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Humboldt-Universität zu Berlin - Europäische Geschichte des Mittelalters. Schwerpunkt: Spätmittelalter

Wintersemester 2018/2019

 

Prof. Dr. Johannes Helmrath

Vorlesung

Das Papsttum im Mittelalter II

Di. 14-16, FRS 191, R. 5009

Die Vorlesung setzt die des letzten Semesters (Papsttum I) fort und setzt noch einmal an der sog. ‚papstgeschichtlichen Wende‘ des 11. Jahrhunderts an. Das Papsttum als älteste bestehende Institution der Welt lässt die Frage nach dem ‚Erfolg‘ und seinen Ursachen stellen. Die Vorlesung zeigt den Ausbau der Kurienverwaltung und die Etablierung des Kirchenrechts, Papstgestalten wie Innozenz III. (1198-1216) und Bonifaz VIII. (1294-1303), das Papsttum in Avignon, Reform und Reformkonzilien etc. und endet mit dem sog. Renaissancepapsttum sowie einem Ausblick in die Reformation und die Frühe Neuzeit.

 

Übung

Quellenlektüre zur Vorlesung

Di. 16-18, FRS 191, R. 5009

Unmittelbar im Anschluss an die Vorlesung (Das Papsttum im Mittelalter II) werden zentrale Quellen zur Geschichte des Papsttums gelesen und interpretiert.

 

Forschungskolloquium (mit Prof. Dr. Barbara Schlieben)

Forschungskolloquium zur Geschichte des Mittelalters

Mo. 16-18, FRS 191, R. 4031

Das Kolloquium dient der Diskussion aktueller Forschungsprojekte aus dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte; zudem werden Neuerscheinungen besprochen. Fortgeschrittene Bachelorstudierende sind ebenso willkommen wie Masterkandidaten und Doktoranden. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kolloquiumsplan

 

Dr. Christian Jaser

Masterseminar

Boykott und Embargo – das Interdikt im europäischen Mittelalter

Mo. 10-12, DOR 24, R. 1.405

Das kirchliche Strafmittel des Lokalinterdikts im Sinne eines temporären Verbots seelsorgerischer Handlungen (Gottesdienst, Sakramente, kirchliches Begräbnis) in einem bestimmten räumlich abgegrenzten Gebiet (Kirche, Stadt, Diözese, Herrschaftsterritorium) nimmt in der Lebenswelt des lateineuropäischen Mittelalters einen festen Platz ein. Entstanden wohl um das Jahr 1000 im Kontext der südfranzösischen Gottesfriedensbewegung, betraf dieser häufig im Rahmen (kirchen-)politischer Konflikte verhängte Seelsorgeboykott zuweilen ganze Königreiche (z.B. England 1208-1214, römisch-deutsches Reich 1324-1347) oder auch einzelne Städte, teilweise über Jahrzehnte (z.B. Lübeck 1299-1317) und in bemerkenswerter Frequenz (etwa 17 Interdikte über Florenz zwischen 1100 und 1512). Die Legitimations- und Akzeptanzprobleme dieser Kollektivstrafe über mehrheitlich Unschuldige brachte nicht nur eine dichte Traktatliteratur zu Art, Umfang und Praxis der zu unterlassenden Handlungen hervor, sondern auch Widerstand und Selbsthilfe auf Seiten von Laien und politischen Herrschaftsträgern. Das Masterseminar wird nach einer einführenden Lektürephase diesen Zusammenhängen anhand einzelner Fallbeispiele nachgehen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf begleitende ökonomische Boykottmaßnahmen und Repressalien gegen interdizierte Städte und deren Kaufleute, die auch außerhalb des Strafraums Vertragssicherheit und Warenverkehr gefährdeten.

