konferenz über die österreichische Bildungspolitik eingeladen. Wir haben besonders das rote Wien, die Gemeindebauten in Heiligenstadt und Wiener Uni, die im Herbst 2009 besetzt wurde, besichtigt. An den jeweiligen Abenden gab es von der SLP organisierte Partys.  

Besonders gefiel mir Mitte März unser dreitägiger Wochenendtrip nach Klausenburg (Cluj-Napoca). Klausenburg ist eine rumänische Stadt, in der sowohl eine deutsche als auch eine ungarische Minderheit leben. Da wir vor dem ungarischen Nationalfeiertag (15.03) in Klausenburg waren, sahen wir sehr viele Ungarn, die in traditionellen Trachten durch die Straßen gingen. In Klausenburg lohnt es sich, neben den rein ungarischen Kneipen auch rumänische Kneipen, wie das „Insomnia“, zu besuchen. Die Studenten sind in rumänischen Kneipen offener und toleranter gegenüber Fremden als in den rein ungarischen Kneipen. Wir wollten in Cluj auch das ethnografische Museum besuchen und am Sonntagabend in einem Restaurant essen, leider war das Museum wie auch alle guten Restaurants geschlossen. Rumänische Käse- und Wurstspezialitäten sind sehr herzhaft.

Unser letzter Trip fand Anfang April statt und wir fuhren für zwei Tage nach Belgrad. Belgrad ist eine sehr schöne Stadt, sie hat ebenfalls eine sehenswerte Burg und Innenstadt. Außerdem haben wir die Altstadt Zemun und die von den Sozialisten gebaute Neustadt besichtigt. Besonders habe ich das Cafe am Markt „Zeleni Venac“ gemocht. In Belgrad scheinen die ethnischen Konflikte kaum noch eine Rolle zu spielen. Zumindest bekommt man als Tourist davon nichts mit.

Die Bus- und Zugtickets sind recht billig: Mit dem Busunternehmen Volan-Busz konnte ich für 12 Euro nach Wien fahren. Dank eines ungarischen Spartarifes kostet die einfache Tour Budapest-Belgrad 16 Euro. Ebenso günstig konnten wir nach Klausenburg fahren.

In Budapest gibt es sehr viele Museen: Ich empfehle unbedingt das ungarische Nationalmuseum zu besichtigen, da es einen guten Einblick in die ungarische Geschichte gibt. Das Budapester Stadtgeschichte Museum und die Nationalgalerie sind etwas verstaubt und haben noch den Charme der 70er Jahre. Sehr interessant fand ich das Terrorhaus. Es gibt einen sehr guten Einblick in das ungarische Geschichtsverständnis und zeigt wie die ungarische Geschichte (Faschismus und Sozialismus) aus dem Blickwinkel der Totalitarismustheorie gedeutet werden kann. Im Keller des Terrorhauses können die Folterkammer des ungarischen Geheimdienstes besichtigt werden. Für Kulturfreunde empfiehlt sich auch die Besichtigung der Oper. Die Wagner-Aufführung „Lohengrin“ im MüPa war ausgezeichnet.

Besonders habe ich am Ende des zweiten Semesters den Ausflug mit anderen ERASMUS-Studenten nach Pilisscaba genossen. Eine ungarische Freundin lud uns ein, ihre Universität zu besichtigen. Nach der Besichtigung gingen wir auf ein Unifest, auf den ein Kochwettbewerb stattfand. Später am Abend gab es ein Rockkonzert der Uni-Band und die Möglichkeit, ungarische Gesellschaftstänze zu tanzen.  Wanderungen durch die Budaer Berge sind sehr schön. Ein beliebter Startpunkt für Wanderungen liegt in Normafa. Da ich im neunten Bezirk wohnte, bin ich auch sehr häufig im Nepliget spazieren gewesen. Der Wald war ruhig und schnell zu erreichen.

Die Bäder in Budapest sind unterschiedlicher Qualität. Sehr gerne war ich Schwefelbad „Rudas-Fürdö“. Es ist mit eines der preiswerteren Bäder. Das Szechenyi-Fürdö hat auch eine mit heißem Quellwasser geheizte Außenanlage, die wir zu Silvester besuchten. Bei den Minusgraden mussten wir schnell zwischen den äußeren Bädern und den Gebäude hin und her rennen, um uns keine Erkältung zu holen.

Da mich in Budapest verschiedene Freunde und meine Eltern besuchten, entwickelte ich mich sehr schnell zum „Touristenführer“ in Budapest. Da jeder meiner Freunde sich für etwas anderes interessierte, haben wir Ausflüge zum Tropicarium, auf den Gellertberg und nach Gödöllö und Szentendre gemacht.

 

und darüber hinaus? (Allgemeines Fazit)

Insgesamt fand ich das erste Semester sehr schön, da meine Empfindungen in Budapest stärker waren als in Deutschland und ich vieles bewusster Erlebte. In den ersten Wochen war ich sehr neugierig auf alles, die Uni, die Menschen und die Sprache. Die erste Zeit war schön und zugleich auch frustrierend. Nach einer Weile „normalisieren“ sich die Gefühle und ich fühlte mich heimisch.

Im zweiten Semester war vieles alltäglicher und teilweise auch langweilig geworden. Daher fuhren wir häufiger Weg und machten Wochenendtrips.