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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Uppsala 2011/12

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Die Vorbereitung meines Auslandsaufenthaltes in Uppsala, Schweden, war insgesamt unkompliziert, aber doch zeitaufwendig. Bereits im Vorfeld hatte ich meine Auswahl auf nordische Universitäten beschränkt, was meine Entscheidung für Uppsala deutlich erleichterte. Nach meiner Nominierung musste ich mich allerdings auch noch in Uppsala selber bewerben, da sich diese Universität aufgrund des großen Andrangs an Auslandsstudierenden vorbehält, nicht alle Nominierten zuzulassen. Hier empfiehlt es sich, sich das Kursangebot genau anzuschauen, um nicht Kurse zu wählen, deren Teilnehmenden-Zahl beschränkt ist. In Uppsala meldet man sich grundsätzlich ein Semester im Voraus für Kurse an. So weiß ich von einer Medizin-Studentin, deren Erasmus-Bewerbung abgelehnt wurde, da sie zu den Kursen, für die sie sich einschreiben wollte, nicht angenommen wurde.

Des weiteren empfiehlt es sich, sich für den Erasmus Intensiv-Sprachkurs zu bewerben. Dieser findet ein, zwei Monate vor Beginn des Studiums im Gastland statt und bietet eine tolle Möglichkeit, die Kultur und Sprache des Gastlandes kennen zu lernen, ohne schon im Uni-Alltag zu stecken.

Bis 2011 wurde Erasmus-Student_innen eine Platz in einem Wohnheim garantiert, bei Einreichung eines entsprechenden Antrages. Dies ist seit 2012 nicht mehr der Fall und Austausch-Studierende müssen sich ihre Unterkunft selber organisieren.

Alle Bestätigungen und Unterlagen hatte ich dann Anfang Juli vorliegen. Da ich auch zum Intensiv-Sprachkurs zugelassen worden war, stand meine Abreise nach Uppsala bereits Ende Juli an. Bedenkt man, dass das deutsche Sommersemester bis Ende September geht, kann es durchaus Sinn machen, sich schon für das Sommersemester beurlauben zu lassen.

 

Anreisemöglichkeiten zum Studienort

Die Anreise nach Uppsala ist von Deutschland aus nicht nur per Flugzeug möglich, sondern auch per Bahn. Wer rechtzeitig bucht, kann für 39€ ein Europa-Spezial-Ticket bekommen, mit dem man bis nach Stockholm reisen kann. Die Zugfahrt von Stockholm nach Uppsala kostet keine zehn Euro und dauert ebenfalls nicht länger als eine Dreiviertelstunde. Der Vorteil mit dem Zug anzureisen ist nicht nur die unbegrenzte Gepäckmitnahme, sondern auch ein bewussteres Ankommen im Land. Zumindest wenn man ein Interesse an der vorbeiziehenden Landschaft hat.

Wer die Anreise per Flug vorzieht: Der nächste Flughafen Arlanda liegt nur eine Dreiviertelstunde mit dem Bus und sogar je nach Verbindung nur zwanzig Minuten mit der Bahn von Uppsala entfernt.

Die Anreise mit dem Auto ist auch für Leute geeignet, die selten lange Strecken fahren, da in Schweden relativ umsichtig und ruhig gefahren wird. Man sollte sich allerdings über die Entfernungen im Klaren sein und die doch recht hohen Fährkosten berücksichtigen. Auch die Überfahrt über die Öresund-Querung ist gebührenpflichtig.

In Uppsala selber gibt es einen sehr guten öffentlichen Nahverkehr, wobei der Kauf eines Fahrrades sehr zu empfehlen ist.

 

Vorstellung der Gastuniversität

Die Universität von Uppsala ist die älteste Nordeuropas und so finden sich hier viele Traditionen, die es woanders gar nicht mehr gibt oder nie eingeführt wurden. Beispielsweise die sogenannten Nationen, die ihren historischen Ursprung in regionalen Studierendenverbindungen hatten, heute allerdings oftmals eher Clubs ähneln. Bis vor zwei Jahren war eine Mitgliedschaft in einer solchen Nation obligatorisch, was diesen einen gänzlich anderen Charakter gegeben hat, als dies in Deutschland der Fall ist. Des Weiteren gibt es Anfang Mai eine großes Studierendenfest: Valborg, mit dem der Frühling begrüßt wird. Eine einmalige Erfahrung!

Die verschiedenen Institute liegen alle nie weiter als zwanzig Minuten (mit dem Fahrrad) voneinander entfernt, jedenfalls sind die Entfernungen aus Berliner Perspektive nicht der Rede wert. Die Universität nimmt in Uppsala, das immerhin 200000 Einwohner hat, eine recht dominante Stellung ein. Fast überall begegnen einer_m Student_innen. Die Universität selber ist eine Voll-Universität und so lässt sich dort praktisch alles studieren von seltenen Sprachen bis hin zu seltenen Erden.

