Humboldt-Universität zu Berlin - Geschichte des Mittelalters in vergleichender Perspektive. Schwerpunkt: Früh- und Hochmittelalter

Sommersemester 2022

Die Lehre findet in digitalen Veranstaltungsformaten und in Präsenz statt!

 

Prof. Dr. Barbara Schlieben

Dr. Philipp Winterhager

PD Dr. Tillmann Lohse

 

 

Prof. Dr. Barbara Schlieben

Zukunft vorhersagen und planen im Frühmittelalter

Proseminar

Mo. 14-16 Uhr (FRS 191, R. 4031) - AGNES

Die Fragen, welche Vorstellungen sich Menschen von der Zukunft machen, auf welche Weise sie sie voraussagen und wie sie planen, werden derzeit epochenübergreifend in den Geschichtswissenschaften diskutiert. Diese Debatten stehen am Anfang des Seminars, in dem die traditionelle Gegenüberstellung von moderner Prognose und mittelalterlicher Prophetie, von rational begründeten Vorhersagen und apokalyptischen Schreckensszenarien hinterfragt werden soll.
Ziel ist es, auf Grundlage von Urkunden, Visionsberichten, Geschichtsschreibung, medizinischen Traktaten, theologischen Abhandlungen und Handschriftenilluminationen ein vielfältiges Panorama unterschiedlicher ,Zukünfte‘ im Frühmittelalter zu erarbeiten. Zugleich sollen im Proseminar die Basiskompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens – argumentieren, konzipieren, Fragestellungen entwerfen – in schreibpraktischen Übungen und semesterbegleitend vertieft werden.

 
Teilen: Praktiken des Wirtschaftens im Frühmittelalter

Proseminar

Di. 10-12 Uhr (FRS 191, R. 5008) - AGNES

Im Lichte des Klimawandels, knapper Ressourcen und sozialer Ungleichheit verlieren die Erzählung vom Fortschritt und von unbegrenztem Wirtschaftswachstum (Kategorien der klassischen Moderne) zunehmend an Plausibilität. Der Blick ins Mittelalter, ins Frühe zumal, kann dafür sensibilisieren, dass viele und höchst unterschiedliche Praktiken des Wirtschaftens nebeneinander bestehen konnten, keine Wirtschaftsform mithin alternativlos ist.
Im Seminar diskutieren wir Praktiken des Teilens, wie sie die sogenannte „Grundherrschaft“, die Almende, die Klosterwirtschaft oder genossenschaftliche Zusammenschlüsse auf je unterschiedliche Art und Weise auszeichneten. Diese Praktiken konnten zu großem Reichtum führen; zugleich schufen sie vielfältige Abhängigkeiten.
Ziel des Proseminars ist es, auf Grundlage der gemeinsamen Lektüre von Urkunden, von Chroniken und Wunderberichten ein vielfältiges Panorama unterschiedlicher Formen des Wirtschaftens im Frühmittelalter zu erarbeiten. Zugleich sollen seminarbegleitend in schreibpraktischen Übungen die Kompetenzen wissenschaftlichen Arbeitens – Argumentieren, Konzipieren, Fragestellungen entwerfen – vertieft werden.

 

Grenzen des Sozialen im Mittelalter: Geschichts- und Bildwissenschaftliche Perspektiven (gemeinsam mit Prof. Dr. Kathrin Müller)

Masterseminar

Di. 16-18 Uhr (Georgenstr. 47, R. 3.30) - AGNES

Derzeit verschwimmen die Grenzen des Sozialen: Biolog*innen und Ethnolog*innen attestieren Pflanzen und Tieren Kommunikations-, Reflexions- und Entscheidungskompetenzen, die bislang dem Menschen vorbehalten waren. Technische Entwicklungen lassen künstliche Intelligenz auf (über-)menschlichem Niveau und damit die Kommunikation von Menschen mit diesen nicht-menschlichen Akteuren immer realistischer erscheinen, und die zunehmende Interaktion mit Robotern provoziert die Frage, wer warum als sozialer Akteur gelten kann. Vor diesem Hintergrund erscheint die Moderne, in der ausschließlich lebende Menschen als soziale Akteure gelten (und nicht etwa auch göttliche Wesen und Dämonen, Pflanzen, Tiere und Bildwerke), zunehmend als Sonderfall, nicht als der Normalfall. Entsprechend darf dieser Sonderfall weder für unsere eigene Gegenwart noch für alle früheren Epochen vorausgesetzt werden. Soziolog*innen fordern daher derzeit, das Problem der Grenzen des Sozialen auf neue Weise zu historisieren. So legitim uns diese Forderung erscheint, sie ist bislang kaum empirisch hinterlegt.
Ziel des Seminars ist es, im interdisziplinären Dialog zwischen Bildgeschichte und Geschichte die Vielfalt sozialer Beziehungen zwischen Menschen und Nicht-Menschen im Mittelalter zu entfalten: In der Vormoderne kommunizierten Menschen mit Pflanzen und Tieren, mit Werkzeugen und Bildwerken, mit Geistern und Göttern. Sie machten sie zu Adressaten und damit zu ihrem sozialen Gegenüber, zu Akteuren. Man führte Prozesse gegen Tiere und Gegenstände, sprach mit Geistern und Wiedergängern, mit Hexen, Gott und dem Teufel. Es wurde diskutiert, ob Pflanzen eine Seele besitzen und Werkzeugen und Bildwerken schrieb man Kommunikationsfähigkeiten zu. Umgekehrt stellte sich im Hinblick auf Juden und Muslime, indigene Bevölkerungen und Sklaven, Bauern und Diener immer wieder die Frage, inwieweit Kommunikation mit ihnen, und nicht nur über sie, möglich sei.
Gemeinsam wollen wir untersuchen, wie unter jeweils welchen historisch spezifischen Bedingungen mit Nicht-Menschen kommuniziert wurde. Damit schließen wir an Überlegungen an, wie sie derzeit auch im Rahmen der human-animal studies oder des material turn diskutiert werden. Doch fokussieren wir nicht auf Beziehungen zwischen Menschen und einer Gattung von Nicht-Menschen, sondern interessieren uns für die Pluralität der Kommunikationen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren sowie für deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Auf diese Weise wollen wir das Soziale und seine Grenzen neu vermessen.

