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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Leicester 2010

ERASMUS-Bericht von Sophie Lange, BA

 

University of Leicester Sommersemester 2010

 

In der Schule in einem von den Orientierungsprogrammen, was man nach der Schule machen kann, habe ich das erste Mal von ERASMUS gehört. Zwei meiner Cousins waren dann Vorreiter und sind nach Spanien und Frankreich gegangen. Für mich war jedoch schon immer klar, welches Land um jeden Preis mein Ziel sein würde: England.

Ich entschied mich für Leicester auf Grund meines Schwerpunkts auf Internationale Beziehungen, denn im politischen Bereich ist Leicester sehr gut. Mein Traum war zwar immer London gewesen, doch konnte ich die Stadt mit dem Bus sehr gut erreichen und im Endeffekt war ich eigentlich nur enttäuscht von dieser riesengroßen Stadt, die einfach viel zu teuer war. Ich zog mich also gerne wieder zurück in mein etwas kleineres Nest namens Leicester. Es ist wirklich billiger dort, in so gut wie allen Bereichen, selbst den Studiengebühren.

Ich entschied mich für die fünf Monate, die ich in Leicester studieren würde, das Studentenwohnheim in Kauf zu nehmen. Ich wusste, was immer darüber gesagt wurde: Sie stecken alle ERASMUS-Leute zusammen und du kannst keine Engländer kennen lernen. Gut, probieren geht über studieren und ich hatte Glück und bin mir dessen äußerst bewusst: Ich war die einzige ERASMUS-Studentin in meinem Block in Mary Gee und meine fünf englischen Mitbewohnerinnen wurden sehr, sehr gute Freundinnen in der Zeit, die ich dort war. Sie halfen mir mit dem moodle-System der Uni umgehen zu können und korrigierten meine Grammatik und sahen sich meine Essays an bevor ich sie abgab! Ich machte von Anfang an alles mit ihnen mit, wie Fish&Chips-essen-gehen oder in den Club. So wurde ich sehr schnell in ihren Freundeskreis integriert. Zu den ERASMUS-Leuten fand ich dadurch anfangs nur schwer Kontakt. So hatte ich auch manchmal Schwierigkeiten, mich zwischen den beiden Gruppen entscheiden zu müssen. Einen großen Beitrag für unsere Verbindung unter den ERASMUS-Leuten war das Wohnheim Mary Gee. Wir lebten Tür an Tür und konnten leicht Verabredungen ausmachen, in dem man an die Tür des anderen geklopft hat. Freunde, die privat wohnten, waren manchmal zu weit weg oder mussten immer extra benachrichtigt werden, damit auch sie vorbeikamen. Zwei meiner Freundinnen bereuten im Endeffekt, nicht das Angebot der Universität angenommen zu haben, da es ihnen nun schwer fiel Kontakt zu uns aufrecht zu halten. Aber rein vom finanziellen her, würde sich privates Wohnen schon lohnen, denn man kann bis zu 20 Pfund die Woche sparen. Meine ungarischen Freunde, die von uns allen wohl das wenigste Geld zur Verfügung hatten, fanden jedoch Arbeit in der Universität, in der Gastronomie oder im Stadion und finanzierten so ihren Aufenthalt mit.

 

Komme ich nun zu einer anderen wichtigen Frage: Dem Studieren. Ich ging im Sommersemester, jedenfalls dachte ich das. Leicester hat zwar die Einteilung in Semester, arbeitet jedoch nach Trimestern, sodass ich zum zweiten Trimester Ende Januar anreisen musste. Somit überschnitten sich mein aktuelles Wintersemester mit dem neuen Sommersemester. Ich musste mit den deutschen Dozenten darüber reden, dass ich drei ihrer Sitzungen verpassen werde, was die meisten auch verstanden und mir trotzdem den Schein gaben. Bei anderen wiederum musste ich Zusatzleistungen abgeben, um den Schein zu erhalten. Für meine Lateinabschlussklausur im Februar flog ich sogar noch einmal nach Deutschland zurück. Zwei Seminararbeiten hatte ich in meiner Anfangszeit auch noch zu schreiben. Die eine konnte ich in Deutschland schon vorbereiten, dennoch bedeutete es viel Arbeitsaufwand, Stress und Energie das durchzuziehen. Ich kann aber mit stolz sagen, dass es machbar ist. Ein negativer Aspekt dieser ganzen Angelegenheit bedeutete jedoch auch, dass ich nicht immer mit den anderen ausgehen konnte und auch, was eigentlich noch wichtiger war, von dem eigentlichen Universitätsleben und –arbeiten nicht allzu viel mitbekam. Ich las nicht wirklich für die Vorlesungen, denn ich arbeitete in den freien Minuten an meinen Seminararbeiten für die HU oder für die bereits aufgegeben Essays. Die englischen Dozenten und Personal war immer sehr nett und hilfsbereit, sodass man keinerlei Hemmungen haben musste, einmal etwas nachzufragen. Äußerst strikt waren sie jedoch mit der absolut pünktlichen Abgabe der Essays und den Wortlimitierungen. Wenn das nicht eingehalten wurde, gab es Abzüge bei der Benotung!

Aber auch dieser Stress war irgendwann vorbei und im April hatten wir einen Monat lang Ferien, den wir mit Essayschreiben verbrachten und danach hatten wir im dritten „Term“ nur noch die Prüfungen. Als ERASMUS-Studentin wurde es mir frei gestellt: Ich konnte die Klausuren am Ende mitschreiben oder für jeden Kurs, zumindest in Geschichte, noch ein drittes Essay an dessen Stelle abgeben. Ich hätte mit einem weiteren Essay definitiv besser abgeschnitten, doch ich wollte gerne die Erfahrung des Klausurstresses und denselben Rhythmus wie meine Englischen Mitbewohnerinnen haben. Nach den Klausuren hatten wir dann wiederum einen Monat frei, in dem wir nur auf die Ergebnisse der Klausuren warteten und einen Abschied nachdem anderen feierten.

 

Auch wenn ich vielleicht nicht viel an universitärem Stoff mitbekommen habe, ich habe das Gefühl enorm viel gelernt zu haben. Denn jeder meiner Freunde hat einen Eindruck in mir hinterlassen und Lebensformen und Charaktere aufgezeigt, die ich nie wieder in meinem Leben missen möchte. „ERASMUS is a feeling!” J