Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Reykjavík 2005/06

Erasmusstudentin in Reykjavík 2005/2006  - von Katharina Mantwill

 
Island? Reykjavík? Dazu fällt jedem etwas ein und sei es nur, weil man einen der vielen klischeebeladenen Artikel gelesen hat, in denen es immer um das gleich geht: Feuer und Eis, Elfen und Trolle, Björk und Sigur Rós. Ich möchte dieses Bild an dieser Stelle weder widerlegen noch bestätigen. Das ist eines jeden eigene Aufgabe. Jeder macht andere Erfahrungen und sieht die Stadt und das Land aus einer anderen Perspektive. Ich will jedoch versuchen, ein paar nützliche Tipps vor der Abreise zu geben.
 
Organisatorische Vorbereitungen
Uni+Studium
Hinweise zum Bewerbungsverfahren und das entsprechende Formular gibt es auf der Webseite der Universität. Alles in allem ist es sehr übersichtlich und unkompliziert geregelt. Man sollte lediglich die Fristen beachten.
 
Andere Formalitäten
Die Homepage der Universität bietet alle nötigen Informationen (einfach durchklicken: english – informations for exchange students) und es ist weitgehend überflüssig, and dieser Stelle näher darauf einzugehen.
Nach erfolgreicher Anmeldung an der Uni in Reykjavík werden einem einige wirklich informative Broschüren zugeschickt. Darüber hinaus gibt es hilfreiche Tipps zu Island u.a. auf folgenden Webseiten: www.geysir.com / www.iceland.de

Die Unterkunft
Ich persönlich habe zufällig übers Internet eine andere deutsche Austauschstudentin gefunden, die ihrerseits eine Wohnung in Reykjavík privat gemietet hat. Es empfiehlt sich ansonsten das Angebot der Universität anzunehmen, bei der Zimmervermittlung zu helfen. Wer sich lieber privat kümmern möchte, findet im Internet verschiedene Guesthouseadressen. Ich persönlich empfehle eine Unterkunft in der Innenstadt (101 Reykjavík). Freunde hier empfehlen z.B. Guesthouse Aurora, Guesthouse Von und Guesthouse Andrea (www.aurorahouse.is). Die Preise sind gesalzen, aber üblich in Reykjavík (zwischen 25000 und 35000 Isk sollte man einplanen, je nach Größe und Lage des Zimmers) und die Häuser sind schön und zentral gelegen.
 
Die Anreise
Nach Island selbst fliegt Icelandexpress (www.icelandexpress.com) sehr günstig, allerdings nur von Mitte Mai bis September. In der übrigen Zeit muß mit Icelandexpress entweder ein Umweg über London oder Kopenhagen genommen oder aber Icelandair-Angebote genutzt werden.
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, per Fähre überzusiedeln.
 
Die Sprache
Es wird Isländisch gesprochen. Sprachkurse für Anfänger und Fortgeschrittene werden während des Semesters angeboten. Wer Veransatltungen besucht, die speziell für Austauschstudenten gedacht sind und deshalb auf Englisch unterrichtet werden, wird schnell feststellen, dass es sich in Reykjavík gut leben lässt, ohne ein Wort Isländisch zu sprechen. Jederman spricht gut Englisch und alles wichtige kann auf Englisch erledigt werden. Nichtsdestotrotz sollte man es sich nicht entgehen lassen, wenigstens die grundlegendsten Sprachkenntnisse zu erwerben. Das macht den Aufenthalt in Island nun einmal zu etwas ganz besonderem.   
 
