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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Istanbul 2011/12

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Der Vorbereitungsprozess verlief in drei Schritten: Zunächst bewarb ich mich bei der HU um einen Erasmusplatz. Danach musste ich mich noch einmal direkt bei der Boğaziçi University bewerben (Bewerbungsformular und Motivationsschreiben). Nachdem ich von dort (leider relativ spät) die Zusage bekommen hatte, standen die letzten organisatorischen Vorbereitungen – Visum, Flug, Zwischenmieter suchen – an.

 

Der interessanteste Punkt ist hier wohl das Visum: Bis 2011 sind viele Studenten mit einem Touristenvisum in die Türkei eingereist (90 Tage gültig, danach muss man aus- und wieder einreisen, um ein neues Touristenvisum zu bekommen). Jetzt versucht die Türkei aber, diese Praxis zu unterbinden, und verhindert eventuell die Wiedereinreise. Weil das Auswärtige Amt und die Gastuniversität stark davon abrieten, mit einem Touristenvisum einzureisen, beantragte ich beim türkischen Generalkonsulat in Berlin ein Studentenvisum. Es kann eine Weile dauern, bis das Visum genehmigt wird, deshalb sollte man damit so früh wie möglich beginnen. Allerdings braucht man dazu die Zusage der Gastuni – bei mir wurde es deshalb relativ knapp, auch wenn am Ende alles geklappt hat. Das Visum kostet ca. 60 Euro, hinzu kommen eventuell Kosten für einzureichende Dokumente (polizeiliches Führungszeugnis etc.).

 

Wer das Visum im Pass hat, kann einmal in die Türkei ein-, aber vorerst nicht wieder ausreisen: Nach der Ankunft in Istanbul muss man sich vor Ort bei der Polizei eine Aufenthaltsgenehmigung  (residence permit booklet) besorgen, die noch einmal ca. 60 Euro kostet, erst dann kann man beliebig oft ein- und ausreisen. Wichtig ist, dass man sich so früh wie möglich (am besten schon vor der Anreise nach Istanbul!) online für einen Termin bei der Polizeiwache einträgt. Die Termine sind oft lange im Voraus ausgebucht – meiner war Mitte April, also mehr als zwei Monate nach meiner Ankunft. Wer in den ersten Wochen aus irgendwelchen Gründen aus der Türkei ausreisen möchte, sollte sich rechtzeitig um dieses Problem kümmern.

 

Ich habe vor der Abreise einen Türkischkurs belegt (ein Semester lang, über das Sprachenzentrum der HU), aber um eine Wohnung, die Kurswahl etc. habe ich mich erst nach meiner Ankunft in Istanbul gekümmert. Es empfiehlt sich, etwas früher und auf jeden Fall rechtzeitig zur Einführungswoche anzureisen, dann sollte das alles kein Problem sein. Mit der Zusage verschickt die BOUN eine Willkommensbroschüre, die erste wichtige Informationen zur Vorbereitung enthält. Für alle anderen Fragen kann ich „BOUN 101“ (http://boun101.blogspot.com) wärmstens empfehlen, eine Homepage von einem BOUN-Studenten und International Office-Mitarbeiter, der sehr ausführliche Hilfestellungen zu allen möglichen Themen (Campus, Registrierung, Kurse, aber auch Wohnungssuche, Visum etc.) gibt.

 

Anreisemöglichkeiten zum Studienort

Es gibt zwei Flughäfen in Istanbul: den Atatürk-Flughafen auf der europäischen und den Sabiha Gökçen auf der asiatischen Seite. Von beiden gibt es Shuttle-Busse (von der Firma Havataş) in die Innenstadt (Taksim) für umgerechnet ca. 5 Euro (Tickets kann man im Bus kaufen). Da ich die ersten Tage in einem Hostel in Taksim wohnte, nutzte ich diese Möglichkeit nach meiner Ankunft am Atatürk-Flughafen. Natürlich kann man auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt fahren – am ersten Tag und mit Gepäck spricht aber einiges für den direkten und nicht allzu teuren Weg mit den Shuttlebussen.  

