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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Rom 2001/02

Erfahrungsbericht Rom "La Sapienza" WS 2001/02

von Katharina Meinecke

Organisatorische Anfänge

Am ersten Tag ging ich gleich an die Uni, um mich einzuschreiben. Das stellte sich aber als chaotischer heraus, als ich dachte, denn nicht nur beschrieb die im Internet angegebene Adresse des Sokrates-Büros die gesamte "Città Universitaria", sie stimmte zudem nicht mehr und erst nach einigem Rumfragen in der Facoltà di Lettere e Filosofia wurde mir die neue Adresse in der Villa Mirafiori mitgeteilt. Eine Stunde vorm Ende der Sprechstunde kam ich an, aber vor der Tür war eine lange Schlange, bzw. besser gesagt ein Klüngel, wie dies in Italien immer der Fall ist, italienischer Studenten, die ein Sokrates-Jahr im Ausland machen wollten. 10 Minuten vor Schluß war ich endlich dran. Die Einschreibung ging dann erstaunlich schnell und problemlos. Wichtig war, daß ich mir auf dem Sokrates-Ausweis Archäologie als Studienfach eintragen ließ (s.u. Sightseeing). So richtig ausführliche Informationen dazu, wie ich nun weiter zu verfahren hatte, erhielt ich aber nicht wirklich.
Wenigstens erhielt ich die Adresse der Behörde, bei der ich eine Steuernummer, den "codisce fiscale" erhalten sollte. Dort fuhr ich am nächsten Tag hin, und mußte, weil ich früh kam, zum Glück nicht so lange warten. Diesen codisce braucht man, um die Mensakarte oder ein Handy zu erwerben.
Auf dem Heimweg ging ich an der römischen Vertretung meiner Bank vorbei. Diese führte natürlich keine Personenkonten, empfahl mir jedoch, wegen des komplizierten Verfahrens kein Bankkonto in Italien zu eröffnen, sondern mir immer Geld aus dem Automaten zu ziehen. Der Einsatz der Kreditkarte ist jedoch der preiswerteste Weg, in Italien zu bezahlen, da, zumindest bei meiner Bank, in den Euroländern keine Auslandseinsatzgebühren für die Kreditkarte mehr anfallen.
Am nächsten Tag besorgte ich mir eine Mensakarte: anders als bei uns muß die Mensakarte beantragt werden, wofür neben der Immabescheinigung auch der "codisce fiscale" notwendig ist. Nach einigem Rumfragen hatte ich endlich die persönlich auf meinen Namen ausgestellte Karte. Die Mensa war dann im Vergleich zur Berliner Mensa ein Traum. Die Karte schiebt man am Eingang in einen Entwerter, der gleich 1,80 Euro abbucht. Für dieses Geld kann man sich dann fast nach Herzenslust bedienen: Salat, Primo Piatto (Nudeln, Reis...), Secondo Piatto (meist Fleisch oder Fisch und ein vegetarisches Gericht), Gemüse als Beilage, Brot oder Brötchen, Käse oder Wurst, Pizza, Nachtisch, Joghurt, Obst und ein kleiner Saft, insgesamt bis zu vier Teller darf man sich nehmen. In der Mensa in der Facoltà di Economia wird die Pizza sogar vor aller Augen frisch zubereitet und in den Ofen geschoben, sehr lecker!
Zuletzt beantragte ich meine Aufenthaltsgenehmigung bei der Questura. Die braucht man zwar nicht wirklich, aber ich wollte sie mir doch auf alle Fälle besorgen. Zu meinem Erstaunen sagte man mir, es sei leichter, eine Aufenthaltsgenehmigung zum Arbeiten als zum Studieren zu beantragen, studieren könne ich auf jeden Fall problemlos. Also beantragte ich eine Aufenthaltsgenehmigung zum Arbeiten, wofür ich nur Nerven beim Warten (die Questura öffnete natürlich verspätet), 4 Paßphotos und die Kopie meines Personalausweises brauchte. Am nächsten Tag konnte ich sie abholen.
Um andere Sokrates-Studenten kennenzulernen, schrieb ich mich für ca. 2,50 Euro bei der ESN, der Sokrates-Organisation der Sapienza, die von ehemaligen italienischen Sokrates-Studenten betreut wird, ein. Sie organisieren wöchentlich mehrere Parties, Ausflüge und Reisen. Für soviel Parties hatte ich jedoch nicht genug Energie, die Ausflüge arteten immer in Saufgelage aus. Aber wer v.a. allem feiern will in Rom, der ist bei ihnen gut aufgehoben, und ein paar Italiener lernt man dort auch kennen.

