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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Paris 7: 2005/06

Studienbericht Paris 7 „Denis Diderot“ 2005/2006

Sarah Hofmann

Der erste Anblick von „Jussieu“, wie die Universität allgemein genannt wird, da sie sich am Place Jussieu befindet, sollte einen nicht sofort abschrecken. Inmitten des wunderschönen Quartier Latin gelegen, bildet Paris 7 in ästhetischer Hinsicht leider einen furchtbaren Schandfleck und das in der Rue Tolbiac gelegene Geschichtsinstitut ist leider noch viel schlimmer. Es befindet sich inmitten eines ziemlich hässlichen Plattenbaukomplexes. Aber, wie gesagt, davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn auch trotz der Hässlichkeit, ist sowohl das Hauptgebäude, als auch das Geschichtsinstitut innerhalb Paris sehr gut gelegen und man kann in den Freistunden immer gut einen Kaffee trinken gehen. Jussieu liegt zentral im Quartier Latin, eher in Richtung der Rue Mouffetard, die in Teilen etwas touristisch, aber trotzdem sehr schön ist und deren ganze Umgebung einfach traumhaft romantisch ist. Außerdem ist Jussieu auch nur einen Katzensprung von der Sorbonne entfernt, zu Fuß ca 5 Minuten.
Das Geschichtsinstitut liegt etwas südlich vom Place d´Italie, den man ebenfalls zu Fuß recht schnell erreicht. Dort ist dann auch das studentische Viertel „Butte aux Cailles“, mit seinen kleinen Gassen und vielen Cafés, die für Pariser Verhältnisse nicht sehr teuer, eben eher studentisch, sind.
 
Die Sprachkurse finden in Jussieu statt, und ich würde jedem empfehlen, den zu Beginn des Wintersemesters angebotenen einwöchigen Intensivkurs zu machen. Es gibt drei verschiedene Niveaus, das heißt auch diejenigen, die denken schon ganz gut französisch sprechen zu können, lernen im Fortgeschrittenenkurs noch etwas. Vor allem aber lernt man dort schon viele andere Erasmusstudenten kennen - und auch wenn ich am Anfang auch dachte, ich müsste um perfekt französisch zu lernen, nur mit Franzosen zu tun haben: am Anfang tut es einem wirklich gut, einfach schon ein paar bekannte Gesichter in der Uni zu sehen.
Außerdem kann man sich so am Anfang gegenseitig dabei helfen, sich im bürokratischen Chaos und vor allem auch in dem zu Anfang sehr labyrinthisch wirkenden Unigebäude zurecht zu finden. 
 
Der Sprachkurs wird dann auch beide Semester weitergeführt, dann sogar mit 5 verschiedenen Niveaus. Wer einen der Fortgeschrittenenkurse besucht, sollte möglichst versuchen in den Kurs von Madame Hajouji zu kommen. Bei ihr lernt man eindeutig am meisten. Sie ist eine unglaublich gute Lehrerin und zudem noch sehr sympathisch. Der Sprachkurs findet dann während des Semesters einmal die Woche zwei Stunden statt. Zusätzlich kann ein Atelier besucht werden, wie beispielsweise „Phonétique“ oder „Expression Écrite“. Meiner Erfahrung nach und was die anderen Erasmusstudenten auch fanden, bringen diese Kurse allerdings eher wenig. Aber man kann es ja ausprobieren.
 
Was die Einschreibung angeht, hilft es wie gesagt, den Einführungskurs zu machen, dann kann man auch zu mehreren zu der „Scolarité“ gehen. Als erstes muss man aber ins „Maison Internationale“. Das steht aber auch alles auf den Erasmusinformationen von Paris 7. Im Maison Internationale sollte man seinen Ausweis, eine Kopie des Learning Agreements, eine Bestätigung, dass man für Erasmus ausgewählt wurde und eine Versicherungsbestätigung mitbringen. Letztlich waren sie aber sehr unkompliziert und hatten schon allein per Namen alle meine Unterlagen parat. Dort erklären sie einem auch noch einmal die nächsten Schritte. Zuerst muss man sich bei der „Scolarité“ in Jussieu einschreiben und bekommt seinen Studentenausweis (genau drauf achten, dass auch alles stimmt, bei mir habe sie mich zuerst ausversehen dort für das falsche Fach eingeschrieben). Dann geht man in sein Institut, also nach Tolbiac, ins Sekretariat und schreibt sich für die Kurse ein. Das ganze lässt man dann noch einmal bei Madame Martini, der Erasmuskoordinatorin für Geschichte, unterschreiben.
Ich hatte auch keine Probleme, mich gleichzeitig auch für mein zweites Fach, Literaturwissenschaften, einzuschreiben. Madame Martini ist davon zwar nicht sehr begeistert gewesen, aber letztlich entscheidet das nicht sie und will nur, dass man trotzdem natürlich auch Geschichte belegt. Für alle, die also auch ein zweites Fach belegen wollen: Das Fach muss auch auf dem Studentenausweis stehen, also bei der Scolarité dies sagen, oder am besten schon vorher im Maison Internationale nachfragen. Dann geht man noch einmal in das Sekretariat dieses Faches und schreibt sich dort für die Kurse ein. Ein ziemliches Gerenne, aber letztlich lohnt es sich, wenn man dann alle Fächer, die man auch in Deutschland studiert belegen kann.
 
