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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Santander 2011

Erfahrungsbericht von Felix Milles

Erasmus in Santander, Spanien

 

Am 2. September bin ich endlich in Santander gegen 11 Uhr mittags mit dem Zug aus Bilbao angekommen. Meine ersten Stationen führen mich zu diversen Hostels, um dort nach Unterkunftmöglichkeiten zu fragen. Letztlich werde ich die ersten Tage in einem Hostel im Zentrum, in der Nähe des Bahnhofs schlafen, um von dort aus die Stadt zu erkunden und das Leben und die Menschen in Santander kennenzulernen.

Da es noch recht früh am Tag ist, ist mein erstes Ziel das Oficina der Relaciones Internacionales (ORI) der Universidad de Cantabria, um dort die ersten wichtigen organisatorischen Dinge zu regeln. Unter anderem erhalte ich dort eine Liste von Leuten, die an (ausländische) Studierende Zimmer vermieten. In den nächsten Tagen finde ich dann auch tatsächlich meine erste Wohnung in Santander: Eine 3er-Wg, mit zwei anderen Erasmus-Studenten, direkt gegenüber von der Universität und einer schnellen Verbindung in die Stadt und an den Strand.

 

Ich nutze die ersten Wochen, bevor die Uni wirklich losgeht, um die Stadt vollkommen zu entdecken und für mich zu gewinnen. Dabei lerne ich durch meinen Mitbewohner, der aufgrund eines Sprachkurses schon länger da ist, viele neue Leute kennen. Und schon nach kurzer Zeit fühle ich mich wohl in der fremden Stadt.

Endlich gehen auch die Einführungsveranstaltungen der Universität los. Dort höre ich zwar das, was ich schon von der Homepage der Universität erfahren habe, allerdings gehören zu dem Programm sowohl eine Rundfahrt durch die Stadt, als auch eine Tour zu den naheliegenden Picos de Europe.

 

Meine ersten Probleme treten auf, als ich versuche erneut mein Stundenplan zu planen. Wie ich feststellen muss, werden die meisten von mir vorher gewählten Kurse gar nicht angeboten, da das Vorlesungsverzeichnis erst kürzlich aktualisiert wurde. Zudem fand eine Umstellung das alten Systems auf das Bachelor-System statt, sodass mir aus den verschiedensten, sich teilweise überschneidenden Angeboten einen neuen Stundenplan zusammenstellen muss.

Hier treffe ich dann auch auf das erste freundliche Gesicht in der Universität: Meinen Erasmus-Koordinator, der mir sehr hilft, die Änderungen zu verstehen und mir zu meinen vorher gewählten Kursen ähnliche Seminare zeigt, sodass ich zufrieden nach vorne blicke.

 

Nach dieser Einführungs- und Kennenlern-Phase beginnt Mitte September endlich das Semester. Ich sehe viele neue Gesichter, suche die mir noch unbekannten Seminarräume und stelle schließlich in der ersten Vorlesung fest: Zum Glück hab ich nichts Schlechteres als B1. Es sehr schwierig alles zu verstehen, was der Professor erzählt. Eine Hürde, die aber mit der Zeit immer geringer werden soll. Die ersten Veranstaltungen in jedem meiner Kurse sind ausschließlich Einführungsveranstaltungen: Worum geht es in dem Kurs, wie funktioniert Moodle bzw. Aula Virtual, welche Anforderungen werden gestellt, welche Formalia müssen eingehalten werden, etc. Das nimmt mir meine anfängliche Nervosität, da hier doch alles ganz normal zu sein scheint.

Außerdem scheinen auch die Professor_innen hier freundlich zu sein, da sie mir bei meinen organisatorischen Fragen und Problemen, wie bspw. die Zusatzleistungen, entgegenkommen.

 

Nach einer gewissen Zeit hat mich der Unistress dann auch vollkommen eingeholt. Aufgrund meiner sprachlichen Probleme konnte ich nicht immer mitbekommen, wann welche Arbeiten im welchen Umfang abzugeben seien, weswegen ich mich doch viele Tage mit der spanischen Sprache plage und bis spät nachts Essays und Kommentare schreibe. Vor allem ist es für mich ungewohnt, schriftliche Arbeiten während des Semesters zu schreiben, vor allem meine Zusatzleistungen, da es zwischen Wintersemester und Sommersemester nur eine vorlesungsfreie Zeit gibt, in der alle Klausuren geschrieben werden und daher kaum Zeit für andere Sachen vorhanden ist.

Allerdings finde ich schnell Hilfe bei den anderen Studierenden in meinen Kursen, die mir bis zum Ende meines Erasmus behilflich sind, falls ich was nicht richtig verstanden habe oder einfach nur, um den Kurs rumzukriegen.

 

Das Semester selbst verläuft neben diesen Verständnisproblemen und der daraus resultierenden Zusatzbelastung, weitgehend interessant. Besonders zwei der von mir gewählten Kurse ziehen meine volle Aufmerksamkeit auf sich, sodass ich mich auch schnell in der Bibliothek oder zu Hause wiederfinde und weiterführende Literatur auf Spanisch lese.

Trotzdem, neben meinen ganzen universitären Bemühungen stehen doch die ganzen Leute im Vordergrund, die ich während meines Aufenthaltes kennenlerne. Mit ihnen lerne ich die Stadt auf verschiedene Weisen und zu unterschiedlichen Tageszeiten kennen. Es ist interessant zu sehen, von woher die ganzen Leute kommen, warum sie hier sind, was sie schon erlebt haben, etc. Es ist ungemein aufregend so viele Menschen aus unterschiedlichen, auch nicht-europäischen Kulturkreisen kennenzulernen.

Tatsächlich verbringe ich mehr Zeit mit den ausländischen Studierenden, als mit den Leuten aus dem Studium. Wahrscheinlich, weil sie wie ich nur vorübergehend in dieser Stadt sind, ebenfalls Sprachprobleme haben und der ganze Uni-Kram eher eine Etappe, denn Bestandteil des Studiums ist.

Zudem habe ich die Möglichkeit English Conversation Partner bei einem Intensiv-Sprachkurs laufend neue Leute aus Spanien kennenzulernen, mit denen ich viel Zeit verbringe, um auch mal neben der Universität mich der spanischen Sprache hinzugeben.

 

Obwohl die letzten beiden Monate meines Aufenthalts sehr anstrengend und stressig sind, bedaure ich doch, dass es bald vorbei sein wird. Ich hab die Zeit wirklich genossen, viele neue und nette Leute kennengelernt und einen unglaublichen Batzen an Erfahrungen gewonnen.