Wohnen

Ich hatte zunächst das Glück, daß ein Verwandter von mir im Umland Roms, im Süden in Rocca di Papa wohnte. Dort kam ich für die ersten und letzten Wochen meines Aufenthalts unter.
Aus Deutschland hatte ich bereits Aushänge an das Deutsche Archäologische Institut und die Bibliotheca Hertziana mit Zimmergesuchen gemailt, über die ich auch ein paar Angebote erhalten hatte. So fand ich am Ende eine Wohnung, die eine deutsche Dozentin gemietet hatte, die dort jedoch nur in den Semesterferien wohnte. Diese kostete im Schnitt 450,- Euro kalt, was aber für Rom für eine 1-Zimmer-Wohnung sehr günstig ist – Freunde von mir zahlten deutlich mehr! Zur Untermiete hatte ich nicht wohnen wollen, da die Vermieter dann immer keine Gäste erlauben, ich aber Besuch aus Deutschland erwartete.
Über das Studentenreisebüro CTS in der Via Ausoni nahe der Sapienza hätte man Untermiets- und WG-Zimmer vermittelt bekommen können. WG hieß hier aber als Wirtschaftsfaktor zimmerweise vermietete Wohnungen, nicht Studenten-WGs wie bei uns, in die der Vermieter auch mal ungefragt zum Kontrollieren kam, Gäste in der Regel nicht erlaubt waren, und die auch recht teuer waren. Ein Freund von mir zahlte fast 400,- Euro für sein Zimmer in einer Wohnung mit 4 weiteren Studenten! Wer sich hier trotzdem etwas vermitteln lassen will, sollte aber schon 3 Monate vorher seine Anfrage per Email oder Fax schicken (www.cts.it) - das ist früher, als man seine Zusage von der Sapienza erhält, ist aber wichtig. Ich hatte nur 1 Monat vorher gemailt und kam schon zu spät!
Sonst kann man noch bei den Aushängen an der Uni schauen, was aber zu Semesteranfang viele tun. Leider sieht man fast nur Gesuche. Ich schaute mir auch eine richtige Studenten-WG an, die ich auf diesem Wege gefunden hatte, mir aber zu weit entfernt und schlecht angebunden vom Zentrum lag. Am meisten findet man über diese Aushänge noch "posti letti", d.h. einzelne Betten in Mehrbettzimmern, die ab 125,- Euro anfangen.
Über die Porta Portese, einer Zeitschrift wie der 2. Hand, benannt nach Roms größtem Flohmarkt, die, wenn ich mich recht erinnere dienstags und freitags erscheint (auch im Internet: www.porta-portese.it), findet man den allgemeinen römischen Wohnungsmarkt. Für den gehobenen Geldbeutel gibt es Zimmer auf Zeit und auf Englisch im Internet unter www.wantedinrome.com .
Studentenwohnheime stehen in Rom für Sokrates-Studenten nicht zur Verfügung, da Gratiswohnen im Studentenwohnheim in Rom als eine Art Stipendium vergeben wird.

