Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼

Humboldt-Universität zu Berlin - Alte Geschichte

Die Korrespondenz zwischen Eduard Meyer und seiner Gattin (1882 [?] - 1929)

Vorbemerkung

Hiermit werden die mehr als 600 Briefe und Postkarten vorgelegt, die sich von der Korrespondenz zwischen Eduard Meyer und seiner Verlobten und Gattin Rosine Meyer, geb. Freymond, bisher ermitteln ließen.
Das Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, das etwas mehr als 200 Briefe und Postkarten dieser Korrespondenz aufbewahrt, und die Handschriftenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin - Preussischer Kulturbesitz, in deren Besitz sich knapp 400 der hier edierten Stücke befinden, erteilten die Publikationsgenehmigung und gaben jede erdenkliche Unterstützung.
Der Bearbeiter dankt den studd. phil. Frank Baumeister, Katja Wannack, Kerstin Gruihn und Stefanie Uibel für technische bzw. Recherche-Hilfe und Laurenz Demps für Auskünfte zu Berliner Örtlichkeiten. Zur technischen Seite der Edition sei nur dies bemerkt:
Weil Rosine Meyer die deutsche Kurrentschrift nicht beherrschte, auch nicht in Ed. Meyers gemilderter Form, benutzte ihr Verlobter bzw. Gatte in den Schreiben an sie die lateinische Schrift. Beide Partner schreiben einander häufig synchron; daher war zu entscheiden, in welcher Abfolge die Briefe hier dargeboten werden, doch lag es bei diesem DFG-Projekt nahe, Eduard Meyer den Vortritt zu lassen. Bei Briefen, die über mehrere Tage hin entstanden, war der Abschlußtermin in der Regel ausschlaggebend für die Einreihung.
Orthographische Eigenheiten (z. B. Meyers "Kaffe"; "Paar" gleichbedeutend mit unserem "paar"), gewisse Versehen ("Fontana della Treve") und die Zeichensetzung der Originale blieben durchweg erhalten. So erklären sich auch Einschübe mit nur einer Klammer und Sätze, die ohne Punkt enden. Jedoch wurden Abkürzungen wie "Hbg" für "Hamburg" usw. aufgelöst. Mitunter gerät Meyer aus der Konstruktion; in solchen Fällen wurde etwa ein passendes Verb eingefügt und der originale Wortlaut in den "zusätzlichen Bemerkungen" zu dem betreffenden Schreiben angegeben; dies trifft sinngemäß auch für fehlende ä-, ö- und ü-Striche u. ä. zu. Streichungen im Original sind nur dort reproduziert worden, wo sie in irgendeiner Weise aufschlussreich erschienen. Bei Ed. Meyers Texten ist nicht immer klar, ob Worttrennung oder -zusammenschreibung vorliegt; hier hatte man sich jeweils nach dem optischen Eindruck zu entscheiden. Dasselbe gilt für "Heute Morgen" neben "Heute morgen" u. ä.
Alle Briefschlüsse sind vereinfacht, ohne die Abstufungen der Originale, reproduziert. Bei den Schreiben von der Hand Rosine Freymonds/Meyers half im Grunde genommen nur möglichst exakte Wiedergabe des Originals ("möglichst exakte" deshalb, weil die Schreiberin so manche heikle Kasusendung diplomatisch in einen langen Strich auslaufen läßt). Denn sie stammte aus der Westschweiz; ihre Muttersprache war das Französische, und in ihrer Heimat hatte sie nur unzureichenden Deutschunterricht genossen (vgl. den Brief Ed. Meyers an R. Freymond vom 10. bis 11.03.1884). Als sie dann nach Deutschland kam, musste sie ausgerechnet in Leipzig - offensichtlich nicht systematisch, sondern größtenteils nach dem Gehör (s. "ambropirt" für "anprobirt") - ihre deutschen Sprachkenntnisse vervollkommnen. So enthalten diese Briefe und Postkarten zahlreiche Fehler - die es aber vollauf verdienen, bewahrt zu werden, denn sie haben nicht nur Ed. Meyer entzückt, sondern besitzen auch für den heutigen Leser, wenn er nur langsam genug vorgeht, um sie alle zu entdecken, großen Reiz. Allerdings ist sich der Bearbeiter auch nach doppelter (oder wie in Fällen von "uberhäupt" mehrfacher) Nachprüfung nicht sicher, ob er alle Fehler richtig aufgenommen hat. Bei der großzügigen, oft auch flüchtigen Schreibweise Rosine Meyers hätte es auch wenig Sinn gehabt, in Worten wie "kommst", die man häufig auch gut und gern als "komnst" lesen kann, die Häkchen peinlich zu zählen; in solchen Fällen wird die korrekte Schreibweise geboten - wie generell in Zweifelsfällen zugunsten der Schreiberin entschieden, auch einmal ein "wir" zu "wird" oder ein fehlerhaftes "mit" anstelle von "mich" im Interesse der besseren Lesbarkeit stillschweigend korrigiert wurde. Wo allerdings doppeltes m wie besonders in "bekamm" klar zu erkennen war, blieb es stehen.
Es hätte ferner den Lesefluß sehr gestört, hinter alle fehlerhaften oder unorthodox abgekürzten Personennamen (z. B. Preatorius statt Praetorius; Pitsmann und Piets. für Pietschmann) sowie hinter die gleichfalls oft schwer betroffenen geographischen Bezeichnungen in Rosine Meyers Briefen die korrekte Schreibung in eckigen Klammern zu bieten (wie das aber bei den von Ed. Meyer ausgegangenen Schreiben geschieht, um die Suche am Computer zu erleichtern).
Der Kustos und der Abkürzungsstrich für Doppelkonsonanten, beide von Rosine Meyer gelegentlich verwendet, wurden hier nicht nachgeahmt. Erwähnenswert ist noch eine ihrer Eigenarten: sie schreibt oft statt des satzabschließenden Punkts eine Art von Komma; dass der Punkt gemeint ist, zeigt sich am Großbuchstaben, mit dem das nachfolgende Wort beginnt. Endet der Satz am Rande des Blattes, so verzichtet die Schreiberin meist auf den Punkt (wie auch gern auf die Trennungsstriche); in der Computerversion geht dies selten auf.
Bei der Transkription wurden die Abschriften der Briefe und Postkarten von Ed. Meyers Italien- und Griechenlandreisen in den Jahren 1884 und 1887/88 konsultiert, die offenbar Meyers Schwester Antonie ("Toni") angefertigt hat und die im Archiv der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Nachlaß Ed. Meyer, Verzeichnungseinheit 214, erhalten sind. Sie bieten zur Entzifferung schwieriger Stellen zwar gelegentlich eine nützliche Vergleichsmöglichkeit, sind aber unvollständig, manchmal geglättet, um ausgelassene Stellen zu kaschieren und - namentlich bei aus Sicht der Abschreiberin heiklen oder zu intimen Stellen - oft nicht textgetreu. Mitunter sind zwei Postkarten zu einer zusammengezogen. Auch wird ein Treffen Meyers mit Adolf Holm in Rom 1887 - anders als ihre Zusammenkünfte in Neapel - als belanglos übergangen.

G. Audring
Berlin, im November 2003

Der Bestand nach Jahrgängen sortiert im PDF-Format