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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Madrid 2005/06

Erfahrungsbericht Madrid: Survival Kit für Madrider Erasmusstudenten (2005/2006)

 
Wohnen
Zuerst die schlechte Nachricht: Die Wohnungsmieten in Madrid sind um einiges teurer als in Berlin, die Zimmer um einiges kleiner.
Die gute Nachricht: Eine Wohnung zu finden ist selten ein großes Problem. Der einfachste Weg, zu einer Wohnung in Madrid zu kommen, ist es, frühere Erasmusstudenten zu kontaktieren. Entweder gibt es die Möglichkeit das Zimmer einfach vom Vorgänger zu übernehmen oder man kann sich zumindest ein paar hilfreiche Tips holen. Ansonsten findet man Wohnungsanzeigen an den schwarzen Brettern in jeder Fakultät oder in der „Segunda Mano“, der spanischen Zeitung „Zweite Hand“.
Für ein 10-15m² großes WG-Zimmer sollte man um die 330 Euro einplanen. Wichtig: Gleich am Telefon nachfragen, ob das Zimmer ein Fenster nach außen besitzt, sonst entpuppt sich manches nette WG-Zimmer bei der Besichtigung als dunkles Loch. Falls man einen Mietvertrag erhält, was in Madrid nicht immer der Fall ist, unbedingt darauf achten, ob man sich damit auf eine Mindestmietdauer festlegt!
 
Universität
Einschreibung
Die Complutense sendet den zukünftigen Erasmusstudenten schon vor Beginn des Auslandsaufenthaltes ein Formular per Email zu, mit dem man sich im Vorhinein auf bestimmte Kurse festlegen soll. Allerdings habe ich dieses Formular interessanterweise nie wieder zu Gesicht bekommen.
Nach der Ankunft meldet man sich mit Personalausweis im Akademischen Auslandsamt im Pabellón de Gobierno der Complutense (Metro Moncloa), dort erhält man einen Umschlag mit ersten Informationen und wird dann gleich zum Erasmusbüro der jeweiligen Fakultät weitergeschickt. Für die Büroöffnungszeiten gilt: Vertraue nie der Internetseite und denk an die spanische Siesta!
Zu Beginn des Semesters hat man dann einen Monat Zeit, um sich Veranstaltungen und Dozenten anzuschauen und den Stundenplan festzulegen. Es ist außerdem begrenzt erlaubt, Kurse anderer Fakultäten zu besuchen und sich die Prüfungsleistungen offiziell anerkennen zu lassen. Die ausgewählten Kurse gibt man dann per Formular im Erasmusbüro ab und erhält dafür den Erasmus Studentenausweis.
 
Studiensystem
Auch in der „Streichholzschachtel“, wie das Gebäude der Geschichtsfakultät genannt wird, spürt man langsam die ersten Auswirkungen der Bologna-Reform. Trotzdem gibt es aber noch gewaltige Unterschiede zum Geschichtsstudium an der HU.
Das Studienjahr ist in zwei „Cuatrimester“ eingeteilt, die aber entgegen dem Namen unseren Semestern entsprechen. Die spanischen Studenten haben einen nach Jahren („Cursos“) geordneten, obligatorischen Stundenplan mit einigen wenigen Wahlmöglichkeiten. Deutsches Grund-, bzw. Hauptstudium entspricht in etwa „Primer/Segundo Ciclo“.
Die Kurse selbst haben eher Vorlesungscharakter, d.h. der Dozent liest langsam aus seinen Notizen vor und die Studenten schreiben Wort für Wort mit. Reader oder Texte zur Veranstaltung sind eher selten, ebenso wie Diskussionen; Kurse mit Referaten nach meinen Erfahrungen recht chaotisch. Aber keine Angst, die erste Fassungslosigkeit legt sich nach kurzer Zeit und man lernt mit dem System umzugehen, wichtig ist vor allem, dass man den Dozenten gut verstehen kann.
Hier nur ein Tip in Sachen Dozent: Alfredo Alvar Ezquerra ist nicht nur auf seinem Gebiet (Spanien frühe Neuzeit) ein Koryphäe, sondern auch bei seinen Studenten sehr beliebt. Im Rahmen seiner Veranstaltungen gibt es nicht nur Referate und Exkursionen, er bemüht sich auch besonders um seine Erasmusstudenten.
Am Ende des Cuatrimesters stehen im Allgemeinen Klausuren. Wer wegen der Anerkennung des Scheins Hausarbeiten statt Klausuren schreiben möchte, muss das unbedingt vorher mit dem Dozenten abklären und leider oft den Kurs wechseln.
 
Leben
 
Vorsicht!
Über die Anekdote, dass in japanischen Reiseführern Anfang der Neunziger von einem Besuch Madrids unter allen Umständen abgeraten wurde, kann man heute ruhig lachen. Madrid ist nicht gefährlicher als andere europäische Großstädte. Allerdings muss man sich vor allem gegen Taschendiebe wappnen. Am besten Geldbeutel in die vordere Hosentasche und Taschen im Cafe NIE einfach neben den Stuhl stellen. Wer trotzdem bestohlen wird, befindet sich in guter Gesellschaft, nämlich der der meisten anderen Erasmusstudenten…
 
Lebenshaltungskosten
Insgesamt muss man in Madrid wohl inklusive Miete mit 100-150 Euro mehr pro Monat rechnen. Lebensmittel bekommt man bei „Dia“, dem spanischen Äquivalent für Aldi oder einfach im „Plus“ oder „Lidl“, Gemüse und Obst gibt’s günstig in den kleinen Obstlädchen. Für größere Anschaffungen: IKEA und MediaMarkt findet man im Süden Madrids (Metro Parque Oeste, MetroSur).
 
Stadtleben
Das Zentrum Madrids ist relativ klein, man kann fast alles zu Fuß erreichen, ansonsten gibt’s ein gutes Metro und Busnetz.
Wer kulturinteressiert ist, hat in Madrid die Möglichkeit alle Museen einmal pro Woche kostenlos zu besichtigen. Rabatte in Theater, Oper und Kino bekommt man mit dem fast kostenlosen „Carnet Joven“, einem Jugendausweis; einzige Bedingung: man muss unter 26 Jahre alt sein.
Wer andere Kultur bevorzugt, kommt ebenfalls auf seine Kosten. Madrid besitzt tausende Kneipen und Bars. Wer sich noch nicht auskennt, steigt am Wochenende einfach gegen 23h in Tribunal/Malasana, Chueca oder im eher alternativen Lavapies aus der Metro, alles weitere ergibt sich dann von selbst. Was man wissen sollte: Spanier essen erst gg 22h zu Abend, Kneipen füllen sich also erst danach. Vor allem einen Fehler vermeiden: nie vor 2:30h morgens in einen Club gehen!
 
 „Madrid me mata?!“ - Sicher, aber dabei kann man viel erleben und Spaß haben!


  Christian Helm