Studieren

Schon alleine das Belegen von Veranstaltungen stellte sich als schwierig heraus. Ein Vorlesungsverzeichnis gab es nämlich nicht. Als ich Ende September im Archäologischen Institut, das ich durch Herumschauen im Gebäude der Facoltà di Lettere e Filosofia gefunden hatte, nach einer Liste der Veranstaltungen fragte, wurde ich auf Anfang Oktober vertröstet. Irgendwann um den 10. Oktober herum hing dann auch eine solche Liste mit allen Veranstaltungen der Altertumswissenschaften aus, es waren aber oft noch keine genauen Zeiten angegeben. Diese wurden in den nächsten Wochen nachgetragen. Zudem waren alle Kurse dieser Listen für das 1. oder 2. Studienjahr, nach dem man nach der gerade durchgeführten Studienreform das laurea macht. Für mich im 7. Semester war das alles eigentlich zu allgemein. Für die Kurse der auf das laurea folgende specialisazione hingen keine Listen aus, und wir konnten auch nicht herausfinden, was für Kurse dort angeboten wurden. Anders als bei uns war die Institutssekretärin ahnungslos und verwies und immer an die Professoren.
Da alle Kurse außerdem 2-3 mal wöchentlich stattfanden, entschied ich mich am Ende nur für zwei Kurse à 4 Stunden. Zunächst hatte ich noch weitere Kurse ausprobiert, in denen ich mich am Ende aber doch zu sehr langweilte, da sie für mich nur Wiederholung waren. Die Kurse waren sehr anders als bei uns: Es gab nur Vorlesungen, in denen die Studenten an den Lippen des Dozenten hingen, jedes seiner Worte mitschrieben, z.T. sogar Diktiergeräte auf dessen Pult legten, und zwischendrin Daten und Schreibweisen nachfragten. Zusätzlich hätte man sich z.T. das Skript im Kopiercenter der Fakultät kopieren können. Statt in Semester waren die Kurse in zwei bis drei Module mit z.T. sehr unterschiedlichen Themen und für unterschiedliche Leistungsgruppen geteilt. Waren ursprünglich 2-3 Module für ein Semester eingetragen gewesen, so stellte sich z.T. am Ende des ersten Moduls – bei einem meiner Kurse bereits Ende November – heraus, daß das zweite Modul ausfalle bzw. erst im 2. Semester Mitte März beginne. Wie man sich dort einen ordentlichen Stundenplan zusammenbauen soll, war mir nicht ganz klar, da man z.T. Module unterschiedlicher Professoren besuchen soll, aber nicht alle Module am gleichen Datum anfangen oder aufhören.
Am Ende eines jeden Moduls hätte ein "esame", meist ein mündliche Prüfung gestanden, die ich aber nicht mitmachte. Dabei ist es für Erasmus-Studenten sehr einfach, ein solches esame zu bestehen: anders als die italienischen Studenten hätten wir nicht die komplizierte bürokratische Anmeldung machen müssen, sondern konnten einfach so zum Professor gehen. Einmal sah ich zufällig ein solches esame: am archäologischen Institut mangelt es an Räumen, so daß vier Dozenten sich jeweils ein Büro teilen; das esame fand im Büro statt, aber außer dem Prüfer waren noch die anderen Dozenten in ihrem Büro anwesend, laut Aushang als Beisitzer, taten aber alles mögliche, kopierten oder empfingen andere Studenten. Das überzeugte mich davon, kein solches esame mitzumachen. Die Literatur, die die Dozenten für die Prüfungen angaben, bestand fast nur aus Handbüchern und Lexikonartikeln. In seiner Vorlesung zum Constantinsbogen antwortete Prof. Pensabene auf die Frage, was für die Prüfung zu lesen sei, sogar, es gäbe viele Bücher, aber diese seien eigentlich alle zu lang für uns! Mir schien, daß selbständiges Problemlösen in diesen ersten 2 Studienjahren eigentlich gar nicht vermittelt wird. Auch hatte ich das Gefühl, daß die Dozenten, die allesamt viel publizierten, in der Lehre unter ihren Fähigkeiten blieben. Schade fand ich zudem, daß das Archäologische Institut zwar über eine schöne, neu aufgemachte und reichhaltige Gipsabgußsammlung verfügt, darin aber keine eigenen Veranstaltungen durchzuführen scheint. Lediglich zweimal ging Prof. Pensabene mit uns durch die Sammlung, benannte dabei aber fast nur die Werke, ohne noch etwas zu ihnen zu sagen.
Wie bereits gesagt, waren wir Erasmus-Studenten aus der normalen Studienorganisation fast gänzlich ausgeschlossen, da wir für alle unsere Anliegen direkt zum Professor gehen mußten und für uns nicht dieselbe umständliche Bürokratie galt wie für die normalen Studenten. Das hatte zur Folge, daß wir zu den italienischen Studenten eigentlich keinen Kontakt hatten. Mehr als kurze Gespräche waren nicht drin, obwohl es sich ja bei den meisten um Studienanfänger handelte, die sich allerdings schon fast alle untereinander kannten. Dazu kam, daß wir nie etwas mitbekamen: fiel eine Vorlesung aus, wurde dies nicht per Aushang angekündigt und die Institutssekretärin wußte auch von nichts, aber wir Erasmus-Studenten waren immer fast die einzigen, die umsonst warteten. Wie die anderen das vorher mitbekamen, haben wir bis zum Schluß nicht herausgekriegt. So hatten wir auch verpaßt, daß unsere Kurse recht schnell schon beendet waren, spätestens mit den Weihnachtsferien, so daß ich nach Weihnachten gar nichts mehr an der Uni zu tun hatte.
Abschließend läßt sich sagen, daß man für das Studium selbst nicht nach Rom kommen muß. Es sind eher die anderen Qualitäten der Stadt, die einen halbjährigen Aufenthalt dort für das Studium der Archäologie und Alten Geschichte lohnend machen.