 

Forschungsseminar

Forschungsseminar

Mi. 10-12 Uhr (FRS 191, R. 5008) - AGNES

Das Forschungsseminar dient dazu, Sie auf Ihre Abschlussarbeiten im Bereich der mittelalterlichen Geschichte vorzubereiten, den Schreibprozess zu reflektieren und zu erleichtern.
Es geht in dem Seminar darum, eine Fragestellung zu entwickeln bzw. darum, diese zu präzisieren, um die Systematisierung der Forschungsliteratur, um die Einordnung des Themas in größere Forschungszusammenhänge, um Techniken, unterschiedliche Forschungsansätze aufeinander zu beziehen, um das Schärfen des Blicks für die Spezifika der zu bearbeitenden Quellen, um Strategien zur Bewältigung des Schreibprozesses. Kurzum: Das Forschungsseminar möchte Sie von den ersten Ideen bis zur Fertigstellung der Forschungsarbeit begleiten; die Forschungsarbeit soll dann ihrerseits die Grundlage als Grundlage für die Masterarbeit dienen.
Voraussetzt wird die Bereitschaft, neben der für Ihre eigene Arbeit relevanten Forschungsliteratur und den Quellen auch unterschiedliche Textfassungen Ihrer Kommilitonen zu lesen und zu Schreibimpulsen spontan in den Sitzungen zu schreiben. Weil es in diesem Seminar auch darum geht, den Schreibprozess so effizient und vergnüglich wie möglich zu gestalten, steht das aktive Schreiben im Mittelpunkt einiger Sitzungen.

 

Forschungskolloquium zur mittelalterlichen Geschichte (gemeinsam mit PD Dr. Andreas Büttner)

 

Mo. 18-20 Uhr (FRS 191, R. 4031) - AGNES

Das Kolloquium dient der Diskussion aktueller Forschungsprojekte aus dem Bereich der mittelalterlichen Geschichte; zudem werden Neuerscheinungen besprochen. Fortgeschrittene Bachelorstudierende sind ebenso willkommen wie Masterkandidaten und Doktoranden. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Programm

 

Dr. Philipp Winterhager

Das Reich Ottos I. und seine europäischen Nachbarn

Proseminar

Do. 14-16 Uhr (ab 16.06.2022) und Fr. 10-12 Uhr (ab 17.06.2022)
MO 40/41, R. 114 - AGNES

Otto I. (936–973), der lange als Schlüsselfigur der deutschen Geschichte galt, wird mittlerweile als europäischer Herrscher aufgefasst. Im Seminar wollen wir im Wechsel Forschungsliteratur und zeitgenössische Quellen lesen und so die Auseinandersetzung des ottonischen Reichs mit seinen Nachbarn im Westen, Norden, Osten und Süden kennenlernen. Dabei erarbeiten wir uns verschiedenen Modi von Nachbarschaftverhältnissen, fragen nach der europäischen Prägung des ostfränkischen, vermeintlich „deutschen“ Reichs und lernen zugleich das 10. Jahrhundert als Epoche der europäischen Geschichte kennen.
Das Seminar findet ab Mitte Juni als Blockveranstaltung mit Donnerstags- und Freitagsterminen statt. Nach der Anmeldung über Agnes erhalten Sie Zugang zum Moodle-Kurs mit allen Texten für das Semester. Voraussetzung zum erfolgreichen Absolvieren des Seminars sind die regelmäßige Anwesenheit donnerstags und freitags, die Übernahme einer Textvorstellung (in Zweiergruppen) und die angeleitete Vorbereitung auf die Hausarbeit während des Semesters.

 

PD Dr. Tillmann Lohse

Paläographie und Paläotypie - eine strategische Einführung

Übung

Di. 14-16 Uhr (digital) - AGNES

Die Fähigkeit, alte Schriften lesen zu können, gehört für Historiker*innen zum grundlegenden Handwerkszeug. Denn nur wer alte Schriften lesen kann, ist in der Lage, Schriftquellen im Original zu studieren. Um diese Kompetenz zu erwerben, kann man sich einen systematisch-genetischen Überblick über die abendländische Schriftgeschichte verschaffen. Oder man entwickelt Lösungsstrategien für typische Hürden des Entzifferns (unbekannte Glyphen, Ligaturen, Abbreviaturen). Im Rahmen der Übung wird der zweite Ansatz verfolgt. Geübt wird anhand von Schriftstücken aus dem 11. bis 16. Jahrhundert. Neben dem bloßen Entziffern, geht es immer auch um den Inhalt der Texte, die in einem Zusammenhang stehen, der von den Teilnehmenden sukzessive erschlossen werden muss. Lateinkenntnisse sind von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Die LV findet digital statt.

 

 

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