 
Was das Wohnen angeht, ist das natürlich immer der Horror jedes Parisstudenten. Deswegen für alle, die früh genug wissen, dass sie nach Paris wollen: bewerbt euch bei der Cité Internationale Universitaire de Paris (Maison Heinrich Heine: www.ciup.fr).
Der Aufwand der Bewerbung ist zwar groß, aber nichts verglichen mit dem Stress, den der Pariser Wohnungsmarkt bedeuten kann.
Die Cité besteht aus 38 verschiedenen Häusern und ist im Süden von Paris (noch innerhalb der Périphérique) im 14. Arrondissement innerhalb eines riesigen Parks gelegen. Hier wohnen zwar viele Ausländer, aber sehr viele, die schon seit Jahren in Paris leben und perfekt französisch sprechen und auch sehr viele Franzosen. Hier ist es wirklich leicht, Leute kennen zu lernen. Wenn man sich dann auch etwas anstrengt und nicht nur mit den anderen neu angekommenen Ausländern rumhängt, kann man auch leicht Franzosen kennen lernen. Nur im deutschen Haus wird leider, glaube ich so gut wie nur deutsch gesprochen. Ich wurde letztlich ins Kambodscha Haus geschickt, was keineswegs eines der schönsten oder gemütlichsten Häuser ist und leider direkt am Boulevard Périphérique gelegen ist, aber in dem dafür keine Nationalität überwiegt und nur französisch gesprochen wird.
Am Anfang habe ich mich dort trotzdem nicht wohl gefühlt, weil mir die Atmosphäre dort zu anonym war und ich lieber in einer WG wohnen wollte. Also habe ich mir jede Menge WGs angeschaut. Die besten Internetseiten sind: www.kelkoloc.fr und www.appartager.fr
Dort muss man zwar zahlen, aber bei der erstgenannten nur pro Tag und das sind meine ich nur 1,20 Euro. Seiten, bei denen man gar nicht zahlt existieren für Paris nicht.
Ich habe auch ein paar ganz gute WGs gesehen, bin aber letztlich doch in der Cité wohnen geblieben, da alles andere entweder teuerer oder in der Banlieue war und die Cité wirklich viele Vorteile bietet. Zur Uni sind es beispielsweise keine 15 Min. mit dem RER B.
Trotzdem ist auch WG Suche immer eine Möglichkeit Franzosen kennen zu lernen und ich habe einige Freunde tatsächlich bei WG Besichtigungen kennen gelernt. Ansonsten ist natürlich Sport immer gut, um Leute zu treffen. Jussieu bietet auch Sport an (steht alles auf der Homepage) ansonsten aber auch die Cite U(für alle Pariser Studenten, nicht nur Bewohner der Cité U).
 
Die Geschichtskurse haben mich in Paris 7 nicht gerade beeindruckt und es wird einem in Frankreich doch sehr bewusst, was man an der deutschen Uni hat. Es wird immer empfohlen Licence Kurse zu besuchen, was für Geschichte auch tatsächlich ratsam ist, denn die Masters Kurse beginnen erst viel später und dort schreiben die Studenten hauptsächlich ihre Mastersarbeit. In Literatur war dies aber anders und ich fand die Masters Kurse viel besser, allein schon weil die Studenten dort älter sind und die Professoren einen offensichtlich ernster nehmen. Insgesamt muss man sich aber damit abfinden, dass der Professor spricht und die Studenten mitschreiben. Im Masters habe ich es aber auch immerhin erlebt, dass die Studenten mal Einspruch erheben und es zu Diskussionen kommt.
 
Die Themen der Geschichtskurse fand ich dennoch sehr interessant (viel Afrika, Lateinamerika), nur die Form der Lehre eben nicht, aber das ist an keiner französischen Uni anders. Der negative Punkt bei Jussieu ist eben, dass die Uni einfach (und gerade Tobiac) einfach – besonders im Vergleich zur Sorbonne – furchtbar hässlich ist. Aber verglichen mit allen Unis, die außerhalb Paris liegen, aber dann doch besser, weil sie eben gut gelegen ist.
 
Ich würde jeden zu einem Aufenthalt in Paris raten, denn es ist einfach eine bezaubernde Stadt, die multikulturell und kosmopolitisch ist, wie keine zweite. Am Anfang ist Paris bestimmt auch anstrengend, vor allem, wenn noch Sprachprobleme dazu kommen, aber man gewöhnt sich doch recht schnell an den Alltag und gleichzeitig bleibt Paris immer spannend. Ich würde jedem zu einem ganzjährigen Aufenthalt raten, da bei mir alles zum zweiten Semester viel besser geworden ist und man einfach auch dann nur den Willen hat, das, was einen stört noch zu ändern. Auch gerade die sprachlichen Fortschritte zeigen sich noch viel stärker im zweiten Halbjahr und dann hat man auch mehr von der Uni. Freundschaften festigen sich und man lernt Paris erst richtig lieben.
Entgegen einigen anderen Studienberichten, die ich vor meinem Aufenthalt gelesen habe und die mich sehr eingeschüchtert haben, finde ich auch nicht, dass die Stadt so hart ist und die Studenten in der Sorbonne (denn dort war ich das zweite Semester) alle nur hektisch ehrgeizig durch die Gegend laufen. Paris ist eine Großstadt und jede Großstadt hat ihre Härten, aber ist dafür auch um so spannender und eine unbezahlbare Erfahrung. Berlin hat auch seine Härten und ist lange nicht so schön und multikulturell wie Paris. Also, keine Angst und vor allem viel Spaß in Paris.
 
 
Sarah Hofmann
Für weitere Fragen stehe ich gerne zur Verfügung: