Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

London 2010/11

Erasmus-Studienbericht: University College London (UCL), 2010-11

 

Von September 2010 bis April 2011 habe ich in London einen Erasmus-Auslandsaufenthalt absolviert: im MA History Programme des University College London (UCL). Es war eine großartige Zeit, über die ich hier kurz berichten möchte. 

 

London kann man sehr einfach per Flugzeug erreichen, alternativ ist auch Zugfahren möglich. Für meine Aufenthaltsdauer von 7 Monaten wollte ich viel Gepäck mitnehmen können, so dass ich mich für British Airways entschieden habe, bei denen man 23 kg Gepäck inkl. Handgepäck (Gewicht egal) und noch eine Handtasche mitnehmen kann. Das erschien optimal und war auch nicht besonders teuer, da es ja nur „one way“ war. Sehr empfehlenswert!

 

Das University College London ist die älteste Universität der britischen Hauptstadt. Ursprünglich als Reformuniversität und Gegenkonzept zu den Hochschulen in Oxford und Cambridge angelegt, ist das UCL immer noch stolz auf seine alte Tradition und sieht sich gleichzeitig heute als moderne „Global University“ – also als eine Universität, die gleichzeitig globale Themen abdeckt, eine internationale Studentenschaft hat und sich global für wissenschaftliche wie auch soziale Fragen engagiert. Dieser Anspruch schien mir auf den ersten Blick etwas überzogen, stellte sich aber langfristig als durchaus richtig heraus. Die Studentenschaft zum Beispiel ist in der Tat viel internationaler als in Deutschland, das Themenspektrum (gerade im Bereich Geschichte) sehr variabel und weltumspannend und die akademische Ausrichtung sehr offen und tolerant.

Das UCL hat innerhalb Englands einen sehr guten Ruf, worauf sie stolz sind und auch immer wieder hinweisen. Ich habe das UCL ohne Abstriche als hervorragende Hochschule kennengelernt.

 

Wie eingangs erwähnt, habe ich im Masterstudiengang „MA History“ am Geschichtsinstut des UCL studiert. Da der Master in England nur 1 Jahr dauert und aus 2 Lehr-Trimestern und einem Examens-Trimester besteht, habe ich mit meinen 7 Monaten Aufenthalt beide Lehr-Trimester mitmachen können und damit akademisch genau dasselbe mitgenommen wie die normalen englischen MA-Studierenden. Das habe ich als großen Vorteil und tolle Chance empfunden, die mir so vor meinem Aufenthalt gar nicht bewusst gewesen war. Ich habe sozusagen faktisch einen englischen Master absolviert (nur ohne eine Masterarbeit zu schreiben).

Die von mir ausgewählten Lehrveranstaltungen (Hauptseminare) waren hervorragend und erstreckten sich über 2 Trimester, was einen tiefen Einblick in den Stoff erlaubte. Besonders lag dies wohl auch am intensiven Betreuungsverhältnis: in einem Kurs waren wir 12, im anderen 8 Personen.

Auch generell sind die Studienbedingungen in London exzellent: Wie in Berlin, kann man die anderen Universitäten der Stadt mitnutzen, deren Bibliotheken, öffentliche Veranstaltungen etc. Innerhalb des UCL muss man sich nicht auf Kurse in seinem Fach beschränken, sondern darf ebenso Veranstaltungen benachbarter Fächer wählen, z.B. Politikwissenschaft, European Studies o.ä.

Das Niveau ist ähnlich wie an der Humboldt-Universität, die mir in England erneut als sehr gute Hochschule aufgefallen ist, bei der man auch für das UCL bestens vorbereitet wird. Nur ist eben am UCL das Betreuungsverhältnis besser, ebenso wie die Bibiliothekssituation und die Motivation der übrigen Studierenden.

 

Sehr gutes Englisch ist wichtig, um an den Veranstaltungen effektiv teilnehmen zu können. Jeder muss Referate halten und Essays schreiben, man kann einen Kurs nicht nur still „absitzen“, zumal ja sowieso nur wenige Teilnehmer dabei sind und man sich bald gut kennt.

In meinen Kursen war ich die einzige Nicht-Muttersprachlerin. Die anderen Studenten waren hauptsächlich Briten, Amerikaner oder kamen aus Ländern des Commonwealth.

Alle sind aber sehr verständnisvoll und hilfsbereit bei eventuellen Sprachschwierigkeiten, so dass man sich diesbezüglich keine Sorgen machen muss.

 

Gewohnt habe ich in einem Wohnheim, das mir vom UCL zugeteilt wurde. Auf dem Bewerbungsbogen durfte man eine Priorität bzgl. des Wohnheims angeben; ich habe „mit älteren/postgraduate Studenten wohnen“ angegeben. Das war eine sehr gute Entscheidung, wie sich herausstellte! In meinem Wohnheim „Lillian Penson Hall“, das mir persönlich sehr gut gefallen hat, obwohl es (wie man sich vorstellen kann), ein hässlicher 60er-Jahre-Bau ist, wohnten sehr interessante Studierende aus der ganzen Welt, die alle entweder im Master studierten oder in London promovierten. Es ist ein wunderbarer Ort, um Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen!

 

Das alltägliche Leben in London ist nicht so viel teurer als in Berlin, zumal es viele Studentenrabatte gibt. Die Mieten allerdings sind unglaublich, wahrhaft erschreckend hoch. Ich selbst musste für mein Zimmer im Wohnheim (das mir ja zugeteilt wurde, ich hatte keine echte Wahlmöglichkeit, s.o.), das mit einem eigenen Bad ausgestattet war und bei dem Frühstück und Abendessen in einer Kantine serviert wurden ca. 800 Euro im Monat zahlen. Für Londoner Verhältnisse normal (zumal ja das Essen im Preis enthalten ist), für meine Verhältnisse wahnsinnig teuer. Privates Wohnen ist etwas billiger, aber schwer zu finden, oft sehr weit weg von der Uni. Würde ich für einen Erasmusaufenthalt nicht empfehlen.

 

London ist so eine tolle Stadt, dass man gar nicht weiß, was man zuerst unternehmen soll! Besondere Highlights aus meiner Perspektive:

- Museen: British Museum, Imperial War Museum, National Gallery, Courtauld Institute

- Stadtviertel: Notting Hill, Shoreditch, Hoxton, Greenwich Village

- Sonstiges: Hyde Park, spazieren an der Themse, Flohmärkte (vor allem SundayUp Market in Spitalfields)

 

Fazit: London ist eine großartige Stadt und das UCL eine hervorragende Universität! Ich kann einen Aufenthalt dort (insbesondere als Masterstudent(in) am Geschichtsinstitut) uneingeschränkt empfehlen!