 

Die Anfahrt zur Uni war in der Willkommens-Broschüre der Boğaziçi University beschrieben, allerdings nur vom Flughafen aus. Die Uni ist nicht an das Metro- oder Tramnetz angeschlossen und nur mit Bussen zu erreichen: Von Taksim aus fährt der Bus 559C direkt, von Kabataş (Tramstation) gibt es ebenfalls eine direkte Verbindung. Um die öffentlichen Busse zu nutzen, sollte man sich eine „Istanbulkart“ anschaffen, ein elektronisches, wiederaufladbares Ticket, das in allen öffentlichen Verkehrsmitteln (inkl. Fähren) benutzt werden kann. Falls man sich dennoch verlaufen sollte, kann man immer eines der zahlreichen Taxis anhalten – Taxifahren ist in Istanbul recht erschwinglich, und wenn man die Uni erst einmal gefunden hat, sind dort genügend nette Leute, die einem den Rückweg erklären.

 

Vorstellung der Gastuniversität

Die Boğaziçi University ist eine der renommiertesten Universitäten in der Türkei. Sie wurde ursprüngliche als private amerikanische Universität (Robert College) gegründet und später in eine öffentliche türkische Hochschule umgewandelt, das amerikanische Erbe ist aber immer noch deutlich sichtbar: Die Unterrichtssprache ist Englisch, das Noten- und Kurssystem orientiert sich am amerikanischen System und es gibt – anders als an den meisten türkischen Unis – einen „spring break“ (im April) und eine „summer school“ zwischen den Semestern.

 

Der Hauptstandort der Uni ist im Viertel Hisarüstü, kurz vor der zweiten Bosporusbrücke auf der europäischen Seite. Dort befinden sich der North Campus (Bibliothek, Mensa, Seminarräume) und der South Campus (Hauptcampus mit International Office, Verwaltungsgebäuden, Seminarräumen, Mensa, Studentenclubs etc.). Es gibt noch einige kleinere Standorte, die für GeschichtsstudentInnen aber eher unwichtig sind. Die Kurse, die ich belegte, fanden alle auf dem South Campus statt, wo auch das Department of History seinen Sitz hat. Die Lage ist spektakulär: Vom South Campus aus hat man einen tollen Blick auf den Bosporus, die Brücken und den Hafen von Bebek. Die Gebäude sind auf einem großen, parkähnlichen Areal verteilt, im Sommer findet ein großer Teil des Studentenlebens draußen statt.

 

Für AustauschstudentInnen bietet die BOUN ca. 1 – 2 Wochen vor Semesterbeginn eine Begrüßungs- und Einführungsveranstaltung an, deren Besuch ich sehr empfehle. Vor allem die Informationen zum Registrierungssytem und zur Kurswahl (man muss sich für alle Kurse unbedingt rechtzeitig online registrieren) sind sehr hilfreich. Um die Passwörter für das uniinterne System zu bekommen, muss man sich VOR Beginn des Semesters an der Uni anmelden. Außerdem organisiert der Erasmus-Club während der Einführungswoche ein Orientation Dinner, Parties etc., eine gute Möglichkeit, um Leute kennenzulernen. 

 

Beurteilung der Lehrveranstaltungen und Lernbedingungen

Ich war mit meinen Veranstaltungen, den Lernbedingungen und den DozentInnen mehr als zufrieden. Von anderen Fakultäten habe ich weniger begeisterte Reaktionen gehört, und was ich im Folgenden sage, gilt für den Masterstudiengang Geschichte, im Bachelor sieht das eventuell anders aus.

 

Ich habe einen Türkisch-Sprachkurs und drei Masterseminare des Geschichtsinstituts belegt. Der Sprachkurs (TKF 112 bei Bilgen Erdem) war super, ich kann die Dozentin nur empfehlen, falls man die Wahl hat. Die Veranstaltungen des Department of History sind etwas anders organisiert als an der HU: Masterseminare sind normalerweise dreistündig und schließen immer mit einer Hausarbeit (Seitenzahl variiert, aber meistens 20 -25) und manchmal einer zusätzlichen Klausur ab. Vorlesungen oder Übungen gibt es nicht. Die Arbeiten müssen bis zum Ende der Prüfungszeit abgegeben werden (oder ein paar Tage danach; bei mir am 12. und 14. Juni) – man muss sich also gut überlegen, wie viele Arbeiten man in dieser recht kurzen Zeitspanne bewältigen kann! Manchmal kann man mit den DozentInnen verhandeln, sich irgendwie eine Teilnahmebestätigung besorgen usw. – das hängt vom Einzelfall und den ECTS-Transferwünschen ab. Außerdem gibt es zur Semestermitte die Option, angefangene Kurse ohne Sanktionen abzuwählen, wenn sich eine schlechte Note abzeichnet (withdrawal period).

 

Inhaltlich laufen die Seminare ähnlich ab wie an der HU: Zu Hause werden Texte gelesen (Achtung: teilweise SEHR hohes Pensum!), im Seminar wird darüber diskutiert. Oft werden Referate und/oder wöchentliche Response Papers (1 – 2 Seiten) gefordert, in manchen Veranstaltungen  gibt es midterm exams (normalerweise eine oder mehrere Essayfragen). Die Noten setzen sich aus der mündlichen Beteiligung, den Referaten/Response Essays und der Abschlussarbeit zusammen. Der Arbeitsaufwand ist höher als in Deutschland, allerdings belegen die meisten StudentInnen auch weniger Kurse. Und der Aufwand lohnt sich: Ich habe meine Kurse als überaus bereichernd empfunden, die Gruppen waren sehr klein (5 bis maximal 12 Personen) und die Diskussionen oft intensiv. Der Kontakt zu den DozentInnen und die Lernatmosphäre waren sehr entspannt  und persönlich. Ein Dozent organisierte eine Exkursion nach Izmir, eine andere Dozentin einen langen Stadtspaziergang in Istanbul, auf dem wir die im Seminar erarbeiteten Themen vertiefen konnten. Zwei Seminare schlossen mit einem öffentlichen Workshop ab, bei dem Gastdozenten Vorträge zu verwandten Themen  hielten, die StudentInnen ihre Arbeiten präsentieren konnten und ein allgemeiner Austausch stattfand.      

 

Inhaltlich liegen die Schwerpunkte des Master-Programms auf Osmanischer und Türkischer Geschichte (es gibt aber auch Kurse zu anderen Themen). Neben dem regulären Masterstudiengang Geschichte gibt es die Möglichkeit, sich auf „History of Art, Architecture and Visual Culture“ zu spezialisieren. Gerade in diesem Bereich gibt es viele spannende Angebote, Gastdozenten und Vorträge. Das Institut nimmt auch an einer Initiative der Getty Foundation teil („Connecting Art Histories“), die die Finanzierung vieler Sonderprojekte ermöglicht – eines meiner Seminare wurde z. B. von drei Dozenten (aus der Türkei, England und den USA) gemeinsam geleitet, was durch die jeweils unterschiedlichen   Forschungsschwerpunkte eine vergleichende Perspektive ermöglichte.

 

Ich habe im Sommersemster 2012 folgende Kurse belegt: “Distant Exposures: Photography Beyond the West” (Ahmet Ersoy/ Ali Behad/ Christopher Pinney); “Cities and Architecture in the Ottoman, Safavid and Mughal Empires” (Çiğdem Kafescioğlu) und “Landscapes of Transition: Salonica, Izmir and Alexandria during the Long Nineteenth Century” (Paolo Girardelli).     

 

Sprachvoraussetzungen und Sprachkompetenzen

Die Unterrichtssprache an der BOUN ist Englisch. Man muss keine Türkischkenntnisse vorweisen, um angenommen zu werden. Es gibt allerdings Kurse, die aus verschiedenen Gründen auf Türkisch stattfinden (Sprachkurse,  Sportkurse, selten auch reguläre Seminare). Die StudentInnen sprechen alle sehr gutes Englisch, StudienanfängerInnen sind aber manchmal ein bisschen schüchtern und intensive Diskussionen können schon mal ins Türkische abgleiten. Dann hilft es, sich kurz bemerkbar zu machen – fast alle sind sehr bemüht, einen nicht aufgrund von Sprachkenntnissen aus der Diskussion auszuschließen.