 

Seminar

Kulturgeschichte der Ernährung im Mittelalter

Di. 10-12, HVPL 5, R. 0319-22

Ernährung ist nicht nur Grundvoraussetzung biologischen Überlebens, sondern auch soziale Alltagspraxis und kulturgeschichtliches Leitphänomen. Das gilt selbstverständlich auch für das europäische Mittelalter. Das Epochenseminar wird den Ernährungsgewohnheiten mittelalterlicher Europäerinnen und Europäer zwischen Subsistenzwirtschaft – d.h. der Sicherung des nackten Überlebens – und Luxuskonsum nachgehen. Dabei werden landwirtschaftliche und versorgungstechnische Voraussetzungen wie auch kulturgeschichtliche Rahmnungen (etwa die kirchlichen Fastengebote oder die Symbolik des eucharistischen Mahls) in den Blick zu nehmen sein. Zugleich geht es um unterschiedliche, historisch variable Koch- und Küchentraditionen, die Fragen nach sozialen Zugangsbarrieren und materiellen Verfügbarkeiten aufwerfen. Überdies wird das Seminar die sozialen Funktionen gemeinsamer Nahrungsaufnahme beleuchten, von der täglichen Verpflegung mittelalterlicher Studenten bis zum Festmahl. Begleitend zum Seminar werden dabei – entlang des gängigen Arbeitsprozesses von der Anfangrecherche bis zur fertigen Hausarbeit – Basiskompetenzen wie wissenschaftliches Lesen, Exzerpieren, Diskutieren und Schreiben eingeübt und im Rahmen einer Schreibwerkstatt am Semesterende erprobt.

 

Dr. Thomas Woelki (mit Henrike Vallentin, B.A.)

Seminar

Prostitution im Mittelalter

Mo. 12-14, MO 40, R. 114

Prostitution wurde schon von den Zeitgenossen als symptomatische Begleiterscheinung der „Krise des Spätmittelalters“ und Zeichen eines allgemeinen Sittenverfalls wahrgenommen, war jedoch gleichzeitig fester Bestandteil, vor allem der städtischen Ordnung. Das Phänomen bietet im Proseminar Gelegenheit zu einem vielfältigen Einblick in unterschiedliche Bereiche der mediävistischen Forschung, vor allem der städtischen Rechtsgeschichte, aber auch der Kultur- und Frömmigkeitsgeschichte. Die häufig anekdotenhaft florierenden Quellen eröffnen die Chance zu Entdeckung der eigenen Lust an der Analyse mittelalterlicher Quellen. Latein-, Französisch- und Italienischkenntnisse sind hilfreich aber keine Kursvoraussetzung.

 

Dr. Patrick Baker

Übung

Tre Corone. Writings and Reception of Dante, Petrarch, and Boccaccio

16.10.2018 12-14, HVPL 5, R. 0319-22 / 13.11.2018 12-14, HVPL 5, R. 0319-22 / 11.12.2018 12-14, HVPL 5, R. 0319-22 / 15.01.2019 12-14, HVPL 5, R. 0319-22 / 12.02.2019 12-14, HVPL 5, R. 0319-22 / 18.02.2019 10-16, FRS 191, R. 4031 / 19.02.2019 10-16, FRS 191, R. 4031 / 20.02.2019 10-16, FRS 191, R. 4031 / 21.02.2019 10-14, FRS 191, R. 4031

Dante Alighieri, Giovanni Boccaccio, and Francesco Petrarca were the three most celebrated authors of fourteenth-century Italy, famous for works of poetry, philosophy, and fiction, for their mastery of Latin and vernacular literature, and for their (supposedly) exemplary lifestyle. They were read in schools and in the streets, taught at universities, sought out by enthusiastic followers, venerated as civic legends and even as living saints. They were revered as love poets, as natural and moral philosophers, as humanists. The city of Florence proudly called them its tre corone, or “Three Crowns.” Yet all three had an ambiguous relationship with the city, and various places and cultural groups staked a claim to their memory.

This course will concentrate on both the works and the reception of Dante, Petrarch, and Boccaccio. The goal is to familiarize students with their major writings and to explore what made these authors so popular – and so debated – in the Late Middle Ages. A major focus will be placed on the culture of Renaissance humanism, which owed its foundation to these three authors but which ultimately rejected them as models and forerunners. Ideally, students should leave the course with a better understanding of Italian literary and intellectual culture, of the tensions between scholasticism and humanism, and of the world of late medieval Florence.

The course will meet irregularly and end in a block format.

The language of instruction for the course is English. Knowledge of Italian and Latin would be helpful but is not necessary. All students will be required to deliver a presentation. Those wishing to earn an extra credit point may write an essay of 5-7 pages to be handed in no later than 01.04.2019.

