Humboldt-Universität zu Berlin - Digital History

Wintersemester 2020/21

Die Lehrveranstaltungen finden dieses Semester überwiegend digital statt.
 

Vorlesung: Einführung in die Digital History

Torsten Hiltmann

Digital History ist die Auseinandersetzung mit der digitalen Transformation in den Geschichtswissenschaften. Im Vordergrund steht dabei die Anwendung neuer computerbasierter Methoden und deren kritische Reflexion. Aber auch Formen der digitalen Geschichtsvermittlung sowie die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung als historischem Prozess gehören dazu.

Die Vorlesung führt anschaulich und nachvollziehbar in die Grundlagen der digitalen Geschichtswissenschaften ein. Sie diskutiert die zugrundliegenden Konzepte und vermittelt einen praxisnahen Überblick über die verschiedenen Techniken und Methoden, die hier zur Anwendung kommen: von der digitalen Erfassung historischer Quellen, über die automatische Analyse von Texten und Bildern (u.a. mit Hilfe des Maschinellen Lernens) oder die Auswertung und Visualisierung großer Datenbestände (Data Mining) bis hin zur digitalen Repräsentation und Verknüpfung ganzer Wissensbereiche auf Grundlage der Techniken des Semantic Web (z.B. in Form von sogenannten Knowledge Graphen). Dabei wird immer wieder nach der spezifischen Nutzung dieser Verfahren in den Geschichtswissenschaften sowie deren methodologischen und epistemologischen Implikationen gefragt.

Ziel der Vorlesung ist es, einen ersten Einblick in die Digital History als Teildisziplin der Geschichtswissenschaften zu vermitteln und die damit verbundenen Potentiale und Herausforderungen aufzuzeigen. Vorkenntnisse sind ausdrücklich nicht notwendig.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51406)

 

Forschungsseminar: Praxislabor „Digital History“

Torsten Hiltmann

Ziel des Forschungsseminars ist es, die Teilnehmer*innen dabei zu unterstützen, eigene Forschungsideen mit einem Schwerpunkt in der Digital History zu entwickeln und umzusetzen, die am Ende zu eigenen Abschlussarbeiten führen können. Das Seminar ist dabei an keine spezifischen Themen, Epochen oder digitalen Methoden gebunden. Es richtet sich an alle, die in einem geschützten Rahmen über Ideen und Ansätze diskutieren und gemeinsam neue Forschungsdesigns ausprobieren wollen. Daneben können natürlich auch ganz praktische Fragen hinsichtlich der Umsetzung der eigenen Masterarbeit besprochen werden. Zugleich bietet das Forschungsseminar die Gelegenheit, zusammen über verschiedene aktuelle Ansätze und Methoden zu diskutieren und diese gemeinsam an ausgewählten Beispielen zu testen. Dabei greift das Seminar den Ansatz des “Thinkering” auf, des praktischen explorativen Erkundens digitaler Methoden und Ansätze. Es soll damit allen Interessierten ein gemeinsames Praxislabor im besten Sinne des Wortes bieten. Falls Sie schon Ideen für Ihre Arbeiten haben oder sich für bestimmte Themen oder Methoden besonders interessieren, können Sie sich gern schon im Vorfeld per Email melden (digitalhistory@hu-berlin.de).

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51495)

 

Masterseminar: Geschichte der digitalen Geschichtswissenschaften

Torsten Hiltmann

Auch wenn es nicht so scheinen mag, so können die digitalen Geschichtswissenschaften doch bereits auf eine längere Geschichte zurückblicken. Ihre Wurzeln liegen in den 1960er Jahren, als erstmals in größerem Maße computerbasierte Methoden für die historischen Forschung nutzbar gemacht wurden. Seitdem gibt es immer wieder Konjunkturen, ohne dass die dabei entwickelten Ansätze tatsächlich eine größere Verbreitung gefunden hätten. Stattdessen scheint der Diskurs immer wieder von übertriebenen Erwartungen und generalisierender Skepsis geprägt zu sein. Dabei werden scheinbar immer wieder die gleichen Fragen diskutiert, ohne dass sich daraus tatsächlich ein eigener Diskurs entwickelt hätte. Neben einer kontinuierlichen Neuerungsbehauptung schien sich dabei bislang kaum eine eigene Forschungstradition herauszubilden, auf deren Grundlage sich die digitalen Geschichtswissenschaften als eigene Teildisziplin hätten entwickeln können.

Zumindest scheint dies so. Dies zu prüfen, ist Anliegen des Masterseminars. Mit welchen Fragen haben sich die digitalen Geschichtswissenschaften bislang beschäftigt, was wurde wann und wie diskutiert und beforscht und warum? Welchen Zusammenhang gab es zur allgemeinen technischen Entwicklung? Welche Bezüge bestanden zwischen den einzelnen Konjunkturen? Welche unterschiedlichen Akzente wurden jeweils gesetzt und inwieweit bauen die unterschiedlichen Diskussionen tatsächlich aufeinander auf? Letztlich, inwieweit haben sich in den digitalen Geschichtswissenschaften einzelne Schwerpunkte herausgebildet?