Das liebe Geld
Reykjavík ist teuer. In fast allen Bereichen deutlich teurer als wir es von deutschen Städten gewöhnt sind. Insbesondere Alkohol und Zigaretten, aber auch tägliche Lebensmittel, Kleidung, Unterhaltungsmedien, Kino, Theater etc. Gezahlt wird in isländischen Kronen, an die Umrechnung gewöhnt man sich schnell. Ein persönlicher Tipp: das Umrechnen einfach sein lassen, dann gewöhnt man sich schneller an die Preise.
Ein Nebenjob lässt sich leicht finden. Am besten bei Cafés, Restaurants und Hotels anfragen, die suchen eigentlich immer jemanden in der Küche oder zum Saubermachen.
Der wichtigste Begleiter eines Isländers (und eines Austauschstudenten) ist die Kreditkarte. Man kann alles (ich meine wirklich alles) mit Kreditkarte bezahlen und Auto mieten ist ohne gar nicht möglich.
Mit einem deutschen Konto kommt man aus. Ich persönlich habe einmal im Monat einen größeren Betrag am Geldautomaten abgehoben. Je nach Umrechnungskurs ist es lukrativer in Euro zu sparen. Doch bieten isländische Banken auch kostenlose Kontomodelle für Studierende an.
 
Nach der Ankunft
Die Kennitala
Ohne die persönliche Kenn-Nummer läuft in Island gar nichts. Also am besten gleich am ersten Tag nach der Ankunft mit dem “letter of admission” und der zukünftigen Adresse bewaffnen und das zuständige Büro aufsuchen: Hagstofa Íslands (statistical bureau) – Borgartún 24
 
Anmeldung an der Uni
Registration Office – Hauptgebäude – Erdgeschoss rechts. Man braucht seine Kennitala, den “letter of admission” und den Krankenversicherungsnachweis sowie einen Überblick über die Kurse, die man belegen möchte (Infos dazu auf der Universitätshomepage)
Nach erfolgreicher Anmeldung werden einen Username und Passwort für den universitätseigenen Internetzugang ausgehändigt: Ugla
Soweit gekommen kannst Du erst einmal formelle Sorgen beiseite legen und andere wichtige, jedoch weniger dringende Dinge entdecken.
 
Das Studium
Das Studienjahr beginnt in Island bereits Anfang September. Das erste Semester endet im Dezember, das zweite beginnt im Januar und dauert bis Mai.
 
Die Kursauswahl
Ich persönlich habe die Möglichkeit wahrgenommen, über ein anderes Institut der Humboldt Universität, als mein eigenes am Sokratesprogramm teilzunehmen. Ich selbst studiere Psychologie in Berlin, habe aber hier in Reykjavík nicht einen Kurs in diesem Fach belegt, sondern unterschiedliche Kurse aus anderen Bereichen. Die Informationen über die einzelnen Kurse gibt es – natürlich – auf der Homepage der Universität.
 
Anforderungen + Lehre
Alles in allem hängt das natürlich stark von den ausgewählten Kursen ab. Ich habe die Dozenten hier im allgemeinen als sehr engagiert erlebt. Meine Kurse waren i.d.R. straff organisiert, Leistung wurde gefordert und auch gefördert durch optimale Bereitstellung von Materialien und Ansprechbarkeit der Dozenten.
 
Computer und Internet
PCs mit Internetzugang sind in allen Universitätsgebäuden und der Bibliothek ausreichend vorhanden, inkl. Druckmöglichkeiten (ein gewisses Druckkontingent muß vorher gekauft werden – das geht online oder im Registration Office). Ein eigener Laptop erweist sich dennoch als praktisch, da nicht nur das Unigelände, sondern auch fast alle Cafés und öffentlichen Gebäude in der Stadt mit wireless Lan ausgestattet sind. Der Zugang zum Internet ist also überall möglich und auch nötig, da alle Angelegenheiten das Studium betreffend (Kurse verwalten, Materialien bekommen etc.) über das Internet, d.h. den persönlichen Uniaccount (Ugla) geregelt werden.       
Die Bibliotheken
Die Anmeldung in der Landes- und Universitätsbibliothek ist kostenlos. Hier gibt es Internetzugang, alle wichtigen Bücher, den Handapparat und Arbeitsplätze zum konzentrierten arbeiten. Weitere Infos, auch zur Stadtbibliothek mit ihren zahlreichen Zweigstellen, sind leicht zu finden.
 