 

Das Verwaltungspersonal der Uni (außer im International Office) kann im Regelfall kein Englisch. Außerhalb der Uni wird man auch immer wieder in Situationen kommen, in denen man nur mit Türkisch weiterkommt. Schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, vor und während des Aufenthalts so viel Türkisch wie möglich zu lernen. Es gibt Sprachkurse an der HU und der BOUN, Erasmus-geförderte Intensivkurse an verschiedenen Orten in der Türkei vor Semesterbeginn (diese Kurse überschneiden sich leider häufig mit den Semesterzeiten in Deutschland) und die Möglichkeit, sich einen Tandempartner zu suchen. Türkisch ist eine spannende Sprache – die grammatikalische Struktur ist ganz anders als im Deutschen, aber man kann sich relativ schnell mit einfachen Sätzen verständigen. Viele Austauschstudenten in Istanbul lernen kein oder kaum Türkisch, weil man auch ohne Sprachkenntnisse zurechtkommt – aber der Aufwand lohnt sich definitiv. Meiner Erfahrung nach wird man nicht nur im Alltag besser zurechtkommen, wenn man die Landessprache zumindest in Grundzügen beherrscht, sondern auch andere und intensivere Gespräche, Bekanntschaften und Erfahrungen machen.

 

Wohnmöglichkeiten und Empfehlungen

Die Boğaziçi University hat zahlreiche Wohnheime, Austauschstudenten können sich aber nur für das Superdorm bewerben (in Hisarüstü, in Laufweite zum Campus). Davon rate ich allerdings ab: Das Superdorm ist teuer, man kann sich seine Mitbewohner nicht aussuchen, darf keinen Besuch über Nacht haben, keinen Alkohol mitbringen, kann nicht selber waschen… Die meisten Austauschstudenten, die ich kannte, waren im Superdorm unzufrieden oder sind schnell wieder ausgezogen.

 

Die Alternative ist, sich selbst eine Wohnung zu suchen. Das ist relativ einfach: Zum Semesterbeginn hängen in Uninähe überall Wohnungsangebote aus, auf Craigslist gibt es zahlreiche Anzeigen und in den diversen facebook-Gruppen für AustauschstudentInnen kursieren ebenfalls Angebote. Viele Boğaziçi-StudentInnen wohnen im Viertel Hisarüstü. Von Vorteil sind die Nähe zur Uni (man sitzt nicht jeden Morgen stundenlang im Bus), das rege Studentenleben im Viertel (es gibt viele Kneipen, Cafes, Imbissbuden, Copyshops und andere studentische Infrastruktur, viele Parties finden auf dem Unicampus statt) und das große Angebot an WGs. Allerdings ist Hisarüstü ziemlich weit vom Zentrum entfernt (nach Taksim fährt man nachts, ohne Verkehr, ca. 30 Minuten, in der Hauptverkehrszeit kann es aber auch eineinhalb Stunden dauern). Die öffentlichen Busse fahren nachts nur bis ein Uhr (auch am Wochenende), aber es gibt private Shuttles nach Hisarüstü für ca. 1,50 Euro.

 

Wer nicht in Hisarüstü wohnen möchte, hat die Qual der Wahl: Taksim und die benachbarten Viertel (z. B. Cihangir) sind zentral und beliebt (wenn man eine bezahlbare Wohnung findet), ebenso wie Beşiktaş (meine persönliche Empfehlung: zwischen Uni und Zentrum, lebendiges Viertel mit vielen StudentInnen, günstige Wohnungen). Bebek ist nahe an der Uni und schön gelegen; es ist allerdings ein teures Viertel, von dem -  Achtung! – kein Bus nach Hisarüstü fährt: man muss jeden Morgen den steilen Berg zur Uni erklimmen. Wer auf der asiatischen Seite wohnen möchte, sollte sich in Kadıköy umschauen; der Anfahrtsweg zur Uni ist allerdings lang.

