Humboldt-Universität zu Berlin - Digital History

Sommersemester 2021

Die Lehrveranstaltungen finden dieses Semester überwiegend digital statt.

Masterseminar: Linked Data und Semantic Web als Schlüsseltechnologien der digitalen Geschichtswissenschaften

Torsten Hiltmann
Fr: 10-12 Uhr

Wenn es um die Vernetzung und Modellierung von historischen Informationen und geschichtswissenschaftlichen Wissensressourcen geht, entwickelt sich das Semantic Web zunehmend zu einem der zentralen Werkzeuge der digitalen Geschichtswissenschaften. In immer mehr Projekten und Infrastrukturen spielen Linked Data, Ontologien und Knowledge Graphen eine zentrale Rolle. Damit sind große Potentiale verbunden, aber auch nicht wenige Herausforderungen, die zum Teil noch immer ungelöst sind.

Ein erstes Ziel des Masterseminars ist es, Sie als Teilnehmende mit den grundlegenden Funktionsweisen des Semantic Web vertraut zu machen, um dann in einem zweiten Schritt gemeinsam an ausgewählten Beispiele die mit dessen Einsatz in den Geschichtswissenschaften verbundenen methodischen und theoretischen Fragen zu diskutieren. Die Möglichkeiten und Grenzen von Interoperalität spielen dabei ebenso eine wichtige Rolle wie Fragen der Repräsentation von Raum und Zeit oder auch von Personen und Ereignissen. Während das Thema in der Informatik schon weitgehend ausdiskutiert scheint, entstehen durch die konkrete Anwendung in den Geisteswissenschaften neue Herausforderungen, die wir im Seminar beschreiben und mit Blick auf mögliche Lösungen hin diskutieren wollen.

Zur Vorbereitung kann man z. B. gern in den Selbstlernkurs am HPI schauen: https://open.hpi.de/courses/semanticweb2016/ 

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51445)

 

Übung: Erstellung einer Ontologie am Beispiel der Datenbank “Heraudica” zu Herolden in mittelalterlichen Quellen (Datenprojekt)

Torsten Hiltmann
Fr: 12-14 Uhr 

Mittelalterliche Herolde hatten in unterschiedlichen Kontexten ganz unterschiedliche Funktionen. Mal waren sie Ausrufer, mal Boten, Diplomaten oder auch Spione. Vor allem aber waren sie besondere Kenner der höfischen Gesellschaft und als Berichterstatter für ritterliche und höfische Ereignisse aller Art hoch geschätzt. Denn schon von Amts wegen waren Sie dazu verpflichtet, die Welt zu durchreisen und von allem, was sie sahen, stets die Wahrheit zu berichten. Seit seiner ersten Erwähnung am Ende des 12. Jahrhunderts hat das Amt damit eine vielfältig schillernde und für viele Forschungsfragen hoch anschlussfähige Entwicklung durchlebt, die bislang jedoch kaum aufgearbeitet ist. Mit über 10.000 zum Teil detailliert annotierten Quellenauszügen bietet die in langjähriger Arbeit entstandene Datenbank “Heraudica” dafür einen herausragenden Ausgangspunkt. Allein, die Datenbank liegt aktuell noch allein als relationale Datenbank in einem proprietären Format vor. Um die darin enthaltenen Informationen tatsächlich nutzbar zu machen, müssen die Daten in ein offenes und interoperabel anschlussfähiges Format übertragen werden. Ziel dieser stark praxisorientierten Übung ist es daher, die in der Datenbank enthaltenen Daten in das Semantic-Web-Format RDF umzuwandeln und dafür eine eigene Ontologie zu entwickeln, die die Daten interoperabel und vielfältig abfragbar macht. Dabei geht es v. a. um die Modellierung der verschiedenen Tätigkeitsfelder der Herolde, aber auch um Zeiten, Orte und Ereignisse, bis hin zur interoperablen Einbindung weiterer Quellen wie z. B. Texte und Handschriften, die von Herolden verfasst bzw. angefertigt oder besessen wurden. Auf dieses Weise soll das in der Datenbank enthaltene explizite wie implizite Wissen erschlossen und auch anderen Projekten zur Verfügung gestellt werden. Wenn möglich, soll am Ende die Publikation dieser Daten stehen.

