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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Lissabon 2011

 

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Außer den ERASMUS-Formalitäten und Reiseplanung musste ich eigentlich nicht viel vor der Abreise organisieren. Zu den ERASMUS-Formalitäten gehörten die Bewerbung um den Studienplatz an der Gasthochschule in Portugal und die Absprache des Learning-Agreements mit dem Koordinator der HU. Außerdem konnte ich schon von Berlin aus ein WG-Zimmer organisieren.

 

Anreisemöglichkeiten zum Studienort

Die günstigste und schnellste Anreisemöglichkeit ist mit Sicherheit Fliegen. Easy-Jet fliegt beispielsweise von Berlin aus direkt nach Lissabon.

 

Vorstellung der Gastuniversität

Die Universidade Nova de Lisboa ist in Portugal eine sehr renommierte und angesehene Universität, die vor Allem im Bereich der Wirtschaftswissenschaften und Jura einen sehr guten Ruf hat. Ihre Institute sind in der Stadt verteilt. Die Fakultät der Naturwissenschaften zum Beispiel liegt außerhalb der Stadt, am anderen Ufer des Rio Tejo, der in Lissabons Zentrum und weitere Außenbezirke trennt. Die Fakultät der Human- und Sozialwissenschaften, an der ich das halbe Jahr studierte, liegt allerdings relativ zentral und lässt sich sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Das Wintersemester der Universidade Nova de Lisboa beginnt Mitte September und endet im Dezember. Der eigentliche Prüfungszeitraum beginnt nach den zweiwöchigen Weihnachtsferien. Wenn man die Prüfungen auf dem ersten Termin besteht, hat man schon Mitte Januar frei. Das folgende Sommersemester beginnt dann allerdings schon etwa eine Woche später und endet Anfang Juni.

 

Weitere Informationen zu der Universität findet man auf der Internetseite:

 

www.unl.pt

 

 

Beurteilung der Lehrveranstaltungen und Lernbedingungen

Während des Auslandssemesters besuchte ich insgesamt drei Lehrveranstaltungen und einen Sprachkurs. Von den drei Lehrveranstaltungen waren zwei auf Portugiesisch und einer auf Englisch. Für die 6 ECTS, die man pro Kurs erlangte, musste ein Vortrag gehalten, eine Klausur geschrieben und eine Hausarbeit geschrieben werden. Zudem wurde die Anwesenheit der Studenten geprüft. Jeder Kurs findet zweimal die Woche statt, sodass ich im Endeffekt auf 16 Semesterwochenstunden kam. Insgesamt war der Arbeitsaufwand für die Studienpunkte, die man pro Kurs erlangte, also relativ groß. Inhaltlich waren die Veranstaltungen aber nicht wirklich anspruchsvoll und somit sehr leicht zu folgen. Außerdem waren die Professoren und Kommilitonen immer sehr hilfsbereit. Das Angebot der Kurse wird zu Beginn des Semesters stets in den jeweiligen Instituten ausgehangen. So sucht man sich selber die Kurse aus und meldet sich an, indem man bei der ersten Veranstaltung anwesend ist und sich in die Anwesenheitsliste einträgt. Die Professoren händigen zu Anfang des Semesters meistens eine Literaturliste aus. Rein akademisch haben mich die belegten Kurse nicht wirklich weitergebracht, da viel des behandelten Unterrichtsstoffes sehr elementar und mir oft schon bekannt war. Das portugiesische Notensystem ist etwas anders als das deutsche. Man kann maximal 20 Punkte erreichen, wobei 20 Punkte die beste und 0 Punkte die schlechteste Note sind. Man besteht allerdings nur ab 10 Punkten.

 

Sprachvoraussetzungen und Sprachkompetenzen

Um an der Fakultät der Human- und Sozialwissenschaften Kurse belegen und gut bestehen zu können, sollte man Vorkenntnisse in der Sprache haben, da es nur ein überschaubares Angebot an Kursen mit englischer Unterrichtssprache gibt. Vor Beginn des Auslandssemesters machte ich für zwei Semester einen Sprachkurs und war somit zumindest mit den wichtigsten Basics der Sprache vertraut. Das half mir dabei, den Vorlesungen folgen und mein Portugiesisch weiter ausbauen zu können. Wenn man ohne Vorkenntnisse den Unterricht betritt, ist es schwer Fuß zu fassen und überhaupt dem Inhalt zu folgen. Trotzdem hatte ein Großteil der ERASMUS-Studenten keine Vorkenntnisse und viele waren von der Sprache zu Anfang überfordert. Im Allgemeinem sind die Professoren sehr kooperativ und erlauben oft, dass Vorträge auf Englisch gehalten und Hausarbeiten auf Englisch geschrieben werden. Da, zumindest an der Fakultät der Human- und Sozialwissenschaft das Niveau des Unterrichts, meist eher niedriger war, eigneten sich die Veranstaltungen sehr um das Hörverständnis im Portugiesischen auszubauen. Obwohl ich rein fachlich nur wenig dazugelernt habe, halfen mir die Kurse sprachlich unglaublich weiter. Auch der von der Universität angebotene Sprachkurs war sehr gut. Neben dem Vermitteln der Sprache wurde auch oft die portugiesische Kultur thematisiert.

Im Allgemeinem ist es also vorteilhaft, wenn man zumindest ein Basiswissen der Sprache beherrscht, bevor man den Auslandsaufenthalt antritt, weil man so viel schneller Fuß fasst und größere Fortschritte in der Sprache macht.

 

 

Wohnmöglichkeiten und Empfehlungen

Es gibt die Möglichkeit, in Studentenwohnheimen der Universität unterzukommen. Das ist sicherlich die einfachste Variante, sich eine Wohnmöglichkeit zu suchen. Hierfür bewirbt man sich lediglich gleichzeitig mit der ERASMUS-Bewerbung. Das haben allerdings nur wenige ERASMUS-Studenten gemacht, da die Wohnheime oft nicht gut gelegen sind und sich die Wohnungssuche in Lissabon sowieso nicht wirklich schwer gestaltet. Die meisten ERASMUS-Studenten organisierten die Wohnung vor Ort. Glücklicherweise hatte ich die Möglichkeit, durch einen portugiesischen Bekannten schon von Berlin aus ein WG-Zimmer zu organisieren. Mit diesem war ich auch sehr zufrieden, vor Allem weil ich die seltene Möglichkeit erlangte, mit Portugiesen zusammenzuwohnen. Das empfehle ich auch im allgemeinem, weil man so viel schneller die Menschen und ihr Wohn- und Essgewohnheiten kennenlernt und die Möglichkeit bekommt, viel Kontakt mit Portugiesen herzustellen. Leider lassen sich portugiesische WGs nur selten finden. Viele Studenten, die aus Lissabon kommen, wohnen bei ihren Eltern. Portugiesische Studenten, die aus anderen Städten zum studieren nach Lissabon gezogen sind organisieren ihre Wohnungen oft über Kontakte und stellen freie WG-Zimmer nur selten ins Internet, da sie Mitbewohner lieber privat und persönlich suchen.

 

Eine Internetseite, die zur Wohnungssuche sehr oft benutzt wird: http://www.bquarto.com/

 

Ansonsten hilft das ERASMUS-Büro der Universität auch gerne. Auch die zwei großen ERASMUS-Organisationen, ESN Lisboa und Erasmus Lisboa, helfen bei der Wohnungssuche.

 

Hier ein Link zu den von der Universität angebotenen Unterkünften:

http://sas.unl.pt/alojamento/accommodation-services

 

Viele ERASMUS-Studenten wohnen in den Bezirken Alfama, Intendente, Martim Moniz, Anjos, Bairro Alto und Chiado.

Dabei gelten allerdings die Wohngegenden um die Metrostationen Anjos, Intendente und Martim Moniz als etwas gefährlich, was man vor allem oft von Portugiesen hört. Da viele meiner Freunde auch dort wohnten, war ich in diesen Bezirken oft unterwegs. Schlechte Erfahrungen habe ich dort auch nachts nie gemacht, obwohl man öfters seltsamen Persönlichkeiten auf den Straßen begegnet. Attraktiv machte die Gegend jedoch, dass sie relativ nah am Stadtzentrum Baixa-Chiado liegt und einigermaßen billig ist. Am schönsten zu wohnen empfand ich den Stadtteil Chiado, da er sehr nah an dem Ausgehviertel Bairro-Alto liegt, aber trotzdem sehr leise und mit seinen kleinen Gassen und alten Gebäuden wunderschön ist. Hier können WG-Zimmer allerdings schnell etwas teurer sein. Einige ERASMUS-Studenten wohnte direkt im Herz Lissabons Nachtleben, Bairro-Alto. Die meisten waren allerdings schnell von dem ständigen Lärm der von den Gassen, die fast jede Nacht prall gefüllt sind, in die oft schlecht isolierten Wohnungen hochdrang genervt.

Ich habe in Entrecampos, in der Nähe meiner Fakultät gewohnt. Das war während des Semesters praktisch, da ich die Universität in zehn Minuten zu Fuß erreichen konnte. Dafür musste ich bis ins Stadtzentrum etwa eine viertel Stunde mit der Metro fahren, was für Lissabon nicht wenig ist. In Lissabon fährt die Metro auch am Wochenende nur bis ein Uhr nachts. Somit musste ich nachts entweder den Nachtbus, der nur einmal die Stunde kommt, oder ein Taxi nehmen. Da fast keiner in der Nähe von mir gewohnt hat, musste ich diese Strecke nachts dann meistens alleine auf mich nehmen. Deshalb würde ich eher empfehlen, eine Wohnung nahe dem Stadtzentrum zu suchen.

 

Finanzierung und zu berücksichtigende monatliche Ausgaben

 

Monatliche Ausgaben

Miete: ca. 250 €/300 €


Lebensmittel: 125 €/150 €


ÖPNV: monatlich 16 € für Studenten unter 23 Jahren

+ Freizeitausgaben

 

Insgemasamt sollte man pro Monat ca. 500 Euro einplanen.

 

 

Freizeitaktivitäten

Lissabon bietet sehr viele Freizeitmöglichkeiten. Im Sommer nutzen nicht nur ERASMUS-Studenten, sondern auch Portugiesen Lissabons Nähe zu sehr schönen Stränden aus. Hiermit sind natürlich eine Reihe Freizeitmöglichkeiten verbunden (Surfen etc.). Von den bereits genannten ERASMUS-Organisationen werden öfters Surf- oder Beach-Volleyball-Ausflüge organisiert. Ein Sportangebot direkt an der Universität gibt es glaube ich nicht. Die Universidade de Lisboa allerdings hat ein Fitnessstudio, bei welchem ich mich Mitte des Semesters anmeldete (http://www.desporto.ul.pt/aconselhamento/3/Academia%20UL%3Csup%3Eness%3C/sup%3E/). Im großen und ganzen war ich mit dem Studio auch sehr zufrieden, zumal ich keine billigere Variante in Lissabon gefunden habe.

Natürlich gibt es sehr viel Sehenswertes in Lissabon. Am besten erkundet man die Stadt zu Fuß indem man durch die Bezirke schlendert und an den zahlreichen Aussichtspunkten (miradouros) für eine Kaffeepause anhält.

 

Meine liebsten Aussichtspunkte mit Cafés:

 

Miradouro de Santa Catarina

Miradouro do Torel

Miradouro da Graca

 

Die Fahrt mit der alten Straßenbahn #28 ist auch sehr empfehlenswert. Außerdem gibt es sehr schöne Parks in Lissabon. Einer, der Parque Gulbenkian, liegt ganz in der Nähe der Human- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universidade Nova de Lisboa.

Von Lissabon aus lassen sich viele Tagesausflüge organisieren, zum Beispiel zum naheliegenden  und wunderschönen Sintra, oder an einen der wunderschönen Strände am Atlantik (z.B. Praia do Guincho).

Natürlich muss man als Austauschstudent auch die portugiesische Küche kennenlernen. Das fällt in Lissabon nicht schwer, vor allem weil es so viele Möglichkeiten gibt, günstig und gut essen zu gehen. Pflicht ist natürlich auch der tägliche portugiesische Kaffee (meistens als Espresso getrunken), zu dem oft die kleinen süßen Teilchen, für die Portugal zumindest etwas bekannt ist, gegessen werden (pasteis).

Kulturell hat Lissabon auch sehr viel zu bieten. Besonders im Sommer gibt es ständig verschiedene Festivals in den Straßen Lissabons, die oft auch kostenlos sind.

An Freizeitaktivitäten mangelt es in Lissabon also keinesfalls. Schön ist vor allem, dass die Stadt viele Möglichkeiten für Aktivitäten im Freien bietet.

 

Auf der Internetseite der Stadtverwaltung Lissabons ist eigentlich vieles Wichtiges zu finden:

http://www.cm-lisboa.pt/

 

 

und darüber hinaus? (Allgemeines Fazit)

Im Allgemeinen war das halbe Jahr in Portugal eine sehr tolle und wichtige Erfahrung für mich. Obwohl die Zeit sehr schnell verging, habe ich einen sehr guten Einblick in die portugiesische Kultur erlangt und das Land und seiner Leute kennengelernt. Für mich war das ERASMUS-Programm die perfekte Möglichkeit ein weiteres Land Europas näher kennenzulernen. Ein schöner Nebeneffekt ist, dass ich in dem halben Jahr meine Fremdsprachenkenntnisse um einiges aufbessern konnte. In dem halben Jahr haben ich Portugal kennen und lieben gelernt und lege es jedem nah, an dem ERASMUS-Programm teilzunehmen und die gleiche Erfahrung zu machen.