Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Leicester 2007/08

Nach vier Jahren Magister-Studium in Berlin ist die Umstellung auf eine englische Universität schon recht groß. Die undergraduate Module sind relativ verschult und insgesamt ist die Uni wesentlich besser organisiert. Man pflegt Kontakt zu den DozentInnen und es fällt auf, wenn man nicht erscheint. Pro Semester werden in der School of Historical Studies drei Seminare mit je zwei Semesterwochenstunden belegt, für die während des Semesters je zwei Essays geschrieben werden. Am Ende jedes Semesters sind Prüfungen, die Exams. Jedoch können Erasmus-Studierende wählen zwischen Exams oder ersatzweise weiteren Essays. Anders als in Berlin also ist die Semesterzeit gut ausgefüllt mit Seminaren und Essays schreiben sowie Vorbereitung auf die Exams.
Meine Dozenten waren sehr hilfsbereit und engagiert und die Module interessant, insbesondere im Bereich Nationalsozialismus. Es gibt auch die Möglichkeit im Stanley Burton Center for Holocaust Research einige Stunden pro Woche in der Bibliothek zu arbeiten.
Der Campus ist klein und kompakt. Im Wesentlichen gibt es eine große Bibliothek für alle, die gut geeignet ist zum Arbeiten und viele Computer-Arbeitsplätze bietet.
Studieren an der University of Leicester hat mir großen Spaß gemacht. Durch die kurzen Wege, die gute Bibliothek, die klaren deadlines und die wenigen Semesterwochenstunden konnte ich vieles mitnehmen, was mir wohl auch in Berlin weiterhelfen wird.
 
Für englische Verhältnisse ist Leicester relativ günstig, 100 bis 200 Euro pro Monat mehr als in Berlin sind aber schon notwendig, je nach Lebensstil. Für Studierende gibt es viele Vergünstigungen, insbesondere wenn man sich in den Studi-Läden aufhält. Da aber die meisten englischen Studierenden recht jung sind ist das nicht besonders attraktiv.
Arbeit zu finden ist einfach, sowohl Jobs an der Uni als auch in Pubs oder in Supermärkten sind schnell zu bekommen und mit dem nationalen Mindestlohn von 5,52 Pfund auch ganz gut bezahlt.
Es ist empfehlenswert sich eine private Unterkunft zu suchen und nicht in die Studierendenwohnheime zu ziehen. Abgesehen davon, dass diese viel teurer sind als ein Zimmer in einem der roten Backsteinhäuschen, werden außerdem nur Austauschstudierende zusammen einquartiert, wodurch kaum Möglichkeiten entstehen, Kontakt zu MuttersprachlerInnen zu bekommen. Ich hatte mir ein Haus mit zwei Engländern und einem Nigerianer geteilt, und etwa 200 Pfund für mein kleines Zimmer bezahlt.
Leicester selbst ist eine kleine, interessante Stadt mit Menschen unterschiedlichster Herkunft. Besonders zu empfehlen sind der alltägliche Markt in der Innenstadt, Belgrave und die Narborough Road, auf der man in den guten Bars und Pubs am Wochenende endlich auch mal auf Nicht-Studierende und Menschen über 21 trifft. Was das Nachtleben angeht, sind die unzähligen Pubs wesentlich netter als die diversen Clubs und Diskotheken. Abseits des Mainstreams gibt es leider nur wenig, aber immerhin findet man einige gute Konzerte.
 
Insgesamt habe ich das Leben in einer kleinen Stadt und das Studieren an einer kleinen, organisierten Uni sehr genossen, wenngleich mir auch klar wurde, was ich an Berlin und an der HU bzw. dem Magisterstudium so schätze. In Leicester zu leben, zu studieren und zu arbeiten sowie das Land zu bereisen kann ich aber nur empfehlen.