Vorkenntnisse sind nicht nötig. Der gleichzeitige Besuch des Masterseminars “Linked Data und Semantic Web” wird empfohlen.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51355)

 

Übung: Computer Vision und Machine Learning in der geschichtswissenschaftlichen Praxis (am Beispiel mittelalterlicher Wasserzeichen)  

Torsten Hiltmann / Clemens Neudecker / Nicole Eichenberger
Do: 12-14 Uhr 

“Künstliche Intelligenz” und hier insbesondere die Verfahren des Maschinellen Lernens sind aktuell sehr angesagt. Dass damit auch für die historische Forschung erhebliche Potentiale verbunden sind, liegt auf der Hand. Nur müssen diese auch genutzt werden. Ziel der Übung ist es daher, die Teilnehmenden in die grundlegenden Funktionsweisen des Maschinellen Lernens einzuführen und diese anhand ausgewählter Anwendungsszenarien zu diskutieren. In einem zweiten Schritt sollen diese Verfahren dann an einem ganz konkreten Projekt selbst angewandt und ihr Einsatz mit Blick auf die besonderen Anforderungen der Geschichtswissenschaften zugleich methodisch-kritisch begleitet werden. Im Zentrum stehen dabei Verfahren der automatischen Bildanalyse, die es z.B. erlauben, Abbildungen aus umfangreichen Bilddatensets automatisch bestimmten Motivklassen zuzuordnen und ähnlichkeitsbasierte Suchanfragen durchzuführen. Den Einsatz dieser Verfahren wollen wir dabei am Beispiel der mittelalterlichen Wasserzeichen testen, die seit dem Beginn der Papierproduktion im 13. Jahrhundert von den jeweiligen Papiermühlen als Markenzeichen in die Papiere eingefügt wurden und die heute mitunter das einzige Hilfsmittel darstellen, um die auf diesem Schreibmaterial festgehaltenen Texte und Abbildungen näher zu datieren und einzuordnen. Durch die große Anzahl der verwendeten Wasserzeichen und die oft nur kleinen visuellen Differenzen ist dies bislang ein schwieriges und zeitaufwändiges Unterfangen, das durch den Einsatz maschineller Methoden erheblich vereinfacht werden könnte. Darüber hinaus eröffnen sich dadurch auch Perspektiven, bisher nur schlecht datierte Quellen neu einzuordnen und somit neue historische Erkenntnisse zu gewinnen.

Diese Übung wird von der Professur Digital History und der Staatsbibliothek zu Berlin gemeinsam organisiert.

Die Veranstaltung richtet sich an Studierende der Geschichtswissenschaften ebenso wie an interessierte Informatikstudierende. Vorkenntnisse sind nicht notwendig.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51356)

 

Übung: Grundlagen des digitalen Edierens

Nadine Arndt / Frederike Neuber
Do: 14-16 Uhr

Digitales Edieren ist ein zentraler Baustein der digitalen Transformation in den Geschichtswissenschaften. Der gegenwärtige Medienwandel und die Verwendung von modernen Informationstechnologien wirken sich nicht nur auf die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Editionen aus, sie verändern auch die methodische Herangehensweise an die kritische Aufbereitung von Quellenmaterial. Das Seminar gibt einen Überblick über gängige Tools, Anforderungen und Workflows des digitalen Edierens. Neben allgemeinen Konzepten und Technologien stehen vor allem die eXtensible Markup Language (XML) sowie die Richtlinien der Text Encoding Initiative (TEI) im Mittelpunkt, die etablierte Standards für die Auszeichnung von Texten wissenschaftlicher Editionen sind. Weiterhin werden die Rolle von Metadaten, der Einsatz von Normdaten und die Verwendung von Schemata thematisiert sowie Grundfertigkeiten in der Anwendung von Abfrage- und Transformationssprachen (XPath, XSLT) vermittelt.