 

Dr. Jörg Feuchter

Bachelorseminar

Kaiser Friedrich III. (1440-1493) und die Juden. Herrscherliche Politik gegenüber einer religiösen Minderheit am Ende des spätmittelalterlichen Reiches

Do. 10-12, MO 40, R. 114

Anders als in Frankreich und England existierten im Heiligen Römischen Reich im 15. Jahrhundert noch zahlreiche jüdische Gemeinden, obwohl auch hier mehr und mehr Städte und Territorien sie vertrieben. Jedoch wurden die verbleibenden Juden im Zuge einer unablässig intensivierten Besteuerung von den Obrigkeiten finanziell immer stärker in Anspruch genommen, ihre Existenz auch sonst zunehmend eingeschränkt (Ghettoisierung, Stigmatisierung) und Pogrome und Verfolgungen fanden weiter statt. Ein ambivalentes Verhältnis hegte auch das langjährige Oberhaupt des Reiches in jener Zeit zu seinen jüdischen Schutzbefohlenen. Der Habsburger Friedrich III., der über ein halbes Jahrhundert lang regierte, wird zwar heute mitunter positiv hervorgehoben, weil er sich mehrfach für Juden und ihren Verbleib einsetzte, während sein Sohn und Nachfolger Maximilian I. die Vertreibungen in der Regel erlaubte und davon profitierte, so dass es im 16. Jh. nur noch wenige Judengemeinden im Reich gab. Gleichwohl hat der Kaiser der Minderheit oft heftig zugesetzt, gerade in fiskalischer Hinsicht. Im Bachelorseminar werden wir diese Ambivalenz kaiserlicher „Judenpolitik“ beleuchten, indem wir uns mit verschiedenen bekannten wie unbekannten Aspekten von Friedrichs Handeln im Bezug auf Juden auseinandersetzen. Das Seminar ermöglicht den Teilnehmern auch einen guten Einstieg in die Interpretation mittelalterlicher Originalquellen. Da die Quellen zum Thema in aller Regel in frühneuhochdeutscher Sprache verfasst wurden, sind sie mit etwas Anstrengung zugänglich.

Das Seminar beginnt mit einer Vorbesprechung in der ersten Semesterwoche. Der wöchentliche Turnus der Sitzungen wird jedoch erst ab Mitte November aufgenommen. Zum Ausgleich für die Ende Oktober/Anfang November entfallenden Sitzungstermine wird ein Blocktermin anberaumt (Terminfindung gemeinsam mit den Teilnehmern). Geforderte Studienleistungen: Schriftliche Hausarbeit; ferner wird von den Teilnehmern erwartet, vor jeder Sitzung ein „response paper“ mit Inhaltsangabe, Kommentar und Fragen zu den zu lesenden Texten per Mail einzusenden (ca. 2.000 Zeichen). Dies dient der Förderung der gemeinsamen Diskussion in den Sitzungen.

Lektürehinweise: Michael Toch, Die Juden im mittelalterlichen Reich (Enzyklopädie Deutscher Geschichte 44), München 1998; Heinrich Koller, Kaiser Friedrich III., Darmstadt 2005; Markus J. Wenninger, Man bedarf keiner Juden mehr. Ursachen und Hintergründe ihrer Vertreibung aus den deutschen Reichsstädten im 15. Jahrhundert, Wien Köln Graz 1981; Mentgen, Gerd: Die Judenvertreibungen im mittelalterlichen Reich. Ein Forschungsbericht, in: Aschkenas. Zeitschrift für Geschichte und Kultur der Juden 16 (2006) 367-403.

 

Zhenia Lichten, M.A.

Seminar

Geraffte Zeit. Mitteleuropa von der Christianisierung bis zur Renaissance am Beispiel Litauens (1251–1569)

Do. 10-12, HVPL 5, R. 0319-22

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren Vilnius und Warschau bereits zu bedeutenden kulturellen und politischen Zentren avanciert, doch wie sah ihr Weg dorthin aus – in welcher Umgebung fand diese Entwicklung statt? Ab 1219 schlossen sich einige slawische und baltische Fürstentümer nach und nach zusammen. Die Neugründung, das Großfürstentum Litauen (1251), expandierte und wurde bald zu einem ernstzunehmenden Nachbarn des Deutschen Ordens und einem einflussreichen Staat in Mitteleuropa.

