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Humboldt-Universität zu Berlin - Forschung und Projekte

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Die Erklärung des Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Meyer am 7.7.1998 zur Aberkennung akademischer Titel im Wortlaut

I.

"Ich erkläre für die Humboldt-Universität zu Berlin, daß die Aberkennung des Doktorgrades der nachfolgend aufgeführten Personen während der Herrschaft des
Nationalsozialismus wegen Sittenwidrigkeit nichtig ist und daher von Anfang an ungültig war. Eine wissenschaftliche Leistung hat weder mit der Staatsangehörigkeit einer Person zu tun, noch mit einer 'Rassenzugehörigkeit' oder einer politischen Einstellung. Die Entscheidungen waren grob willkürlich und menschenverachtend."

Die insgesamt kriegsbedingt lückenhaften Akten des Universitätsarchives weisen folgende Personen aus, für die dies mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zutrifft:

Hans-Israel Abelsohn
Rudolf Arnheim
Salomon Aron
Wilhelm Bernbblum
Felix Bobek
Moritz Borchardt
Karl Brandt
Hildburg Braun, geb. Weber
Kurt Eichwald
Georg Eliasberg
Ernst Falk
Martin Götz
Erich Graetz
Kurt Hädrich
Arnold Hahn
Ernst Hamburger
Fritz Kraal Happ
William Herz
Alexander Herzberg
Franz Hildebrandt
Arthur Hirschfeld
Richard Jacoby
Hilde Levi
Kurt Lewinsohn
Fritz Loewe
Heinrich Loewe
Ludwig Marcuse
Richard Meinecke
Alice Meinhard, geb. Wolff
Stefan Meisel
Fritz Milkowski
Hermann Müntz
Ernst Simon Neimann
Ludwig Oppenheimer
Hermann Rauschning (1955 rehabilitiert)
Konstantin Reichardt
Fritz Rosenthal
Alice Salomon (1997 rehabilitiert)
Werner Salomon
Bernhard Samter
Alfred Samuel
Friedhelm Scheer (1946 rehabilitiert)
Alfred Schindler
Ernst Schwarz
Franz Seligsohn
Walter Sittner
Fritz Sonthof
Erwin Stankow
Konrad Stenger
Georg Strauß
Fritz Wachsner
Lilli Wagner, gesch. Herzberg
Gotthold Weil

Aufgrund der lückenhaften Aktenlage ist zu vermuten, daß weiteren Personen Doktorgrade unrechtmäßig entzogen wurden. Die oben aufgeführte Erklärung schließt diesen Personenkreis mit ein.

 
II.

"Ich erkläre für die Humboldt-Universität zu Berlin, daß die Aberkennung akademischer Titel aus der Zeit vom 8. Mai 1945 bis zum 2. Oktober 1990 wegen 'Verrats der DDR', 'illegalen Verlassens der DDR' oder wegen einer als 'feindlich' eingestuften politischen
Betätigung ebenfalls sittenwidrig und daher nichtig ist."

Soweit die bisher aufgefunden Unterlagen dies erkennen lassen, sind hiervon folgende Personen betroffen:

Dieter Bär (1992 rehabilitiert)
Manfred Böhm
Harald Brost
Herr Buschmann (unbekannter Vorname)
Armin Göllner
Winfried Haase
Manfred Herrmann
Rolf Herrmann
Jürgen Jage
Ludwart Jahn
Christine Karrer
Klaus Leciejewski
Hasso Meinert (oder Meinhardt?)
Michael Michalik
Helmut Nespital
Gerd Otto
Hans-Henning Otto
Christiane Pankow (1992 rehabilitiert)
Eberhard Reißner
Bernhard Rodenbeck
Werner Rossade
Susanne Schwarz
Paul Scigalla
Rainer Sinz
Brigitte Vesper
Ekkehard Wiesner
Rolf Zimmermann (September 1990 rehabilitiert)

Aufgrund der lückenhaften Aktenlage kann nicht ausgeschlossen werden, daß weiteren Personen akademische Titel unrechtmäßig entzogen wurden. Die oben aufgefiihrte Erklärung schließt diesen Personenkreis mit ein.

 
III.

Die Erklärung stützt sich auf § 44 Absatz 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG), wonach die Behörde die Nichtigkeit eines Verwaltungsaktes festellen kann, die den Verwaltungsakt erlassen hat.