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Humboldt-Universität zu Berlin - Alte Geschichte

Der Briefwechsel zwischen Eduard Meyer und Richard Pietschmann (1874-1921)

Unter Mitwirkung von S. Grunert bearbeitet von G. Audring
Vorbemerkung
 

Die vorliegende Transkription des Briefwechsels zwischen Eduard Meyer und Richard Pietschmann stellt einen weiteren Arbeitsschritt des DFG-Projekts „Aufbereitung wichtiger Briefbestände aus dem Nachlass Eduard Meyer“ dar; das Projekt geht zurück auf einen Antrag von Prof. Dr. Wilfried Nippel (Humboldt-Universität zu Berlin, Institut für Geschichtswissenschaften, Lehrstuhl Alte Geschichte).

Das Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, in dem der Hauptteil des Nachlasses von Eduard Meyer aufbewahrt wird, die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz, die einen Teilnachlaß von Ed. Meyer besitzt, und die Abteilung für Handschriften und seltene Drucke der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen, Betreuerin des Nachlasses von Richard Pietschmann, erteilten die Publikationsgenehmigung und gaben jede erdenkliche Unterstützung. Chr. Hoffmann (Bergen) stellte die in seinem Besitz befindlichen Kopien von Briefen Meyers an Pietschmann freundlicherweise zur Verfügung.

Der Bearbeiter ist mehreren Kollegen zu Dank für ihre freundliche und bereitwillige Hilfe bei der Ausarbeitung des Manuskripts verpflichtet. Allen voran steht - und ist daher auch ausdrücklich im Titel als Mitwirkender gewürdigt - S. Grunert (Berlin, wie alle nachfolgend Genannten), der die zahlreichen Stellen bzw. Passagen mit Hieroglyphentext aus Kopien der Originale in den vorliegenden Text eintrug und die gesamte Transkription abschließend mitlas. Daß sich S. Grunert (wie schon bei der Transkription des Briefwechsels zwischen Georg Ebers und Eduard Meyer) dabei jeden Kommentars aus der Sicht der heutigen Ägyptologie enthielt, gebot die Achtung vor den Leistungen der Vorgänger in seinem Fach.

In freier Mitarbeit hat sich stud. phil. S. Winkelmann der hebräischen und syrischen Stellen angenommen. Y. Sabek leistete erneut freundliche Hilfe bei der Erfassung der arabischen Stellen.

Bei der Klärung einzelner Probleme halfen K. Hallof, R. Heinrich, P. Zieme, W. Sundermann und W. F. Reineke. Danken möchte der Herausgeber auch den studd. phil. D. Bahr, F. Baumeister, H. Blechschmidt, K. Gruihn, J. Herter, D. Schlaak und K. Wannack, die Werktitel identifizierten, Literatur beschafften, im Internet recherchierten bzw. bei der EDV-gerechten Aufbereitung der Texte mitwirkten.

Was die Frequenz des Briefwechsels betrifft, so möge der Leser beachten, daß Meyer und Pietschmann vom Herbst 1885 bis ins Jahr 1887 hinein (allerdings unterbrochen von Abkommandierungen Pietschmanns nach Marburg und Berlin) Breslauer Kollegen waren. In den Jahren 1899, 1903, 1907-1908, 1910-1911, 1913 und 1917-1920 scheinen keine Briefe gewechselt worden zu sein; zumindest sind Schreiben aus dieser Zeit bisher nicht aufgetaucht. Aus Meyers Nachlaß im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (Verzeichnungseinheit 269) geht hervor, daß beide vom 14. bis 20. August 1908 am 15. Internationalen Orientalistenkongreß in Kopenhagen teilgenommen haben; dies mag eine der Lücken im Briefwechsel erklären. Die Postkarte vom 20.04.1897 ist wahrscheinlich das letzte Schreiben Meyers an Pietschmann, das sich erhalten hat; fortan spricht nur noch Pietschmann zu uns.

Was die technische Seite der Transkription betrifft, so wurden Orthographie und Zeichensetzung der Originale möglichst beibehalten. So erklären sich auch Sätze, die ohne Punkt enden, fehlende Klammern oder auch Zitate mit unvollständigen Anführungszeichen. Meyer und Pietschmann schreiben tatsächlich „Gemalin“ und „Gemahlin“ oder „müßte“ neben „müsste“ usw. Namentlich bei Meyers Texten war nicht immer klar, ob Wörter getrennt oder zusammengeschrieben sind; dagegen wird der Leser in Pietschmanns Briefen auf eindeutige Zusammenschreibung treffen, z. B. in „bisjetzt“, „biszu“, „sogut“, „einwenig“, „sodoch“, „imganzen“ usw.; selbst „ander“ für „an der“ findet sich bei ihm.

