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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Uppsala 2011/12 - 2

Vorbereitung des Auslandsaufenthalts

Die Vorbereitung des Auslandsaufenthalts liegt in erster Linie bei jedem Studenten persönlich, was ich allerdings nicht als Manko empfinde. Jeder Erasmus-Teilnehmer sollte sich im Klaren darüber sein, wohin er zum Studieren geht, sich über seine Motive und Beweggründe bewusst sein und zumindest ein gewisses Grundwissen zu Gastland, Sprache, Kultur etc. mitbringen oder anlesen. Mein Heiminstitut bot mir gewissen Infomaterialien an, welche auch völlig ausreichten. Hinzu kamen die Internetpräsenz sowie Infomaterialien der Gastuniversität.

Des Weiteren sollte man sich auch über möglicherweise empfohlene oder gar geforderte Impfungen seiner neuen Heimat informieren, Punkte wie diese werden oft vergessen. Da es sich bei einer Dauer von 6 bzw. gar 10 Monaten ja um viel mehr als ein reiner Studienaufenthalt im Ausland handelt. Das sollte und muss man jedoch alles persönlich bedenken und vorbereiten. Schweden ist beispielsweise ein Zecken-Risikogebiet.

Erste Kontakte mit der Sprache des Gastgeberlandes (sollte es sich nicht gerad um Englisch oder bereits erlernte Sprachen handeln) sollten auch von allen angehenden Erasmus-Studenten gefordert werde. Die Uni unterstützt in der Regel den Wunsch, das Sprachenzentrum der HU und die einzelnen linguistischen Institute bieten eine breite Palette an Sprachkursen. Ich besuchte einen Schwedisch-Kurs, den die Schwedische Botschaft sogar umsonst am Nordeuropa-Institut der HU anbot.

 

Anreisemöglichkeiten zum Studienort

Die Anreisemöglichkeiten waren bei einem Land wie Schweden selbstverständlich gut, schnell, flexibel und breitgefächert. Ich entschied mich für einen Flug von Berlin nach Stockholm-Arlanda, was nur ca. 30 km von Uppsala entfernt liegt (und per Zug in weniger als 20 Minuten erreichbar ist).

Aber auch die Anbindung mit Bahn ist gut, so wählte ich für meinen Heimweg die zwar weite aber auch kosten- und umweltgünstige Alternative per Zug (via Stockholm, Malmö, Kopenhagen und Hamburg).

 

Vorstellung der Gastuniversität

Meine Gastuniversität bot vor der ersten Vorlesungswoche zahlreiche Informationsveranstaltungen zu Studiengängen, Veranstaltungen, aber auch der Stadt und dem Umland an. Zudem übernehmen in Uppsala die Studenten-Nationen, eine Art traditionelle Studentenverbindungen ohne politische und/oder ethnische Hintergründe, die bedeutendste Rolle auf diesem Feld. Sie boten viele Stadterkundungen, Kennenlern-Abende, Ausflüge usw. an.

 

Beurteilung der Lehrveranstaltungen und Lernbedingungen

Die meisten Kurse der Uppsala Universitet werden selbstverständlich auf Schwedisch erteilt, dennoch werden (gerade auf Master-Level und extra für Austauschstudenten) ebenso zahlreiche Kurse auf Englisch angeboten. Da meine Schwedisch-Kenntnisse zum Zeitpunkt meiner Anreise noch eher bescheiden waren, entschied ich mich dafür, lediglich englischsprachige Kurse zu belegen. Dadurch kann ich leider nur diese internationalen Kurse beurteilen.

Die internationalen Kurse wurden ausschließlich von ausländischen Studenten besucht, einen Großteil machten dabei v.a. anglo-amerikanische, australisch/neuseeländische und auch deutsche Studenten aus. Kursaufbau und –schema war in allen Fällen sehr unterschiedlich zu unseren deutschen Verhältnissen.

