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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des 19. Jahrhunderts

Anna Danilina, M.A.

Name
Anna Danilina M.A.
E-Mail
danilina (at) mpib-berlin.mpg.de
Web Adresse
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/mitarbeiter/anna-danilina

Vita 

seit 10/2014 

Doktorandin am Max Planck Institut für Bildungsforschung, Berlin.
International Max Planck Research School (IMPRS) for Moral Economies in Modern Societies, Promotionsstipendium der Max Planck Gesellschaft. 

10/2005 - 04/2013 Magisterstudium (M.A.) der Politikwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaft an der Universität Leipzig, der Georg-August Universität Göttingen und der University of California, Berkeley
10/2005 - 10/2007 Studium der Psychologie an der Universität Leipzig
04/2007 - 10/2012 Stipendiatin der Friedrich-Ebert Stiftung
06/2009 - 01/2010  Auslandsstipendium des Education Abroad Program, UC Berkeley
06/2005 Abitur an der Jacob-Grimm Schule, Kassel

Publikationen

Kunst, Gesellschaft und Erfahrung. Die ästhetische Form als Kritik, In: Quent, Marcus/ Lindner, Eckardt (Hg.): Das Versprechen der Kunst. Aktuelle Zugänge zu Adornos Ästhetischer Theorie, Turia + Kant 2013.

Von"Neuer Unterschicht" und Prekariat. Gesellschaftliche Verhältnisse und Kategorien im Umbruch, Bielefeld 2007 (hg. with Claudio Altenhain, Erik Hildebrandt und Tobias Roscher).

Forschungsprojekt

Ethiken der Essenz - Moralische Ökonomien 
von "Rasse" und Religion

Um 1900 entstanden im deutschsprachigen Raum eine Vielfalt von Erneuerungsbewegungen, die sich in ihren religiös geprägten Identitätskonzepten von bisher bekannten Formen des Protestantismus und Katholizismus absetzen. Diese suchten, modernen Herausforderungen wissenschaftlicher Erkenntnisse, globalen Erfahrungsräumen, Urbanisierung und Industrialisierung durch "angemessene" Konzepte der Moral und Lebensethik zu begegnen. Hierzu gehörten vielfältige, oftmals antagonistische Bewegungen der Theosophie, des Buddhismus, Hinduismus, Zoroastrismus, Mazdaznan, der Lebensreform-, Abstinez-, oder Siedlungsbewegung, Monismus, Ariosophie, der Freireligiösen, sowie unterschiedliche völkisch-gemanische Glaubensbewegungen. Das Dissertationsprojekt untersucht deren unterschiedlichen Reaktionen auf eine proklamierte Krise moralischer Orientierung und sozialer Identität.

Die Rekonstruktion von Netzwerken und Austauschprozessen richtet sich dabei auch auf transnationale Beziehungen und Übersetzungsprozesse. Fokussiert wird jedoch die Umdeutung religiöser Ethiken aus Indien, Nordamerika und Russland im deutschsprachigen Raum mit dessen spezifischen Begriffen von "deutscher Kultur", "Volk" oder einem Kontext mehrheitlich protestantischer Tradition und politisierter Religion. Religiösität wurde in den betrachteten Weltdeutungen meist funktional als moralische Institution der Gesellschaft in die Pflicht genommen. Dabei wurden „Erkenntnisse“ über die „Natur des Menschen“ vielfach in neue Ethikentwürfe integriert: Wenn die Menschheit, so die Annahme, in Arten eingeteilt war, so sollte auch Moral und Lebensführung sich an den spezifischen Bedürfnissen oder gar Notwendigkeiten für die Arterhaltung orientieren.  Protagonisten propagierten diesseitig-religiöse Weltanschauungen, die um die "richtige" Interpretation des "arischen" in Konkurrenz traten. Anhand von Publikationen, festgehaltenen Reden und Zeitungsartikeln aus der Zeit von 1890-1920 werden unterschiedliche Identitätsbegriffe und deren Wandel analysiert. Dabei wird nach den jeweiligen Konzeptionen des Eigenen und des Fremden und der Rolle bzw. der spezifischen Form von Antisemitismus gefragt.

Das Projekt untersucht sich wandelnde Verständnisse einer zugrunde gelegten menschlichen oder "arteigenen" "Essenz" und macht hierbei sichtbar, wie diese nicht nur unterschiedlich verstanden, sondern vielmehr in den Prozessen der Übersetzung, der praktischen Ausübung der Lebensführung und im antagonistischen religiösen Feld produziert wurde. "Moralische Ökonomie" wird insofern über diskursive Produktion und Bündelung hinaus als Produktionsprozess, Normalisierung und Naturalisierung bestimmter Körperlichkeit und Emotionalität verstanden. Kollektive- und Selbstpraktiken sowie Erziehung des "Gemüts" werden darauf befragt, welche Rolle ihnen in der Produktion von Identität zukam. Die "Essenz" der Identität wurde dabei von den Akteuren nicht länger nur als vorgängig betrachtet. Vielmehr sollte sie durch die Gestaltung sozialer Räume, Ernährung, Techniken der Selbstdisziplinierung und Gefühlserziehung sowie Formen der Intimität gezielt hergestellt werden. Die intendierten Ziele spezifischer Praktiken einerseits und deren Effekte andererseits werden über die Zeit von 1890-1920 analysiert. Der Erste Weltkrieg wird dabei als Einschnitt der Polarisierung und Diskreditierung bestimmter Positionen auf dessen Wirkung und Interpretation hin befragt.