Das tägliche Leben
Nach der Lektüre sämtlicher erhaltener Broschüren und Informationsblätter, dem Besuch verschiedener Internetseiten und dem ersten Austausch mit anderen Austauschstudenten sollte das wichtigste bekannt sein. Es gilt ansonsten alles selbst zu entdecken. Nichtsdestotrotz einige persönliche Anmerkungen:

Telefonieren
Wenn etwas günstig ist in Island, dann telefonieren. Mit der Prepaid-Karte fürs Handy ist man günstig dabei.  (www.siminn.is / www.ogvodafone.is)
 
Einkaufen
Im Supermarkt bekommt man alles, doch alles hat auch seinen Preis. Drogerien so wie wir sie gewöhnt sind, gibt es nicht. Ich empfehle, Toilettenartikel wie Shampoo, Duschgel, Rasierschaum u.ä. zu importieren. Entgegen hartnäckiger Gerüchte gibt es Obst und Gemüse zu vergleichsweise günstigen Preisen, Islands Milchprodukte sind einzigartig und auch als Vegetarier kommt man gut über die Runden - Fleisch ist ohnehin sehr teuer.   
Importieren, soweit erlaubt, ist auch meine Empfehlung für kulinarische Feinheiten wir Käse, gute Schokolade, Gummibärchen und andere Dinge die man vermissen könnte.
 
Alkohol + Zigaretten
Wer sich dem Reykjavíker Partyleben am Wochenende vollends hingeben möchte, inkl. Alkoholkonsum, der sollte schon bei der Einreise an den Alkohol denken. Die isländischen Preise sind (inbes. für deutsche Gewohnheiten) unglaublich hoch.
Rauchen ist noch überall erlaubt, die meisten Cafés haben jedoch auch einen Nichtraucherteil oder generelles Rauchverbot tagsüber. Tabak ist teuer. Hier ist also auch importieren angesagt.
 
Kleidung
Man besorge sich eine schöne winddichte Jacke, Mütze und Handschuhe, denn man wird sie brauchen. Wetterfeste Kleidung ist ein Muss, ein Regenschirm unbrauchbar aufgrund des Windes. Wer darüber hinaus grundsätzlich Wert auf gutes Aussehen legt und fürs Stadtleben gerüstet sein möchte, sollte trotz Funktionalität den Style-Faktor nicht außer Acht lassen. Grundsätzlich ist es bei weitem nicht so kalt, wie alle glauben. Es ist jedoch immer windig.
 
Reisen
Ein Muss auf Island. Im Winter oft etwas ungemütlich und an manchen Stellen auch schlicht unmöglich, im Sommer umso schöner. Eine Jugendherberge und die Möglichkeit zu zelten gibt es in jedem Ort entlang der Küste, in dem es sich aufzuhalten lohnt. Es gibt die Möglichkeit, das Land mit dem Bus zu bereisen, Autos können jedoch auch einfach und je nach Angebot relativ günstig gemietet werden und bieten die Möglichkeiten, Orte abseits der großen Ringstraße besser zu erreichen.
Wer es gern organisierter hat kann auf ein Riesenagebot an organisierten Ausflügen zurückgreifen.
 
Persönliches Fazit
Island ist mehr als nur eine Reise wert. Ich bin besonders froh, ein ganzes Jahr geblieben zu sein. Jede Zeit hat ihren eigenen Reiz, ihr eigenes Licht und ihre eigenen Farben. In Reykjavík, der großstädtischsten Kleinstadt der Welt, habe ich mich einfach wohlgefühlt. Verbesserte Sprachkenntnisse (Mein Englisch hat sich deutlich verbessert, mein Isländisch nur bedingt), viele neue Freunde aus aller Welt, ein bisschen Abenteuer, eine erweiterter Horizont, ein neuer Blick auf mein Heimatland Deutschland und einen guter Schub neue Lebenserfahrung zeichnen meinen Aufenthalt aus, und obwohl ich keine Kurse in meinem eigentlichen Fach belegt hatte und wie der gewöhnliche Erasmusstudent mehr feierte und reiste, als zu lernen, fühle ich mich auch im akademischen Bereich durchaus weitergebildet. Kurz: ich habe vieles gelernt, einiges erlebt und eine Menge mitgenommen. Island ist einfach etwas ganz besonderes.
 
Katharina Mantwill, im Mai 2006