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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

London 2005/06

Adelheid Schöning, Erfahrungsbericht UCL 2005/2006
 
 
Ein paar Erinnerungen an meine Zeit in London, die ich sehr genossen habe, und ein paar Tipps für alle, die mit UCL als Zielort ihres Auslandsjahres liebäugeln oder schon das große Los gezogen haben:
 
  1. Campus und Studium
„Supportive“ ist wohl das Stichwort, das die Atmosphäre und Arbeitshaltung sowohl der Professoren als auch der Verwaltung am University College London am besten charakterisiert. Das Jahr beginnt mit einem Empfang für die internationalen Studierenden; es folgt ein Treffen mit der Sokrateskoordinatorin des Instituts, ein Wochenende mit allen Geschichts-„Erstis“ in einer Lodge im „Great Windsor Park“ usw. Einen Überblick über die Kurse, die mit nur wenigen Abänderungen jedes Jahr wieder angeboten werden, findet ihr auf der Homepage des Geschichtsinstituts (www.ucl.ac.uk/history/). Die tatsächliche Belegung der Kurse findet allerdings erst in der ersten Woche statt. Ich belegte insg. 4 Units, das entspricht ca. 10 SWS und wird vom UCL International Office empfohlen. Ein Kurs besteht meistens aus einer einstündigen Vorlesung (ca. 30 Leute) und einem einstündigen Seminar (5-8 Leute). Bei der Vorbereitung von Literatur und 1-2 Präsentationen pro Woche, sowie 3-4 Essays pro Term wird aus 10 SWS leicht eine 40-Stunden Woche. Diese habe ich größtenteils in den exzellenten Bibliotheken von UCL, Senate House und SOAS verbracht. Sehr empfehlenswert ist auch die Anmeldung bei der British Library gleich um die Ecke in St. Pancras (Ein „Paradies“ für Akademiker ;-). In der „Science Library“ von UCL stehen dir unzählige internetfähige Rechner zur Verfügung, man hat ein Freikontingent für den Drucker und bekommt einen persönlichen Zugangscode und kann sich „seinen“ Computer so individuell einrichten. Bei der Arbeit könnt ihr auch jederzeit auf die Unterstützung der Lehrenden vertrauen: Essays werden bei der Rückgabe ausführlich besprochen und zweimal pro Jahr gibt es einen festen Termin mit der Sokrateskoordinatorin, die einem dann präsentiert, was die Professoren so von deinen persönlichen Leistungen halten. Für mich endete das Jahr mit drei 3-stündigen Abschlussklausuren, bei denen mich besonders die akribische Organisation und die dadurch erreichte Objektivität beeindruckt hat.
 
  1. Unterkunft und Finanzen
Schon frühzeitig wurde mir von UCL Informationsmaterial über Uni und Unterkünfte zu geschickt. Ich bewarb mich also für einen Wohnheimplatz und landete im Campbell House East, einem eher kleinen Wohnheim (ca. 100 Bewohner) direkt neben der Uni. Für meinen 9qm Schlauch bezahlte ich über 500 Euro/Monat. Die (wöchentliche) Miete muss in drei Raten bezahlt werden, am einfachsten geht das mit Kreditkarte. Meine Mitbewohner waren zum größten Teil Erstsemester (ca. 18jährig); grundsätzlich wird es nie ruhig, alle paar Tage ein versehentlich ausgelöster Feueralarm und die mit 25 Studis geteilte Küche weist einen erstaunlichen Artenreichtum an Ungeziefer auf, den man aber wie alles andere auch sehr bald zu schätzen lernt... Unser „Kitchen A Cooking Club“ hat uns eine Menge Geld gespart, denn für ein Mensaessen legt man generell 3-4 ₤ hin. Besser als die UCL Mensa ist die Mensa der SOAS (School of African and Oriental Studies). Sollte man dich gegen eine Wohnheim entscheiden, gibt es auf der Homepage der UCL Union eine Plattform auf der Freunde schon gute WG-Zimmer gefunden haben, die mit ca. 100£/Woche etwas teurer sind als die Wohnheime. Alle großen Banken bieten Girokonten für internationale Studenten an, von den Formalitäten sollte man sich nicht abschrecken lassen. In London gibt es kein Semesterticket, dafür 30% Ermäßigung für all jene Studenten, die es schaffen, das komplizierte Formular richtig auszufüllen. Ich hatte mein Fahrrad aus Berlin mitgebracht, habe so viele Kosten gespart und die Stadt aus einer ganz besonderen Perspektive erlebt – und das in einem Spitzentempo. Alles in allem sind die monatlichen Kosten dennoch ca. doppelt so hoch wie die in Berlin.
 
  1. Freizeit und Leben
Durch Kurse, Wohnheim und die „Socrates-Community“ lernt man schnell viele nette Leute kennen. Darüber hinaus sollte man es sich nicht entgehen lassen, Mitglied einer der vielen Societies zu werden. Ob Sport, Musik, Politik oder Unsinn, für jeden ist eigentlich etwas dabei. Die „Student Unions“ von UCL und University of London betreiben zwei eigene Fitness-Studios, eines davon sogar mit großem Schwimmbad – gleich um die Ecke und sehr zu empfehlen. Für Leibesübungen an der frischen Luft eignet sich der Regent’s Park oder, wenn man etwas mehr Zeit hat, auch Hampstead Heath. Kinobesuche habe ich mir in London ganz gespart, auch die Nähe der großen Einkaufsmeilen sollte man eher meiden – viel günstiger kommt einen da Theater (Ermäßigungen oder „special deals“ im Westend oder echt gute Produktionen von Studenten) oder Konzerte (einfach mal „time out“, das Stadtmagazin, konsultieren). Es gibt auch viele Clubs, bei denen man an bestimmten Tagen für 3-6 £ reinkommt, und man bekommt relativ schnell raus, wo es sich auch als Student lohnt hinzugehen (Islington, Camden, Eastend). Meine persönlichen Tipps: Das oberste Stockwerk des nagelneuen UCHospital bietet einen Wahnsinnsblick auf die Stadt; nächtliche Spaziergänge an der Themse und Erkundungstouren durch eher unbekanntere (Rand-)Viertel Londons. Ich hatte eine fantastische Zeit in London; es ergibt sich so vieles, wenn man offen auf andere zugeht und sich ab und zu bewusst wird, was für ein Geschenk und eine riesige Chance so ein Jahr ist!
Falls es nun jemand noch genauer wissen möchte, mag er doch einfach noch mal nachfragen: adelheidschoening@gmx.de