Sprachkurs

Im Sokrates-Büro schrieb ich mich für einen Sprachkurs ein, für den man einen schriftlichen und mündlichen Test machen mußte. Wonach die Kurse dann jedoch eingeteilt wurden, war mir nicht so ganz klar. ich kam in einen der zahlreichen Anfängerkurse, obwohl ich bereits 3 Semester Italienisch in Berlin gemacht hatte. In meinem Kurs waren dann auch Studenten, die fast noch gar kein Italienisch konnten und mit denen sich die Lehrerin deshalb v.a. beschäftigte. Mir war der Kurs einfach zu simpel. Zudem saßen in dem Kurs fast nur Deutsche, so daß ich wie bereits in Berlin alles verstand, was sie sagten, während ich auf Roms Straßen weiterhin nur die Hälfte verstand. Da der Kurs mit 8 Stunden die Woche auch recht zeitintensiv war, beschloß ich nach zwei Wochen, nicht mehr hinzugehen.
Ich versuchte es zunächst mit einem TANDEM-Partner, dessen Aushang ich an der Uni gesehen hatte. Unser Austausch scheiterte aber daran, daß wir uns einfach nicht genug zu sagen hatten und er keine wirklichen Vorschläge machen konnte, was man in Rom alles unternehmen könnte. Weitere Aushänge von mir blieben leider erfolglos, andere hatten jedoch mehr Glück.

Sightseeing

Auf meinem Erasmus-Ausweis hatte ich mir Archäologie als Studienrichtung eintragen lassen, was auch für jeden nicht Archäologiestudenten empfehlenswert ist, da man damit freien Eintritt in jedes staatliche Museum Italiens und die kommunalen archäologischen Museen Roms bekommt. Das habe ich auch reichlich ausgenutzt und mir soviel wie möglich, auch Nichtarchäologisches, in der kurzen Zeit angeguckt. Sehr empfehlen möchte ich bei einem längeren Aufenthalt auch die weniger bekannten archäologischen Monumente, die nur selten zugänglich sind. In vielen Mithräen z.B. bietet die Sopraintendenza ein- bis zweimal monatlich Führungen an (Infos in den staatlichen Museen bzw. über die Hotline der Sopraintendenza), in andere Monumente, z.B. Augustusmausoleum oder Auditorium des Maecenas kommt man ebenfalls ein- bis zweimal im Monat mit Führungen einer kommunalen Stiftung (Programm bei der Touristeninformation). Letztere sind für Archäologiestudenten kostenlos.