Erneut ließ sich an Meyers Texten nicht immer entscheiden, ob „gern“ oder „gerne“, „sehn“ oder „sehen“ gemeint war.

Pietschmanns „misfällt“, „Mistrauen“, „Du weist“ und „liesst“ für heute übliches „liest“ blieb bewahrt. Das ß in „daß“ scheint sich bei Pietschmann in den in lateinischer Schrift ausgefertigten Briefen erst im Jahre 1879 allmählich durchzusetzen; wo nicht ganz klar war, ob ß oder ss dasteht, wurde bis dahin ss bevorzugt.

In dem in lateinischer Schrift verfaßten Brief Meyers vom 01.10.1879 ist „Paar“ eindeutig groß geschrieben; auch bei Pietschmann taucht das Wort in dieser Form auf.

Pietschmann hat öfter „wol“ für „wohl“, ja er bringt es am 29.12.1882 sogar fertig zu schreiben: „obwol ich sehr unwohl war“.

Die Schreibweise „Original-material“ ist keineswegs Rest inkonsequenter Silbentrennung am Computer.

Sofern die Briefschreiber nicht selbst einen Punkt hinter abgekürzte Wörter setzten (wie z. B. bei „Hambg.“ im Brief Meyers vom 12.09.1874), wurden die häufigen Meyerschen Abbreviaturen, die für oft gehetztes Briefschreiben sprechen, aufgelöst, um eine bessere Lesbarkeit der Texte zu erzielen: aus „Identificirg“, „Relgeschichte“, „Kg“ wurden „Identificirung“, Religionsgeschichte“, „König“ usw. Das geschah stillschweigend, weil Meyer die für Ergänzungen von Bearbeiterhand eingebürgerten eckigen Klammern selbst gern alternativ zu runden benutzt; statt dessen auf unschöne geschweifte Klammern zurückzugreifen konnte sich der Unterzeichnete nicht entschließen.

Schrieben Meyer oder Pietschmann einen Eigennamen versehentlich falsch (in einem Falle betraf das auch den Landesnamen „Irrland“), bzw. erscheint eine Person nicht ausdrücklich genannt, wie etwa U. von Wilamowitz-Moellendorff, der in einem Brief Pietschmanns vom 27.03.1881 als „der schnodderige Junker, Mommsen’s Schwiegersohn“ auftaucht, so folgt der Name korrekt geschrieben (und im Nominativ) bzw. wird die Person mit ihrem Namen bezeichnet. Das mag manchem den Lesespaß verderben, ist aber für eine erfolgreiche Benutzung der Suchfunktion unerläßlich.

Die Transkription vereinfacht notgedrungen, etwa im Falle des von Meyer am 09.08.1882 skizzierten Plans für den ersten Band der „Geschichte des Altertums“; ein Einscannen der Vorlage schien hier nicht notwendig. In diesem Sinne wurde auch der Abkürzungsstrich nicht nachgeahmt, den beide Korrespondenzpartner, wenn auch sehr selten, über n oder m setzen, auch nicht der Kustos, der sich in den Briefen Pietschmanns häufig findet. Ebenso sind alle Briefschlüsse ohne die Abstufungen der Originale wiedergegeben.

Beide Korrespondenzpartner schreiben Griechisch in der Eile mitunter ohne Akzente usw.; ein besserwisserisches „sic, Hg.“ verbot sich in diesen Fällen von selbst.

Mehrere der Pietschmann-Autographen weisen Lochungen auf. Ließen sich die so entstandenen Textlücken problemlos ergänzen, geschah das stillschweigend. Wo Varianten möglich schienen, findet sich ein Hinweis des Herausgebers.

Offenkundig versehentliche Auslassungen oder Fehler wurden, um die Lesbarkeit zu fördern, korrigiert; sie sind aber stets in den zusätzlichen Bemerkungen ausgewiesen worden.

Dagegen blieben mißratene Satzkonstruktionen stehen, weil sie die Situation in unnachahmlicher Weise illustrieren; als Beipiele von Meyers Hand seien nur der vierte Satz im Brief vom 06.03.1879 und der dritte Satz im Brief vom 23.12.1880 genannt.

G. Audring

Berlin, im Mai 2003


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