Im Seminar werden wir zentrale Verläufe des europäischen Spätmittelalters im Auge behalten und nachverfolgen, wie sie die Geschichte Großlitauens prägten und ins Wechselspiel mit eigenständigen, regionalen Entwicklungen traten. Wichtige Zäsuren werden hier “in Zeitraffung” sichtbar: die Dynamik zwischen Feudalismus und Zentralisierung, der Übergang vom Heidentum zum Christentum, Volksfrömmigkeit, die Entstehung einer Bildungslandschaft (Klöster, Buchdruck) und Anfänge einer humanistischen Kultur. Beziehungen nach außen, auch zu deutschen Ländern, werden uns ebenfalls beschäftigen.

Erforschung der Geschichte Großlitauens ist ein relativ junges Feld, weil diese Tradition von der sowjetischen Historiographie systematisch vernachlässigt wurde. Eine intensive Auseinandersetzung setzte erst kurz vor der Verselbständigung der jeweiligen Nationalstaaten ein (Polen, Litauen, Belarus, Ukraine, Russland) und produzierte verschiedene Lesarten – Fragen wie die nach der ethnischen Zugehörigkeit der “litvinischen” Herrscher und ihrer Untertanen sorgen heute für hitzige Diskussionen, wenn es um territoriale Ansprüche und Geschichte der jeweiligen "Nation" geht. Auch diese moderne Kontroverse werden wir ansprechen.

 

Amanda Simmons, M.A.

Übung

Medieval Woman's Song. In the female voice - songs seen through the eyes of a woman

Do. 16-18, HVPL 5, R. 0319-22

Woman‘s songs, embodying mostly love lyrics, were found throughout Europe during the Middle Ages and reflect a more popular character. The language in these poems tends

to be simple and direct. The songs often incorporate aspects of nature. Other prevailing themes may involve the conflict between the upper and lower classes, strife among married couples, dissension between mothers and daughters, as well as depicting various relationships among sisters.

Medieval woman‘s song consists of lyrics not necessarily written by women, but rather in the female voice – songs seen through the eyes of a woman, spoken by a female speaker. Such songs do not depict the typical male devotion to the lady and do not emphasize the high courtly love tradition of the unattainable lady, but rather they tell more seemingly personal, yet also archetypal stories of the wishes, desires, sorrows, and disappointments of young women. Mainly written by male composers – although many have been transmitted anonymously – woman’s songs perhaps reflect the male desire and fantasy about women and the male perception of the female stereotype during the Middle Ages, as well as providing a diversion for an audience more sophisticated than the characters represented in the songs themselves.

Woman‘s songs are found in a variety of genres from strophic refrain songs and dance songs, to ballads and laments (which form one of the most significant genres in the entire history of music). In this course we will look at a variety of examples from different European regions and language areas, including: the Galician-Portuguese cantigas de amigo, with their roots in oral folk tradition and most likely derived from, or at least related to the Mozarabic jarchas; the northern French chanson de toile (sewing or spinning songs), as well as the chanson de malmariée (songs about an unhappily married young woman); mother-daughter dialogue songs, found in both romance languages and Middle High German lyrics, to name a few.

Through analyzing various medieval woman’s songs from different perspectives, including manuscript traditions, performance traditions, artwork, historical and cultural context, as well as delving into the original texts (and using English translations) with their accompanying music using visual and listening examples, we will attempt to bring these old songs to life, making them more meaningful and comprehensible to our modern eyes and ears. We will also touch upon aspects of medievalism and modern performance practice of medieval vernacular song repertoire.

This class will be taught in English. There are no other language requirements, but a minimal knowledge of French, Spanish (and/or Portuguese), German, and Latin is certainly helpful, but by NO means a prerequisite ( there will always be English translations available of all lyrics). This course will also include musical examples, but literacy in reading music is also NOT a prerequisite.

Class requirements include a short oral presentation and class participation. Any students whose course requirements include a written paper may extend their oral presentation into an appropriate written version after consulting the lecturer.

 

 

 

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