Reisen

Zudem habe ich einige Reisen gemacht. Im Umland habe ich einige Ausflüge gemacht, v.a. nach Ostia Antica, das man leicht mit einem Zug ab metro Piramide erreicht, der ca. alle 20 Minuten fährt. Ähnlich leicht geht es nach Primaporta zur Villa der Livia (nur sonntags geöffnet), das man mit einem ähnlichen Zug ab Metro Flaminia erreicht. Alle weiteren Umlandtouren sind schwieriger, weil die Region sonst nur mit den Überlandbussen der Cotral erschlossen ist, die v.a. von den Endhaltestellen der Metro fahren. Sie kommen zwar zuverlässig, haben aber nur an den Endhaltestellen Fahrpläne, d.h. man weiß selten genau, wann an der Haltestellen auf der Strecke der Bus genau kommen wird – dafür fragt man am besten die Anwohner. Trotzdem habe ich es nach Tivoli, Palestrina, Nemi, Marino, Frascati und natürlich nach Rocca di Papa, in dessen Nähe ich am Anfang und Ende meines Aufenthalts wohnte, geschafft.
Zusätzlich war ich fünf Tage in Neapel, von wo aus ich auch Pompeji, Herkulaneum, Oplontis (alles drei bequem, preiswert und ca. alle 20 Minuten mit dem Umlandzug Circumvesuviana zu erreichen), Paestum (zu erreichen mit einem leider nur sehr selten fahrenden Regionalzug, also v.a. die Rückfahrt nicht verpassen!) und Pozzuoli (mit der Metro) besuchte. In Neapel kann ich die gut an die Metro angebundene Jugendherberge sehr empfehlen! Lustig fand ich, wie unterschiedlich die Touristen an den einzelnen Orten waren: während man in Neapel und Pompeji fast nur Englisch hörte, hörte man das in Paestum gar nicht mehr, dort herrschte Deutsch und Holländisch. Paestum kann ich als Ausflugsziel auch wirklich empfehlen! Dort war relativ wenig los, weil keine moderne Stadt in unmittelbarer Nähe ist, es war sonnig, ein frischer Wind wehte vom Meer, das man allerdings nicht sah, und die Tempel sind wirklich beeindruckend!
Ein verlängertes Wochenende war ich in Florenz, ein weiteres in Ravenna (dort gab es von allen meinen Reisezielen den teuersten Kaffee) und Bologna.
Auf der Heimfahrt zu Weihnachten mit dem Zug war ich drei Tage in Verona, auf der Rückfahrt einen Tag in Mailand.
Ein weiterer Tagesausflug führte mich nach Pisa, wo ich auf den neu eröffneten Schiefen Turm steigen konnte, was zwar irre teuer, aber wirklich unglaublich ist. Der Blick auf Pisa lohnt kaum, aber das Gefühl, wie schief der Turm ist, ist unbeschreiblich.
Ein richtig archäologischer Tagesausflug ging zum Trajansbogen nach Benevent. Das ist ein recht ruhiges Provinzstädtchen, wo in der Mittagspause wirklich die Bürgersteige hochgeklappt werden. Aber der Trajansbogen und das Archäologische Museum, auch das sehr gut erhaltenen Theater, sind wirklich ein Geheimtip!
Für all diese Reisen kaufte ich mir die italienische Variante der Bahncard, mit der man für 50.000 Lire 20% Ermäßigung auf jeden Zug erhielt, was sich für mich lohnte. Zugfahren ist insgesamt in Italien nicht so teuer, besonders preiswert kommt man stündlich bzw. zweistündlich mit dem Diretto nach Neapel und Florenz. Die schnellste, aber auch teuerste Variante – die jedoch weder im Preis noch in der Schnelligkeit nie an den deutschen ICE heranreicht - ist der Eurostar, bei weiteren Strecken ist er aber durchaus empfehlenswert. Sehr praktisch war, daß man die Fahrkarten auch an jedem Bahnhof am Automaten kaufen kann, der sich auf deutsch einstellen läßt und bei dem man mit Kreditkarte oder Bargeld bezahlen kann. Häufig fiel ich leider der berüchtigten italienischen Verspätung zum Opfer, aber es war nie so schlimm, wie es von vielen beklagt wird, meistens waren die Züge mehr oder weniger pünktlich. Trotzdem sollte man lange Umsteigezeiten einplanen und sich vorher über eventuelle Streiks informieren.
Teuer waren an den Reisen meistens die Hotels, denn die meisten Jugendherbergen hatten von November bis März, also genau in der Zeit, in der ich verreisen wollte, geschlossen. Insgesamt war das Verreisen aber wesentlich preiswerter als in Deutschland. Und es hat sich sehr gelohnt!