Grundlage für das Seminar ist die Annahme, dass erst eine solche Lektüre und kritische Reflexion der bisherigen Forschung uns in die Lage versetzt, die digitalen Geschichtswissenschaften als eigenes Feld weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Seminars wollen wir zu einer solchen Grundlagenarbeit beitragen. Fragen wie die nach Innovation, Konjunktur und Diskurs bilden dafür den übergeordneten Rahmen. Ein grundsätzliches Interesse an digitalen Methoden und historischen Entwicklungen ist hierfür ausreichende Grundlage.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51436)

 

Masterseminar: Digitale Korpora und Sammlungen für die Geschichtswissenschaften. Konzepte - Strukturen - Potentiale für die Forschung

Rüdiger Hohls

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51437)

 

Übung: Die historische Zunft im Web - Mit Text und Data Mining der digitalen Fachkommunikation auf der Spur

Melanie Althage

Das World Wide Web avancierte seit der Mitte der 1990er Jahre im Verbund mit Internetdiensten wie der E-Mail zum Nukleus der interpersonellen Kommunikation, wodurch sich die gebräuchlichen Kommunikationsverfahren sowie die Mediennutzung im Beruflichen wie im Privaten grundlegend wandelten. Auch die Geschichtswissenschaften entdeckten die Potenziale dieser neuen Infrastruktur früh für sich. Neben etablierten Kommunikationsformen wie den wissenschaftlichen Print-Publikationen im Buch- oder Zeitschriftenformat findet der fachwissenschaftliche Austausch heute zu einem wesentlichen Teil online statt: Soziale Medien, wissenschaftliche Blogs oder Fachinformationsportale verbinden traditionelle mit neuartigen Kommunikationsformen und lassen die Fachvertreter*innen im virtuellen Raum zusammenrücken. Dadurch entstehen genuin digitale Daten, die numerisch quantifizierbar sind und mittels Text und Data Mining (TDM) auf vielfältige Weise sowie in größerer Zahl ausgewertet und für historiographiegeschichtliche Fragestellungen fruchtbar gemacht werden können.

Die Übung bietet einen einsteigerfreundlichen Einblick in die verschiedenen Möglichkeiten zur systematischen Analyse strukturierter und unstrukturierter Daten mithilfe der Programmiersprache Python. Gemeinsam wird erarbeitet, wie die Methoden des Text und Data Mining für das historische Arbeiten nutzbar gemacht werden können und in welcher Form die Daten für die maschinelle Verarbeitung aufbereitet werden müssen. Programmierkenntnisse sind von Vorteil, aber nicht notwendig.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51453)

 

Übung: Programmieren für Historiker*innen (Python)

Melanie Althage, Philipp Schneider

Daten sind der „Rohstoff“ des 21. Jahrhunderts. Auch in den Geschichtswissenschaften werden sie zunehmend als Forschungsressource relevant. Nicht nur die Zahl der öffentlich verfügbaren digitalisierten historischen Quellenbestände nimmt stetig zu, sondern auch die Produktion der genuin digitalen Daten in Sozialen Medien, Wissenschaftsblogs, Foren, Webseiten, Datenbanken oder auch Fachportalen. Gleich ob die geschichtswissenschaftlichen Fragestellungen sich auf die mittelalterliche oder jüngste Zeitgeschichte beziehen, Programmierkenntnisse können auf vielfältige Weise das historische Arbeiten ergänzen, um sich die digital verfügbaren Informationen zunutze zu machen. Sie bieten zum einen das Handwerkszeug, um effizient Daten zu sammeln, organisieren, verarbeiten und analysieren. Zum anderen sensibilisiert der Umgang mit Programmiersprachen für die Funktionsweise der Algorithmen und Werkzeuge die wir in den Digital Humanities verwenden.

In der Übung werden die Grundlagen der Skriptsprache Python gemeinsam erarbeitet. Python ist eine weit verbreitete, einfach zu lernende und lesende Programmiersprache, die sowohl in den Data Science als auch der Softwareentwicklung in (außer-)universitären Forschungseinrichtungen ebenso wie in der Industrie zum Einsatz kommt. Ziel der Übung ist es, geschichtswissenschaftliche Anwendungsszenarien zu identifizieren und diese selbstständig und problemorientiert zu lösen. Zugeschnitten auf den geschichtswissenschaftlichen Arbeitsprozess werden Grundkenntnisse im algorithmischen Denken, zentraler Datentypen und –strukturen sowie der Python-Syntax vermittelt.