 

Einige Hinweise zur Wohnungssuche: In der ganzen Stadt gibt es viele „Erasmus-Flats“, WGs, in denen nur Erasmusstudenten wohnen; die Besitzer/Vermieter inserieren, wohnen aber selbst nicht dort. Das kann sicher lustig sein, häufig gibt es aber auch Probleme mit den Vermietern (schlecht instand gehaltene Wohnungen, Streit über die Miete etc.), die Mitbewohner kann man sich normalerweise nicht selbst aussuchen. Wer in einer „richtigen“ WG wohnen möchte, sollte gleich beim ersten Treffen darauf achten, ob ein Mitbewohner oder nur ein Mieter gesucht wird. Es ist nicht üblich, einen Vertrag abzuschließen. Die meisten WG-Zimmer sind möbliert; bei der Wohnungsbesichtigung sollte man nach Schimmel Ausschau halten (durch die Nähe zum Meer und die teilweise schlechte Bausubstanz ein häufiges Problem). Außerdem sollte man vorher absprechen, ob alle Nebenkosten inklusive sind, eine Kaution verlangt wird und wie angebrochene Monate berechnet werden (meiner Erfahrung nach häufige Konfliktquellen für AustauschstudentInnen). Wenn man auf diese Dinge achtet und ein bisschen gesunden Menschenverstand mitbringt, kann man aber relativ schnell und problemlos eine nette, bezahlbare WG im gewünschten Viertel finden.        

 

Finanzierung und zu berücksichtigende monatliche Ausgaben

Abgesehen von den Kosten für Flug, Visum etc. kann man in Istanbul recht günstig leben. Der größte Kostenpunkt ist die Unterkunft: viele WG-Zimmer sind ähnlich teuer wie in Berlin (ca. 250 – 300 Euro). Man kann aber auch wesentlich günstiger wohnen, wenn man keine hohen Ansprüche an Zimmergröße, -einrichtung und -lage stellt oder bereit ist, sich ein Zimmer zu teilen. Dann kann man eine Unterkunft für deutlich weniger als 200 Euro im Monat finden.

 

Lebensmittel und Essen sind etwas günstiger als in Deutschland, sofern man sich an die – ausgezeichnete! – türkische Küche hält. An jeder Straßenecke gibt es Imbissbuden, Restaurants und Cafes, in denen man oft sehr günstig essen kann; nachts tauchen überall mobile Reis- und Köfteverkäufer auf (lecker und billig). Wer selbst kochen möchte, sollte auf den Wochenmärkten, die es in jedem Viertel gibt, einkaufen – vor allem Obst und Gemüse sind unschlagbar billig. In der Uni-Mensa  bekommt man für ca. 1 Euro ein täglich wechselndes Menü. Importierte Lebensmittel, Kosmetika und Alkohol sind allerdings deutlich teurer als in Deutschland (mitbringen lassen!).

 

Das öffentliche Nahverkehrssystem funktioniert mit einer elektronischen Chipkarte, die man immer wieder aufladen kann. Eine einfache Fahrt kostet 1,75 TL, eine Anschlussfahrt 1 TL. Sobald man seinen BOUN-Studentenausweis hat (dauert leider ca. 3 – 4 Wochen), sollte man sich eine Studenten-Karte besorgen, mit der sich die Preise noch einmal um die Hälfte reduzieren. Die Uni gibt in der Willkommensbroschüre und in der Einführungswoche Hinweise dazu. Außerdem sollte man unbedingt eine Studenten-Museumskarte für 15 TL (7 Euro) kaufen, mit der man umsonst in alle staatlichen Museen kommt. Alles in allem ist ein Auslandssemester in Istanbul, unterstützt durch das Erasmusstipendium und eventuell Auslandsbafög, durchaus finanzierbar und sicherlich günstiger als in vielen anderen Großstädten.   

 

Freizeitaktivitäten

Istanbul bietet eine unglaubliche Fülle an Freizeitaktivitäten, sowohl auf kultureller Ebene, als auch was das Nachtleben angeht. Die Stadt ist riesig, mit einer Einwohnerzahl irgendwo zwischen 15 und 20 Millionen, und dementsprechend vielfältig. Ein Highlight meines Aufenthalts war es, ständig neue Facetten, Viertel und Orte zu entdecken – hier kann ich nur wenige Punkte ansprechen, aber langweilen wird sich bestimmt niemand.