Das Seminar wird als Mischform synchroner und asynchroner Unterrichtsformen stattfinden. Für die Teilnahme am Seminar und die Bearbeitung des praktischen Teils werden ein internetfähiger Computer sowie die Bereitschaft, Software zu installieren, vorausgesetzt.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51468)

 

Übung: Mining History - Programmieren für Historiker*innen II (Python) - Aufbaukurs

Melanie Althage / Philipp Schneider
Di: 14-16 Uhr

Daten sind der „Rohstoff" des 21. Jahrhunderts. Auch in den Geschichtswissenschaften werden sie zunehmend als Forschungsressource relevant. Nicht nur die Zahl der öffentlich verfügbaren digitalisierten historischen Quellenbestände nimmt stetig zu, sondern auch die Produktion der genuin digitalen Daten in Sozialen Medien, Wissenschaftsblogs, Foren, Webseiten, Datenbanken oder auch Fachportalen. Gleich ob die geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen sich auf die mittelalterliche oder jüngste Zeitgeschichte beziehen, Programmierkenntnisse können auf vielfältige Weise das historische Arbeiten ergänzen und dazu beitragen, sich die digital verfügbaren Informationen zunutze zu machen.

Doch wie kann dieses Zunutzemachen konkret aussehen? In der Übung werden Methoden zur Auswertung digitaler und digitalisierter historischer Quellen vermittelt. Diese Methoden werden von Ihnen als Teilnehmer*innen direkt an konkreten Quellenkorpora mit konkreten Fragestellungen erprobt. Dabei arbeiten wir mit Briefsammlungen (https://correspsearch.net/index.xql?l=de), Urkunden (https://www.monasterium.net/mom/home) und geschichtswissenschaftlichen Rezensionen (https://www.recensio.net/front-page). Diese können etwa über Data Mining, Datenvisualisierung oder Verfahren des Natural Language Processing erschlossen werden. Durch die Vermittlung fortgeschrittener Programmierkenntnisse können diese Methoden in der Übung direkt angewendet werden.

Für die erfolgreiche Teilnahme an der Übung werden grundlegende Kenntnisse der Programmierung in Python vorausgesetzt. Folgende Inhalte sollten Ihnen vertraut sein oder entsprechende Kompetenzen vorbereitend auf die Veranstaltung erworben werden: grundlegende Datentypen (Strings, Integers, Float, Listen, Dictionaries), bedingte Anweisungen und Schleifen, Arbeit mit Funktionen, externen Libraries und Dateien.

Vorkenntnisse in konkreten Methoden der Digital History und Digital Humanities sind nicht erforderlich.

Die Lehrveranstaltung in Agnes (51469)

 

Offenes Forschungskolloquium "Digital History"

Torsten Hiltmann
Mi: 16-18 Uhr

Im Zentrum des Kolloquiums stehen die Anwendung digitaler Werkzeuge und Methoden in den Geschichtswissenschaften und deren methodisch-kritische Reflexion. Dabei sollen aktuelle Arbeiten vorgestellt und an konkreten Beispielen diskutiert werden, welche Fragestellungen, Daten und Materialien sich mit welchen Verfahren bearbeiten lassen, welche Möglichkeiten sich daraus für die Geschichtswissenschaften ergeben, aber auch wo deren Grenzen liegen. Zugleich soll das Kolloquium die aktuellen Debatten rund um die digitalen Geschichtswissenschaften aufgreifen und ihnen einen festen Platz bieten. Über die fest integrierten Vorträge der “Data for History Lectures” bietet das Kolloquium zugleich auch eine Anbindung an die internationale Forschungsdebatte. Hin und wieder werden wir zudem die Grenzen der digitialen Geschichtswissenschaften überschreiten, um kreative Projekte und Ideen auch aus anderen digitalen Fächern kennenzulernen und entsprechende Anregungen für unser eigenes historisches Arbeiten zu diskutieren.

Das Kolloquium ist offen für alle, die sich für die digitalen Geschichtswissenschaften interessieren. Das Programm wird rechtzeitig zu Semesterbeginn auf dem lehrstuhleigenen Blog https://dhistory.hypotheses.org/ veröffentlicht. Zudem existiert eine offene Mailingliste für das Forschungskolloquium, über die die einzelnen Vorträge zeitnah angekündigt werden.