Das Lehrniveau und geforderte Leistungslevel lag meiner Meinung nach deutlich unter dem der HU (und anderer deutscher Unis), nahezu alle deutschen Studenten vor Ort teilen diese Ansicht mit mir. Zudem wurden, auf Grund der internationalen und hier insbesondere anglo-amerikanischen Ausrichtung, andere Schwerpunkte und Erwartungen in den Kursen gesetzt. Geschichtswissenschaft wurde viel stärker als „story-telling“ und dem Vergleichen verschiedener Prozesse/Zustände/Ereignisse verstanden als Problemdarstellung und -untersuchung (Problematisierung). So wurde uns Studenten zwar ein wesentlich größeres Lesepensum abverlangt, jedoch nur um darauf folgend Ansichten von Autoren zu diskutieren, statt selbst Problemansätze zu suchen und sich selbstständiger und theoretischer mit der Thematik auseinander zu setzen.

 

Die Lernbedinungen waren hingegen exzellent. Allen Studenten standen mehrere sehr gut ausgestattete Bibliotheken offen, welche gleichzeitig auch sehr angenehme Arbeitsorte darstellten. Der Zustand sämtlicher Universitätsgebäude, Veranstaltungs- und Aufenthaltsräume war absolut tadellos, die technische Ausstattung hochmodern, alle Gebäude einladend, hell (lichtdurchflutet) und hochmodern. Selbst die vielen alten, historischen Gebäude der Universität standen dem in Nichts nach.

 

Sprachvoraussetzungen und Sprachkompetenzen

 Wie allseits bekannt sind nahezu alle Schweden sehr freundlich und sprechen fließend Englisch. Auch im alltäglichen Leben, beim Einkaufen und im Restaurant kommt man sehr gut ohne Schwedisch-Kenntnisse aus. Sehr vielen Schweden sprechen aus Höflichkeit mit Ausländern zu allererst Englisch, selbst wenn diese sich anfangs bemühen, Schwedisch zu sprechen.

Mein Heiminstitut verlange vor meiner Abreise das (sehr) gute Bestehen (Minimum B1, B2/C1 erwünscht) der Sprachprüfung des DAAD in der Sprache meiner Veranstaltungen (Englisch).

Vor meinem Aufenthalt hatte ich gute Englisch-Kenntnisse (C1) und erste Anfänger-Kenntnisse im Schwedischen (A1). Beide könnte ich während meines Aufenthalts festigen und verbessern. So besuchte ich in Uppsala für ausländische Studenten kostenlos angebotene Schwedisch-Sprachkurse der Universität und konnte mir während des Jahres gute Schwedisch-Kenntnisse aneignen (B1).

 

 

Wohnmöglichkeiten und Empfehlungen

Die Uppsala Universitet ist wohl eine der sehr wenigen Unis, die ausländischen Austauschstudenten (Erasmus-Teilnehmern) einen Wohnheimplatz garantiert. Das war und ist sehr erfreulich, da gerade in Schweden (und v.a. in schwedischen Studentenstädten) Wohnungen sehr begehrt und knapp sind. Zudem sind diese staatlich unterstützten Studentenwohnheime preiswerter als private Mietwohnungen.

In Uppsala gibt es zahlreiche Wohnheime. Vor seiner Anreise kann man seine Priorität angeben; ich wählte die Wohnheime Kantorsgatan und Rackarberget als Favoriten und bekam ein Zimmer in Kantorsgatan. Dort wohnt man zumeist ausschließlich mit schwedischen Mitbewohnern auf einem 5-Personen-Korridor. Zudem hatte ich ein eigenes Bad, was ebenfalls eher selten in Uppsala ist.

