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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Uppsala 2004/05

Erfahrungsbericht: Nils Güttler (2004/2005)

Generell lässt sich sagen, dass das Vorfeld meines Auslandsaufenthaltes nicht besser hätte verlaufen können. So bald man die Bestätigung durch die Uppsala Universitet bekommt, wird man mit Informationsmaterialien überhäuft, in denen praktisch alle wichtigen Probleme aufgeworfen werden. Bei weiteren Schwierigkeiten kann man auch immer an den dortigen Koordinator schreiben, der sofort und kompetent antwortet und einem weiterhilft.

Bei der Wahl der Unterkunft, die man von zuhause aus trifft (man kann später noch wechseln, das ist aber kompliziert), würde ich von den drei Hauptoptionen „Rackarbergsgatan“ empfehlen: hier wohnt man praktisch in 4er-WGs und ist i. d. R. der einzige Erasmusstudent, was bedeutet, dass man (wenn man Glück mit den Nachbarn hat, versteht sich) mehr mit den schwedischen Studenten in Kontakt kommt. Außerdem liegt diese Studentensiedlung sehr zentral – gerade für Geschichtsstudenten. Ich selber habe im „Sernanders väg“ gewohnt, eine Hochhaussiedlung am Stadtrand. Das hört sich schlimmer an, als es ist: denn die meisten Studenten (auch die internationalen) wohnen dort. Hier wohnt man in 11er- bis 12er-Korridors, was aufgrund der Größe m. E. eher dazu führt, dass sich die Beziehungen etwas mehr verlaufen. Aber das kommt natürlich auf die anderen Studenten an. Außerdem hat man einen längeren Uniweg, welcher natürlich im Vergleich zu Berlin trotzdem sehr kurz ist! Vom „Hotel Uppsala“ würde ich abraten, da hier nur internationale Studenten wohnen, was zwangsläufig zur Folge hat, dass man von den Schweden relativ wenig mitbekommt.

Ansonsten ist das Leben in Schweden in bürokratischer Hinsicht (Anmeldung, Bankkonto – das lohnt sich, denn es kostet nur 2-3 Euro im Monat, etc.) sehr unkompliziert. Man muss zwar überall, wie dort üblich, eine Nummer ziehen und länger warten – dafür aber versucht praktisch jeder, einem weiter zu helfen. Fast alle Einwohner sprechen besser Englisch als die Erasmusstudenten – Kommunikationsprobleme entstehen also selbst bei geringen Schwedenkenntnissen nie!

Es empfiehlt sich, direkt vor dem Semesterbeginn (Anfang September) den „Intensivkurs Schwedisch“ zu belegen (drei Wochen). Erstens kommt man sehr viel schneller in die Sprache hinein, zweitens erlebt man Uppsala im Spätsommer (was wunderschön ist) und nicht erst zum Beginn des langen Winters und drittens lernt man die anderen internationalen Studenten sofort kennen. Diese ersten Wochen hat man die Stadt als internationaler Student praktisch für sich, da alle schwedischen Studenten noch im Urlaub sind, und hat schon zu Semesterbeginn ein recht großes Netz von anderen „Internationalen“.

Das historische Institut selbst ist sowohl vom Angebot her als auch vom Personal sehr zu empfehlen. Für die Erasmusstudenten gibt es Extraveranstaltungen in englisch. Wenn man genug Schwedischkenntnisse vorweisen kann, ist es natürlich auch möglich, schwedisch-sprachige Kurse zu besuchen (was ich nicht probiert habe). Ansonsten unterscheidet sich das Studiensystem fundamental vom deutschen: es werden praktisch nur Blockveranstaltungen angeboten, die i. d. R. über drei bis vier Wochen gehen und entweder mit mehreren kurzen Arbeiten oder einem abschließenden Take-Home-Exame (manchmal auch beides) abgeschlossen werden. Man liest sich also sehr schnell und sehr intensiv in ein Thema ein und kann sich vollkommen darauf konzentrieren (vom Umfang her übersteigt der Arbeitsaufwand sicherlich nicht den an deutschen Hochschulen). Der Nachteil ist sicherlich, dass man nicht die thematische Vielfalt wie im deutschen System hat. Ich selbst habe „Swedish-“ und „Nordic History“ an historischen Institut besucht. Diese waren sehr überblicksartig und verschult; jedoch habe ich das im Rahmen des Auslandsaufenthaltes eher als Vorteil empfunden, weil man am Ende wirklich das Gefühl hat, das Land etwa besser kennengelernt zu haben. Sehr zu empfehlen sich Veranstaltungen des Institut für „History of Ideas“, die gerade für das kulturgeschichtliche Lieblingsthema in Uppsala – Carl von Linné – sehr gute Veranstaltungen anbieten.

Generell muss man gerade in Hinsicht auf die Betreuung der Studenten durch die Dozenten sagen, dass das schwedische System in allen Belangen vorbildlich ist. Die Dozenten sind sehr engagiert und ermuntern einen, bei Problem direkt zu ihnen zu kommen – und helfen einem inhaltlich problemlos weiter. Auch das Umfeld (Bibliotheken, etc.) ist sehr einfach zu erschließen.

Ein wichtiger Punkt, an dem man in Uppsala nicht vorbeikommt, sind die sog. „Nationen“ – unpolitische, für alle Studenten obligatorische Verbindungen, welche die Integration und das studentische Leben sichern sollen. Hier werden alle Parties, Ausflüge, Essen (es gibt keine Mensa!) und sportliche Aktivitäten organisiert. Außerdem verfügen sie über kleine Bibliotheken und haben die schönsten Gebäude der Stadt als Vertretungen. Während die schwedischen Studenten ihrem Herkunftsort entsprechend zugeteilt werden, kann man als internationaler Student frei entscheidend, wo man beitreten möchte. Es ist dabei praktisch gleichgültig, für welche man sich entscheidet: man kann bei jeder Nationen arbeiten, an allen Veranstaltungen teilnehmen und ist somit nicht gebunden. Es empfiehlt sich aus eigener Erfahrung, einige Male in einer Nation zu arbeiten. Erstens kriegt man ein wenig Geld dafür und zweitens kommt man mit den schwedischen Studenten in Kontakt.

Zusammenfassend möchte ich unterstreichen, dass Uppsala aufgrund seiner gut organisierten und überschaubaren akademischen und sozialen Infrastruktur für einen Auslandsaufenthalt nur zum empfehlen ist. Ein größerer Kontrast zu Berlin ist schwer denkbar! Gerade deshalb, weil alles so nah, hat man keine Probleme sich schnell einzuleben. Das Kleinstadtleben wird durch die vielfältigen studentischen Angebote sehr viel erträglicher und begünstigt gerade für die große internationale Gemeinde ein sehr enges Verhältnis.