Sonstiges

Da meine Kurse ja schon im Dezember zuende waren, mußte ich mich nach anderen Beschäftigungen umgucken, denn die ganze Woche lang die Stadt erkunden war mir doch zu anstrengend. Wie schon vorher ging ich weiterhin in die Bibliothek des Deutschen Archäologischen Instituts. Wer diese als Student benutzen möchte, sollte sich das vor Abfahrt überlegen, denn dazu braucht man eine Empfehlung eines Professors, die mir dankenswerter Weise Prof. Wrede geschrieben hatte. Diese Bibliothek hat wirklich sämtliche archäologische Literatur, auch historisches und Quellen!
Über den Erasmus-Verein hatte ich zwei Studenten aus Kopenhagen kennengelernt, von denen einer an der skandinavischen Ausgrabung in Nemi teilnahm. Zu dieser Grabung gab es jeden Januar eine Nachbereitung mit Auswertung der Funde in der Dänischen Akademie in Rom. Die beiden Studenten zeichneten dabei die Scherben der letzten Kampagne und fragten mich, ob ich Lust hätte, ihnen zu helfen. Das wollte ich natürlich, denn ich hatte noch nie in dem Ausmaß Scherben gezeichnet, da auf den deutschen Grabungen, auf denen ich bisher war, die Studenten an der Auswertung nie beteiligt gewesen waren. So zeichnete ich den ganzen Januar und sporadisch weiter im Februar und März halbtags Keramik. Diese praktische Erfahrung hat mir sehr viel Spaß gemacht und füllte in bißchen die studienleeren Stunden.
Ebenfalls durch eine Empfehlung von Prof. Wrede hatte mir Dr. Neudecker von DAI Rom Kontakt zu den Capitolinischen Museen beschafft. Dort wollte ich eigentlich den ganzen März über ein Praktikum machen, am Ende konnte ich aber nur zweimal die Woche im Magazin zwei römischen Studentinnen beim Inventarisieren von Statuenfragmenten helfen. Das war eine Arbeit, die ich schon immer einmal machen wollte, und so war ich damit voll und ganz zufrieden! Zudem waren alle am Museum sehr nett, und ich hatte endlich die Gelegenheit, ein bißchen mehr Italienisch zu sprechen. Das Inventarisieren war ein sehr gutes Ausprobieren meiner Kenntnisse, da die Stücke nicht nur beschrieben werden mußten, sondern wir natürlich auch überlegen mußten, von was für einem Stück dieses Fragment stammen und wie es datiert werden könnte. Ungefähr jede halbe Stunde kam Dr. Arata vom Museum und diskutierte mit uns unsere Ergebnisse.

Fazit

Wenn man vom Studium absieht, hat der ganze Aufenthalt sich sehr gelohnt! V.a. mal so viel Zeit zu haben, die ganzen Stätten der Alten Geschichte und Archäologie einmal in Ruhe anzusehen und auch viele zu entdecken, die einem als Tourist verborgen bleiben, hat mir sehr viel Spaß gemacht! Ein warmer Winter war auch mal ganz schön, wenn mir auch in der Weihnachtszeit die Lichterketten bei strahlender Sonne etwas merkwürdig vorkamen und ich mich auf das kalte Weihnachten in Deutschland gefreut habe. Ich kann ein Semester in Rom eigentlich jedem empfehlen!