Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Madrid 2004/05

Erfahrungsbericht eines einjährigen Studienaufenthaltes in Madrid (2004/05)

 
 
Bewerbungsverfahren, Anmeldung und Vorbereitung
Zu meinem Erstaunen und großer Freude konnte ich noch sehr kurzfristig einen Studienplatz an der Universidad Complutense de Madrid erhalten. Es lohnt sich also für Kurzentschlossene ein Besuch im Sokratesbüro auch noch wenige Monate vor Semesterbeginn im Ausland. Bewerbung und Anmeldung an der Gasthochschule verliefen völlig problemlos.
Sehr empfehlenswert ist der dreiwöchige Sprachkurs den die Complutense einen Monat vor Semesterbeginn allen Erasmusstudenten kostenlos anbietet. Vielleicht nicht mal aus sprachlicher Perspektive, auch wenn es durchaus hilft sich noch mal vor Studienbeginn die spanische Grammatik vorzunehmen, selbst in überfüllten Kursen, sondern weil diese Kurse eine einzige große Kontaktbörse sind, wo man sich viele Informationen holen kann und die ersten Kontakte knüpft, schon bevor es richtig los geht.
 
 
Unterkunft
Vorab: Madrids Wohnungsmarkt ist teuer, viel teurer als Berlin, das sollte man nicht verkennen. Aber nicht entmutigen lassen, es finden sich immer auch relativ preiswerte Wohngelegenheiten, allerdings mit geringerem Standard. Einfach erstmal in einem der vielen Hostels unterkommen, die größtenteils um den „Plaza del Sol“ gelegen sind (etwa 15 EUR/Nacht, billigere gibt es etwas weiter außerhalb des Zentrums: siehe Internet), dann die vielen Wohnungsanschläge an der Uni durchsehen und die „Segunda Mano“ Madrids „Zweite Hand“ kaufen und durcharbeiten. Am besten ist natürlich, wenn man nicht erst zu Semesterbeginn damit anfängt. Besonderer Tipp: es lohnt sich durchaus ehemalige Erasmusstudenten zu kontaktieren, die kennen die Stadt und den Wohnungsmarkt ja wie ihre Westentasche. Man sollte auf jeden Fall das Zimmer vorher besichtigen, denn es gibt schon einiges, was man kein Zimmer, sondern eher Besenkammer nennen muss oder fensterlose Durchgangszimmer etc. Bei Mietverträgen darauf achten, dass da keine festgelegte Mietdauer steht, weil der Umzug bei etwaigen Problemen problemreich werden kann. Ich muss allerdings sagen ich persönlich habe sehr gute Erfahrungen gemacht.
 
 
Stadtleben
Madrid, einer Hauptstadt gebührend, mangelt es nicht an pulsierendem Leben, was jedem Großstadtbewohner das Herz höher schlagen lässt. Madrid ist zwar einerseits eine touristische und internationale Stadt, allerdings viel weniger als Barcelona. Taschendiebe gibt es aber auch hier und die sind gewieft, also wirklich sehr gut auf die Sachen aufpassen – schon eine Tasche neben dem eigenen Stuhl in der Ecke der Bar verschwindet schon mal völlig unbemerkt! So viele Menschen, denen irgendwas abhanden gekommen ist hab ich nie in so kurzer Zeit getroffen. Die Lebenshaltungskosten sind eher über Berliner Niveau.
 
 
Unialltag
Empfehlungen von Professoren erscheinen mir nicht sinnvoll, weil die Geschmäcker sehr verschieden sind. Aber man hat nach Semesterbeginn genau einen Monat Zeit sich die Lehrveranstaltungen anzuschauen und endgültig die Kurse festzulegen. Davon sollte man unbedingt Gebrauch machen, weil die Dozenten doch sehr unterschiedlich sind. Vor allem die Sprachverständlichkeit variiert stark (Dialekt oder einfach nur undeutliche Aussprache). Einen Vorschlag möchte ich euch allerdings doch geben: Prof. Perez Herrero, Bereich Lateinamerika, ist auf jeden Fall ein Besuch wert, weil er mit sehr viel Elan seine Veranstaltungen macht und diese auch eher einem unserer Seminare gleicht, als dem sonst üblichen.
Noch eine weitere Anmerkung zum Angebot der Complutense. Es wird von den Facultades de Filología, de Geografía e Historia und de Filosofía ein gemeinsames Diplom angeboten „Estudios Hispanicos“, dass sehr umfangreich (jeden Vormittag) ist und Veranstaltungen zu spanischer Geschichte, Kunst, Literatur, Philosophie, Geographie, Textkommentar, aktuellen politisch-kulturellen Ereignissen und einen Sprachkurs anbieten. Das Diplom geht zwei Semester lang und ist für ein Studentenbudget nicht grad ein Schnäppchen. Man erhält aber einen sehr umfangreichen Einblick in Kultur, Geschichte und Gesellschaft Spaniens.
Neben dem Studium bietet die Uni auch eine Reihe weiterer Aktivitäten, wie Sport oder künstlerische Betätigung. Hier kommt man besonders gut in Kontakt mit den spanischen Kommilitonen.
 
Ein Erasmusaufenthalt ist wirklich eine einmalige Erfahrung, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
 
Viel Freude!
 
Simon Marburg