 

Das Zentrum des Nachtlebens ist in und um Taksim. Dort sind die meisten Bars und Clubs, die Straßen sind eigentlich immer voller Menschen und es ist für jeden Geschmack und Geldbeutel etwas dabei. Im Sommer ziehen allerdings viele Clubs ans Bosporusufer oder sogar an die Ägäisküste um. Die meisten touristischen Sehenswürdigkeiten hingegen konzentrieren sich in Sultanahmet auf der anderen Seite des Goldenen Horns. Beide Bezirke sind natürlich ein Muss – aber das Schöne an einem längeren Auslandsaufenthalt ist, dass man die Zeit und die Muße hat, andere Viertel ohne große Sehenswürdigkeiten zu erkunden, sich einfach treiben zu lassen, sich abseits der ausgetretenen Pfade umzuschauen. Man kommt relativ schnell im Alltag, in einer Routine an, aber ich kann nur jedem raten, bewusst auch andere Viertel zu erkunden, tagsüber und nachts. Es lohnt sich!

 

Mit das Schönste an Istanbul war für mich die Nähe zum Wasser. Fähren fahren den ganzen Tag über auf dem Bosporus hin- und her, bis zum Schwarzen Meer ganz im Norden und zu den Prinzeninseln im Marmarameer. Die kleinen Orte am Bosporus, auf der europäischen und auf der asiatischen Seite, sind definitiv einen Ausflug (oder mehrere) wert. Ein weiterer Tipp sind die vielen Festivals und kulturellen Veranstaltungen, die das ganze Jahr über stattfinden. Ein Beispiel ist das Istanbul Film Festival (jedes Jahr Ende März/Anfang April) – zwei Wochen lang werden Filme aus der Türkei und dem Ausland gezeigt (in der OV mit türkischen bzw. englischen Untertiteln), häufig sind die RegisseurInnen und SchauspielerInnen anwesend und es kommt zu spannenden Diskussionen mit dem Publikum. Im Sommer findet ein Musikfestival statt, mit Konzerten auch an ungewöhnlichen, der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglichen Orten.        

Viele Freizeitaktivitäten finden in und um die Uni statt. Die Boğaziçi University bietet viele Sportkurse an und hat vor allem viele student clubs – vom Salsa- oder Kletterclub über Fotografiekurse bis zu einem Verein, der sich um streunende Katzen auf dem Campus kümmert, ist so ziemlich alles dabei. Die meisten Clubs stehen Austauschstudenten aufgeschlossen gegenüber, es gilt das Motto Vorbeischauen und Mitmachen. Das Erasmus Network und der Radio Club organisieren außerdem mehrere große Parties im Semester, teilweise an ausgefallenen Orten – in einer alten Zugstation, auf einem Boot oder einer Bosporusinsel. Und der South Campus ist im Frühling und Sommer der perfekte Ort, um mit Freunden draußen zu sitzen, sich zu unterhalten oder Musik zu machen.

 

und darüber hinaus? (Allgemeines Fazit)

Ich war sehr zufrieden mit meinem Auslandsaufenthalt, sowohl auf der akademischen als auch auf der persönlichen Ebene. Ich habe mich von beiden Universitäten gut und in völlig ausreichendem Maße betreut gefühlt. Natürlich gab es kleinere Probleme, aber das gehört dazu und macht einen Teil des Lerneffekts aus. Ich hatte nie das Gefühl, vor unlösbaren Schwierigkeiten zu stehen, und wusste die Flexibilität der meisten Beteiligten zu schätzen, wenn es darum ging, verwaltungstechnische Hürden aus dem Weg zu räumen.

 

Die Boğaziçi University war für mich die perfekte Gastuniversität: Ich habe mich stets gut betreut und willkommen gefühlt, die DozentInnen und KommilitonInnen waren sehr freundlich und hilfsbereit. Gleichzeitig war ich mit der Kursauswahl, dem Niveau der Veranstaltungen und der Lernatmosphäre sehr zufrieden und habe das Gefühl, auch in akademischer Hinsicht viel gelernt zu haben, ganz abgesehen von den kulturellen und persönlichen Erfahrungen. Istanbul ist mir sehr ans Herz gewachsen und eine Stadt, in die ich auf jeden Fall zurückkehren möchte. Allen, die (sehr) große Städte mögen, sich nicht von viel Verkehr abschrecken lassen und sich auf viele neue, oft überraschende Erfahrungen einlassen wollen, kann ich ein Auslandssemester an der BOUN wärmstens empfehlen.