Die Übung richtet sich an Masterstudierende. Programmiererfahrungen sind nicht erforderlich.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51451)

 

Übung: Mittelalterliche Heraldik digital - Vielfalt digitaler Methoden am Beispiel

Torsten Hiltmann

Die Heraldik ist eine der klassischen Hilfswissenschaften. Ihre Aufgabe wird gemeinhin darin gesehen, durch die Identifizierung unbekannter, an Urkunden, Kunstobjekten oder architektonischen Überresten angebrachter Wappen zu deren genaueren Einordnung und Datierung beizutragen. Diese eingeschränkte Wahrnehmung, aber auch ihre besondere Fachsprache und die stark veralteten Hilfsmittel mögen dazu beigetragen haben, dass der Heraldik lange Zeit ein verstaubtes Image anhaftete. Mittlerweile konnte jedoch gezeigt werden, dass Wappen für die Forschung weitaus mehr leisten können, als die Identität ihrer jeweiligen Besitzer anzuzeigen. Gerade in kulturhistorischer Perspektive öffnen sie der Forschung ganz neue, bisher kaum genutzte Möglichkeiten. Verbunden mit dem Einsatz neuer computergestützter Methoden, die dazu beitragen, mit der Menge und der Komplexität der heraldischen Überlieferung umzugehen, eröffnen sich der historischen Forschung ganz neue Perspektiven.

Doch auch bei der Anwendung digitaler Methoden und der Bearbeitung kulturhistorischer Fragestellungen ist das notwendige heraldische Handwerkszeug unabdinglich. Dieses zu erlernen, einzuüben und auf ausgewählte Beispiele anzuwenden, ist wesentliches Ziel der Veranstaltung. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt auf der Anwendung digitaler Hilfsmittel und Methoden liegen.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51352)

 

Übung: Die wissenschaftliche Rezension im digitalen Zeitalter

Claudia Prinz

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51454)

 

Übung: Datenmodellierung und Datenbanken in SQL

Thomas Meyer

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51455)

 

Offenes Forschungskolloquium „Digital History“

Torsten Hiltmann, Rüdiger Hohls

Im Zentrum des Kolloquiums stehen die Anwendung digitaler Werkzeuge und Methoden in den Geschichtswissenschaften und deren methodisch-kritische Reflexion. Dabei sollen aktuelle Arbeiten vorgestellt und an konkreten Beispielen diskutiert werden, welche Fragestellungen, Daten und Materialien sich mit welchen Verfahren bearbeiten lassen, welche Möglichkeiten sich daraus für die Geschichtswissenschaften ergeben, aber auch wo deren Grenzen liegen. Zugleich soll das Kolloquium die aktuellen Debatten rund um die digitalen Geschichtswissenschaften aufgreifen und ihnen einen festen Platz bieten. Dabei werden hin und wieder auch die Grenzen zu anderen Bereichen der Digital Humanities überschritten, um neue Ideen und kreative Anregungen für unser eigenes historisches Arbeiten zu erhalten.

Das Kolloquium ist offen für alle, die sich für die digitalen Geschichtswissenschaften interessieren. Das Programm wird rechtzeitig zu Semesterbeginn auf dem lehrstuhleigenen Blog https://dhistory.hypotheses.org/ veröffentlicht. Zudem existiert eine offene Mailingliste für das Forschungskolloquium, über die zeitnah die einzelnen Vorträge angekündigt werden.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51480)

 

 

 

Sowie im Bereich Mittelalterliche Geschichte:

 

Seminar: Visualität im Mittelalter

Torsten Hiltmann

Lange Zeit hat sich die Geschichtswissenschaft vor allem als Textwissenschaft verstanden. Die Auseinandersetzung mit den schriftlichen Hinterlassenschaften früherer Gesellschaften und Kulturen stand im Vordergrund. Deren visueller Aspekt hingegen wurde nur selten betrachtet und wenn doch, dann oft nur, um als Illustration zu dienen. Damit jedoch wurde ein wichtiger Teil von Kultur und Gesellschaft ausgeblendet, der für das Verständnis früherer Epochen mindestens ebenso grundlegend ist wie deren textliche Hinterlassenschaften.

Im Rahmen des Seminars wollen wir diesen Teil der Geschichte am Beispiel der mittelalterlichen Kultur näher kennenlernen. Wir wollen danach fragen, wie Bilder und visuelle Zeichensysteme von den Zeitgenossen genutzt und verstanden wurden und wie wir durch die Beschäftigung mit der visuellen Kommunikation des Mittelalters neue Perspektiven auf diese Epoche eröffnen können.

Im Rahmen des Seminars wollen wir uns dabei zunächst mit methodischen Zugängen zu Bildern als Quellen der historischen Forschung beschäftigen. Darauf aufbauend wollen wir dann verschiedene Medien und Genres von Skulpturen, Fresken, Tafelmalereien und Handschriftenminiaturen bis hin zu Siegeln, Münzen und Badges in ihrer historischen Entwicklung näher kennenlernen, um uns so ein besseres Verständnis der visuellen Seite des Mittelalters zu erarbeiten.

Die Lehrveranstaltung in AGNES (51310)