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Humboldt-Universität zu Berlin - Institut für Geschichtswissenschaften

Nachruf Heidelore Böcker

Nachruf auf Heidelore Böcker (1943–2019)

Am 11. August 2019 ist unsere frühere Kollegin Heidelore Böcker nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Berlin gestorben. Frau Dr. habil. Heidelore Böcker wurde 1943 in Ballenstedt (Harz) geboren.
Sie studierte seit 1966 Geschichte und Germanistik an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald und 1968 bis 1971 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1971 bis 1981 lehrte sie Geschichte als Assistentin an der Pädagogischen Hochschule Magdeburg, 1978 wurde sie mit der Arbeit „Die Entwicklung der Stadt Haldensleben von der Mitte des 13. Jhs. bis zum Ende des 15. Jhs., analysiert nach den Städtbüchern“ promoviert. Die Gutachter waren Erika Uitz (Magdeburg), Bernhard Töpfer (Berlin) und Konrad Fritze (Greifswald), den Sie als ihren wichtigsten akademischen Lehrer bezeichnet hat. 1981 bis 1986 lehrte sie als Oberassistentin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, dort habilitierte sie sich (Promotion B) 1989 mit einer Arbeit über „Hanse und kleine Städte in Vorpommern und Rügen von der Mitte des 13. Jhs. bis zum Beginn des 16. Jhs., Voraussetzungen – Aufgaben – Bedeutung“. Gutachter waren neben Konrad Fritze Eckhard Müller-Mertens (Berlin) und Johannes Schildhauer (Greifswald).
Von 1986 bis 2008 lehrte sie als wissenschaftliche Assistentin bzw. Privatdozentin Mittelalterliche Geschichte an unserem Institut für Geschichtswissenschaften. 1991/92 war Heidelore Böcker Mitglied der wichtigen Struktur- und Berufungskommission für den Neuaufbau der Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität. Die Kommission wurde von Gerhard A. Ritter geleitet, mit dem Frau Böcker auch später engen Kontakt hielt. Die damaligen Ereignisse bewegten sie bis zuletzt. 1992 erhielt sie einen Lehrauftrag für die Universität Bielefeld. 1994/95 absolvierte sie einen Forschungsaufenthalt am Deutschen Historischen Institut in Rom. Ihre besondere Heimat war der Hansische Geschichtsverein, in dem sie, oft gemeinsam mit Eckhard Müller-Mertens, sehr aktiv tätig war und dessen Vorstand sie angehörte. Seit 1992 war sie Mitglied des Kuratoriums für vergleichende Städtegeschichte, seit 2005 der Historischen Kommission für Pommern. Aktiv wirkte sie auch an den Publikationen der Kommission für Residenzenforschung mit.
Böckers Forschungsschwerpunkte waren die Sozial-, Landes- und Stadtgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit sowie insbesondere die Geschichte der Hanse. Auf diesen Gebieten legte sie ein breites Oeuvre an Monographien, Aufsätzen und Editionen vor. Genannt sei ein Buch, an dem sie mit besonderer Freude gearbeitet hatte: Das Tagebuch des Stralsunder Bürgermeisters Nicolaus Gentzkow (1558-1567). Übertragung, Kommentar und Register, Hamburg 2011.
Im Ruhestand bemühte sie sich, die Kommunikation unter den Berliner Mediävisten zu stärken. Schon schwer erkrankt, arbeitete sie weiter unermüdlich an ihren Publikationen. Das Institut für Geschichtswissenschaften wird ihr als Historikerin, als Kollegin und als bemerkenswerter Persönlichkeit ein ehrendes Andenken bewahren.

Das Begräbnis findet am 10. September 2019 um 11 Uhr auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin (Chausseestraße 126) statt.