 

Beurteilung der Lehrveranstaltungen und Lernbedingungen

In der Geschichtswissenschaft sind die Lehrveranstaltungen auf Masterniveau übersichtlich, was die Anzahl der Teilnehmenden betrifft als auch die Anzahl der Lehrveranstaltungen selber. Die Art und Weise der Lehre ist abhängig vom Lehrenden, daher kann ich nicht sagen, dass sie sich sehr von der Lehre in Deutschland unterscheidet. Der Studienablauf funktioniert jedoch anders. So ist ein Semester oftmals noch in zwei Perioden unterteilt und Seminare werden eher hintereinander als parallel belegt, was bedeutet dass man gerade in den Geisteswissenschaften unter der Woche nur wenige Präsenzstunden hat. Dafür ist die zu lesende Literatur auch entsprechend mehr. Prüfungsleistungen werden zudem nicht in den Semesterferien erbracht, sondern unter dem Semester bzw. der Periode.

Die materiellen Lernbedingungen sind hervorragend. In unmittelbarer Nähe zum geschichtswissenschaftlichen Institut gibt es zwei Bibliotheken, eine Cafeteria und Computer mit Internetanschluss sind auch überall zu finden.

 

Sprachvoraussetzungen und Sprachkompetenzen

In Schweden kommt man sehr gut mit Englisch aus. Vom Kassierer bis zur Professorin sprechen fast alle fließend Englisch. Lehrveranstaltungen auf Master-Niveau sind zudem fast ausnahmslos auf Englisch. So gesehen könnte man sagen, dass Schwedisch-Kenntnisse nicht nötig sind. Wer allerdings gegenüber den Schwed_innen Respekt zeigen möchte und auch ein persönliches Interesse an den Menschen dort mitbringt, die_der sollte unbedingt Schwedisch lernen, wobei dies natürlich auch von den eigenen Studienzielen und Zeitmanagement abhängig ist.

 

 

Wohnmöglichkeiten und Empfehlungen

Was Wohnmöglichkeiten anbelangt, kann ich nur einen eingeschränkten Rat geben, da, wie bereits erwähnt, ab diesem Jahr Erasmus-Studierende selbstständig nach einer Unterkunft suchen müssen und ich nicht weiß, ob Wohnheimplätze leichter zu bekommen sind, als private Unterkünfte.

Grundsätzlich ist die Entscheidung natürlich sehr persönlich und auch zufallsabhängig. So kann es passieren, dass man sich auf einem Zwölfer-Korridor einsamer fühlt, als in einer Zweier-Wohngemeinschaft. Ich selber habe in Flogsta gewohnt, einer berühmt-berüchtigte Studenten-Siedlung am Stadtrand Uppsalas, die für ihre rauschenden Partys, schmutzigen Korridore und den „Flogsta-Schrei“ um zehn Uhr abends bekannt ist. Für mich war es jedenfalls die richtige Entscheidung, zumindest für zwei Semester. Viele schwedische Student_innen ziehen zuerst nach Flogsta, um im Laufe des Studiums in private Wohngemeinschaften zu ziehen, die zentraler liegen. Die großen Wohnheime liegen vor allem am Stadtrand. Wobei die Entfernungen mit dem Fahrrad wirklich kaum eine Rolle spielen, außer man muss täglich vom einen zum anderen Ende der Stadt fahren.

 

Finanzierung und zu berücksichtigende monatliche Ausgaben

Schweden ist nicht billig. Wer in Deutschland jedoch Bio-Lebensmittel gewöhnt ist, wird keinen Unterschied feststellen, vorausgesetzt man kauft konventionell. So ließen sich die Preise jedenfalls in etwa vergleichen. Auch die Unterkunftskosten sind teilweise recht hoch. Es empfiehlt sich 700€ monatlich zur Verfügung zu haben, da es ansonsten wirklich knapp wird und Nebenverdienstmöglichkeiten dünn gesät sind, gerade für Leute, die Schwedisch nicht fließend sprechen. Auf Uni-Seite sind keine großen Kosten zu erwarten, außer man möchte ganze Bände kopieren.

 

Freizeitaktivitäten

An Freizeitmöglichkeiten mangelt es in Uppsala nicht. Hierzu bietet sich nicht nur die schöne Natur rund um Uppsala an, sondern auch die bereits erwähnten Nationen. In den Nationen finden Partys statt, es gibt Sportgruppen, alle möglichen Mahlzeiten, Bibliotheken und weitere Freizeit- und Kulturgruppen. Ansonsten gibt es in Uppsala diverse Museen und Theater. Und wem Uppsala zu klein ist, Stockholm ist auch mit dem Bus keine Stunde von Uppsala entfernt, mit dem Zug geht es noch schneller. Ein Fahrrad ist in Uppsala im Übrigen ein Muss! Nur Hartgesottene kommen ohne aus.

 

und darüber hinaus? (Allgemeines Fazit)

Ich kann jeder_m Uppsala nur empfehlen. Ich bereue meine Entscheidung für diese Universität nicht und habe es auch während der langen Winterdunkelheit nicht getan. Schweden mag vielen vielleicht als nicht besonders exotisch im Vergleich zu Deutschland erscheinen, aber das täuscht. Auch nach einem Jahr habe ich noch das Gefühl gerade erst am Anfang meines Entdeckens dieses Landes zu sein.