Empfehlen würde ich daher eben das Wohnheim Kantorsgatan ebenso wie Rackarberget, was wesentlich zentraler liegt (direkt neben dem Campus der Humanities) und für Freunde vieler Partys das Wohnheim Flogsta. Dieses liegt südwestlich der Stadt, ist das größte Wohnheim, voller Austauschstudenten und somit auch der Ort der meisten, längsten und verrücktesten Partys. Vorsicht sollte dort jedoch geboten sein, „Flogsta-Scream“ (jeden Tag um 22:00), wilde rooftop-Partys und das hinunterwerfen von Gegenständen (wie Türen, Schränken, Fahrrädern, Fernsehern) ist nicht jedermanns Fall.

 

Finanzierung und zu berücksichtigende monatliche Ausgaben

Finanziert habe ich meinen Aufenthalt mit Hilfe des Erasmus-Stipendiums (ca. 170€/Monat) und Auslandsbafög (ca. 450€/Monat). Sonst musste ich von Erspartem und Hilfen meiner Eltern leben. Gerade Schweden ist im Vergleich zu Deutschland recht teuer. Die monatlichen Ausgaben belaufen sich bei einem normalen Lebensstil auf ca. 750-850€/Monat.

Die Miete beträgt zw. 300 und 380 € (je nach Zimmergröße und Ausstattung), hinzu kommen hohe Kosten für Lebensmittel und Freizeitaktivitäten. Auch der öffentliche Nahverkehr ist vergleichsweise teuer.

 

Freizeitaktivitäten

Uppsala liegt nur eine 40-minütige Bahnfahrt von Stockholm, dem politischen und kulturellen Herzen Schwedens, entfernt. Zudem bietet es selbst eine sehr hübsche Altstadt und zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten (bspw. Schloss und Gamla Uppsala).

Das Umland und seine Natur sind wunderschön und laden zu Wanderungen, Radtouren und Badetagen am Mälaren ein. Zudem erreicht man per Bahn schnell viele andere interessante und hübsche Landstriche in Schweden (Värmland, Dalarna, Götaland etc.)

Die Studentennationen bieten zahlreiche Aktivitäten an, jeder kann bei allem teilnehmen. Es gibt weniges, das nicht angeboten wird (Chor, Orchester, Bands, div. Sportarten, Literaturgruppen etc.) und sollten sich seine persönlichen Vorlieben nicht widerfinden, gründet man einfach selbst die gewünschte Gruppe.

Uppsala zählt demografisch als eine der jüngsten Städte Schwedens, ca. 40.000 Studenten (bei ca. 200.000 Einwohnern) leiten da selbstverständlich ihren Beitrag. Daher gibt es ein breites und großes Freizeitangebot. Außerdem findet man unter all diesen Studenten (dabei handelt es sich auch um mehrere tausend Austauschstudenten) leicht viele neue Freunde und Bekannte, mit denen sich die Tage verbringen lassen.

 

und darüber hinaus? (Allgemeines Fazit)

Ich möchte meinen Erasmus-Aufenthalt mit all seinen Erfahrungen (akademischer wie persönlich-privater Natur) nicht mehr missen und würde mich jeder Zeit wieder dazu entscheiden. Ebenso würde ich mich auf jeden Fall wieder für Uppsala entscheiden. Einmal die schwedische Natur ein Jahr hautnah zu erleben, ist unbeschreiblich: Den Ende des Sommers im August/September, schwedischen Herbst und den langen, schneereichen Winter (gerade für Wintersportfans ein Highlight, viele Skigebiete liegen nur wenige Bahnstunden entfernt und selbst Uppsala besitzt einen eigenen kleinen Skihügel), das Tauwetter und den kommenden Frühling. Weitere Highlights stellt ganz sicher Valborg am 30.04. dar (und davor die Tage Skvalborg und Kvalborg), an dem die Stadt ein einziges großes, fröhliches Volksfest ist, und alle den kommenden Frühling begrüßen. K eine andere schwedische Stadt hat eine so lange akademische Tradition wie Uppsala, das merkt man v.a. an diesen Tagen.